NOL
Atalanta fugiens

Chapter 4

Section 4

HER 9 ER
Weunte Erklärung. 27
leiſch welches er täglich ſpeiſen ſoll / welches aber dem grauen Alter all zu
art ſcheinet / und dem tauſenden nicht zu geben iſt / wann auch ſchon die robe an vielen fuͤndig werden. In Paracelſi Buch vom langen Leben findet man / daß durch ſtarcke impreflion des Krancken eine Wiedergene⸗ ſung folgen koͤnne / und ein grauer Mann feine junge Haar und Kraͤfften erlangen moͤge / welches zu probiren ſtehet / und ich meines Orts vor eine Einbildung halte. Man ſchrabt von einem Volck in Lybien / Pfylli genant (welches doppelte Augen und Kehlen hat) daß durch deren bloſes An⸗ ſchauen / Menſchen und Viehe bezaubert würden / dahero auch Virgilius gedichtet: Neſcio quisteneros oculus mihi faſcinet agnos. Hier nun wird der Alte ohne Anſchauen durch den Baum verjüngert/ denn der Safft von denen rothen ſuͤß⸗ und reiffen Fruͤchten en fort in das Geblüt/und gibt um ſeiner leichten Dauung wegen eine e nee nichts unreines oder überflüffiges davon im Magen bleibet. Der Alte iſt voll wei⸗ ſer 8 er auch weiſe Haare fuͤhret doch verwandlen ihn die Fru er bald / daß er jung und fuſch wird und ſeine junge Geſtalt bekom⸗ met. Dahero auch die alten Philoſophi das Spruͤchwort gefuͤhret / der Stein der Weiſſen ſeye Anfangs alt / ( das iſt / weiß) dann verfüngere er ſich erſt / ( würde roth) weilen die rothe Farb der Jugend zugedacht wird. Nun ſoll der Alte dem Sinnbild nach mit dem Baum verfchloffen werden nicht zwar unter dem freyen Himmel / ſondern in ein Hauß nicht nur alſo trocken / ſondern mit dem Tau befeuchtet. Zwar ſcheinet es ein Wunder der Natur iu ſeyn / wann ein Baum in einem verſchloſſenen Ort waͤchſet: doch wann er nur die p ruͤchten hat / ſo weichet das Wunder / wo es anderſt ſolche Grund⸗ feuchte behalten mag. Dann des Baums Wachsthum kommet von der Erden die mit voller Lufft angefuͤllet iſt und ihm ſeine Nahrung giebt. Das iſt / es iſt die Erde mit lauter Feuchtigkeit durchmenget / darvon theilet ſie dem Baum durch ſeine Wurtzeln in den Stamm und in die Aeſte einen Safft mit / worvon Obſt / Laub und Blumen entſproſſen Und in dieſe natürliche Wuürckung concurrixen alle Elementa: dann das Feuer machet die allerer⸗ ſtere Bewegung als das wuͤrckende / und die Lufft breit es ferner aus / und treibts durch feine Feuchtigkeit heraus; das Waſſer aber machet friſch und gibt den Nahrungs⸗Safft / und die Erde hütet es. Wo aber je ein Uberfluß gefunden wurde / ſo gehet es zurück / und tritt die Lufft ins Waſſer und das Waſſer in die Erde wieder. Durch das Feuer verſtehe die Warme der Natur / als die mit ſeinem Sa amen durch Einfluß des Geſtirns ftetigft fortgepflantzet wird / aleich wie das Eiſſen das vom Schmied getrieben wird / beſtaͤndig die Glut empfindet. Es dienet aber nicht allein dieſe tauende eva poration d m Vaum zu feinem ferneren Wachsthum / damit er früchte giebt / ſondern es wieder bringet auch die Kräflten und Su nd dem als ten Greifen. Bey Auszehrungen und Schwindſuchten pflegen gemein glich die Artzte ein warm Bad zu verodnen / welches auch öffters feine Wirkung zeiget Wann man aber hier die Sachen recht betrachtet / ſo iſt der Baum der allen greiſen Tochter / welche ebenfals wie Daphnis in einen Baum verwandelt worden; dahero auch der Alte fich der
Jugend deſtomehr erfreuen kan / weilen er von ihme ſie den Urſprung 9 1 2 0
Dehendes Sinndnie von Weheimnuß VER Ltur.
