Chapter 7
Section 7
Als er ercvachte und vors Haus trat, w^ar er der Unge'w^issheit frei. Alles schien ihm einfach und bestimmt, und er umfing die Welt mit den Augen
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"wie mit Armen der Seele. Es "war ihm, als sehe er die Dinge nicht aus der Feme seines Leihes, sondern aus ihnen heraus und wie ein Ding sich selber sieht, Avcnn es vor den Wegen des Lebens erschrickt und sich besinnt und sich in sich anschaut. Und er sprach zu sich: ,,Ich weiss es nun. Es gibt Zeiten, da der Wirbel über die Welt stürzt und ihre Fügung zerbricht, und Licht und Finsternis sind nicht mehr geschieden, und die Kreaturen haben ihren Ort verloren und schw^irren im Räume um- her. Und es gibt Zeiten, da der Himmel die Erde gefangen hält, und die Feste, die nur sondern sollte, bannt und bindet die Kreaturen. Aber ist all dies nicht eine Spieglung und ein Spiel der Zeit? Denn nun sehe ich: ein Glück ist über den Dingen und eine Freude. Mitsammen leben die Dinge, un- gestört von Wirbel und Bann, und gehen aufrecht durch den Zorn der Gev^alten und verharren. Und jedes Avirkt das Seine aus seinem Herzen in die Welt, und hat in seiner Tat die Freude, und hat aus seinem Werk die Glückseligkeit. Kein Wirbel kann den Kranz des Tuns zerreissen, der die Wiesen umschlingt und einigt. Kein Bann kann die Liebe fesseln, die vom Wesen zu seinem W^erke geht. Unüberwindlich in ihrem Glück ist die Schöpfung, die selige Welt der schaffenden Dinge." Als der Rabbi also zu sich selber sprach, schloss er die Augen vor Glück, und eine stille Weile ging über die Welt hin. Und die Weile wurde immer stiller, bis die Stille so tief w^ar wie ein Schauer der Seele. Da öffiiete der Rabbi die Augen. Und das erste, was
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er sah, 'war dafl Zusammensinken eines ungeheuren Schleiers. Dann lag die Welt vor ihm wie ein Abgrund. Und in dem Abgrund war das Aufgehen der Sonnenscheibe wie eine stumme, langsame Qual, und das Wachsen vieler Bäume und Kräuter ^vie ein ewiges, schmerzensvoUes Zucken, und das Laufen und Hüpfen und Fliegen vieler Tiere w^ie ein sinn- loses Jagen und Suchen. Und jede Kreatur litt, dass sie tun musste, was sie tat, und kam nicht los und keuchte in ihrem Leide dahin. Es w^ar aber also: alle Dinge standen in dem Abgrund, und doch w^ar der ganze Abgrund ohne Schranke Z'wischen jedem Ding und dem andern, und keines konnte zum andern hinüber, ja keines konnte das andere sehen, denn der Abgrund ohne Schranke war z'w^ischen ihnen.
Und dieser Blick des Rabbi w^ar nicht ^e ein Gesicht, das schauend du, wiew^ohl davon besessen, doch ahnst, es w^erde jetzt oder später, irgend einmal vor deinem Tode schwinden und nicht mehr da sein. Sondern es w^ar ihm, als sei er all seine Zeit in einem Trug gegangen und sehe nun erst die ^^ahr- heit und das Leben; und als würde ihm, möchte er auch bis zum Zerfall der W^elt dauern, niemals ein anderes Bild erscheinen als dieses. Und dieser Blick nahm dem Rabbi mit einem Griff, ^vas er gew^onnen hatte in der Stunde davor und in allen Stunden, und sein Herz schw^ankte, halb gezogen, sich gegen Gott zu erheben, und halb, mit Gott zu leiden.
