Chapter 1
Section 1
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Zeller L
Gottfried Keller's
Gejammelte Werfe.
2
Erſter Band.
Berlin.
Berlag von Wilhelm Herp. Gefferſche Budihanblung.) 1892. |;
Herınc .. gx. e. (Cet.
Der grüne Heinrich.
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von
Gottfried Keller. ya
Berlin,
Berlag von Wilhelm Herg. (Befierfge Bugpandlung.) 1892. .
7
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Buhdruderel von Guftad debe (Otto Grande) im Berlin N.
Inhalt Des erfien Bandes.
Erftes Kapitel. fob des Herfommen! . . TE
Zweites Kapitel. Bater und Mutter . . . rn
Drittes Kapitel. Kindheit. Erſte Theologie. Schulbanklein
Viertes Kapitel. Lob Gottes unb ber Mutter. Bom Beten
Fünftes Kapitel. Das Meretlein ne Sechſtes Kapitel.
Weiteres vom lieben Gott. $yrau Margret und ihre Leute .
Giebente8 Kapitel. Hortfegung ber Yrau Margret . . Achtes Kapitel. Kindevwerbreben .. - : 2 2 20. Neuntes Kapitel. Schuldämmeun . . e. Zehntes Kapitel. Das fpielende Kind e.
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Elftes Kapitel. Theatergefhichten. Gretchen unb ble SReerfape . . . . . . Bmwölftes Kapitel. Die Leferfamilie. Lügenzelt |... ll Dreizehntes Kapitel. Baffenfrühling. Frühes Serjjuben - 2.222...
Bierzehnted Kapitel. Prahler, Schulden, Philifter unter ben Kindern . . . .
Sünfzehntes Kapitel. Sieden in ber Stille. Der erfte Widerſacher unb fein Untergang
Sechzehntes Kapitel. 4 Ungefhicte Lehrer, ſchlimme Schüler... 2». 22...
Giebzehntes Kapitel. Flucht zur Mutter atu... onen
Achtzehntes Kapitel.
Die Sippfhaft ........ lll Neunzehntes Kapitel.
Neues Lebennn. Bwanzigftes Kapitel.
Berufsahnungenn.. —
Einundzwanzigſtes Kapitel. Sonntagsibylle. Der Schulmeiſter unb fein Kind . . . . .
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Inhalt des zweiten Bandes,
Crfte8 Kapitel. Berufswahl. Die Mutter unb bie Ratgeber .
Zweites Kapitel. Sub) und Anna . . . 2 2 2 2 2 0.
Sopnenromaqne . . . » 2 2 2 2 nn Biertes Kapitel. Zotentanz . . MEDI
Fünftes Kapitel. Beginn ber Arbeit. Haberfaat unb feine Schule
Shwindelhabr . . . . . . 0.4
Giebente8 Kapitel. Hortfegung be8 Schwinbelhabers . ' Achtes Kapitel. Biederum Frühling e. s Neuntes Kapitel. Der Bhllofophen- unb Mäbdhentrieg .
Zehntes Kapitel. Zas Gericht in der Laube . . . 2. 2...
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Elftes Kapitel.
Die Glaubensmühen . . 4 Bwölftes Kapitel.
Das Konfirmationgfeft es
Dreizehntes Kapitel. Das Faſtnachtsſpiel REM
Bierzehntes Kapitel.
Drill... 200er " Fünfzehntes Kapitel. Tiſchgeſpraͤche . . m Sechzehntes Kapitel. Abendlandfhaft. Bertha von Brunel .
Die barınherzigen Brüder
Subitb .
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Siebzehntes Kapitel.
Achtzehntes Kapitel.
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Erſter Band,
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Erſtes Kapitel. Lob bes Berkommens.
