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Atalanta fugiens

Chapter 5

Section 5

36 Bwölffte Erklärung. Hermes: Nimm fein Hirn und zerreibe es mit dem aller ſchaͤrffſten Eſſig oder Knaben Harn / biß es dunckel wird. Wann nun diß geſchehen / fo ſtehet es in feiner Faͤulung auff zum Leben / und die truͤben Wolcken / welche in⸗ und uͤber ſeinem Coͤrper vor dem Todt geweſen / tretten wieder hervor. Dieſer Stein wann er in die Weiſe tritt / wird fo dann von dem Sarurno wieder ausgeſpien / und der Nachwelt zum Andencken auff die Spitze Heliconis geſtellet. Hiervon hat Heliodus alſo gedichtet: Es ligt unter der ſchwartzen Farb ohn betruͤglich ei⸗ ne ſolche Weiſe verborgen / die aus ihrem Bauch das iſt / aus dem Bauch Sturm gezogen werden muß. Dahero auch Democritus ge⸗ ſchrieben: Reinige das Zinn mit einer beſonderen Abwaſchung / und ziehe ſeine Schwaͤrtz und Dunckelheit ihm aus / ſo erlangeſt du eine Weiſe. Und die Turba: Fuͤget das trockne zu dem feuchten / (das iſt / die Erde mit ſeinem Waſſer) und kochet es biß zur Weiſe. Dieſes erklaͤret ferners gar ſchoͤn Arnoldus in novo Lumine c. 4. Derowe⸗ gen iſt die Feuchtigkeit / welche in der Rochung die Schwaͤrtze ent⸗ decket / wohl zuolſerdiren damit fie nicht vertrockne / biß die Weis ſe hervor bricht. Und bald darauff: Mich berichtete mein Lehr⸗ meiſter / daß dieſe Dunckel heit auffgeſtanden und aus dem Bauch der Schwaͤrtze genommen ſeye / wie auch in der Turba zu leſen Wann nun ſolche Schwartze erſchienen / ſo verſichere dich / daß im Bauch der Schwartze / (als welche zu erſt erſcheinet /) die Weiſe noch verborgen ſtecke. Eine gleiche Schwartze mit dem Saturno fuͤhret auch das Bley: Dahero Agadimon in Turba alſo ſchreibet: Rochet das Erz biß feine Schwaͤrtze kommt / das nennen die Philofophi einen Pfennig (eine Muͤntz) und miſchet wohl die Stuͤcke unſerer Arbeit / ſo wird ſich bald die Schwaͤrtze weiſen / welches der Philo lophorum Saturnus und Bley iſt / worvon fie fo viel in ihren Büchern geſchrieben. Hieher gehoͤret der Spruch Emigani: Wann des Saturni Glantz ſich in die Lufft geſchwungen / ſo erzeiget ſich nichts anderſter dann ein Schroaͤrtze. Und Plato in Roſario: Das erſte Regiment Saturni iſt die Faͤulung / und an das Liecht bringen: Woraus dann er⸗ hellet / daß die Philoſophi eine weit andere Meynung fuͤhren / wann ſie vom Saturno reden / als daß fie den gemeinen verſtuͤnden. Dieſer Sarur- nus zeugt den Jovem, weiter aus Latona die Dianam, das iſt / die vollkom⸗ menſte Weiſe / und endlichen auch den rothen Apollo. Und dieſes iſt aller vollkommenen Farben eintrettende Veränderung. Der Stein vom Sa- turno ausgeworfen / ſoll zum ewigen Gedaͤchtnuß denen fterblichen See muͤthern auff des Berges Gipffel geſetzt werden / fo mehr als
zu wahr iſt. Das
Dreyz hendes Sinnbild von Geheimnuß der Natur.
7 * [4 0. 37
Das Erg der Philoſophen iſt Waſſerſüͤchtig / und will
ſieben mal in dem Fluß gewaſchen werden / wie Naaman der Auffägige im Jordan.
