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Atalanta fugiens

Chapter 9

Section 9

geh | Drum Phabi Hand den Python hat erleget / Wie Cynthia zu thun / auch 2 Orion pfleget. 5 5 65
74 Fuͤnff und zwantzigſte Erklärung. W IA CH Eroberung des Aurei Velleris (guͤldenen Vließes) mufte der 25 Drach vor allen getoͤdtet und aus dem Weg gerdumet werden
- weilen viel vorhero die daſſelbe gefuͤhret / von dieſem Feind geleget worden. Dann ihre Macht war allzu ſchwach vor ſolchen Drachen / und ſie wuſt en auch nicht eine Liſt zu erdencken / mit welcher fie ihn überwinden mögen. Jaſon der Medicus erdachte auff Einrathen der Meder (des Ge⸗ muͤths) bald ein Mittel / und erwaͤhlte des Solis und Lunæ Bildnuß / wor⸗ mit er glücklich das Kleinod erhalten. Iſt alſo allein durch das Bild So- us und Lunæ der Drach uͤberwunden / und aus dem Weg geraumet wor⸗ den / wie die Philoſophi hin und wieder anfuͤhren. Dann alſo hat der Au- thor des Roſarii aus anderen bemercket; Hermes ſchreibet: Der Drach ſterbe nicht / wo er nicht mit ſeinem Bruder und der Schweſter zugleich getoͤdtet werde. Nicht durch einen allein / ſondern durch beyde zugleich / nehmlich durch Sonn und Mond. Der Philoſo⸗ phen Mercurius iſt ebenfals ohnſterblich / wann er nicht mit feiner Schweſter zugleich zu Boden geleget wird. Das iſt / man muß ihn mit der Lana oder Sole congeliren und vereinigen. Der Drach iſt das lebendige Queckſilber von / oder aus denen Coͤr⸗ pern gezogen / die einen Leib / Seele und Geiſt haben / dahero auch von ihme geſagt wird / der Drach ſterbe nicht ohne ſeinen Bruder und ſeine Schweſter / daß iſt / Sole und Luna. Oder: wann der Schwefel ertrahiret worden / ſo hat er noch eine Feuchtigkeit und Kalte bey ſich / ſo von der Luna kommt. Mit dieſem aber ſtirbt der Drach / wann nehmlich das lebendige Suͤber von eben dem⸗ ſelben Coͤrper gleich Anfangs extrabiret iſt. Dann dieſes lebens dige Silber wird der Philoſophorum aqua permanent nach ſeiner putre- fallion und Scheidung derer Elementen genennet / ſonſten aber heiſt es ein Agua ferıda. Und dieſes obbemeldter Author des Rofarii , welchen auch alle andere Philoſophi noch beypflichten / deren Worte deutlich auszutrucken die Zeit verbietet. Zu Epyrotis wurde in dem Tempel Apolli-
nis ein Drach geſetzet / und von denen Einwohnern verehret / weil er ihnen den Pytkheon getoͤdtet Man lieſet von den Drachen / daß er mit den Ele⸗ phanten in einer ſolchen Feindſchafft lebe / daß wo er ihn nur erblicke / alſo gleich an Halß falle / worvon jener zu Boden ſincke und den Drachen erdrucke / dahero nachgehends das Drachen⸗Blut in Europa geſandt wuͤr⸗
de. Der Drachen Augen werden denen Edelgeſteinen verglichen: und fuͤh⸗ ret derſelbe ein fehr ſcharff Geſicht / weßwegen ihme auch die Schaͤtze zu
bewahren anvertrauet worden / als in dem Garten Heſperidum die Aepffel / und zu Colchos das Aureum Vellus. Die Alten haben ihn auch dem Klcu- lapio als ein hieroglyphicum oder Gleichnuß beygeſetzt. Und die . egen
Fauͤnff und zwantzigſte Erklärung: np
