Chapter 14
Section 14
Da beugte der König sein Haupt vor dem Meister, und aus dem Zeitlosen rauschte eine grosse Be- w^egung empor, w^ie wenn ein Geheimnis sich erfüllt und untergeht.
Dem Mann hinter dem Ofen fuhr ein w^eisser Strahl über die Augen. Er stand in seinem Haus und hielt die Klinke seiner Stubentür. Da w^aren die Gäste und wxischen ihre Hände vor der Abend- mahlzeit.
t62
DER ZERSTÖRTE SABBAT
-^ ^ r-IE IN JEDER WOCHE FUHR DER \ \ / Baalachcm damals bei Sabbatausgang \ Y aus der Stadt, und mit ihm Ovaren die drei seiner Schüler, die die drei Davide ge- nannt Tvurden, nämlich Rabbi David von Nikolaje^^, Rabbi David Pirkes und Rabbi David Leikes, und der Diener Aleksa, der die Pferde lenkte. Und ge- meiniglich war es so, dass der Meister Richtung und Schnelligkeit der Fahrt ohne alle Rede mit seinem Willen bestimmte, und der Diener Aleksa mochte seinen Rücken den Pferden zuwenden, sie brachten den AVagen zur ge'wiinschten Zeit an die ge'wünschte Stelle. Diesmal aber fühlte der Baalschem, wie sein \Ville ohnmächtig w^ar dem starken Zug der Tiere gegenüber, und er sah, wie sie den W^agen einem unbekannten Ziel zuführten und keinen Befehl des erschrockenen Kutschers annahmen. Da wollte er umkehren und rief es laut und fasste selbst die Zügel, aber er hatte keine Macht über die Pferde, und sie liefen, dem Geheiss seiner Hand entgegen, in scharfem Trabe w^eiter, wohin der unsichtbare Zw^ang sie trieb. So kamen sie in eine AVildnis und zogen den \Vagen hinein, bis ringsum kein Pfad und kein Ausblick war, und irrten nun in knappem, gleichmässigem Schritt in der Wildnis umher. Dies w^ährte drei Tage, vmd der Baalschem trug es wie ein Verhängnis, gegen das keine Menschenseele zu murren w^agen kann, aber die Schüler sassen betäubt und elend da, und
if {63
der Diener Aleksa gebärdete sich wie toll, als ob er nie noch mit seinem Herrn Wundersames und Furchtbares erfahren hatte. Nach den drei Tagen aber kam ein neuer Trieb in die Pferde, und sie rannten aus der ^/^ildnis in einen darangrenzenden Wald und zerrten den Wagen in das tiefste Dickicht hinein. Da blieben sie stehen und -wieherten behaglich, als w^ären sie in den Stall zurückgekehrt und hätten das schönste Futter vor sich. Die im W^agen aber konnten nicht mehr scheiden zwischen Tag und Nacht. Sie nährten sich kümmer- lich von den geringen Vorräten, die sie mitgenommen hatten, und kein Schlaf kam über sie, so überstark hielt die Bangigkeit ihre Herzen umfangen. So vergingen Stunden und wieder Stunden. Aber eine kam, da erkannte der Baalschem an der sieben- fachen Traurigkeit, die in seine Sinne drang, dass der Vortag des Sabbats herangebrochen war, und er w^usste nicht, w^ie er mit seinen Schülern den hohen Tag empfangen und ehren könnte. Da drang die Traurigkeit von seinen Sinnen in seine innere Einsicht, und er fühlte, w^ie ein schwellendes W^asser über all seine Weisheit hinströmte und sie verschlang. In der tiefen Not sass er da und schaute vor sich hin und spürte eine trostlose Er- müdung sich über alle seine Glieder hinziehen und verfiel endlich in einen schw^eren, stumpfen Schlaf. Da kam eine Hoffnung in die Seele der Schüler, denn sie woissten die Heiligkeit, die um den Schlummer ihres Meisters allezeit webte, und w^ie ihm, was im Wachen düster und verworren er-
164