Dreyzehende Uberſchriff
Das Ertz der Weiſſẽ iſt / durchs Waſſer hart geſchtwollẽ Und hat zum Brunn des Heyls die Hoffnung veſt
geſetzt / Weil von dem Naman auch die wahre That erſchollen / Daß durch vierfaches Bad / der Jorban ihn ergoͤtzt. Drum laß im füffen Bad auch dieſes Erg abwaſchen / Auf daß es vor die Seuch / Geſundheit moͤg erhaſchen. i € 3 Daß
38 Dreyzehende Erklärung.
Aß Naeman der Syrer auff Befehl des Propheten ſich ſiebenmal
im Jordan gebadet / wird ſeinem Glauben zugeſchrieben / und daß
er von demſelben befreyet worden / hat Gottes Allmacht gewuͤrcket.
Der Auſſatz fo da im Geblut / als der Wurtzel des Menſchen ſei⸗
nen Sitz halt / und dem freſſenden Krebs gleichet / mag mit keiner duffer- lichen Reinigung curiret werden noch weniger durch das kalte Waſſer des Jordans. Das Erg wird von feinem waſchen (feigern von dem Unflat ge⸗ ſaͤubert und zur Vollkommenheit gebracht / ja vom Auſſatz erlediget / ſo daß auch andere Krancke dadurch curiret werden koͤnnen. In der Natur iſt kein ander Exempel zu finden / und kan dem ordentlichen Weg der Natur nach keine wahre Ppiloſophiſche Tinctur bereitet werden / wann nicht des Kuͤnſtlers Hand alles wohl regiret / und ſich die wahren ſubjecta, mit ſei⸗ nem aͤuſſerlichen Zugehöre / vorhero guserſiehet. Die Einrichtung eines verrengten Glieds beſtehet auſſer der Natur allein in des Kuͤnſtlers Hand. re aber iſts ein Muffen Wunder / daß bey einer Frauen Geburts⸗ tund / ſich in ihr das Mutter⸗Schloß (heylige Bein) offnet / und die ein geſchloſſene Frucht gleichſam als durch eine Thur hervor reichet / ſo allein der gutige Schoͤpffer ſo weißlich in die Natur geleget. Bey Bereitung des Philoſophiſchen Steins iſt ebenfals was uͤbernatuͤrliches / ob es ſchon in die Natur gehet wie zu ſehen iſt. Dahero der Philo ſophus beym Rofario al⸗ fo fchreibet : Du ſolt wiſſen / daß unſer Stein eine Lufft iſt aͤuſſer⸗ lich gantz fluͤchtig / und in ſeinem Weſen kalt und feucht inner⸗ lich aber und in ſeinem verborgenen heiß und trocken. Und dieſe Kalt und Feuchtigkeit / welche ein ſichtbarer naſſer Rauch iſt / alle Coͤrper zerbricht / zerſtoͤret und zernichtet / fllehet von dem Feuer · Die Feurigkeit ſo darinnen verborgen iſt / iſt das warm und trockne Gold / das allerreineſte Oehl / und das allerdurch⸗ dringenſte der Cörper: es iſt ohne alle Fluͤchtigkeit / dann allein das heiß und trockne tingiret in der Alchymie. Bringe alſo das kalt und feuchte ſo da ſicht bar iſt / in gleiches Weſen des verborgenen ohnſichtbaren / damit es heiß und trocken werde und mit ihm eins ſeye / ſo wird es mit jenem durchdringend werden / und eingehen bey deiner vorhabenden proſection. Die Feuchtigkeiten zu verzehren / muß allein das Feuer thun / dahero auch der Grad deſſelben wohl in acht zu nehmen iſt / damit die Hitze wohl gemaͤſſiget ſeye / und die digeſtion nicht ubereylet werde. Wie ſoll aber ein Waſſer wohl vor einem Waſſer befreyet werden koͤnnen ? Antwort: Einige Waſſer find ihrer Wuͤrckung nach heiß und trocken / dergleichen viele warme b. A in welchen man die Philoſophiſche Abwaſchung vornehmen muß. Wie dann die Philo ſophi darpon alſo geſprochen: Waſche mit dem Feuer / und verbrenne = er 8 aſſer.
