Chapter 16
Section 16
Da erwachte er, und der Schauer des Traumes hielt ihn bis zum Abend, da der Trauertag endete.
t&6
Zu der Frist reckte sich der Rabbi auf und schüttelte alles von seiner Seele ab, ging in seine Stube und verschloss die Tür. Er nahm die Bücher der Psalmen in die Hand und stand und sprach die Psalmen mit ge^valtigem Ton. Das erste Buch hatte er gesprochen, da ■ward fem in der Nacht draussen ein Laut, der redete: , .Genug, die Früchte sind schon abgefallen!" Aber der Rabbi erhob das Haupt und die Stimme und sprach das zweite Buch. Und da er geendet hatte, tat sich wieder der Laut auf, und er klang näher und deut- licher: ,. Genug, das Laub ist schon verwelkt!" Doch der Rabbi erneute seine Kraft und betete das dritte Buch. Nun w^ar die Stimme ganz nah, und von ihrem Hauch klirrten die Fenster, und sie redete: ,, Genug, schon sind die Zw^eige verdorrt!" Der Rabbi spannte alles Vermögen seiner Seele und las das vierte Buch. Da wankte der Boden seines Hauses, und die Stimme erscholl, als w^ürde sie unter seinen Füssen aus der Erde geboren: ,, Ge- nug, schon sind die Äste abgestorben!" Der Rabbi fühlte, w^ie das Ermatten sich an ihn heranschlich, aber sein Blick zuckte nicht, und er riss die letzte Macht hervor, und das letzte Buch erstand von seinem Munde und stieg hoch und w^irbelnd wie Opfer- rauch. Als er schw^ieg, sprang die verschlossene Tür des Gemaches w^eit auf, und in ihr stand ein düsterer Bote, gebeugt und keuchend, w^ie gehetzt von einem langen, w^ilden Lauf, und seine Stimme w^ar w^ie verflackernd im Luftzug: ,, Genug, genug, du hast uns besiegt, schon sind die Stämme
187
abgehauen I" Und die Gestalt zerging mit ihrem letzten Ton.
So hat es sich dazumal ereignet. DieTage, die Monde und Jahre sind darüber hingegangen. Aber die ^Vurzeln des Gartens sind in der Erde geblieben, und der Rabbi ■wacht in vielen Nächten, sinnend, wie er sie aus- rotten möchte. Allein er kann es nimmer ersinnen."
So erzählte die Stimme drinnen im hellen Saal. Rabbi Jakob Josef stand im Schatten, die Stirn an die Mauer gepresst, und die Worte fielen aufsein Herz "wie Tropfen eines flüssigen Brandes. Als die Rede drinnen verstummte, seufzte er auf und stürzte durch die Tür in den Saal und zu den Füssen des Baalschem und rief: ,, Meister, lehre mich, ^vas ich tun soll, die ^Vurzeln auszurotten I"
Der Baalschem sprach: ,,\Visse, nicht aus dem AÄ^unsche ist dir der Garten geboren worden, sondern aus des Wunsches Kummer und Pein, da du dich befleckt w^ähntest und um dich littest und den Gram auf dein Haupt streutest "wie Asche. Da hast du dem leichten Bilde deines W^unsches Bestand und Dauer gegeben und hast seine W^urzeln eingesenkt in das Reich der Körper, da es zuvor ein Schatten w^ar. Aber als ich dies erzählt habe, ist der Körper zum \Vort geworden und zum schw^ebenden Atem und leichter, als das leichte Bild deines W^unsches gew^esen war. Und da ich ein Froher zu Frohen redete, ist die Freude hin- gegangen und hat die ^Vurzeln ausgerissen."
Rabbi Jakob Josef aber ist darnach der gew^ordcn, den sie den grossen Jünger nannten.
188
def^dritte kreis:
DIEPREDIGTDESNEU MIAHRES/DE.WIE:
OERKEHR/VOKHEER ZU HEER/DAS DREC
malige: LACHENz 3IL VOGELSPRACHE DASRUFENDERHIPT
DIE PREDIGT DES NEUEN JAHRES
IIB ERSTESONNEDES JAHRES stand in der Mittagshöhe und die Luft war voll des Schofarklanges. Man hörte ihn auf allen Wegen, ja es gab der Schüler welche, die ihn zu sehen vermeinten, als hätte das Tönen Kreise eines fremden, glühenden Lichtes m das Grau des Frühherhsttages gezogen.