«ckien, im Traum flieh klärte, tind wie da aus aller Trübe die reine Gestalt der Wahrheit sich in strahlender Erscheinung hob; denn der Mund der Dinge suchte das Ohr des Meisters, wenn er mit geschlossenen Aussensinnen lag und flein Geist sich dem inneren Worte eröffnete. Aber der Baalschem erwachte in einer dumpfen und ruhe- losen Weise, und die Starrheit, die auf ihm lag, w^ar fast zur Lähmung gew^achsen. Dies w^ar der Augenblick, da die Verzweiflung aus dem Wasser oder aus der Mauer oder aus den \Volken hervor- kriecht und den Menschen ansieht. Schon züngelte sie heran, schon suchte ihr roter Blick den, der der Herr der Geheimnisse gew^esen w^ar und nun vom letzten Wissen verlassen sass : da reckte er sich auf und hob den Arm und deutete mit zitterndem Finger in die Feme. Siehe, da w^ar ein Licht m der Feme, ein kleines, schw^ankendes Licht hinter tiefem Ge- strüpp. So liessen sie den AVagen und gingen mühe- voll dem Lichte zu, und allgemach erleuchtete sich ihnen das Angesicht der Erde, und die ew^ige Sonne stand über ihren Häuptern, und sie sprachen: „Gesegnet SCI der Herr, und gesegnet sei sein Name!" Im Lichte aber sahen sie in der Feme ein kleines Haus, das lag w^ie ein matter grauer Fleck mitten in dem dunkeln Grün des ^^aldes. Sie gingen auf das Haus zu. Vor der Tür stand ein riesenhafter, stiernackiger Mann, gekleidet nach der Art jener Leichtfertigen, die die gute Sitte der Väter verachten, mit rotgelbem, strup- pigem Haar und ungeschlachten, baren Füssen : auch "waren die Schaufäden des Gesetzes an seinem Ge-
165
"wände nicht zu sehen. Er stemmte die Fäuste in die Seiten, sah die Herankommenden hohnvoll an und schwieg. Sie verneigten sich vor ihm und fragten: „Ist es gew^ährt, dass wir den heiligen Sahhat in Eurem Hause feiern?" Da sehne er sie mit greller Stimme an: „Ich will euch nicht und leide es nicht, dass ihr üher meine Schw^elle tretet. Kenne ich euch nicht? Euer Gesicht redet von euch. Chassidim seid ihr, tragt eure Frömmigkeit zu Markt und predigt auf den Gassen. Geht, mein Nacken ist Erz gegen eure nichti- gen Worte. Ich hasse euch, euch alle hasse ich von gestern und ehegestem und von je her. Mein Vater hat euch gehasst und mein Grossvater, meinem ganzen Hause seid ihr verhasst. Darum geht eilend von hinnen, denn ich will euer Gesicht nicht mehr sehen. Sie aher trugen seine ^Vorte m Schw^eigen und fragten nur: „So wollet uns sagen, oh es in der Nähe andere Wohnstätten giht, dahin wir uns wenden könnten, um den heiligen Sahhat zu feiern." Da lachte der Mann hoch auf und ne£ in grimmigem Lachen: „W^ieviel Zeit ihr gehraucht haht, um hierherzu- kommen, so viel Zeit und mehr hraucht ihr, his ihr an einen anderen Menschenort kommet." Als er dies gesagt hatte und in der gleichen Weise w^eiter und weiter lachte, als könne er nimmer aufhören, w^ollte ihnen der neue Mut, der zu ihnen gekommen w^ar, schier w^ieder entschwinden. AherRabhi David Pirkes, der jüngste der Davide, der sonst nie ein ^Vort sagte, sondern in der Schar der Schüler schw^eig- sam und versonnen zu sitzen pflegte, trat hervor und sprach zu dem Mann, gar leise und friedfertig: „Es
i66
mag sein, dass dieses und jenes in deinem Sinne "wider uns redet. Aber ist es wahrhaft so, dass du in deinem ^^illen trägst, uns m die A\^ildnis hinauszustossen? Sieh, der Sabbat ist dein und unser Heiligtum, und \^enn wir uns in ihm ergehen, müssen wir irgendw^o und irgendw^ann auch deinen Schritten begegnen. ^\^illst du den Sabbat der Zukunft verderben? Sieh, der Herr ist dein und unser Gott, und Tvenn du deinem Rasen gebietest und erschw^eigst und deine Seele zu- rückrufst im Schweigen, wirst du es verspüren, wie in diesem Augenblick er dich anschaut aus dem Herzen der ^^elt.