2 Dreyzehende Erklärung: 39 Waſſer. Dann das Feuer fo da rein machet / und das Waſſer das da brennet / ſind in weiters nichts unterſchieden / als allein dem Nahmen nach / in Vollfuͤhrung ihres Amts aber find fie einander gleich. Mit dieſem Waſ⸗ fer nun / oder auch mit dieſem Feuer muß das Ertz der Philoſophen abge waſchen / und von feiner überflüffigen Feuchtigkeit ausgetrocknet und ges reiniget werden. Von dem Auſſatz lieſet man / daß der Patient theils durch halbjahrige abſtinentz Enthaltung) des Getraͤncks / theils wann er in war⸗ men Sand oder Pferd⸗Miſt vergraben worde / oder aber ineinem Schweiß⸗ Bad geſeſſen / oder auch die warme Bader / als das Carls⸗Bad / Wißba⸗ den und dergleichen / gebrauchet / curiret worden ſeye. Wann man dieſem Krancken der Philoſophen helffen will / ſo muß man ihn in die luͤfftige Hi⸗ 1 der Oeffen / und in den Miſt ohne Tranck ſetzen / und darin verwahrlich
alten ; dann beyden Krancken find die Bader dienlich / derohalben wo I zu ordnen auch. In allem ift die Waͤrme das wuͤrckende / dann fie verzeh⸗ ret den Uberfluß der Feuchtigkeit ( Waͤſſrigkeit) ſtoͤſt es aus und fuͤhret es durch die poros fort. Die duſſere Warme weckt die innere auff das iſt / es erwecket feinen debens⸗Geiſt / daß er die unreine Feuchtigkeit / von welcher die naturliche Waͤrme verſchloſſen gehalten wird / als den eind heraus trei⸗ be. Bey ſolcher Eur wird ein groſſes Auffſehen erfordert / damit nicht / wenn dem einen Glied die Hülff gebotten wird / das andere zu Schanden gehe. In denen Quartan Fiebern finden wir nach alter Platonicorum Meynung / daß die groben Feuchtigkeiten einem Hartz eines Baums gleichen’ die ſich in denen Adern verſammlen / und durch die Hohl⸗Ader biß in das hinterſte des Ruͤckens ziehen / woſelbſt ſie die ausführenden Adern / (als wel e ſonſt dem Gebluͤt die Feuchtigkeit abnehmen und ausfuͤhren ja durch die Pfort⸗ Adern leiten / verſtopffen / daß fie wenig gutes wuͤrcken und verrichten koͤn⸗ nen; dahero aller Schleim im Leib verbleibet / und wo nicht zeitlich vorge⸗ bauet wird / gar leichtlich ohne anderer Theil des Leibes Verletzung fich ei⸗ ne Waſſerſucht erwecken kan. Die Harntreibende Artzneyen taugen we⸗ nig oder auch gar nichts; die purgirende ur weniger / es werde dann zu⸗
leich die angeſetzte zehe Feuchtigkeit mit auffgeloͤſt und abgeführet. Die chweiß treibende ſchaden offenbahr / dann fie treiben das fubtile gar aus denen Adern und hinterlaſſen allein das grobe / wodurch die Glieder geſchwaͤchet wer ⸗ den. Die Natur pfleget durch die Schweißlöcher alles Dick und Zehe von ic felbiten aus zuſtoſſen / weilen ihrs ohnmoͤglich iſt in den Harn zu leiten. Iſt alſo dieſes der Fluß Seil und jenes der umtreibende Chatybdis, welche beyde ein forgfältiger Artilt zu meiden hat. So nun ein Menſch an der beber oder an dem Milt erkrancken und dadurch die Waſſerſucht bekommen ſolke / ſo iſt er gar ſchwerlich zu euriren: Das Philofophifche Ertz aber wird leichtlich verbeſſert / dann deſſen Zuſtand mehr von einem zufälligen We: fen als einer Haupt Urſach feinen Urſprung genommen. Doch muß behutſam mit ihm “am groffe madre ni in eine Schad Teber e gegen trucknung nicht in eine Schla / u vie igkeit in
eine Waſſer ſucht gerathe / und zu Grund gehe. Dis
40 Vierzehendes Sinnbild von Geheimnuß der Natur. 8 Mi der n Br feinen Bu bh
Vierzehende Uberſchrifft.