legen ihn ihrem Werck zu / nicht in der Thatfelbft,fondern. als einc allegorie. Dann allzeit bildet der Drach den Mercurium ab er ſehe nun fix oder fluͤch⸗ tig. Und der Mercurius wird jederzeit mit einem Staab / um welchen dop⸗ pelte Schlangen gewunden ſind / vorgebildet / gleich wie der Janus der vor⸗ und hinter ſich ein Antlitz führet; dann der Drach iſt eine groffe Schlange / in welchen der Saturnus verborgen der feinen eigenen Schwantz ee dem Alculapio oder Erfinder der Artzney wird gedichtet / daß er eine Schlan⸗ gen⸗Geſtalt gehabt. Als er von der Stadt Epidaurus (in Pelopones nach Rom gekrochen / und daſelbſt um Abwendung der Peſt geopffert. Iſt al⸗ ne n Drach ein wachſamer / treuer Diener der Philofophen , der einer dicken Haut / ſcharffen Zähne und des vielen Giffts wegen / wormit er gleichſam umgeben und bewaffnet iſt / nicht ſo leicht verwundet noch be⸗ fieget werden kan. Obwohlen die gemeinen Drachen keinen Gifft fuͤhren / fo iſt doch dieſer mit Gifft aller Orten angefüllet/ dahero man ihn bey ſei⸗ ner Erledigung gantz ewe tractiren muß. Mit Gewalt wird nichts von ihme abgenommen dahero wann dieſes geſchehen ſoll ſeine nechſte An⸗ verwandten eine kluge Liſt gebrauchen muͤſen. Wie dann mit Warheit jener Pott gedichtet: 7 t frequens que via eſt, per amici fallere nomen. (Das iſt / durch Freunde einen hinterſchleichen iſt der ſicherſte Weg) welches an⸗ derwerts zu appliciren vor noͤthiger erachte. Dann ware es auch ſchon eine ſichere Occaſion oder Gelegenheit / fo iſt es doch ein Laſter und verbottner Weg den niemand ſuchen ſoll. Die Landſtreicher und Gauckler geben vor / daß ſie mit dem Schlangen⸗Pulver die Wuͤrme von den Kindern / alſo Bruͤder mit Bruͤdern und Schweſtern / vertreiben. Und eben auff ſolche Art muß dieſer Drach von Bruͤder und Schweſtern zugleich / das iſt / von Sole und Luna Bene werdenzworaus dann zu ſchlieſ⸗ ſen / daß er von der Zahl der Planeten ſeye: Wie auch Rolarius ſchreibet / daß der Mercurius aus denen Coͤrpern des Drachens genommen; Vom Juͤdiſchen König Herode lieſet man / daß er fich eine ſchoͤne Mannbare Jungfer heygeleget Und einige Geſchicht⸗Schreiber melden vom Tyberio dem Kaͤyſer / daß er ſich einen Schlaff⸗ 5 55 gehalten / den er der Gemonheit nach ſelbſt geſpeiſet. Wann nun der Philos ſophiſche Drach auch wohl und mit allem Gluͤmpff tractiret wird / ſo legt er feinen Gifft ab / und wird des Menſchen Freund / ob er ſchon ein Feind / wann man ihm Gewalt thut. Xanrus der Geſchicht⸗Schreiber er weiſet bey dem Plioio, daß der Drach ſein er⸗ ſchlagenes Junges durch das Kraut Balım erwecket / welches aber mehr vor eine allegori- ſche Redens⸗Art der Philoſophen / als vor eine wahre Hiſtory zu halten. Zumahlen des nen entſeelten Drachen / derer Philoſophen das beben wieder zu geben / und den bebendi⸗ gen dem Todt heyzub ringen die Kunſt erfordert. Doch wie kan und mag eigentlich ſol⸗ cher Drach gefangen werden? Hierauff antworten die Philoſophi gar kurtz mit dieſem Vers: Dant Rebismontes, draconetterraque fontes. 6 Von der Gefangenſchafſt derer Drachen iſt der Tacitus u leſen. Was ha⸗ ben viele nicht vor Müh und Arbeit angewendet / biß ſie jenen ungeheuer groſſen Dra⸗ chen in Africa bekommen / und dem Kayſer Tyberio geliefert. Dann der Orach hielte ſich in denen Po x ern / eau 100 — nen 1 nr * 100 . ten mußten. aſt brachten ſie en zu einem Schiff ins Meer / und fuh⸗ ren fis nach Rom dem Käyfer zu. K 2 Die
56 Sechs und zwantzigſt. Sinnbild von Geheimnuß der Natur. Die Frucht der wende b weibheit iſt das Holtz
Sechs und zwantzigſte Uberſchriff.