** Da w^ar der Mann still vmd sah von einem zum andern, ohne zu sprechen. Aber Rabbi David von Nikolajew^, der älteste der Davide, der sich -wohlbew^andert glaubte in dem Treiben des Menschengemütes und auf den Wegen der heimlichen Menschenabsicht, sprach: „Bedenke auch, dass \«ar kein Geschenk begehren. Vielmehr wollen wir dir zahlen, w^ieviel du auch fordern magst, und sei es das Zehnfache dessen, w^as allerorten üblich ist." Der Mann jedoch sah mit verächtlichem Lächeln über ihn hinw^eg und wandte sich zu dem Jüngsten und sagte in einem brummigen und unw^irschen Ton: „So sei es. Aber glaubet nicht, dass ihr mir in mein Haus euren Sabbat bringen dürfet. Hier herrscht mein Brauch und mein Gesetz allein. Daher merket auf, w^as ich über euch verfuge. Fürs erste w^eiss ich w^ohl, ihr bringt viel Zeit damit zu, euch zum Gebet zu bereiten, und achtet nicht, w^ie w^eit es im Tag sei, und w^artet, dass die Gnade euch erfasse. Aber hier gilt das Dasitzen und Ausschauen mcht, ich bete
167
ab, was zu beten ist, und dann gehe ich ans Essen, denn ich bedarf vieler Speise und muss oft und schnell meinem Hunger Genüge tun. Fürs zweite kenne ich eure Art, zu beten, wie ihr schreit und tobt und einer lauter als der andere zu Gott reden w^ill. Aber hier ist kein Raum für den Lärm eurer Ver- zückungen, und ich w^erde mich und meine Leute von euch nicht belästigen lassen. Fürs dritte liebt ihr es, an dem Mahl zu mäkeln und w^ie rechte Narren des langen zu erw^ägen, ob dies und jenes für euch Chassidim rein sei; das soll euch hier nicht beifallen." Solch Verkennen und Entstellen der heiligen Sitten und das Verbot, dass sie nicht geübt w^erden sollten, w^ar dem Baalschem und den Seinen eine harte Schickung, aber sie hatten keinen Weg vor sich als diesen, und so stimmten sie zu und versprachen, sich in alles zu fügen. Da hiess er sie eintreten. Sie kamen in eine enge und kahle Stube. Als sie sich eine Weile auf den Boden ausgestreckt und von der schwersten Müdigkeit befreit hatten, fragte der Baal- schem, ob in der Nähe sich ein Bach oder ein Wasser- behälter befinde, -wo sie ein Tauchbad nehmen könnten zu Ehren des Sabbats. Da geriet jener von neuem in Wut und sehne: „Habe ich es mir doch gleich gedacht, dass ihr ein elendes Diebsgesindel seid! Ihr w^oUt nur herumspähen, w^o ich mein Gut verw^ahre. Wahrlich, ich nehme eure Siebensachen und w^erfe sie hinaus und euch dazu!" Da mussten sie lange flehen und Versöhnung erbitten, bis er sich wieder geneigt zeigte, sie zu behalten.
Der Baalschem und die Seinen sassen nun da und
168
sahen dem Mann zu, der in der Stube aus- und ein- ging, und verwunderten sich über ihn, denn sie hatten noch nie einen Menschen gesehen, der so plump und roh und unsauber war wie dieser. Auch in der Stube w^aren Boden und Wände besudelt, und w^eder Tisch noch Bank standen da, sondern vier Pfähle w^aren in die Diele eingerammt, und darauf lag ein unbehobeltes Brett. Bald bemerkten sie, dass dies der einzige W^ohnraum war, denn wohl gab es andere Stuben im Haus, aber »ie waren alle verschlossen, und die Türen w^aren grau vor Staub und mit Spinngew^eb bezogen, als ob sie nie geöffnet w^ürden. Auch w^ar nirgends ein lebendiger Hausgenosse zu sehen, nicht einmal eine Katze oder ein Vogel. Der Abend war nah, und noch erblickten sie nirgends w^eder Geräte noch Speisen zu Ehren des Sabbats. Der nesige Mann ging müssig umher, schnitt zu'w^eilen eine Schnitte von einer ungeheuren ^Vassermelone ab, die in einer Ecke lag, und steckte sie in den Mund. Dann ging er ■wieder einher und summte vor sich hin nach Art der Bauern. Die Gefährten befiel em Schrecken, er könnte gar des Sabbats nicht achten und ihm die Weihe versagen, der alle Juden in der Welt mit heiligem Eifer dienen. Da nahm er aber em Stück grober, ungebleichter Lemw^and und breitete es auf •einem elenden Tische aus. Darauf legte er einen kleinen Haufen Lehm, bohrte mit dem Finger em Loch hinein und tat darein eine armselige \Vach8- kerze. Nun begann er die süssen und holden Worte, mit denen seit Urzeiten ^^oche für W^oche in allen Ländern der Erde der Sabbat als die Braut imserer
i69