Zu freſſen ſein; Schwantz / dem Thier der Hunger lehret Wie ſich auch offt . vonMenſchenleiſch
| erhält Wann nun der hung rig Brach hat ſeinen Schwantz verzehret / So iſt der groͤſte Theil der Speiß ihm zugeſiellt. Beſieg ihn mit dem Pfeil / mit Hunger und mit Bandẽ / Laß ihn ertoͤdten ſelbſt / und wieder ſtell n au DARM
Vierzehende Erklarung. 4 S haben die Alten gedichtet / daß aus einer Schlangen / die ei⸗ ne andere gefreſſen / ein Drach entſproſſen. Dieſe war eine Moͤrderin und tyranniſche Verfolgerin ihres eigenen Ge⸗ ſchlechts. Haͤuffig finden ſich dieſer Arten in Africa / die einen groſſen Theil von Alexandri M. Heeres Macht vernichtet. In male pien bey denen Afachzis werden die groͤſten Schlangen gefunden / we % wie Körbe in einander verwickelt und geflochten ihre Haͤupter empor rich⸗ ten / und uf die fetten Weiden kriechen. Man ſagt von einigen In⸗ dianiſchen Koͤnigen / daß fie 2. Drachen erzogen / deren einer achtzig der ans dere aber neuntzig Elen lang geweſen. Aus einiger neuer Scribenten Res lation iſt zu leſen / doch noch dieſer Zeit dergleichen bey Angola zu rag die denen gröften Maft-Bdumen gleichen. In denen Indianiſch· und Africamifpen Gebürgen folle hauffig das Gold zu finden ſeyn / welches die Drachen verwahret halten / als bey deren Quellen ſie ſich auffhalten / daß niemand daſſelbe nutzen noch gebrauchen mag. Die Philofophi legen ih⸗ ren Schaͤtzen ebenfalls verſchiedentliche Drachen zu / wie bey dem Aureo Velleri, (Gulden — den Garten Heſperidum (der Tochter Atlantis) und anderen Perſohnen oder Chymiſchen ſubjectis, als den Cadmo, (The- banet) Saturno (des Cœli und Veſtæ Sohn und Jovis und Junonis Vat⸗ tern) Æſculapio (oder G Ott der Medicin, und des Apollinis Sohn) Mer- curio (oder Götter Botten) der durch feinen zwey befchlangten WB anders Staab Mann und Weib uns vorſtellet / zu ſchen iſt. Durch die Dre chen verftehen diefe unſere Philoſophi die Chymiſchen ſubjecta wann fie a ſo re Dant Rebis montes, Dracones terraque fontes. x ß aber der Drach feinen eigenen Schwantz verzehret / iſt ein Anzei⸗ en ſeines allzu groſſen Hungers / welches die Alten durch einen Circul ch vorgebildet / und des Jahres Wechſel und Wiederkehr verſtanden. Es iſt aber auch der 4 des Philoſephiſchen Wercks / als worinnen die Weiſen durch den Drachen eine Schlan mit vorgebildet / die die anderen ihres Sefchlechts verzehren. Und dieſes iſt der Schwefel / wie andere mehr es an vielen Orten ausgefuͤhret und erwieſen. Lullius in Co- dicilloc. 31. ſchreibet: Diß mein Sohn iſt der Schwefel / und dies fe Hauß⸗ Schlange oder dieſer Drache friſt feinen eigenen Schwanz / der brüllende Löw und das ſcharffe Schwerde zerdruͤmmern alls / toͤdten und zernichten es. Und Roſarius: Der Drach ſtirbt nicht / wo er nicht mit ſeinem Bruder und ſeiner Schweſter * getoͤdtet wird. Und bald darauff: Der Drach iſt lebendige Queckſiilber aus n ae e | i