Aber in dem Augenblick, da Rabbi Naftali dieses geschah, gew^ahrte er, dass ein Mann im Abgrund
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erschien, der war ihm vertraut von Gestalt und von Angesicht. Und der Mann ^var hier und überall, und hatte Flügel und vielfältiges Sein und über- spannende Gegenwart. Denn sein Mund "w^ar an das Ohr der Sonne gelegt und sprach zu ihr, und sein Arm w^ar um den Leib der Bäume geschlungen, und das Getier schmiegte sich an seine Knie und die Vögel an seine Schultern. Siehe, da w^ar der Trost in die ^/elt gekommen. Denn durch den Helfer w^aren die Dinge verbunden und sahen und kannten und fassten einander. Und die Sonne litt nicht mehr, denn sie schaute, was sie schuf und w^cm sie es schuf. Und w^as w^uchs, wnsste, wem zu es sich regte, und was lief, wusste, wen es suchte. Und alles war in allem, denn die Dinge erfuhren den Helfer und sahen einander durch sein Auge und berührten einander durch seine Hand. Und da die Dinge zu einander kamen, w^ar kein Abgrund mehr, sondern ein lichter Raum des Schauens und Um- fangens, und eine tiefe W^elle aus Sinn und Ziel.
* Diese w^aren die drei ersten Tage. Und ihnen folgten die drei andern, und an jedem w^eitete sich Rabbi Naftali der \Veg, und er erkannte die Schöpfung. Aber in dem Häuschen am Berghang blieb das Leben, w^ie es war, und der Wirt blieb der Gleiche im Gang und in der Geberde. So w^ar dem Rabbi seine Welt wie ein Pendelschlag, und ew^ig w^echselten ihm das Wunder der Ferne und das W^undcr der Nähe. Er w^agte kein W^ort mehr, keinen fragenden Blick: er lebte und wartete.
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So kam der Sabbatabend heran. Mit schlicbtem und demütigem Wort sprach der Wirt den Gruss an die heilige Braut, und hielt das Mahl in Treuen nach frommer, ungelehrter Männer Art. Naftali sah von einer \Veile zur andern zu ihm hin und erwartete, er wusste nicht was für ein Geheimnis und Heil. Aber nichts geschah, und er -svartete noch immer, als der ^Virt schon den Tisch gesegnet hatte, und wartete noch, als er sicherhob, dem Gast die Hand entgegenstreckte und ihm den Frieden w^ünschte für diese Nacht und fiir alle Zukunft seines Lebens.
In der Nacht fand der Rabbi keinen Schlaf. Aller W^ille dieser Tage war zu einem grossen Rauschen über seinem Haupte geworden, und es war ihm, als müssten hier und jetzt das ^Vunder der Ferne und das ^^under der Nähe zusammenfliessen.
Mitten in der Nacht kam der Befehl zu ihm, lautlos, ohne Erscheinung. Er stand auf und ging. Da war er auch schon in der andern Kammer und sah.
Und sah: die Kammer war bis zur Manneshöhe von Flammen erfüllt. Stumpf und dunkel stiegen die Flammen auf, als zehrten sie von einem Schw^eren, Unbekannten. Kein Geräusch und kein Rauch gesellte sich dem Brande, und jegliches Gerät blieb unver- sehrt. Mitten im Feuer aber stand der Meister mit erhobener Stirn und geschlossenen Augen.
Und w^citer sah der Rabbi: eine Scheidung ge- schah in dem Feuer, und es gebar ein Licht, und das Licht 'war wie eine Decke über den Flammen. Und das Licht w^ar zw^iefach. Unten w^ar es bläu- lich und gehörte dem Feuer an, aber das obere Licht
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'v^ar 'weiss und unbewegt, und es breitete aicli um das Haupt des Meisters bis an die W^ände. Und das bläuliebe Liebt "war der Tbron des weissen, und das w^eissc rubte auf ibm wie auf einem Tbrone. Und das bläuliebe Liebt w^andelte unablässig seine Farbe, zuweilen zu Scb'w^arz und zu'weilen zu einer roten ^Voge. Aber das -weisse oben wandelte sich nie, es blieb immer w^eiss. Und das bläuliche Licht w^ar ganz in das Feuer gebettet, und das Fressen des Feuers -war sein Fressen. Aber das w^eisse Licht, das auf ihm ruhte, verzehrte nicht und hatte keine Gemeinschaft mit der Flamme.
Und der Rabbi sah : das Haupt des Meisters stand ganz im weissen Licht. Und die Flammen schlugen am Körper des Meisters empor. Aber welche der Flammen emporkam, -wurde zu Licht, und von AVeile zu ^Veile wurde mehr des Lichtes.
Und der Rabbi sah: alles Feuer war zu Licht gew^orden. Und das blaue Licht begann ins w^eisse einzudringen, aber jede Welle, die eindrang, wurde selber -w^eiss und wandellos.