Der Weißheit groͤſter Schatz in dieſem iſt enthalten /
Daß Seel und Leib zugleich erfreuet ſind:
Aus ihrer rechten Hand ſoll niemand nicht veralten / Und auf der lincken Seit man allen Reichthum find.
Wer ſich zur 1 von ihr auch erbeu⸗
en / 43 Die Seegens volle Frucht / mit Uberſchuß und Freudẽ.
Einen
Sechs und zwantzigſte Erklärung. 77
Inen gar herrlichentinterfcheid unter einem Menſchen und kinem “Tier machet der berühmte Redner Tullius, wann er alſo ſchrei⸗ bet: wie ein Vogel zum Flug und ein Pferd zum Lauff ges ſchaffen / alſo iſt der Menſch vor allen andern Thieren zu . kohren und ans Liecht gebohren Dann * wie die Bahren / Tieger und Loͤwen ſich an groſſer Macht / die Kley a Ochſen an der groſſen Staͤrcke / die Adler / Falcken und Geyer aber an ih⸗ rem Flug und Raube uͤben / alſo auch der Menſch zu Ergoͤtzung feines Ge⸗ muͤths / an 8 ſich dahin beſtreben ſoll / alle andere Thiere durch die Vernunfft zu überwinden und zu uͤbertreffen. Wo iſt doch eine ſolche groſſe Staͤrck und Macht an einem grimmigen Thier zu eier enicht mit Vernunfft Fönte gebaͤndiget und gezaͤhmet werden? iß iſt die Vernunfft eine Goͤttliche Sache / ſo von G Ott dem Allwei⸗ fen Schoͤpffer in des Menſchen Hertz gepflantzet / und vor andern Thies ren eingepraͤget worden iſt. Dieſe wird zu weilen das Gedaͤchtnuß / und zuweilen das Vernunffts⸗Liecht genennet / aus welchem die Weißheit fer⸗ ner ihren Urſprung fuͤhret. Der Gebrauch iſt gleich einem Vatter / das chtnuß und Vernunffteln aber einer Mutter / von welchen nach⸗ gm: alſo herrliche Sproſſen entſprungen / dahero auch das gemeine pruͤchwort den: der Gebrauch hat mich gezeuget / und die Mutter hat mir das Gedaͤchtnuß erworben. Hier moͤchte ich wohl fragen / welches 8 die rechte Weißheit ſeye / die der Menſch nachfagen und fuchen ſoll? allermaſſen gar zuunterſchiedliche Meynungen fallen und ein jegli⸗ cher ſeine Auslegung vor ſich fuͤhret. Ich antworte (mit Vorbehalt des Goͤttlichen / als welches der Seelen zukommet / und allen anderen vorzu⸗ ziehen iſt) daß die Weißheit des Menſchen in keinem Sophiſtiſchen Gril⸗ len / noch hochtrabenden Oratoriſchen ( Rednerifchen) Worten / vielweni⸗ ger in Poetiſchen Sedichten noch Srammaticaliſchen Subtilitdten / auch nicht in Betrug und Verſtellung des Rechts / Lugen / Unterdruckung der Ar⸗ men / oder in Raͤncken und betrügerifchen Vorſchlaͤgen zum Reichthum / beſtehe / ſondern allein in Betrachtung der Chymifchen Wiſſenſchafft / wie dieſelbe in der That mit des Menſchen Leben koͤnne und möge proportioni- ret werden. Und dieſes iſt die Weißheit über alle Weißheit / welche zur Rechten durch Orient, zur Lincken aber durch Occident ſtreichet / und die ange Welt erfuͤllet. Von ſolcher ſchreibet Salomon im Buch der Weiß⸗ it am 8. Cap. v. 16. und ry. alſo: Welche ihr verwand find haben ein ewiges Weſen / und welche ihre Freunde / haben reine Wol⸗ luſt Verf. 15. Dann es iſt kein Verdruß mit ihr umzugehen noch Unluſt um ſie zu ſeyn / ſondern lauter Luſt und Freude. Und ob
zwar der Rebenſafft und die Muſica das menſchliche Hertz ers X 3 freuen /
78 i Sechs und zwantzigſte Erklärung.