Seele empfangen wird, in eitler Eile herzusagen, -wie die Toren tun, die die Laute schlingen und den Sinn des ^^ortes ersticken. In einem Augenblick hatte er das Gebet vollendet, und die Gäste mussten desgleichen tun, von ihrem Versprechen gebunden. ^Vle sehr sie auch sein Wesen und sein ^ViUe peinigte, konnten sie doch in der Heiligkeit des Abends keinen Hass 'Wider ihn hegen und riefen ihm zu: „Gut Sabbat!' Er aber schnaubte sie zur Antwort an: „Ein böses Jahr komme über euch!" Und als sie den Sang an- stimmen wollten: „Friede sei mit euch!", fuhr er auf sie los und machte sie sch'weigen. Dann schickte er sich an, den Segen über den Wein zu sprechen. Sie baten ihn, er möge ihnen ^^ein geben, damit sie selbst den Segen tun könnten, aber er w^eigerte ihn und nef : „W^enn ihn alle segnen w^oUten, wHirde das Licht bald dahin sein. Lasst nur mich es für euch tun. Und so nahm er den Becher zw^ischen zw^ei Finger und murmelte die W^orte vor sich hin. Sodann tat er den Mund w^eit auf und goss den Wein hinein, dass nur ein paar Tropfen auf dem Grunde des Bechers blieben. Die reichte er ihnen und sagte: „Da, ihr Saufbolde, aber trinket nicht zuviel, dass ihr euch nicht berauschet." Nun legte er ein hartes, schimmeliges Brot aus schw^arzem Mehl und Roggen- kleie auf den Tisch und brach für jeden ein Stück ab. Und als einer von den Schülern nach dem Laib greifen -wollte, um sich ein zw^eites Scheibchen ab- zuschneiden, stiess ihn der Hausherr zurück und sprach zu den Gästen: „AVaget es nicht, mit euren eklen Händen an mein Brot zu rühren." Hierauf
170
setzte er ihnen eine Schüssel mit dünnem Lmsenbrei vor und legte vor jeden einen grossen Löffel und hiess sie hineingreifen und essen, denn Teller und dergleichen Feinheiten mehr gebe es hier nicht. Dabei neigte er sich über die Schüssel und schöpfte sich einen Löffel voll Brei und ass mit gieriger Hast, dass ihm die Brühe aus den Mundwinkeln in die Schüssel zurückfloss und die Gefährten es nicht mehr über sich vermochten, eine Hand nach der Speise auszu- strecken. Nach dem Mahl wollten sie die Sabbat- lieder singen, aber auch das verbot er ihnen, sagte schnell und allen Brauch vernachlässigend das Tisch- gebet herunter und erhob sich, um den Gästen auf dem Boden ein unw^ürdiges Lager zu bereiten.
In der ersten Morgenfrühe erwachten sie und hörten ihren Gast'wirt umhergehen und das Morgen- lied, das mit den Worten anhebt „Die Seele alles Lebendigen", nach einer bäurischen Tanzw^eise ab- singen. Damit begann ihr Tag, und er wurde noch bitterer und leidvoller, als der Abend gewesen war. Den Baalschem hatte alle Kraft des inneren Blickes verlassen, und die heilige ^Veisheit war von ihm ge- -wichen, und so sass er und schlug die Hände in- einander und konnte nichts denken als dieses: „Was ist dies, und warum ist dies, das mir Gott hier getan hat?" Endlich brach die Nacht heran, und der Schlaf kam sanft und gütig über ihn. Als er sich am Morgen erhob, fühlte er eine neue Kraft in sich keimen und betete mit Macht, denn er reiste nie von einem Orte ab, ohne mit Gott geredet zu haben, und sodann be- fahl er dem Diener Aleksa, die Pferde, die in den
171
Stall gebracht -worden w^aren, vor den Wagen zu spannen. Aber der Diener kehrte sogleich zurück und berichtete, die Haustür sei geschlossen. Da ging der Meister zum Hausherrn und bat ihn, die Tür zu öffnen, und sprach: „Nimm unseren Dank für alle Freundschaft, die du uns erzeigt hast, und -w^oUe uns nun den Weg ^velsen, darauf -wir am schnellsten nach unserer Heimat zurückkehren können. ' Jener aber gab zur Antw^ort: „Mit nichten, sondern ihr werdet noch meine Gäste bleiben." Und er liess sich nicht erbitten und hielt sie gleichsam gefangen m seinem Hause bis zum vierten Tag.
