NOL
Atalanta fugiens

Chapter 7

Section 7

bringt das fermentirende zu feiner Art / und ohne dieſes / wird keine Tinctur zum völligen End gebracht.
Wann
Kleungehendes Sinnbild von Geheimnu der Natur. 55 Wann einer von dieſen vieren getoͤdtet wird / ſo ſterben ſie alleſammt. |
Neunzehende Uberſchrifft.
Vier Brüder findeſt du hier in der Reyh zu ſehen / Davon der eine fuͤhrt die Erd in ſeiner Hand / Der ziveyte Waſſer hält / der dritt und vierdt befichen/
Mit Lufft und er 9 die toͤd't in einem
an ” Weil ſie zufammen find in Freundſchafft feſt verbunden / So ſind durch eines Todt / die andern überwunden.
Neunzehende Erklärung,
„Sddichten die Poeten vom Geryone einem König der Spanier / daß er drey Coͤrper und verfchiedene Purpurfarbe Ochſen gehabt / LE deren Befchügere ein Hund mit 2. Koͤpffen / und ein Drach mit ſieben / geweſen. Dieſer Geryon war des Chryſaoris (der von
dem Blut Meduſæ geſtammet) leiblicher Sohn. Der ſiebenkoͤpffige Drach aber ſtammet von dem Typhon und der Echidna. eilen nun in keiner Hiſtory dieſe Relation vor wahr angegegeben wird / fo will auch niemand dieſes zu glauben auffbuͤrden / ſondern allein denen Chymiften und Natur⸗Kuͤndigern Beyfall geben / als die nach des weiſen Hermetis Meynung / vorſtellen / daß durch den drey gecoͤrperten Geryon, die drey Koͤpffe fo an einem Vatter zu ſehen / verſtanden werden muͤſſen. Oder wie andere wollen / durch viere / die vier Elementa zu nehmen ſeyn. Dann aus dem Quadrat oder Viereck muß ein Dreyeck / als wie das Quadrat aus einem Circul gekommen / bereitet werden / und dieſes wird alsdann wieder zu einem Circul verkehret. Mit denen Coͤrpern Geryonis finden ſich alſo genau die vier Elementa vereiniget / daß wo einer nur getoͤdtet und beſie⸗ get wuͤrde / alſo gleich die anderen mit fallen und verfaulen ſolten / ohne daß man einige Gewalt üben doͤrffte. Von denen zwey Coͤrperiſchen Geburten iſt bekandt / daß wo einer abſtirbet / zugleich auch der andere mit abſterbe. Einen ſolchen 2. Coͤrperichen Knaben ſahe man vor eini⸗ gen ne in Italien / der hatte einen Bruder an ſich haͤngend / deſſen
Kopff in ſeinem Leibe verſchloſſen war / und reichte allein der Coͤrper aus der Mitte ſeines Leibes beym Nabel heraus: Wann nun das kleinere Corpus deſſen Kopff in dem groͤſſeren verſchloſſen war / von dem rechten Menſchen an dem Fuß oder der Hand beruͤhret wurde / ſo empfande der röffere Schmertzen davon / und bekam einen Hunger / als wann das leinere Corpus Hunger haͤtte. Eine ſolche Sympathie und Vereinigung fuͤhret die Natur / daß die Glieder eines Coͤrpers oder die mit einem an⸗ dern Coͤrper ſich verbunden / ſich in einander bewegen / und wo eines kranck darvon / auch das andere Schwachheit empfindet / ja wann eines toͤdtlich verwundet waͤre / das andere mit verlohren gehet. Wann ein Nachbar allen Nutzen allein hat / ſo wird der andere Schaden leiden / und wann deſſen Hauß in die Flamm geraͤthet / ſo hat er noch groͤſſern Verluſt. Nicht anderſter verhaͤlt ſich deine Sache / als des Nechſten Hauß das in der lamme ſtehet. Dann durch toͤdtlichen Abtritt einer dieſer vier Bruͤder / o andere nur vor 3. halten / ſterben auch die übrigen / und zwar darum / weilen ſie in einer Geburt von einer Mutter und Vatter ſtammen / und ein Lebens⸗Ziel von der Sternen Einfluß angezogen. Oder / weilen ſie nicht allein ein Gemüth / ſondern auch einen Coͤrper führen / wodurch / wann das Gemuͤth erſchrecket / oder durch eine ſcharffe a — euche