freuen / ſo gehet doch die Weißheit uͤber dieſes alles. Sie iſt der Baum des Lebens allen die ſie greiffen; und ſeelig ſind die ſie halten. Lactanius nennet ſie eine Seelen⸗Speiß: Die Weiſſen wer⸗ den Ehre haben / und wem der Weißheit Lohn iſt / der wird durch ſie erhoben und geehret. Sie erhebet ihre Kinder und theilet Ehre zum Lohn aus. Aus ihr entſpringet ein unſterblicher Nah⸗ me bey denen Nachkoͤmmlingen / und ihre Staͤrcke gehet über alles; ja die Weißheit ſtaͤrcket einen Weiſſen mehr dann zehencde⸗ waltige die in der Stadt ſind. Zu ſolcher irrdiſchen Weißheit ſchicket ſich / was Baruch ſagt am 3. Cap. des 14. Verl, So lerne nun recht Weißheit / auff daß du erfahreſt / wer der ſeye der langes eben / Guter / und Freud und Friede giebet. Und im Buch der Weißheit am 3. Cap. des 17. Verl wird es ferner aftirmiret / daß die Weißheit ein geheimer Rathſchluß des Erkaͤntnuß G Ottes ſeye. Die Weißheit theilet alles Gute mit / und unzehliger Reichthum iſt in ihrer Hand / wer ihr an⸗ hanget / dem hilfft ſie aus mit hren. Syrach am 1. Cap. des 26. Verf, ſchreibet: Die Schaͤtze der Weißheit find das Erkaͤntnuß / und ih⸗ re Wurtz el den H Erren fürchten / derowegen auch ſolche Furcht ein Anfang der Weißheit genennet wird. Hiervon ſchreibet Mo- rienus gar nachdencklich wann er ſetzet: Dieſe Wiſſenſchafft wendet ſeinen Meiſter von allem Elend dieſer Welt / und fuͤhret ihnzum Erkaͤntnuß der kuͤnfftigen Dinge. Und erweiſet ferner / daß es eine Gabe G Ottes ſeye wann er fortfaͤhret: Dieſe Göttliche reine Wiſſen⸗ ſchafft theilet GOtt allein feinen frommen Dienern mit / als wel⸗ chen ers von Anfang der Schoͤpffung 3 33 Und wieder: Dann dieſe Wiſſenſchafft iſt ein lauter Goͤttliches Geſchenck / welches er gibt wem er will von feinen Kindern. Gefälle alſo Gott uns zu erniedrigen / und in allem uns feinem Willen zu unterwerffen. Weiters: Du ſolt wiſſen O Konig! daß dieſe Wiſ⸗ ſenſchafft alleine ein Geheimnuß aller Geheimnuſſe Gottes feye/ welches er ſeinen Propheten anvertrauet / denen er das Paradiß verſprochen. Das Holtz des Lebens zeiget den Weg der ewigen See⸗ ligkeit / und theilet feine Fruͤchte aus / ob in ihm ſchon ſelbſt die Seligkeit
nicht geleget iſt / dahero es Geſundheit / Gluck und Seegen giebet / als ohne welches ein Menſch todt / und ein ohnvernuͤnff⸗ tig Thier iſt.