Am Morgen des vierten Tages aber kam er zu ihnen und sprach : „Heute ^verde ich die Tür öffnen." Und während er dies sagte, sah er sie in einer selt- samen Weise an und ging. Da kam ein Grauen über sie, denn sie verstanden sein Gebaren nicht, und so schlich sich ihnen m den Sinn, ob er sie nicht er- morden wolle. Während sie aber solcher Furcht nachsannen, öffnete sich die Tür zu einem der ver- schlossenen Zimmer, und eine schöne und edel ge- kleidete Frau trat hervor, die neigte sich vor dem Meister und sprach: „Rabbi, ich erbitte von Euch, Ihr möget mit euren Schülern bei mir den heiligen Sabbat feiern. Der Baalschem antwortete ihr: „Du nennst mich Rabbi. Wie konntest du da zulassen, dass mein Sabbat dergestalt zerstört wurde?" Da fragte die Frau: „Rabbi, erkennet Ihr nuch nicht?" Er sprach: „Nein, ich erkenne dich nicht." Sie sprach: „Als ich fast noch ein Kind w^ar, diente ich in Eurem Haus. Ich w^ar eine W^aise, und kein
172
Mensch lebte mir in der \Velt. Über meinen Händen aber waltete ein Ungeschick, also dass ich manches kostbare Gefäss, das ich trug, zu Boden fallen undzer- schellen Hess. Darob ermahnte mich Eure Frau gar häufig. Da ^vurde einmal der Sabbattisch bereitet, und Eure Frau ^voUte die Schüsseln auftragen. Ich aber mochte weisen, dass ich gewandter \vorden war, und bat sie, die Sabbatschüssel in meine Hände zu geben. Kaum aber hielt ich sie, kam ein Zittern in meine Finger, und ich Hess die Schüssel fallen. Da erzürnte sich Eure Frau über mich und gab mir einen leichten Streich ins Gesicht. Ihr aber sasset unfern und sähet es und liesset es schw^eigend ge- schehen. Da schrie eine Stimme in den Himmeln laut auf, und das Urteil w^ard über Euch gesprochen, dass Ihr um Eures Schw^eigens w^illen verlieren solltet, w^as Euch in der kommenden Welt bestimmt war. Mir aber geschah später die Gnade, dass ich von diesem Mann, der ein heimlicher Zaddik ist und seine Heiligkeit in seinem Tun verbirgt, zur Frau genommen w^urde. Er w^ar es, der mir eröffnete, w^as über Euch verhängt w^orden w^ar. Da begannen ^r zu Gott zu beten, dass das Urteil gew^andelt werde, und unsere Bitte wxirde uns gewährt, und es ward milder und immer milder, bis man aus- sprach, dass Euch ein Sabbat zerstört werden müsse, denn der Sabbat ist die Quelle der kommenden Welt. Und uns w^urde es aufgegeben, Euch solches anzutun. Aber nur, w^enn w^ir es ganz und gar vollendeten, so ward uns gesagt, würde unsere Tat das Verhängnis vernichten. So haben wir es denn
J73
getan im Wehe unserer Herzen. Und nun ist Euer Teil zu Häupten des obersten Paradieses." In diesem Augenblick kehrte die Weisheit zum Meister zu- rück, und das innere Sehen lebte in ihm auf, und er sah in die Tiefe der Geschicke und sah sein Heil und sah den heiligen und heimlichen Mann in seiner Wahrheit vor sich stehen. So gingen sie mitsammen in die geschmückten Räume und ver- blieben miteinander diesen und die nächsten Tage und feierten den Sabbat in hoher Freude.