42 Vierzehende Erklärung. Diß Waſſer wird anderwaͤrts daſelbſten ein ſtinckendes Waſſer genennet / welches nach Scheidung derer Elementen zu finden. Mit der Vorſtel⸗ lung / daß der Drach feinen eigenen Schwantzffreſſe / wird die Vollbrin⸗ a des flüchtig, gifftig und feuchten Theils vorgebildet / und daß ders elbe nach der Hand ohne Schwantz dicker und fixer geworden / zumahlen durch den Schwantz die Bewegung und Feuchtigkeit erwieſen iſt. Alle Thiere haben ihre Fuͤſſe / ausgenommen die Schlangen / Drachen und Wuͤrme / die alleine bloß auff dem Bauch kriechen / und durch zuſammen Winden und Aus dehnen / wie ein Waſſer deſſen Fluß hin und her ſich dre⸗ het und einen Creyß machet / dahin ſchlingen. Nicht ohne Urſach ver⸗ gleichen die alte Philofophidas Queckſilber einer Schlangen / und eignen dem Mercurio die Schlangen zu / weilen es gleichſam einen Schwantz nach fich ziehet / und feines Gewichts nach bald da bald dorthin lauffet. So iſt nun der Mercurius ſeinem kriechen nach der Schlangen gleich / ja er führ ret ob Haupt und Fuͤſſen Fluͤgel. In Africa giebt es Drachen die geflu⸗ elt ſeyn / dieſe wuͤrden alles oͤde machen und umbringen / wann nicht eine rt ſchwartzer Stoͤrchen ſie erwuͤrgen und verzehren thaten. Weßwegen auch der Storch von denen Egyptiern / als ein nutzbares Thier / der ſo vielen Landen Dienſte leiſtet / unter die Goͤtter gerechnet worden iſt. In dieſem Emblemate wird der Drach beſchrieben / daß er ſeinen Schwantz freffe / die Haut abziehe und einen neuen Bald) bekomme / ja ſich gantz ver⸗ jüngere. Und wie denen Kraͤhen / Raben / Adlern und auch Hirſchen in der Natur ein langes Leben zugeſchrieben wird / alſo auch die Schlange eines ſolchen ſich erfreuen koͤnne. Wann eine Ameiß zum Alter kommet / fo kriegt fie Flügel / deren Natur noch andere Wuͤrme mehr haben. Wann aber der Menſch veraltet ſo bekommet ihn die Erde / doch gehet er von ſol⸗ cher neugebohren wieder vor / und erlanget die Ewigkeit. Aus einer ver⸗ brannten Schlange wird ein Pulver / welches die edelſte Medicin gegen den Gifft iſt. Einen gleichen The riac giebt auch dieſer Drach / wann er feinen Schwantz gefreffen hat: dann er ift ſodann des Menſchen Leib und Beutel eine kraͤfftige Artzney und Staͤrckung.
Des
Fuͤnffzehendes Sinnbild von Geheimnuß der Natur. 43
Toͤpffers Werck befichet in dem eee
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* nen C . 20002 2:2
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Fuͤnffzehende Uberſchrifft. Gleich wie des Toͤpffers We nach Kunſt den Topff Und feinen Thon im Dreher cht: So auch der Weiſſen Hand dieb hr Erb befreite] Mit Feuchtigkeit / wann ſie der Durſt erſchleicht. Wilt du des Toͤpffers Werckin deiner Kunſt auch füͤhrẽ / So muß ja beyde nicht 1 Uberfluß berühren,
Gleich
Fuͤnffzehende Erklärung.