Wer
Sieben und zwantzigſt. Sinnbild vonGGeheimnuß der Natur. 79
Wer ſich unterfaͤnget ohne Schlüffel in den Roſen⸗ „Gatten einzugehen Ir ii einem Wischen | der ohne
— — —
8 und Be Uberchriſſ.
Der Weiß oſen⸗Gart mit vollẽ Blumen pranget Doch iſt ſein Eingangs Tritt mit Riegeln veſt ver⸗
wahrt; Sein Schluͤſſel wird fürwahr nit ohne Muh erlanget / Gleich wie ein ſtumpffer Menſch zu gehẽ ſich nit art. Den Gipffel des Parnaß du nimmermehr erreicheſt / Wann von der Flaͤche du nicht in die Hoͤhe rige N
80 Sieben und zwantzigſte Erklaͤrung. On Erichtonie melden die Poeten, daß er von dem Saamen Vul- > cani entſproſſen / welchen er aus geyler Brunſt gegen die Pallas, die ihme die Lieb verſagt / zur Erden fallen laſſen: Dahero auch Erichtonius ohne Fuͤſſe wie eine Schlange gebildet worden ſeye. Dieſem nicht ungleich / ſolte auch das Philofophifche Werck ohne Beythun der Weißheit Palladis, allein im Feuer Schaden leyden / und zu einer mon⸗ ſtroſen und fußmanglenden Geburt gebracht werden / welche weder ſich helffen noch einem andern etwas dienen kan. Es iſt betruͤbt / daß der Menſch mit ſeinen Haͤnden und Fuͤſſen denen vierfuͤſſigen Thieren gleichet / und noch betruͤbter / wann er gar der Fuͤſſe mangelt / und an ſolcher ſtatt der Armen gebrauchen muß / wie ein Wurm der da kriechet. Die beyden Beine ſind die noͤthigſten Stuck des Menſchen / damit er ſich bewegen und wandlen moͤge; als wie die Augen dem Geſicht dienen / oder die Haͤnde die da greiffen denen Armen. So hat auch die Medicin und jegliche an⸗ dere Werckkunſt 2. Hauptſtuͤcke noͤthig / deren Nahme / gr and und Wiſſen iſt / als worauff ſie ſich gründen muͤſſen / und ohne folcher Bey ſtand alles Thun vergeblich di Die Chymia hat ſich eben zwey Haupt⸗ Sub ecta beygeleget / deren fie ſich als eine Grund⸗Saͤule gebrauchen koͤn⸗ nen / davon eines der Schluͤſſel / das andere die Riegeln nd. Hierdurch wird der at auffgeſchloſſen / und denen dahin wanderenden der Weg geoͤffnet. Wo aber ein eintziges von dieſen mangelt / fo gleichet es einem Steltzfuß / der einen Haaſen gerne verfolgen wolte. Der ohne Schluͤſſel in einen wohl verſchloſſenen Garten kommt iſt wie ein Dieb / und der im Fuͤnſtern dahinein gehet erkennet keine Blumen / wird auch wenig ſtehlen koͤnnen. Der Schlüffel iſt ein ſchlechtes Ding / und mag eigentlich ein Stein der in ſeinen Faͤchern ſtehet / genennet werden. Die⸗ ſer iſt die Wurtzel zu Rhodis / ohne ſolcher kein Saamen treiben kan / noch ſonſten ein Edelgeſtein hervor wachſen. Ohne ſie bluͤhet die Roſe nicht / und brechen keine Blaͤtter hervor. Nun ſolte man auch fragen / wo ei⸗ gendlich ein ſolcher Schlüffel zu an fene ? Ich antworte aber mit dem Oraculo, daß man ihn alldorten holen muͤſſe / wo des Oreſtis Beine gefun⸗ den worden / das ift : wo die Winde / der Schlag / der Wiederſchlag und