28 Gib dem Feuer Feuer / dem Mercurio den Mercurium / | ſo iſt es genug.
Gleich wie die gantze Welt / beyſam an einem haͤnget / Und auch ein jeglichs Ding / ſich feines gleichen freut / Du / wilt du ſeyn begluͤckt / ſo laß auch ſeyn vermaͤnget / Mercur mit dem Mercur / durchs Feuer Feuer leit: Dem Hermes gleicht Vulcan / doch iſt der Hermes
5 flüchtig / 125 Und Cynthia loͤſt auff / und macht Apollo tuͤchtig. Dieſes
Jeſes ift allein nach feinem Verſtand und klaren Buchſtaben zu
verſtehen / wann die Philoſophiſchreiben / daß u. dem Feu⸗
er und Mercurium dem Mercurio geben ſoll: dann ſie wollen hier⸗
durch die Macht des Feuers allein nur verſtaͤrcken / und den Mercu- rium noch gröffer machen / ob es weiters ſonſten keine neue Krafft wuͤrcket. Ein jegliches erfreuet ſich 115 gleichen / und wird durch ſolches erhoͤhet und vergroͤſſert dahero auch die Aertzte ein waͤrtiges mit einem wiederwaͤr⸗ tigen zu vertreiben ordnen / in Meynung / daß durch dieſes das andere vertil⸗ get werde. Das Feuer wird vom Waſſer getoͤdet / wo man aber demfgeuer noch ein Feuer zuſetzet / ſpuͤret man deſſen verdopplungs Krafft. Wie daß auch hiervon ber Peer wohl gedichtet / wann er ſchreibt: E= Venus in Vinis sgnisin igne furit. Doch ſeynd Feuer und Feuer / Mercurius und Mercu- rius unter ſich gar weit entſchieden / dann es ſind viel und mancherley Ges ſchlechte des Feuers und Mercuri. Zudeme / ſo tretten auch Hitz und Kälte nach ihrer wiederwaͤrtigen Natur gegen einander / und das jenige was dem
andern gleichet / ziehet das feine an ſich / wie wir an den Menſchen finden / der
ein G ied von dem Feuer verbrennet hat / und es wieder an das Feuer haͤlt / damit eine Hitze die andere heraus ziehe. Oder: wann er ſeiner Glieder ei⸗ nes von der Kaͤlt erfroͤret / 5 er ſolches in das kalte Waſſer ſtecke / und dadurch die Kalt vertreibe Ein groͤſſers Liecht verdunckelt das kleinere: ſo auch das ſtaͤrckere Feuer überwindet allzeit das geringere. An denen Adern und Gliedern des Menſchen muß jederzeit eine temperirtere Hitze und Kal⸗ te gefunden werden / als es vor dem Eintruck war / . — würde eben die⸗ ſes wieder werden / was es ſchon vorher geweſt / und wurde eines das an⸗ dere mehr erwecken / als heraus locken. Daß die Herausziehung der Kälte mit dem kalten Waſſer / und der Brand mit dem Feuer verrichtet und ge⸗ dilget werde / iſt er Natur gemäß und glaublich. Dann alle ſchnelle Ver⸗ änderung im Gegenſatz iſt gefährlich und nicht wohl zu wagen / wohl aber das was nach und nach geſchiehet: dahero wird geſprochen / daß das Feuer eines Theils innerlich verborgen liege / und vor des Philofophifchen ſubjecti eſſenz und Weſen ſeye: anderen Theils aber auch aͤuſſerlich gefunden wer⸗ de / wie an dem Mercurio zu ſehen. Das innere Feuer hat doppelten Ver⸗ ſtand feiner feuerigen Krafft / Tugend und Wuͤrckung wegen / da das auſ⸗ ſerliche allein nur Simpel zu verſten iſt. Muß derohalben dem innerlichen Feuer ein auſſerliches / und dem Mercurio ein Mercurius gegeben werden / wann die Kunſt ſoll kundbar werden. Bey Koch- und Erweichung harter roher Dinge / iſt Feuer und Waſſer nöthig / dann das Waſſer loͤſet das harte auff und dringet ein was ſchon beyſammen iſt / das Feuer aber theilet ihm die Krafft mit und beweget es. Deſſen ein Exempel haben wir an denen Fiſchen die geſotten werden / dieſe ſind zwar Anfangs gantz und veſt / werden aber durch des Waſſers an vermoͤge des Feuers / auff⸗