In dem Hause des Baalschem sassen die Schüler um den uralten langen Tisch, der heute fester als je die Füsse gegen den Boden zu stemmen schien, um sich ^vider die Zeit zu behaupten. Die einen blickten hinaus in die Lichtkreise, die andern sahen an den geschwärzten ^Vänden hinauf, als müssten sie im nächsten Augenblick zur Seite ^veichen und das Reich des Geheimnisses erschliessen.
Der Nachsegen des Mittagmahles w^ar beendet, und der Baalschem begann, die Predigt des neuen Jahres zu sprechen. Die Schüler konnten in sein Angesicht nicht schauen, aber wenn sie die Augen schlössen, kam Wort fiir Wort vor sie mit einem Angesicht, blitzend das eine, abgrundsdunkel das andere, ein drittes rein und still w^ie die Liebe Gottes zur Welt. Mit geschlossenen Augen sassen sie da, die jungen und die alten, und lauschten, und schauten.
Und der Baalschem sprach. Es ist zu sagen, dass die Stimme des Baalschem gemeiniglich war w^ie ein leichtes Schlagen von Erz an Erz, und nur im tiefen
i90
Gebet mischte es sicli zuweilen darein wie der Schrei der Lerchenkehle. Aber am Tag des neuen Jahres w^ar seine Stimme neu und gew^andelt. Es -war der Schofar, der in ihr atmete und Menschenlaut war. Der \Veckruf des Tekia kam und rüttelte an den Toren der Seele. Das w^ogende Schew^anm um- pfing die Losgemachte wie das Beben der Sehnsucht. Der hohe Jubel der Terua trug sie zur Erlösung empor.
Und das Wort, über das der Baalschem sprach, w^ar das Wort des neuen Jahres: Stosse in den grossen Schofar zu unserer Befreiung!
„Stosse in den grossen Schofar", so rief er zum Herrn, „wenn der Kreis des Jahres sich rundet und die Seelen aller Dinge in die Finsternis tauchen zu neuer Geburt. Siehe, deine Kmder sind morsch ge- w^orden vom Anhauch der Stürme. Siehe, der Brand der Wüste hat ihr Mark versehrt. Nun da der Kreis deines Jahres sich schliesst und das Dunkel der V/ende seine Fluten entsendet, stosse in den grossen Schofar, o Herr, zur neuen Geburt!
Deine Pein hat unsere Hände gemartert, bis sie schw^ach w^urden vor dem Leben. Deme Wander- schaft hat unsere Füsse gejagt, bis sie auf festem Boden w^ankten. Du hast den Wurm m unsere Herzen geschickt, und sie sind zernagt wie krankes Laub. Dem Bote hat seine Hand auf unsere Stirnen gelegt, und unsere Gedanken starren im Eise. Stosse in den grossen Schofar, o Herr, zu unserer Befreiung!
Der Engel des Herrn erfasste mich in der Nacht und führte mich hinaus, und ich stand im Leeren, vmd die Nacht lag auf meinen Schultern wie eine grosse
J9|
Last, und die Nacht wälzte sich von unten an meine Sohlen heran. Und der Engel sprach: „Schaue!*, und die Finsternis wich, und ich stand leicht in heller Leere, und ich sah. Da -w^ar ein Kreis zw^ischen zwei Abgründen, ein schmaler runder Grat. Und im Bezirke des Kreises schloss sich ein roter Abgrund sAe ein See von Blut, und ausser des Bezirkes des Kreises dehnte sich ein schw^arzer Abgrund wie ein Meer von Nacht. Und ich sah, siehe da ging ein Mensch auf dem Grate wie ein Blinder, mit wanken- den Füssen, und seine beiden sch'wachen Hände rührten an die Abgründe zur Rechten und zur Linken, und seine Brust 'war aus Glas, und ich sah sein Herz flattern wie krankes Laub im Wmde, und auf seiner Stirn war das Zeichen des Eises. Und der Mensch ging w^eiter und w^eiter den Weg des Grates, ohne rechts und links zu sehen, und schon w^ar er dem Ende des Kreises nahe, das sein Anfang ist. Und ich w^ollte ihm rufen, aber mein Sehen lähmte meine Zunge. Und der Mensch blickte plötz- lich auf, und sah rechts und links, und er strauchelte, und aus den Abgründen stiegen Arme auf, ihn zu fangen. Da berührte der Engel meine Lippen, und meine Zunge w^ar frei, und ich nef und schrie zu jenem: „Erhebe deine Flügel und fliege!" Und siehe, da erhob der Mensch seine Flügel, und keine Schw^äche und keine Starrheit w^ar mehr an ihm, und der Grat verschw^and unter seinen Füssen, und den Abgrund des Blutes verschlangen Gottes Wasserquellen, und der Abgrund der Nacht verging in Gottes Lichte, und die Stadt des Herrn lag da, offen allerwärts.