des Menſchen Todt beyſammen. Oder: wie es Ly chas verdollmetſchet / in der Werckſtatt eines Schmieds. Durch den Wind werden eigendlich die Blaßbaͤlge / durch den Schlg die Hammer / und durch das Wiederſchla⸗ gen das Haͤmmern oder Schmiden / durch den Todt des Menſchen aber das eiſerne Oraculum verſtanden. Dieſen Schlüffel findeſt du ohnfehl⸗ bar inder Helffte Hemifpherio ) des Mitternaͤchtigen Zodiaci, wann du nur die Signa und Zeichen wohl zu zehlen und zu unterſcheiden / 905 25
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Sieben und zwantzigſte Erklärung. 81 Riegel der Mittags⸗Linie zufuͤhren weiſt. Dieſe wann ſie einmahl ge⸗ funden machen daß du ohne Mühe zur Thur eingehen magil- Ein g wird die Venus mit ihren lieben Adonidegeiehen die Die weiſſen Ro⸗ en mit ſeinem Blut bepurpurt. Ingleichem zeiget ſich der Drach der in dem Garten Heſperidis die Roſen bewahret; Der Geruch der Roſen kehret ſich nach dem darzu gepflantzten Knoblauch / der einen hohen Grad der Hitze fuhret / und fie vor Froſt bewahret. So lang die Ro een keine rb und Geruch bekommen ermanglen fie des warmen Erdreichs. Und nn die rothen Roſen den Dampff eines gemeinen Schwefels empfin⸗ den / werden fie weiß davon; doch giebt der Spiritus Vitrioli wieder was dieſer ihnen abgenommen. Der gemeine Schwefel iſt dem Philofophi- ſchen gantz entgegen / ob er ihn ſchon nicht zerſtoͤren mag: doch vereiniget ihn das Scheidwaſſer / und erhält feine Farb. Daß der Venus die Roſen gewidmet worden / verurſachet ihre Schoͤnheit die allen anderen Blumen vortritt. Sie (die Roſen) ſind jene ſchoͤne Jungfer die die Natur be⸗ waffnet / dahero ſie auch ohne Verletzung des Brechenden nicht moͤgen von ihrem Stamm genommen werden. Die Violen manglen ſolcher Waf⸗ en / und werden nur zum oͤfftern mit den Fuͤſſen getretten / und die Roſen unter denen Dornen verborgen u uͤhren innerlich ein gelbes Haar auſſerlich aber ein grünes Kleid. Der Weiſſe bricht fie ohne Stechen und ſaubert ſie von allen Spitzen; der Ohnerfahrne aber muß den Dorn am Finger führen. Eben alſo mag niemand kluges in der Weiſſen Blu⸗ men greiffen noch fie begehren / er habe ſie dann vorhero von ihren Doͤr⸗ nern gemachet / und die Blumen mit ihren Stacheln vertrieben / ja ſonſt wird er Gall vor Honig ſchneiden. Viele beſuchen gar auff diebiſche Art den Roſen⸗Garten ) bekommen aber nichts als Schmertzen davon / dann alle ihr Muh und Arbeit iſt ein vergeblich Thun. Worüber auch Bacafler in der Turba meldet: Es ſcheinet daß unſer Bucher den jeni⸗ gen nur ein Tort find / die dieſelbigen r. oder 2. mahl geleſen / und 2 is en ver 8 en / ja eig ee e / Zeit . etzet und ver bald darauff: Wann jemand vermeinet daß ers gemachet / und rein habe / ſo wird er nimmer nichts in ſeinen Haͤnden haben
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