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Mein Vater war ein Bauernſohn aus einem uralten Dorfe, welches feinen Ramen von bem Alemannen erhalten bat, der zur Seit ber Landteilung feinen Spieß dort in bie Erbe fted'te unb einen Hof baute. Nachdem im Berlauf ber Jahrhunderte Das namengebende Gefchleht im Volke verihwunden, machte ein Lehenmann den Sorfnamen zu feinem Titel und baute ein Schloß, von dem niemand mehr weiß, wo es geitanben bat; ebenjo wenig ift bekannt, menn ber legte „Eble” jenes Stammes geitorben iff. Aber das Dorf ſteht nod) ba, feelenreih unb belebter als je, während ein paar Dutzend Zunamen unverändert geblieben und für bie zahlreichen, weitläufigen Geſchlechter fort und fort ausreichen müffen. Der Tleine Gottesader, mwelder Ah rings an bie tro ihres Alters immer weiß gepußte Kirche legt unb niemals erweitert morben ijt, bejtebt in feiner Erde budjitáblid) aus ben aufgelöften Gebeinen ber vorübergegangenen Geſchlechter; es ijt unmöglich, dab bis zur Tiefe von zehn Fuß ein Körnlein fe, welches nicht feine Wanderung burdj ben menſchlichen Organismus gemacht und einft bie übrige Erde mit umgraben geholfen Bat. Doch id) übertreibe unb vergeſſe
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bie vier Tannenbretter, welche jedesmal mit in bie Erde fommen unb den ebenfo alten Rieſengeſchlechtern auf den grünen Bergen rings entjtammen; idj vergefje ferner die derbe ebrlidje Lein- wand ber Grabhemden, melde auf diefen Yluren mud, ge ſponnen unb gebleidjt wurde, unb aljo fo gut zur Familie gehört, mie jene Tannenbretter, und nicht binbert, daß bie Erde unferes Kirchhofes fo ſchön kühl und ſchwarz fei, als irgend eine. Es wächſt aud) ba8 grünfte Gras darauf, und bie Roſen nebít dem Jasmin wudjern in göttlicher Unordnung unb lleberfülle, fo daß nicht einzelne Stäublein auf ein frifches Grab gelegt, fondern ba8 Grab muß in ben Blumenwald bineingehauen werden, und nur ber Zotengtüber Tennt genau die Grenze in diefem Wirrfal, mo das frifh umzugrabende Gebiet anfängt.
Das Dorf zählt faum zweitaufend Bewohner, von meldjen je ein paar hundert den gleichen Namen führen; aber höchſtens zwanzig bis dreißig von dieſen pflegen fid) Better zu nennen, weil die Erinnerungen felten bis zum Urgroßvater hinauffteigen. Aus ber unergrünbliden Tiefe der Zeiten an ba8 Tageslicht geitiegen, fonnen fid) diefe Menfchen darin, fo gut e$ geben will, rühren fid) und mehren fid) ihrer Haut, um wohl oder wehe wieder im der Dunkelheit zu verſchwinden, wenn ihre Seit gefommer ijt. Wenn fie ihre Naſen in bie Hand nehmen, fo find fie fattiam überzeugt, daß fie eine ununterbrodhene Neihe von zwei und dreißig Ahnen befigen müſſen, und anitatt dem natürliden Zufammenhange derfelben nachzuſpüren, find fie vielmehr bemüht, bie Kette ihrerfeit3 nicht ausgehen zu lajjen. So fommt e$, daß fie alle móogliden Sagen und wunderlichen Geſchichten ihrer Gegend mit ber größten Genauig- feit. erzählen fonnen, ohne zu wilfen, wie e8 gugegangen ijt, daB der Großvater die Großmutter nahm. Alle Tugenden glaubt jeder felbjt zu befigen, wenigſtens diejenigen, welche nad)
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feiner Lebensweiſe für ibn mirllide Tugenden find, unb mas bie Miffethaten betrifft, jo Hat ber Bauer fo gut Urfadhe, wie ber Herr, bie feiner Bäter in Bergeffenheit begraben zu wünjchen; denn er ijt zumeilen troß feines Hochmutes aud) nur ein Menſch.
Ein großes rundes Gebiet von Feld und Wald bildet ein reiches unvermüjtlihe8 Vermögen ber Bewohner. Diefer Reichtum blieb fid) von jeher fo ziemlich gleid); menn aud) bie und ba eine Braut einen Zeil verfchleppt, fo unternehmen bie jungen Burſche dafür Häufige Raubzüge bis auf adt Stun- den weit und forgen für hinlänglichen Grjag, fo wie dafür, daß bie Gemütsanlagen und Törperliden Phyſiognomien der Gemeinde die gehörige Mannigfaltigfeit bewahren, und fie entwideln hierin eine tiefere und gelehrtere Einfiht für ein frifhes Forigedeihen, al8 mande reidje Patrizier- ober Handel3- jtadt und als bie europäiſchen Yürftengefchlechter.