J92
Sehet, ein Kreis ist unser Jahr. V/ir gehen auf" schmalem, rundem Grat zwischen zwei Abgründen und sehen die Abgründe nicht. Sind wir aber an das Ende des Grates gekommen, das sein Anfang ist, da fällt die Angst und das Zittern über uns w^ie der Sturm des Herrn, und der Blitz des Herrn fährt über die Abgründe hin, und wir sehen sie, und wir schwanken. Aber der Schofar tönt über uns und fasst unsere Seelen und trägt sie, und jeder Schofar- ton trägt viele Seelen auf seinen Flügeln. Und die Schofanm schw^ingen sich zu den Himmeln auf. Und die Himmel lauschen, und die Angst und das Zittern kommt über sie wae der Sturm des Herrn, und der AVeltenschofar erschallt. Und der ^^eltenschofar trägt auf seinen Flügeln die Seele, die aus unseren Seelen geboren woirde und die Seele des Messias ist. Und er schw^ingt sich auf zu dem Reiche des Geheimnisses, und er schlägt mit seinen Flügeln an die Pforte, und die Pforte tut sich w^eit auf, und siehe, da ist mcht Pforte mehr noch Mauer, sondern die Stadt des Herrn liegt da, offen aller- wärts.
Stosse in den grossen Schofar, o Herr, zur Ge- burt der Seele!"
Die Stimme des Baalschem war wie der Schofar, bis er schwieg. Dann erhob er sich und gmg in seine Kammer und schloss sich ein. Und mit ihm erhoben sich die Schüler und traten hinaus, ^/le Träumende gingen sie durch die Gassen, blicklos und bang. Sie hatten ein kleines Haus ausserhalb der Stadt, w^o sie sich zu versammeln und miteinander die ewigen Dinge
13 J93
zu betrackten pflegten. Dahin gingen sie nun, und die Flügel der Stimme waren über ihnen.
Aber im Haus des Baalschem lebte dazumal ein Knabe, Josef mit Namen, und alle nannten ihn Jossele. Als der Meister in seine Kammer gegangen war und die Gefährten alle zu ihrem Hause ausserhalb der Stadt, blieb er allein zurück an dem langen Tische, denn er war zu jung, um von jenen nach dem Ort ihrer Betrachtung mitgenommen zu w^erden. So sass er zwischen den geschw^ärzten Wänden und fühlte die Flügel der Stimme an seinen Schultern. Und wie die ersten Schatten des Spätnachnuttages ihr gold- braunes Zucken über die w^eisse Decke des Tisches warfen, legte Jossele den Kopf in die Hände, denn ihm war Angst um der Flügel der Stimme w^iUen, die er an seinen Schultern fühlte. Und die dicht aneinander und vor die Augen gepressten Finger schufen ihm ein Dunkel, aber in dem Dunkel er- -wachte ein rotblaues Licht, das sang zu ihm wie die Stimme, um deren willen ihm Angst w^ar. Und es geriet über Jossele mit einer stürzenden Gewalt, wie lang verhaltene Tränen urplötzlich hervorschiessen : Jetzt und jetzt wird Meschiach kommen. Und die Stube weitete sich, und die \Vände verschw^anden, und vor ihm w^ar ein rotblaues Licht, das strahlte nngs hinaus mit Strahlen einer nächtigen Sonne. Und Jossele lief auf das Licht zu. Aber da w^ar die Türe, wie ein stechender, w^eckender Schmerz. Der Knabe stand einen Augenblick lang sehend auf einem schmalen Grat zwischen zw^ei Abgründen, und der Blitz des Herrn fuhr vor ihm hin, und er
J94