3 getrie⸗
20 Zehende Erklarung.
getrieben / weichgeſotten und zu einem Brey gekochet. Die Hitze des Feu⸗ ers macht das Waſſer dunn / und bringet es durch feine Kochung in eine leicht und luͤfftige lubſtantz. Ja das Feuer refolviret durch feine Hitz die harten Theile / daß die harte Frucht oder auch das Fleiſch zu Waſſer wird / und endlichen ſich gar in die Lufft verwandlet. Und alſo ſind das Feuer und der Mercurius Feuer und Waſſer / und zugleich auch reiff und rohe Theile / von welchen die Rohe durch die Kochung müffen gezeitiget / die zeitigen aber durch das Feuer und des Waſſers geheime Natur vom Überfluß gefäubert werden. Vor allem aber gebuͤhret uns zu wiſſen / daß beyde dieſe Feuer und Mercuri zum Werck der Philo ſophen noͤthig. Empedocles der Weiſe ſtatuiret aller Dingen zwey principia, als eine genaue Verbuͤndnuß oder Freundſchafft / und eine Feindſchafft derſelben. Durch dieſe die Feindſchafft bildet er die Zerſtorung vor / durch jene aber zeiget er den Wachsthum an. Es iſt aber der Streit zwiſchen dem Feuer und Waſſer gar deutlich zu ſchauen / und jederman vor Au⸗ gen zu legen; daun es macht das Feuer / daß das Waſſer flüchtig wird und davon rau⸗ chet / und das Waſſer loͤſcht das Feuer aus. Gleich wohl aber mag bey beyden eine Freundſchafft und Verbindung erwecket und geſtifftet werden. Durch Huͤlff des Feuers wird eine neue geueration erwecket und das Waſſer zu Lufft gemachet / auch durch eben ſolches das Waſſer zu einem harten Stein gebracht; und von dieſen zweyen urſpruͤngli⸗ chen Elementis entſproſſen auch die übrigen. Das Waſſer iſt eine himmliſche Materi / und aller Corporalifchen Dingen Eigenfchafft: Das Feuer aber als die Forma heweget und bereitet es. Alſo theilet der Mercurius die Materiam niit / und das Feuer oder der Schwefel die Form. Damit nun dieſe beyde an zu wuͤrcken fangen / und an ſich ſelbſten arbeiten / ſich 0 folvireny coaguliren / alteriren / farben und auch zeitigen / ſo hat man einer auſſerlichen Huͤlffe nothig / als ohne welches nichts zu wuͤrcken iſt. Und gleich wie ein Schmied ohne Hammer oder Feuer nichts verrichten kan / alſo ein rhilolophus ohne ſolchen Werckzeug (Feuer und Waller) nünmermehr was bereiten wird. Einige nennen dieſes Waſſer ein Waſſer der Wolken / als wie das Feuer den Zufall. Sonders Zweiffel dieſes das Waſſer daher / weilen es durch feine deftillarion dem Thau un Majo gleichet / der feine ſubrileſte Theile in der Hohe fuͤhret. Wann ein Ey geöffnet/ und von feinem inneren gantz und gar geleeret / auch mit einen Mayen : Lau hinwiederum ges füget / und an ſeinem Loch verſchloſſen wird / ſo ziehet es der Sonnen⸗Glantz empor / als ob es ſchwebend waͤre Eben alſo erhebet ſich der Philofophen Ey durch ihren Mayen⸗ Thau / dann es hierdurch lublimmet und bereitet wird. Und iſt Diefes Waſſer der Eſſig aller Eſſig (accetum accertimum) der das gantze Corpus in einen puren Spiritum ver⸗ wandlet: Gleich wie aber ein Eſſig zweyerley Eygenſchafften hat / in das Centrum dringet und anziehet / alſo auch das Waſſer folviret und coaguliret die Coͤrper / ohne daß es wieder coaguliret werden mag / weilen es nicht von ſolchem ihrem Weſer ift- Iſt alſo das Waſſer aus des Parnaffı kleinen Brunnen / der gegen die Natur der ande⸗ ken Brunnen auff des Berges Gipffel ſteiget / und von dem Huff des fluͤchtigen Pferds Pegaſi entſprungen. Es wird aber auch das wuͤrckend Feuer / das da temperiret / und mit einem Zaum der Graaden gleich ſam gantz und gar gefaͤſſelt ift / erfordert; und gleich wie die Sonne aus dem Widder in den Löwen tritt / und mehr und mehr ihren Grad der Warme erhoͤhet / alſo auch das Feuer der Philoſophen ſich vermehren muß. In Summa das Philoſophiſche Kind muß durch feine Speife das Feuer er⸗ nehret werden / auf un es wachſen koͤnne und nehme.