Neunzehende Erklarung. b 77 Seuche lædiret und berühret wurde / alle Glieder Schaden leyden. Unter dem groſſen Mogoll des Indien welcher u re der Neunte geweſen / wohnete ein Heydniſches Geſchlecht Pythagori benah⸗ met / die den uhralten Gebrauch führten / daß ein Weib bey toͤdtlichem Abſchied ihres Mannes ic lebendig verbrennen muſte / wo fie nicht von allen Goͤttern wolte en ſeyn / und ewiglich vor infam ( ohnehrlich) paſſiren. Die Urſach ſolches ſtrengen Geſetzes war den Meichelmord zu verhuͤten / damit nehmlich das Weib ſich nicht gelüften laſſe / dem Mann mit Gifft nachzuſtellen und zu toͤden. Wann nun in dieſer unſerer Phi- loſophiſchen Arbeit der eine Bruder entſeelet worden / fo ſterben auch die anderen 8 nicht zwar durch Gewalt / ſondern vor Traurigkeit / da⸗ mit ſie aller Schmach und Schande hierdurch entgehen moͤgen Oder: fo einer nur geſchlagen / oder mit einem Eiſſen oder Stein verwundet wird / erhebet ſich 8 gleich von innen mit den anderen auch ein Streit und Em⸗ pfindnuß / wie an denen jenigen zu ſehen geweſen / die von des Drachen Zaͤh⸗ nen hervor gebrochen / und gegen den Jalon ſich geſetzet / oder / die ſich ge⸗ gen den Cadmum gewendet / wodurch fie einen einheimiſchen Krieg erre⸗ get / und von ihren eigenen Händen getoͤdtet worden. Ruͤhre oder verle⸗ se alleine das luͤfftige fo wirſt du inden / daß es ſich fo gleich in zwey als Waſſer und Feuer erhebe ſo einander verwandt find; dieſe beyde tretten in einen irrdiſchen haͤfftigen Streit / und ſtellen ſich fo lange gegen einander / biß ſie 10 zuſammen toͤdtlich verwundet / und davon des Todes worden. Alſo iſt es auch mit denen Bruͤdern / welche / jemehr ſie ſich zuſammen lie⸗ ben / jemehr entzündet ſich die Lieb in ihnen Und jemehr der Haß bey ih: nen die Herrſchafft hat / je weniger wird eine Verſoͤhnung bey ihnen zu hoffen ſeyn / ja ſie folten endlichen gar einander auffreiben. Bey einem hi⸗ tzigen Magen oder einer verdorbenen Leber wird das allerfüffefte Honig zu bitterer Gallen gekochet. Toͤdte alfo den lebendigen / damit du den Tod⸗ ten wieder erwecken Fönneft / ſonſten du keinen Nutzen von dem entſeelten Coͤrper haben wirſt. Der Todt muß ihn erwecken / und wann er wieder le⸗ bendig worden / wird der Todt vor ihm fliehen / ja die Finſternuß und das Meer ſelbſten / wie klermes ſchreibet / werden weichen. Der Drach in der Hoͤlen wird den Schein der Sonnen meiden / und unſer todter Sohn wird wieder leben / ja der Koͤnig wird aus dem Feuer hervor tretten. Bellinus in feiner Metaphora bey dem Rofario meldet: Diß geſchiehet zur Zeit wann du mich zum Theil aus meiner Natur / zum Theil aber mein Weib aus ihrer Natur zieheſt / und hernach die Naturen toͤdteſt / ſo ſtehen dann wir
beyde auff in einer neuen geiſtlichen Geburt ohne Coͤrper / und Fönnen nicht mehr fuͤrohin getoͤdtet werden.
H Die
38 Zwangigſtes Sinnbild von Geheimnuß der Natur.
Die Natur unterrichtet die Natur und uͤberwindet / Wat eee =
Zwantzigſte Uberſchrifft.
Die Flamm pflegt wie ee all Körper zu ver⸗ zehren und edler Jungfern Zierd / veſt zu beſiegen iſt: Drum der geharniſchte die Thraͤnen zu verwehren / Bey dieſem 1 Bild / zur Hüͤlff behend ſich
rüft, Mit Schwerdt und Schild er ſeinem Feind begegnet / Und leget dar / daß kein 1 ihn beweget.