schauderte und 9cli\vankte. Da aber erfasste ihn die Gewalt nut Fängen der Cherubim, und die Stimme brauste, und das Licht "w^ar in sein Herz gefallen und brannte. Und Jossele öfFnete die Türe und lief hin- aus, und er lief durch die Gassen der Stadt, und lief m stürzender Eile, bis er zum Hause der Schüler kam. Da standen seine Sohlen, und seine Kehle spannte sich, und er ne£: „Meschiach !" Aber da war kein Laut nngs um ihn, nur seine Stimme tönte und verklang sehr langsam und lebte vor ihm und war w^ie die Stimme, deren Flügel er an seinen Schultern fühlte. Da zw^ang er seine Augen, aufzusehen, und mühte sich, bis er sah. Da sassen die Gefährten alle vor der Schw^elle des Hauses in langer bogen- runder Reihe, und eines jeden Mund w^ar fest ver- schlossen, und eines jeden Blick lag in der Feme, und kein Glied regte sich. Und Jossele hörte seine Stimme rufen: „Jetzt und jetzt wird Meschiach kommen" und hörte die Stimme verklingen mitten in starrendem Sch>veigen. Da flog die Seele des Knaben auf den Flügeln der Stimme auf und flog zu einem der Schüler hm und legte sich an seine Brust, und Jossele sprach : „Nachum, w^eisst du noch, w^ie du ge- fastet hast von einem Sabbat zum andern, um Meschiach zu rufen? Weisst du noch, wie ich zu dir kam, als du am Boden lagst am letzten Tag und mit der Stirn an die Diele schlugst, w^ie w^ir dann zusammen geweint und gebetet haben? Sieh, Meschiach kommt!" Aber jener schwieg. Und die Seele wandte sich und flog zum zweiten hin und schmiegte sich an seme Schläfe, und Jossele sprach: „Elimelech,
13*
195
ich sah dich einmal üher ein Feuer geneigt, dass deine Locken an die Flammen sprangen, und deine Lippen flüsterten : Meschiach. Ich sah dich einmal den Arm emporheben und die Hand gen Piimmel schütteln, und deine Lippen flüsterten: Meschiach. Elimelech, er kommt!" Aber jener schwieg. Und abermals wandte sich die Seele und flog auf den dritten zu und glitt über seine Hand, und Jossele sprach : „Jehuda, ich habe dich damals gehört, als du den Zauber tatest über den ^Vassern und den dunklen Spruch sprachest in das AVehen des ^Vlndes. Der Zauber ist mit den Wassern verronnen, und der Spruch ist im ^Vlnde verw^eht. Aber jetzt Jehuda, horch, jetzt kommt er, hörst du ihn kommen? Jehuda, lass uns ihm ent- gegengehen." Aber jener sch-wieg. Und Jossele sah die Gefährten an und schaute mit seiner Seele auf sie, und da sah er, sie hörten seine Worte nicht, und er sah sie lauschen, einem fernen Schritt. Da sassen sie in langer, bogenrunder Reihe und horchten auf einen fernen Schritt und blickten in die Feme. Als- dann kam die Einsamkeit über Jossele und legte ihre kalte, harte Hand auf seinen Nacken, und die Krallen der Hand gruben sich in sein Fleisch, und die Hand lag auf seinem Nacken wie ein riesenhaftes, lebendiges, sich einkrallendes Siegel. Und Jossele sah, wie das rotblaue Licht seinem Herzen entstieg und vor seinen Augen verflimmerte. Und Jossele fühlte, w^ie die Flügel an seinen Schultern verschrumpften und w^ie sie abfielen. Und Jossele wollte sprechen, aber seine Kehle trug keine Stimme. Und Jossele w^oUte hin- w^eg, aber er konnte den Fuss mcht heben. Und
i96
Jossele setzte sich zu den andern und blickte in die Feme und horchte auf einen fernen Schritt.
So sassen sie beisammen, bis die Sterne kamen. Da \vich es von ihnen, und sie kehrten in die Stadt zurück. Und Jossele stand m seiner Stube wie ein Blinder, mit wankenden Füssen, und seine beiden sch^vachen Hände rührten an die Abgründe zur Rechten und zur Linken, und sein Herz flatterte wie krankes Laub im ^Vlnde, und auf seiner Stirn w^ar das Zeichen des Eises.