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31
Eilfftes Sinnbild von Geheimnuß der Natur.
Waſchet die Latonam weiß und zerreiſſet die Bücher,
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Eilffte Uberſchrifft.
Die doppelt zarte Frucht / Latona haͤlt verſchloſſen /
So von dem Jove ſtammt / und wie erkennt ift/ Und mit der Luna ſind vermengt / der Sonnen
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Als deren Angeſicht / von Flecken ſind verwuͤſt: Waͤſch nur Latonam weiß / fo finden ſich die beyde / Zerreiſt die Bücher all / dann kommt dir volle Sreube.
32 Eilffce Erklaͤrung.
S ſcheinen derer Auchorum Schrifften alſo gegen einander zu A bhaufſen / daß ein wahrer Sucher an gluͤcklichem Ausgang ſei⸗ nes Wercks gaͤntzlichen verzweifflen möchte. Und fallen die
darinn enthaltene allegoriſche (verbluͤmte) Redens⸗ Arten alfo ſchwer / daß man mehr verwirret wird als einen Nutzen ſchoͤpfft; weß⸗ halben dann von allen ihren Buͤcheren nichts beſtaͤndiges appliciret wer⸗ den mag; und wo die Goͤttliche Weißheit nicht den Verſtand erleuch⸗ tet / wird aller Fleiß und Koſten vergeblich angewendet ſeyn. Zu foͤrde⸗ rift aber recommendiren nebſt dem Verſtand die Philoſophi auch eine wohl geuͤbte Hand / als ohne welches das andere nicht beſtehen kan; dann keine Praxis kan ohne theorie beſtehen. Und niemand iſt fo einfaͤltig / daß wann er tauſendmahl gefehlet / nicht von ſolchem Weg abſtehe und den Weg der Natur ſuche. Wie dann auch hiervon die Philoſophi ge⸗ ſprochen / daß niemand ihre Arbeit jemahls vor die Hand genommen / der nicht darinnen ee derowegen ſolche Fehler der Kunſt Lehrmeiſter ſind. Und ſo einer tauſend Jahr lebte / und dieſe ſeine gantze
Lebens⸗Zeirallein mit deſtilliren zubraͤchte / wuͤrde er ohne die experienz doch nichts reelles zu wegen bringen oder erlangen koͤnnen. Ohne fleiſſi⸗ ges Leſen der Authorum und beſtaͤndiges meditiren wird nimmermehr was erhalten. Der Corrector (Verbeſſerer) unſerer Zufaͤlle winckt und ruf⸗ fet uns / durch Fleiß wird die Unwiſſenheit aus dem Weg geraͤumet / und der menſchlich Verſtand leitet ſich zur Warheit und vollkommenen Wiſ⸗ ſenſchafft. Weßwegen dann gar noͤthig iſt / daß durch fleiffiges Leſen und Unterſuchen der Natur unſer Verſtand geſchaͤrpffet werde / ehe man an die Arbeit tritt; hierdurch entdecket fich die Warheit / und der Kunſt
begierige Sucher erlanget 1 d darvon. Der aber ohne ſolches
Leſen und Studiren nur bloſſer Dings zur Arbeit ſchreitet / ſuchet uur al⸗ leine zu ſehen / ob die Kunſt der Natur folge / nicht aber / wie die Kunſt nach ſelbiger anzuftellen ſeyn moͤchte? ohnmoͤglich iſt es ohne Leſen das Philoſophiſche Geheimnuß mit Frucht zu endigen. Von dieſen ſchreiben die Philoſophi, daß ſie zu der Arbeit ſchreiten / wie der Eſel zur Krippen da das Heu lieget; dann fie wuͤſten nicht wohin fie eigentlich ihr Maul kehr⸗ ten / ohne daß ſie ihrem aͤuſſerlichen