Swangigfte Erklärung. 72 „E iſt ein gemeines Axioma oder Symbolum der Philoſophen, daß in denen Dingen ſo einander verwandt ſind / eine Natur die andere ziehe / regiere / unterweiſe und beherrſche / gleich wie die Runſt von der Lehrmeiſterin / die Magd von der Frauen / die Unterthanen von der Koͤnigin / ja die Tochter von der Mutter / und der Verwandte von dem . und 1 — wird. Die Warheit deſſen leget uns das tägliche Exempel der erziehenden Jugend und anderer Sachen als die information, Fuhrungund Regierung ꝛc. dar. Plinius der Natur⸗Kuͤndi⸗ ger ſchreibet von der Nachtigal / daß eine die andere im Schlagen unters richte / hoͤre / und derſelben 8 ja ihr mit hellem Schlag vorzukom⸗ men ſich beſtrebe / und wann ſie dieſes nicht erzwingen kan / wehmuͤtig be⸗ klage / auch zuweilen gar durch ſolchen Wettſtreit im Schlagen ſich den Kroyff geſprenge daß ſie todt zur Erden falle Nun finden wir auch an dem Geflügel Vieh / daß ſie ihre Junge zum Flug gewehnen; woraus erhellet / daß die Kunſt mit der Natur zugleich ihr Werck verrichten / und ob auch ſchon alleine ihnen die Natur eine Macht zum Hagen eingepräget haͤtte / ſo muſte jedennoch die Kunſt hierzu die Anleitung geben. Die jungen Maul⸗ Thiere werden von denen Pferden zu dem Lauff / die jungen Hunde vom als ten zu dem Bellen / und der kleine Fuchs von ſeinen Eltern zum Betrug ge⸗ fuͤhret / und iſt nichts unter allen Thieren doch zu finden / daß nicht ſeine Jungen anweiſe / leite / führe und unterrichte. An denen Vegetabilien fön- nen wir dergleichen nicht wahr nehmen / doch findet man / daß des Menſchen Hand ein groſſes bey ihnen ausüben und verrichten koͤnne. Wann das Kraut zu zeitigen beginnet / muß es von feinem Unkraut und Trebs geſau⸗ bert werden; und wann der Baum noch jung iſt/ pfleget man ihn nach Ge⸗ fallen zu biegen und zu ziehen. Der Metallen und Philoſophiſchen Subſe⸗ corum Natur halt die andere in dem Feuer / ernehret und beſchützet ſie / wie denen Schmeltzern / Natur⸗Kuͤndigern und übrigen Kunſtlern allzu viel bekannt iſt. Dem Silber und dem Gold / welches noch roh und ohnge⸗ ſchmoltzen in ſeiner Minera verſchloſſen liegt / und mit dem Antimonio und Arſenic ſehr umgeben iſt / dienet das Eiſſen zu nicht geringem Vortheil / wann es indas Feuer kommt und geſchmoltzen wird. Ingleichem muß das Eiſſen ſelbſt wann es ſoll zu Stahl werden / durch die — Kißling⸗ Steine die am Waſſer liegen / conſerviret werden / daß es nicht verbrennen kan. Einige wann ſie das zu en Metall im Fluß treiben wol⸗ len / vermiſchen es vorher mit klar geſtoſſenen Cryſtallen oder Glaßgall / da⸗ mit es nicht vom Feuer verzehret werden koͤnne. Den che en ebenfalls ihren eigenen Zuſatz / welches Movienus eine Glaßgall nen⸗ net und es in den Glaͤſeren zu ſuchen Sun Es verzehret des Feuers Gewalt durch die Zeit das wo ihm — ö ? 2 wir