Die Einteilung des Beſitzes aber verändert fid) von Jahr zu Jahr ein wenig und mit jedem halben Sahrhundert fait bi$ zur linfenntlidjfeit. Die Kinder der geitrigen Bettler find Beute bie Reihen im Dorfe, und bie Nachkommen biejer treiben jih morgen mühfam in ber Mittelflaffe umher, um entweder ganz zu verarmen oder jid) wieder aufzufchwingen.
Mein Bater ftarb fo früh, daß ich ihn nicht mehr von feinem Bater fonnte erzählen hören; ich weiß baber [o gut wie nicht3 von bielem Manne; nur fo viel ijt gewiß, daß damals bie Reihe einer ehrbaren Unvermöglichkeit an feiner engeren Yamilie war. Da ih nidt annehmen mag, daß ber ganz unbefannte Urgroßvater ein liederliher Kauz geweſen fei, fo Halte ich e8 für mabr[djinlid, daß fein Vermögen burd) eine zahlreiche Nachkommenſchaft zerfplittert wurde, wirklich babe ich aud) eine Menge entfernter Bettern, welche id faum nod) zu unterfcheiden weiß, bie, wie bie Ameifen frabbelnb, bereit wieder im Begriffe find, ein gutes Teil ber viel aer»
badten und burdfurdjten Grundftücde an fid zu bringen. Sa, einige Alte unter denfelben find in der Zeit ſchon wieder reich gemejen unb ihre Kinder wieder arm. gemorben.
Dazumal war e$ nicht ganz mehr jene Schweiz, melde dem Legationzfefretär Werther fo erbärmlich vorgelommen iit, unb wenn auch bie junge Saat ber franzöfifhen Ideen durch einen ungeheuren Schneefall öftreidhifcher, rujfijdjer und felbit franzöfifher Quartierbillets bebedt worden war, jo geitattete bodj die Mediations⸗Verfaſſung einen gelinden Nachſommer und verhinderte meinen Bater nicht, bie Kühe, bie er weidete, eines Morgens ftehen au lafjen und nad) der Stadt zu gehen, um ein gute Handwerk zu erlernen. Bon ba an verjholl er fo ziemlich für feine Mitbürger; denn nad) harten, aber gut be ftandenen Lehrjahren führte ihn fein Trieb, einen immer fühneren Schwung nehmend, in bie Ferne und er durchſchweifte als ein gefdidter Steinmeg entlegene Reihe. Jndeſſen aber hatte der fanftfnifternde Papierblumenfrühling, welcher nad der Gdjladjt bei Waterloo aufging, wie überall Bin, jo aud) in alle Winkel der Schweiz fein bläuliches Kerzenlicht verbreitet; aud) in meines Vaters Geburtsdorf, deilen Bewohner in ben neunziger Jahren ebenfalls entbedt Hatten, daß fie feit undenk⸗ lien Zeiten mitten in einer Republil lebten, war bie ehrwür⸗ bige Dame NReftauration mit allen ihren &djadjtdn und fat. ton$ feierlich eingezogen und richtete fid) in bem Nefte fo gut ein, als fie fonnte. Schattige Wälder, Höhen unb Thäler mit den angenehmiten Freudenplätzen, ein filhreicher, Harer Yluß unb bie Wiederholung aller diefer guten Dinge in einer weiten, belebten Nachbarſchaft, melde [ogar nod) mit einigen bewohnten Schlöſſern gegiert war, zogen ben einmobnenben Herrichaften eine Menge jagenber, filchender, tanzender, fingender, eljenber und irinfenber Gäſte aus der Stadt zu. Man bemegte fid) um fo leichter, al8 man ben Neifrod unb bie Perücke weislich