Trieb nach ſich zu der Krippen wende⸗ ten. Damit ſich aber niemand allzuſehr in ſolchem unergruͤndlichen Merr oder weitlaͤufftigen Studio auffhalte und abmatte / ſo ſtellen ihm die Philoſophi durch vorſeyendes Emblematiſches Sinnbild die Latonam zu waſchen vor / und heiſſen auch zugleich die Bücher zuzerreiſſen / damit nicht gar die Hertzen der Suchenden zerriſſen werden möchten / dann fo viel find der heraus gegebenen Bücher dunckele Redens⸗Arten / daß fie auch der Autor ſelbſten kaum verſtehen mag. Die meiſten haben nur aus
Miß⸗
Mißgun n berühren di Feder ff (fen da 83 . d / die Fi i fen / damit emſigen Sucher 1 und url Arbeit zu 8 / zuerfors ſchen warum die Latona doch zu waſchen fene? gehöre üͤhe und Arbeit. Dieſelbe beſtehet aus einem componirten unvollkommenen Coͤrper Solis und Lunæ, wie Clangor buccinæ berichtet. Die Poren dichten von der⸗ ſelben / daß fie Apollinis und Diane Mutter geweſen / ob fie zwar einige nur vor derer Saͤugamme gehalten. Die Diana war die erſtere fo ans Liecht tratt / (dahero auch die weiſe Luna in Opere Philoſophico zu erſt ge⸗ [eben wird alsdann verrichtete fie an eben ſolchem Tag bey der 47 urt ihres Bruders Apollinis das Amt einer Hebammen. Es iſt eigentlich die Latona eine aus denen zwoͤlff Egyptiſchen Goͤttern. Dann als vor Alters verſchiedene verbluͤmte Redens⸗Arten an die fremden Voͤlcker gebraucht wurden / konten wenig der Egyptiſchen Prieſter dies ſe ihre Meynung recht verſtehen / machten derowegen ſich einen falſchen Brieff auffer der Natur / und erdichteten fich falſche unbekandte Goͤtter. Durch dieſen falſchen Wahn wurde auch der Latona, als des Apollinis und der Dianæ Mutter ein prächtig und mit Gold beſchmuͤckter Tempel ges bauet / welcher wie des Vulcan Tempel in Egypten hoch verehret wurde. Dieſe Latona ift gar grob und ſchwartz / und mit vielen Flecken in ihrem Angeſicht beſudelt / weßhalben ſie mit an durch die Kunſt gereiniget werden muß. Zwar wollen einige aus Weißbley / ſublimirten Mercurio und dem Talck ein Oehl und Schminck bereiten / wormit fie dufferfich die Haut beſtreichen es fället aber alſofort ihr Anſtrich blatt dahin / wei⸗ len es nur ein uͤberduͤngtes Weſen iſt / das nicht in die Haut gedrungen. Die Natur⸗Weiſen achten keine Schminck die zum Betrug der Augen iſt / und nicht in das innerſte des Coͤrpers dringet / ſondern lehren frey / daß der Latonæ Angeſicht und Haut durchdringend mög gewaſchen wer⸗ den. Doch moͤchte man hier fragen / wie ſolches zu vollbringen? und ge⸗ be ich den Rath / daß man erſtlichen die Latonam ſuchen und erkennen ſoll. Und wo ſie auch aus einem ten Ort gezogen ware / fo muͤſte m ſolche durch die lublimation erhöhen / wo aber ihre E t etwas höher ware / fo müfte fie erſt erniedriget und in den Miſt vergraben werden. Da⸗ ſelbſten wird ſie zu dem Wee Bley gemachet / welches nach feiner Endigung die 1 rothen iſt / des . ang und Ende.