ce Bwansigfte Erklärung. wird ein Zuſatz gegeben / fo erhält es ſich: dann alle Coͤrper ſo die Seel vers lohren / ſind der Zerſtoͤrung des Feuers unterworffen. Der Zuſatz oder die Glaßgall iſt allen Coͤrpern dienlich: der Gewalt des Feuers zu begegnen / wie auch Morienus Romanus ſchreibet. Iſt alſo dieſes die Natur / welche die anderen gegen das Feuer zu ſtreiten / und ſeine Natur anzunehmen unterrichtet; dieſes iſt die Lehrerin ſo ihre Schule fuͤhret: und wo du es recht betrachteſt / fo iſt ſie Koͤnigin / die ihre untergebene Unterthanen bes herrſchet / und die Tochter die durch die Tugenden ihrer Mutter erhebt. Dieſes iſt der rothe Knecht / der ſeiner ee e Mutter zur Ehe ge⸗ geben wird / und aus welcher eine weit edlere Frucht entſproſſet als die El⸗ tern waren. Es iſt Pyrrhus des Achillis Sohn / und der rothkoͤpffigte Juͤngling der ein 1 Stuͤck traͤget / ſchwartz von Augen iſt / und weiſſe Fuͤſſe hat Dieſer iſt der ausgeruͤſtete Ritter / der mit Schild und Schwerdt bewaffnet / gegen den Drachen tritt / die unverletzte weiſſe Jungfer Beam aus dem Rachen zu reiſſen. Dieſer iſt der Thierbeſieger Hercules, der die Heſionem des Laomedontis Tochter von den Monſtroſen Thier befreyet. Dieſer iſt der Perſeus der die Andromedam Koͤnigs Casſiopes und Cephei Tochter / in Egypten von dem Weerwunder durch Darhaltung der Me- duſæ Haupt errettete und als er ſie von denen Ketten befreyet / zur Ehe nahm. Dieſer iſt ein Vertheidiger der Freyheit / und ein Opffer ſeines ei⸗ genen Coͤrpers / wie Marcus Curtius L. Scævola, Horatius, Coclites, Man- lius Capitolinus, welche die Stadt Romlals ihre Mutter aus der Gefahr / durch Opfferung ihrer eigenen Coͤrper errettet- Dann ſoll ein Ding zu ſei⸗ ner wahren Vollkommenheit gereichen / ſo muß der erforderenden Natur nach / aus einem ſolchen Ding ein anders und hoͤheres / aus einem 15
kommenen ein vollkommenes / ja aus der Potentz und Gewalt / der Adtus oder die wuͤrckliche That bereitet werden. Und dieſes gehet nicht auff ein mahl zugleich: ſondern nach und nach: Nicht allein / ſondern fuͤhret ſeinen Regenten / deme Todt und Leben in die Hand gegeben iſt / das iſt / der ein anderes zu wuͤrcken Gewalt hat / bey ſich. Zum Exempel: Bey der gene- ration eines Menſchen werden zehen Monat gerechnet / ehe er zur Geburt kommet / Sein Hertz waͤchſet zu erſt (wie Ariſtoteles auch anführen als der Regent und das allervornehmſte Stuͤck des gantzen inneren Leibes; und dieſes bildet / formiret und vollbringet fernershin zur Nahrung das Leben / die Sinne und den Wachsthum / und theilet durch ſolche Darſtellung und Entſcheidung den Lebens⸗Geiſt / der neuanſetzenden Geburt mit / das iſt / es beſchraͤncket und umfaſſet ſelbige mit Adern / fo lange es ohne Anſtoß und Gewaltthaͤtigkeiten frey bleibet / derohalben lehret eine Natur die an⸗ dere; welches uns Exempelweiß zu Verfertigung des Philoſophiſchen | Werckes / vorgeſtellet worden iſt. 10 | ache
Ein und zwantzigſtes Sinnbild von Geheimnuß der Natur. 6
Mache aus Mann und Weib einen Circul / und aus dieſen ein Viereck / dann einen Dryangel / alsdann wieder einen Circul / fo bekommſt du den Stein der Philofophen.