SCHOFAR = die Posaune, die am Tage des Neuen Jabres geblasen wird. TEKJA. SCHEWARIM. TERUA = Namen der angeordneten Scbofarklänge. MESCHIACH = Messia«.
197
DIE WIEDERKEHR
AM JAHRESTAGE DES TODES DES HEI- / \ ligcn Ropczycer Rabbis hatten sich alle J, Ik Zaddikim in Ropczyce versammelt. Dort sassen sie in einem Saal und harrten in Wehmut und Sch^veigen, ob die Seele des Verstorbenen die Schatten seines erhabenen Wesens über ihre in Trauer verdunkelten Herzen ausgiessen würde, als die Tür aufflog und ein grelläugiges \Veib herein- türzte, das stöhnen d aus unbesch'wichtigten Schmerzen sich auf die Erde warf und schrie: ,,Seid mir gnädig, ihr heiligen Meister, und höret, was für ein grausames Unglück über mich dahergefahren isti Da habe ich vorige ^Voche einem Juden achthundert Silbergulden eingehändigt, damit er auf die Dörfer fahre, Flachs einzuhandeln. Und den Gew^inn, der uns ganz sicher w^ar, darein w^oUten wir uns teilen, in halb und halb. Vergehen mir da etliche Tage, ich höre nichts von ihm, und mir wird ganz gequält und unruhig um das Herz. Just heute am frühen Morgen kommt mir einer ins Haus, der hier in der Gegend heimisch ist, und ich hör von ihm, der Jud ist gestorben eines jähen Todes und hat man nicht Geld noch Kauf- briefe bei ihm gefunden. Nun frag ich und heisch ich, wo ist mein Geld geblieben? Rabbanim, schaffet mir einen rechten RatI Ihr sitzet hier beisammen, ^e die Erzengel des Herrn im Licht, über euren Häuptern steht der Himmel als eine offene Pforte, eurem Wollen ist die Macht dort einzudringen, w^as Zaddikim verhängen, macht der Herr zu Geschehen!"
J98
Da griff der Jammer des AVeibes etlichen der Zaddikim an die Seele, so dass sie sprachen: „Werde atill, Weib, wir wollen dazu tun, dass dein Geld gefunden w^erdel"
Jetzt aber ist der Zaddik Rabbi Schalom von Ka- minka aufgestanden und bat gerufen: ,,Hört ibr alle, und auch du, WeibI Hier kann kein Versprechen bestehen und Frucht tragen. Das Geld bleibt ver- loren fiir alle Zeit. W^er es suchen w^oUte, müsste in die Kette des Geschehens greifen, die über das Rad aller Zeiten läuft. Vermagst du mir zu sagen, Weib, in welchem Körper deine Seele gehaust und w^as sie in ihm gew^irkt hat, ehe sie auf dem Weg der ^^anderung in diesen kam? Es wird sich be- geben haben, dass du in einem verblichenen Leben eine unerfüllte Schuld mit von hinnen genommen hast, und dieser Jude wxirde nur geboren, um deine Schuld zu erfüllen, und da er es getan hat, w^ar sein Tun in diesem Leibe vollbracht und er ist hingegangen.
Du aber sei froh und danke, dass der Mangel deiner Seele hinw^eggetilgt istl"
Und als er dies gesagt hatte, w^andte Rabbi Schalom sich zu den Zaddikim und redete: ,, Meine Lehrer und Meister, ao es euch gefällt, höret auf mich, ich -will euch eine Geschichte sagen vom heiligen Baalschem, dessen unendliches Verdienst uns stärke.
In Rischa hat in den Tagen des grossen Heiligen ein vornehmer Jude gelebt, ein reicher Mann, gelehrt und wohlbew^andert in den Schriften. Ob er gleich den Chassidim nicht zugezählt w^erden durfte, achtete er doch den Baalschem als einen \Vunderbaren und
199
Begnadeten, vernahm mit Begierde die Reden, die umgingen über die erstaunlichen Zeichen, die der grosse Meister gewirkt hatte, und gewann so endlich das Verlangen, ihn von Gestalt, Angesicht und Rede kennen zu lernen. Da Hess er eines Tages seinen Reisew^agen rüsten, hiess den Kutscher und den Diener aufsitzen und fuhr stattlich und prächtig angetan w^ie ein Adliger nach Miedzyborz, dem Wohnorte des Baalschem.