ba liegen ließ, wohin fie bie Revolution geworfen batte, und bas griechiſche Sojtim ber Kaiſerzeit, wenn aud) in biejem Gegenden etwas nadjtráglidj, angetan Hatte. Die Bauern faben mit Berwunderung die weißumflorten Göttergeftalten ihrer vornehmen Mitbürgerinnen, ihre fonderbaren Hüte unb noch merhvürdigeren Zaillen, welche bidjt unter ben Armen gegärtet waren. Die Herrlichleit des ariſtokratiſchen Regi- mente entfaltete fih am höchſten im Pfarrhauſe. Die refor- mierten Landgeiftlihen der Schweiz waren feine armen, demü⸗ tigen Schluder, wie ihre Amt3brüder im proteitantifhen Norden. Da alle Pfründen im Qanbe fait ausfchliehlih den Bürgern ber herrſchenden Städte offen ftanden, fo bildeten fie zu ben weltlichen Ehrenftellen eine Ergänzung im Spiteme der Herr: fchaft, und bie Pfarrer, deren Brüder bas Schwert und bie Bage Banbbabten, nahmen teil an ber Olorie, wirkten unb regiertem auf ihre Weife im Sinne des Ganzen kräftig wit oder überließen fij einem forgenfreien, vergnüglichen Dajein. Sehr oft waren fie von Haus reich, unb die länblihen Pfarr» bäufer glien eher ben Lanbfigen großer Herren; aud) gab es dne Menge abeliger Sedenhirten, melde bie Bauern Junker Pfarrer nemen mußten. Ein folder war nun amar ber Pfarrer meines Heimatborfes nicht, aud) wichts weniger als ein reicher Mann; bodj [ouft einer alten Stadtfamilie angehörend, ver- emigíe er in feine Perfon und in feinem Hausweien allen Stolz, Kaftengeift und Luftbarkeit eines. warmgeſeſſenen Städtes tumed. Cr that fi etwas darauf zu gut, ein Ariſtokrat zu heißen, mb vermifchte feine geiftlide Würde ungegmungen mit einem berben, militärifchsjunferbaften Anftriche; denn man mußte bagumal noch nichts, weder von dem Namen modj von bem Weſen des modernen Traktätlein-Konfervatismus. Es ging in feinem Haufe geräufhooll unb Iuftig ber; bie Pfarrlinder fteuerten reihlih, was Feld und Stall abmarf, die Gäſte
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holten fid) jelbjt au8 bem tyorite Hafen, Schnepfen und Reb⸗ Dübner, unb ba Treibjagden bod) nicht lanbesüblid) waren, fo wurden die Bauern dafür zu großen Fiſchzügen freundfchaft- lih angehalten, was jedesmal ein Feſt gab, und [o war bas Pfarrhaus nie ohne Freude und Lärm. Man burdaog bas Land rings umher, ftattete Beſuche ab in Maſſe und empfing
folde, flug Zelte auf unb tanzte darunter ober fpannte fie .
über bie lauteren Bäche, und bie Griedjinnen babeten darunter; man überfiel in hellen Haufen eine einfame kühle Mühle ober fuhr in vollgepfropften Nahen auf Seeen unb Flüſſen, ber Pfarrer immer voran mit einer Entenflinte über dem Rücken oder ein mächtiges ſpaniſches Rohr in der Hand.
Geiftige Bedürfniffe waren in diefen Seifen nidjt viele vorhanden; die weltliche Bibliothef des Pfarrer beitand, mie id fie nod) gejehen habe, au8 einigen altfranzöfifhen Schäfer- tomanen, Geßners Idyllen, Gellerts Quftipielen und einem ſtark zerlefenen Eremplar bes Mündyhaufen. Zwei ober drei einzelne Bände von Wieland ſchienen aus der Stadt geliehen und nidjt mehr zurüdgefchidt worden zu fein. Man fang Höltys Lieder unb nur die Jugend führte etwa einen Mathiffon mit fid. Der Pfarrer felbít, wenn einmal von bergleiden Dingen bie Nede war, pflegte feit dreißig Jahren regelmäßig zu fragen: „Haben Sie Klopſtocks Meſſias gelefen?" und wenn das, wie natürlich, bejaht wurde, ſchwieg er vorſichtig. Im übrigen gehörten bie Säfte nicht zu jenen feinjten Kreifen, weldhe die Kultur ber herrſchenden Sntereflen burdj erhöhte Geiftesthätigfeit pflegen und burd) eine edle Bildung zu befeitigen juchen, fonbern zu ber gemütlidgen Klaffe, welche fid) darauf beihräntt, die Früchte jener Bemühungen zu genießen und fi ohne weiteres Kopf- zerbrechen Iuftig zu machen, fo lange es Kirchweih ijt.