Und der Rabbi sah, dass der Meister ganz in "weissem Lichte stand. Aber über seinem Haupte ruhte oben ein verborgenes Licht, das w^ar aller Farben und allen Blickes bar und nur im Geheimnis offen dem Schauenden.
Und der Rabbi fiel nieder. Denn er erkannte den Menschen und das Ziel des letzten Tages.
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Als der Morgen kam, feierten sie den hohen Sabbat mitsammen.
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DIE HEILIGEN UND DIE RACHE
A LS DIE MACHT DES BILBUL ÜBER DIE / \ Stadt Pawlicz kam und der Triumph der Ä 1l Lüge einherfuhr, flohen aus allen Orten der Gegend die Juden vor der drohenden Vernichtung in die Weite. Aher einige fromme, alte Männer "wollten sich nicht hewegen lassen, von dannen zu ziehen. Sie sprachen zu ihren Seelen: .."Wie eine lange eingedämmte Schleuse ist dieses fremde Volk. Es w^ill uns schlagen, um seine Kraft zu schmecken. Aber w^ie lange sind w^ir selbst ^vie eine eingedämmte Schleuse gewesen und konnten Gott nicht dienen nach unserem Sinne I Von Geburt auf war unser Leben ein gestörter und entweihter Gottesdienst. Denn hier ist die Welt eng und dumpf, und wir haben keinen Raum, dem Herrn zu jubeln, und w^ir atmen eine Luft, die nicht des Herrn ist. Einst w^ar die Mazo das Werk unseres Feldes, und die Kraft unserer Hände lebte in unserem Felde und diente Gott. Aber jetzt kommt die Mazo zu uns aus der Erde der Fremden, die unser Feind ist. Einst w^ar der Esrog die Lust unseres Gartens, und der Herz- schlag unserer Freude lebte in unserem Garten und diente Gott, Aber jetzt kommt der Esrog zu uns wie ein Gast aus einem sehr fernen Lande, das vAr nicht schauen werden. Und in diesem fernen Lande sind die Wurzeln unseres Gebetes geblieben. Nun sprechen w^ir die W^orte, aber sie haben keine W^urzeln, und w^ie könnten sie da zu Gott emporwachsen? Es ist uns nicht gegeben, dem Herrn mit unserem Leben
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zu dienen. So wollen wir ihm mit unserem Tode dienen und ausharren zur Heiligung seines Namens." Also sprachen sie und Hessen sich in Gew^ahrsam nehmen und w^arteten in Freuden, dass sie getötet wf' rden.
I^ber einer "war nicht mit ihnen gehlieben. Das war der Rabbi von Koraczow. In jungen Jahren hatte er ein Buch begonnen, in dem gesagt wxirde, w^ie man Gott dienen könne mit seinem Leben. Er hatte streng und hart gelebt und alle Kraft und alles Verlangen und allen Gedanken in das Buch getan. \Venn er irgend etwas träumte und ^voUte, nahm er seinen Traum vmd seinen W^illen w^ie einen Stein in die Hand und legte ihn auf die andern, dass sein Bau zu Gott emporwachse. So fügte sich ein Teil des Buches langsam zum andern. Es 'war aber alles darin so angeordnet, dass ein Aufstieg w^altete von niederen Stufen des Dienstes zu immer höheren. Und so oft er daranging, von einer neuen Stufe zu reden, bereitete sich der Rabbi in grosser Glut der Seele und lebte in Sammlung alle Tage, bis er in seine Kammer ging, um zu schreiben. Da sass er dann und tat sein Werk, und keiner durfte ihn rufen und zu Speise und Trank oder zum Schlafe mahnen, bis er vollendet hatte, von der Stufe zu reden. Und er sprach zu keinem von seinem Buche. Als aber der Bilbul dahergezogen kam, unterredete sich der Rabbi mit seiner Seele, und es war ein tiefes Zw^iegespräch durch viele Stunden in der stillen Kammer. Und das Buch, das bis zur höchsten Stufe gediehen w^ar — von dieser aber war noch
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nicht begonnen zu reden — , lag auf dem TiBche, und er sah es nicht an. Zuletzt aber kam sein Blick und ruhte auf dem Buche. Und er erhob sich und nahm das Buch und machte sich auf, nach der Wal- lachei zu fliehen.