Zn — nn mn — —— —̃ — u... |
1 2 —EBᷣ— ele — —
= A 85 Nen . | FAZIT ae I 7 be: N, nl m rs un A — Y n — 9 X 22222 „„ K „ nz . fer? / 22 8 = 2 Ua Bm muy — W. u Eee ö 1 ms 1 - 2 e „2 N b ee 2. u ——— ra Tr —
mn 2 — em mm
N N 2 * — 4 . u Terre: 1 ou Ta! ur gu ER N 2 2 2 — = — 4 # 2 .... 1 >. ’ > z e = FR, E ——— SO ER = \ — SI paar == me en I. 3 = =
Ein und zwantzigſte Uberſchrifft. Aus Mann und Weib den Circul pfleg zu machen / Damit ein Viereck komm aus 4 —4.— fuͤr: Zieh weiters auch ein Dreyeck / laß die Sachen /
m Circul wieder geh'n / ſo zeigt der Stein ſich dir. Solt' dein Verſtand und Sinn auch alles gieich er⸗
gruͤnden / So ſeh die Meß Kunſt an darin iſt es zu finden. 9 3 l
62 Eein und zwantzigſte Erklärung, a) S fatuiret der hochberuͤhmte Philoſophus Plato, daß in dem 88 menſchlichen Gemuͤth alle Weißheit und Wiſſenſchafften der ED Künfte in der That eingepraͤget liegen / welche durch öffteres mies derholen und erinnern von jederman koͤnten erwecket / und an Tag gelegt werden: und ſolches zu erweiſen 1. er einen kleinen / rohen und ohngelehrten Knaben dar / welchem er allerhand Geometriſche Fragen vor⸗ leget / die der Knab recht zu beantworten nicht uͤbergangen / und wieder al⸗ les Wiſſen und Wollen dargethan / daß er ſchon in dem innerſten ſolcher hohen Kuͤnſte verſire. Wuͤrde alſo keine Kunſt vom Anfang her erlanget und gelernet / ſondern durch das Nachſinnen und Erinnern in dem Ge⸗ muth allein aufgeftöbert / und den Knaben von Kindes Beinen an ins Ge⸗ daͤchtnuß geleitet Mit dem ferneren Benfügen feines groſſen Jahrs / das 48000. Jahr vorhero eben die Perſohnen / Sachen und Thaten alſo vor dem Verlauff des Geſtirnes in dieſer Form und Art geweſen waͤren / wie fie noch dato find und zu fehen waͤren. Dieſes alles aber alone Funda⸗ ment und ein bloſſer Traum. Zwar wie bekannt iſt / ſo hafften uns noch ei⸗ nige Funcken derer Wiſſenſchafften im Gemuͤth / es ſind aber ſolche mehr eine potenz oder Moͤglichkeit die Kuͤnſte lernen zu koͤnnen / als durch bloſ⸗ ſes Wiederholen / Nachſinnen oder Erinnern die wuͤrcklich⸗beſitzende Wiſ⸗ ſenſchafft an Tag zu legen. Daß aber die Wiſſenſchafften und Kuͤnſten dem Knaben gleichſam eingeſaͤet ſeyn ſollen iſt nicht zu erweiſen. Nun wol⸗ len einige fragen / woher doch die Kuͤnſte und Wiſſenſchafften ge⸗ kommen / wann ſie nicht die Menſchen erfunden? ob ſie dann von denen Goͤtteren aus dem Himmel oder von denen Regenten der Welt ſtammen? Ich antworte kurtz darauff / daß ein anders ſeye / wann man ſaget / es lege eine ſolche Glut unter der Aſchen verborgen / daß wann man ſie hervor ſcharre / genugſam eine Speiſe darbey kochen / oder unſere kalten Glieder erwaͤrmen koͤnne / und wieder ein anders: wann allein bejahet wird / daß ein gar kleines Fuͤncklein darinnen verborgen ſtecke / welches / wann es ſoll ge⸗ brauchet werden / durch Fleiß / Muͤhe und Kunſt erſt angeblaſen / excoliret und vermehret werden muͤſſe / anderſter es gar erloͤſchen / und in eine kalte Aſchen ſich verkehren wird; Das letztere iſt der Ariſtotelicorum Meynung gleich / wie das erſtere Plato behauptet. Doch tritt dem letzteren noch die Vernunfft und experientz zur Seiten / da das erſtere allein aus der Phantaſie und Einbildung quillet / weßwegen man noch fragen koͤnte / warum Plato an die Thur feiner Schule geſchrieben? Den ohnerfahrnen in der Geome- triſchen Wiſſenſchafften iſt dieſer Eingang nicht enlaubet; da er Doch be⸗ haupten will / daß auch ſolche in der That die kleinen Knaben wüften. Ob fie nun deute find die weniger Verſtand als Kinder haben / oder die den in⸗ dern gleich / oder aber ob ſie ſolches durch das Alter vergeffen? iſt nicht deen.