noch ſonſten ein Brunnen oder Fluß / oder aber ein anderes ae: vor Ingleichem /
euer und Waſſer gaͤntzlichen wiederſtehen koͤnne. Bereiten alſo die sen Philofophi ihre Arbeit wie ein Toͤpffer den Thon / und findet ſich nach abgelegter Waͤſſerigkeit und Trockne eine ebenmaͤſſige Gleichheit mit dem Thon. Ja auch die Kochung und Bereitung der Elementen ſelbſt / zeigen hierinnen eine fehlechtediffereng, als deren Materi und Form in allem gleich iſt. Des Toͤpffers Zeug wird durch ſein des Meiſters Hand bereitet / der Philoſophen Arbeit aber alleine durch die Natur; da⸗ hero ihr wegen dieſer der Materi Koſtbarkeit billich vor jenem der Vor⸗ zug zu goͤnnen iſt. Beyde beſtehen zwar aus Erden doch findet ſich in die⸗ fer der Philo ſophen Arbeit nicht ein Puͤnctigen / das der Lufft⸗Himmel ohn durchſtrahlet gelaſſen / dahingegen des Toͤpffers Thon als eine grobe Er⸗ de bleibet. Der Endzweck von beyder Arbeit iſt wieder eins / nehmlich ei⸗ nen Stein zu machen. Dahero jene Einfalt ſich träumen laſſen / und eine Anzahl gebackner Steine in eine groſſe Kuͤſten / und eine andere Zahl Kiß oder Bach⸗Steine in eine steichmäfnge grofie Kuͤſten verfchloffen gehabt / in Hoffnung / daß durch zauberiſch Beſchweren er ſelbige in Gold und Silber alſofort verwandlen koͤnte / indeſſen er vieles Geld Darüber auffge⸗ borget; da nun die Sachen umgeſchlagen / und feine falſche Meynung ei⸗ nen Sch gebohren / iſt er vor Kümmernuß und Ohngedult geftorben. Wo alſo natürlicher Weiß kein Gold und Silber Saamen verſchloſſen liegt / mag auch kein Gold noch Silber wiederum geerndet werden. Die 88 Magia führet keine Gemeinſchafft mit dieſer Goͤttlichen Ar⸗
eit / ſondern iſt alſo weit von ihr entfernet / als der Himmel von der Erden. Und obwohlen der Lapis Philoſophorum ohnlaugbar in der Welt zu —9
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3 3 ch 00 den / ſo muß och niemand ſich die offnung machen / daß er ſol⸗ che allein nach feiner Intention und Meynung bereiten Fönne / wie Iſaac davon geſchrieben. Dann niemand mag durch Reguln der Natur oder durch das Heydniſche Beſetz Juſtiniani gezwungen werden / das was ohn⸗ möglich iſt umzuwenden und möglichen zu machen; und wo ſich einer deſ⸗ ſen ja bereden wolte die Edelgeſtein oder anderes Glaß haͤmmerig und ge⸗ 5 — zu machen / ſo wird er doch vorhero überlegen / ob ein ſolches der Natur gemäß und möglich oder nicht? viele Sachen haben die alten Phi- loſophi verblumt geſchrieben / welches auch der Geber bejahet. Doch wann ſie Gleichnuß Weiß die Sachen vorgeſtellet / haben ſie von ein und anderem wahre Entdeckung gethan / auſſer deme und bey den klaren Buch⸗ ſtaben nichts / weßwegen ſie den Weitzen in den Spreul verſtecket. Was einer ſaͤet das wird er ernden. Wie an denen Kräutern und Thieren zu erkennen iſt / ob auch ſchon zuweilen eine wiedrige Pflantz oder Geburt da⸗ bey hervor bricht. Ob nun dieſes auch von dem metalliſchen Reich das durch keinen Saamen alſo wie die anderen propagiret wird zu verſteher fene / laſſe einem jeglichen ſelbſt zu überlegen. Dann in ſolchen ſind die Theile allein homogeniſch und einſtimmig / beſtehende in Sulphure und Mercurio, in jener aber heterogeniſch oder abſtammend. dieſem (fe. Metallis)iſt keine Behaltnuß des Saamens / bey jenen aber allezeit. Dieſe haben kein nurriment vonnoͤthen / ihre Vermehrung und Ausbreis tung findet ſich auff allen Seiten / jene aber müffen allerdings geſpeiſet werden. Ja dieſes find ſchwere klementa. die alleine einer Vermiſchung bedürfftig jene aber müffen auſſer ſolcher Vermiſchung auch eine ſinnli⸗ che wachſende Seele haben. Doch iſt auch etwas in der Erden noch ver⸗ borgen / das natürlicher Weiſe zwar kein Gold iſt / doch einen gleichfoͤrmi⸗ gen denn ones uhret / wie e an En 7 en guͤldiſche Natur in andern Dingen en Urſprungs / cl dieſe weit edler ander Form iſt vor jenen: und mag alſo wohl ge⸗ ſagt werden / die Philoſophi nennen es das Trockne und das Feuchte. Oder: den Sulphur und das lebendige Queckſilber / welches aller⸗ reineſte aus denen zwey Bergen zu holen.