Als der Rabbi auf seinem ^^ege nach Miedzyborz kam, hiess ihn der Baalschem bei ihm bleiben, bis er ihn entlassen würde. Und er blieb beim Baalschem. Und dieser sprach zu ihm: ,,Die Heiligen werden errettet werden" und w^iederholte es Mal fiir Mal, Aber am Vorabend des Sabbat kam ein Brief zum Rabbi; darin stand, "wie sie gepeinigt "worden w^aren mit allen Arten der Todespein, und w^ie sie in Qualen und grosser Freude dahingegangen w^aren zur Heiligung des Namens. Als der Baalschem den Brief gelesen hatte, ging er Mincha beten und zitterte, und wer ihn ansah, musste zittern. Und einer sprach zum andern: ,,^Venn erst die Stunde kommt, den Sabbat zu empfangen, w^ird die Freude ge'w^iss zu ihm heimkehren. Denn was immer ihm je w^ider- fiihr, noch nie hat er den Sabbat ohne Freude empfangen." Aber die Stunde kam, und der Baal- schem empfing den Sabbat in grossem Zittern und hielt den Becher in einer zitternden Hand. Und sogleich ging er von dannen in die Stube, in der er zu schlafen pflegte, und legte sich auf die Erde, das Gesicht zum Boden und die Arme von sich ge- streckt, und lag so eine lange Zeit. Und da das Hausgesind und die Gäste auf ihn w^arteten, kam sein W^eib in die Stube und sprach: ,,Die Lichter w^erden schon ausgehen." Er sprach: „Lass die Lichter
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ausgehen und schicke die Gäste heim." So ging sie, er aber lag immer noch auf der Erde.
Aber der Rabbi konnte es nicht länger ertragen, denn sein Herz brannte. Und er ging zu der Stube des Baalschem und lauschte, aber es war sehr still in der Stube. Und er ging an die Tür und sah durch eine Spalte der Tür und schaute in das Dunkel. So stand er und stand bis zur Mittemacht. Da kam ein grosser Lichtschein in die Stube. Und der Baalschem rief: ,, Gesegnet sei, der da kommt, Rabbi Akiba !" Und jeden der Heiligen grüsste er bei seinem Namen und rief: ,, Gesegnet sei, der da kommtl" Sodann sprach er zu ihnen: ,,Ich verhänge es über euch, dass ihr Rache nehmet an den AVider- sachem. An dem Senator, der euch foltern licss. An den Knechten, deren Hand bereit war zu eurer Qual. An dem Volke, dessen Mund jauchzte vor eurem Leide." Da tönte durch den Raum ein dvmkler Chor und w^ar doch wie Eine Stimme, die sprach: ,,Wir bitten dich, dass dieses Wort nicht noch ein- mal von deinen Lippen gehe." Er aber >viederholte : ,,Ich verhänge es über euch." Und wieder sprachen die Heiligen: ,,^Vir haben unsem Tod gern gelitten!" Aber der Baalschem stand mitten im Lichte 'wie eine rote Flamme und schrie, und sein Wort ^var wie das Rauschen gew^altiger Flügel: ,,Für das Schlagen und Stechen, für das langsame Morden, für die Schändung durch ihre Hände, für den Stoss ihrer Füsse, für das Ducken und Erniedrigen, für das Spotten und Spielen, für die Knechtschaft der Jahr- hunderte, für die Not des Schlechtwerdens nehmet
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Rache." Da \^ar eine Bangigkeit und ein Beben in der Choresstimme, als sie sprach: o^^ii* bitten dich, dass das Wort des Verhängens nicht zum dritten Mal von deinen Lippen gehe. Denn du sollst i^issen, dass du an diesem Abend den Sabbat der ^Velten gestört hast. Siehe, es ward ein grosses Gewirr, und w^ir w^ussten nicht, w^as das sei. Und ^vir stiegen zu höheren Kreisen auf*, und auch da w^ar das Gewirr, und wir Nvussten nicht es zu deuten. Und als w^ir zu einem gar hohen Kreise kamen, ^^urde zu uns gesprochen: .Gehet eilig hinab, machet still die Tränen des Rabbi Israel Baalschem.' So w^oUen wir es dir denn erzählen. Du sollst w^issen: alle Schmerzen, die ein Mensch leidet in seinem Leben, sind ein leichter Tand gegen die Schmerzen, die w^ir gelitten haben zur Heiligung des Namens, gesegnet sei er. Und der böse Trieb kam über uns und wollte unsem Sinn beugen, und w^ir stiessen ihn mit beiden Händen hinweg. Aber es gelang ihm, mit einer Fingerspitze einen Gedanken in uns zu berühren, und er machte ein Zeichen an dem Ge* danken. Um dieses Dinges willen w^ard uns be- stimmt, für einen Augenblick in das Tal Hinom zu kommen und einen Augenblick lang die Not der Welt zu leiden. Und alle Schmerzen, die w^ir ge- litten hatten, erloschen und w^aren w^ie leichter Tand vor diesem Leide. Und als w^ir in den Garten Eden kamen, sprachen w^ir: ,W^ir w^ollen Rache nehmen für die Knechtschaft der Jahrhunderte, für die Not des Schlechtw^erdens, die dem bösen Trieb Macht gegeben hat, unsere Gedanken zu berühren. Für
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den Raum, in dem wir gewohnt haben, für die Luft, die wir eingeatmet haben, für den gestörten und entweihten Gottesdienst unseres Lebens w^oUen w^ir Rache nehmen.' Da wnrde uns geantwortet: .Wollt ihr Rache nehmen, so müsset ihr in neue Körper eingehen und auf die Erde zurückkehren und noch einmal als Menschen ein Leben zu Ende leben.' ^Vir aber sprachen: ,W^ir loben den Herrn, gesegnet sei er, und danken ihm, dass wir bestanden haben zur Heiligung seines Namens, und dass w^ir einen Augenblick lang das grosse Leid im Tale Hinom gelitten haben. Heute aber, sollen w^ir auf die Erde zurückkehren, -wo w^ir keinen Raum haben, dem Herrn zu jubeln, und wo wir eine Luft atmen, die nicht des Herrn ist, ao kann es fürwahr geschehen, dass w^ir schlechter w^erden und die Macht des Bösen erhöht w^ird. W^ir w^oUen nicht zurückkehren.' Also sprachen w^ir. Und bo bitten wir dich, dass das Wort des Verhängens nicht zum dritten Mal von deinen Lippen gehe." Da schwieg der Baal- schem und sprach kein W^ort. Und der Lichtschein schwand aus der Stube, und das Dunkel erfüllte sie. Aber der Baalschem lag auf der Erde wie eine rote Flamme. —
Der Rabbi von Koraczow^ aber hat sein Buch nicht vollendet. Ja, es w^eiss kein Mensch, was daraus gew^orden ist.
BILBUL ^^ Verwirrung. Verleumdung, kier Ritualmord ■ Be> •cbuldiguni;. MAZO = du ungesäuerte Brot, da« am Osterfeste sur Erinnerung an den Auezug aus Aegypten gegessen wird.
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ESROG = der zu religiöaen Z'wecken am Laubhüttenfeste benützte Paradiesapfel. MINCHA = Nacbmittaßsgebet. TAL HINOM = HöUe.
Rabbi Akiba. der den Zug der Märtyrer führt, ist der grosse Meister des Talmuds, der unter Hadrian den Foltertod erlitt.
Die kleine Stadt Miedzyborz in Podolien war der endgültige ^^ohnsitz des Baalschem.
Zur Heiligung des Namens (des Gottesnamens) = zum Ruhme Gottes.
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DIE HIMMEL WANDERUNG
AM TAGE DIENT ER DEN KREATUREN.
/ \ Auf den Winden kommen Boten gefahren, 2 V bittende Herolde steigen aus dem Boden auf. Zusammcngeflutct aus dem Munde alles Lebendigen, dringt die Stimme des Leidens zu ihm.
Er empfängt den Ruf und teilt die Antwort aus. Unablässig gibt er seine Gabe, den tiefen Trost. Unter der Berührung seiner Finger heilen die Wunden der Welt.
Am Tage dient er den Kreaturen. Aber am Abend löst sich seine Seele. Sie will nicht bei dem trägen Genossen ruhen. Sie streift Ort und Dauer wie z'w^ei Handfesseln weg und enthebt sich den Grenzen. Sie stösst das Land mit dem Fusse ab, sie prüft den Flug, und die Himmel nehmen die Frei- gelassene auf.