0 5 5 meſſen.
as]
Ein und zwantzigſte Erklärung. 63 meſſen Zumahlen aus der Natur täglich zu ſehen iſt / daß auch die unver⸗ nünfftigen Thiere aus der Natur einen Trieb haben / das Feuer zu ſcheuen und zu fliehen und vor Waſſers⸗ Gefahr und anderen Unglücks⸗Fallen ſich vorzuſchzuen. Aber ein neugebohrnes Kind ein ſolches nicht ehender er⸗
et / als biß es feine inger perbrennet / gleich einem Flettermauſſigen / das ins Liecht geflogen und die Slügel verlohren. Warum begeben ſich nicht auch durch ihren ſchnellen Flug / die Bienen / Schnacken und Flie⸗ gen in ſolche Gefahr des Feuers? da ſie doch fo wenig als dieſe wiſſen / was vor eine Gefahr ihnen vorſtehe oder daraus erwachſen moge. Ich halte aber dafür und glaube / daß es jenen die Natur allein gelehret / und dieſen denen Kindern nicht. Wann denen jungen Knaben die Ceometriſche Wiſſen⸗ ſchafft gleichſam angebohren / woher kommt es dann / daß Plato die Verän⸗ derung des Circuls in ein Viereck nicht gewuſt / ſondern Ariſtoteles fein Schüler up Beten müffen / daß dieſe Kunſt zwar bekandt / doch aber ihm noch ohn⸗ wiſſend ware? Denen bhilolophis und Natur ⸗Weiſen ſcheinet die ſes alles nichts frem⸗ des u eon / dann ſie heiſſen den Cireul in ein Viereck / und das Viereck durch ein Dreyeck wieder in einen Cireul umzukehren. Und hiedurch bilden fie das Simple Corpus ohne Windel vor / gleich als wie die vier Elemenra durch ein Vier eck oder Quadtat hon ihnen vor geſtellet wird. Andeutende daß aus jeglichen ſchlechten Ceinfältigen ) Ebrper die vier Elemenra mũſten geſchieden werden. Ein ſolches Viereck entſpringet aus der Phy- fie, und wie einem jeden bekandt iſt / ſo ſtimmet es mit der Natur ein / und giebt dem menſchlichen Gemuͤth zu Erleuchtung feines Verſtands und Vortheils einer Republie weit gröſſeren Nutzen / als die T heorerifche und von der Materi abweichende Mathe- mati ca, welche / wann fie ſoll erlernet werden / den Feldmeſſer dahin fuͤhret / die foliden- Coͤrper zu ergruͤnden / das iſt / die Tieffe einer Spherz oder eines Cubi zu erforſchen und feinem Nutzen zu appliciren. Dann wann der Kugel oder Sphz:= dufferliche Citcum- fern 32 Schtitt waͤren / fo muͤſte er erforſchen / wie viel eine Seite des Cubi nun hiel⸗ te und ſo dann den Inhalt mit der Kugel erſt vergleichen. Und wiederum: wann die Sphæt eg Maas hielte / wie viel doch eine Seite des Cubi wohl halten möchte wann fie jener nach dem Inhalt derer Maaſen recht gleichen ſolte. Oder aber / er muͤſte nach dem Maas gehen und ſchauen / wie er die Maas des Cubi und der Sphrrz nach dem Fuß oder Schuh der Circumferenz pergleiche. Die Philofophi lehren durch Verwandlung des Quadrass in ein Dreyeck / daß man Geiſt / Leib und Seele hervorbringen ſoll / welche 3. dann in dreyen kurtzen Farben vor der Rothe erſchienen. Zum Exempel: das Corpus oder die Erde in der Schwartze Saturni, der Spiritus in der Farb der weiſſen Lunz als ein Waſſe / Die Seele aber oder Lufft in güldiſcher Citrin Farb. Wann nun der Try⸗ angel zu ſeiner hoͤchſten perkection gekommen / muß er wieder in. einen. Sir eul / das iſt / in eine ohnveraͤnderliche Rothe gebracht werden: Durch welche Ope- tation dann das Weib in den Mann verkehret / und ein einiges aus ihnen ge⸗