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34 BwölfftesSinnbild von Geheimnuß der Natur.
ne Bei weichen Saturmıs vor des Jovis Sohn verſchlungen und wieder ausgeſpeyet / wird den ns 1 Seen zum dee aufn Zergtihengefi.
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Zwoͤlffte Uberſchrifft.
Woher iſt das Gedicht von Helicon entſprungen / Und dat man ſuchen muß / ſein hocherhab ne Spitz? Ein Denck⸗Saͤul N en 2 Jovis Sohn ver⸗ ungen / Und wieder ausgeſpeyt / auff dieſen Muſen Sitz. Such nach dem Wortverſtand / die Arbeit zu ergruͤndẽ / Weil im Saturno iſt allein der Stein zu finden.
In
Zwölffte Erklärung. 37
N denen Allegorifchen und verblümmten Redens⸗Arten finden
wir / daß das Wort daturnus in vielerley Verſtand gezogen und genommen werde. Die Aftronomi fegen Ke unter die Pla⸗
neten am Himmel. Die Anfänger der Chymie heiſſen ihn das
Bley als das niedrigſte Metall. Die Heydniſche Pocten haben ihn vor vis Vatter und Coͤli Sohn gehalten. Die Ausleger der Fabeln alten ihn vor die Zeit. Und obwohlen ein jeder feine explication hierüber vorzubringen weiß / ſo hat doch von allen keiner noch gemeldet / warum der daturnus vor Jove die Kinder gefreſſen / den Stein verſchlungen / und denſelben wieder ausgeſpyen? oder warum er der Erfinder der Warheit enennet wird? eine Senſen und Schlange fuͤhre? ſchwartz und trotzig eye? und einen Steltz⸗Fuß trage? das letztere jedoch meinen fie allerdings erklaret zu haben / wann fie vorgeben / daß die Warheit mit der Zeit an Tag komme / und ſich von der Finſternuß erledigen werde wie die Schlan⸗ ge / die durch ihr Bewegen immerhin davon kriechet. Oder: daß alles in der Welt dem Todt unterworffen / gleich wie das Graß der Senſen. Ja / daß die Zeit (Saturnus) die Kinder freſſe / das iſt / wieder wegneh⸗ me was ſie vormahls hervorgegeben und gebohren. Gleichwohl aber konte er die harten Steine nicht verdauen noch zermalmen / dahero müfte er ſie aus dem Weg raumen. Doch mag ſich alles dieſes nicht wohl rei⸗ men. Die in der Teen Kunſt erfahrne wohlgeuͤbte Meiſter legen es weit anderſt aus / und ſchreiben / daß in der Præparation ihres Wercks Saturnus am erften erſchiene; welcher fo balden er ſich ſehen laſſe / die erfreu⸗ liche Bottſchafft brachte / daß die Warheit hervor gebrochen / und der Irr⸗ thum gehoben ſeye. Nichts entſtehet ohne Schwartz / weßhalben auch die Turba ſpricht: Wann die Materia anfaͤhet ſchwartz zu werden / fo freue dich / dann du haſt den Anfang deines Wercks gemachet. Und wann es in die Schwaͤrtze tritt / ſo halt dafür / daß der Schluͤſ⸗ ſel zu der Arbeit bereitet iſt dann es iſt nichts ohne Schwärge wie Rofatiusex Arnoldo anfuhret. Und in Speculo ſtehet: Wann du in der Arbeit biſt ſo befleiſſige dich daß du eine Schwaͤrtze ge⸗ winneſt dann du kanſt alsdann deiner Arbeit gewiß ſeyn / daß du nicht fehl biſt und haft zugleich die Faͤu ung erlanger. Bald darauff ; Dieſe Schwaͤrtze entdecket die Erden durch eine leicht und oͤffters wiederholte Rochung. Dahero dann die Weiſen ſchrei⸗ ben: Die Erde ſeye der Saturnus, der Mercurius das Waſſer / Jupiter die Lufft und das Feuer Sol. Iſt alſo die Schwartze der Saturnus ein Verkuͤn⸗ diger der Warheit der den Stein vor Jove — — en. Dann die Schwartze das iſt / die trube Wolcke verb ecket anfänglich den Stein daß man ihn nicht ſehen kan. Morienus fühxet dieſes Axioma : Ein jegliches Corpus das keine Seele hat / iſt 3 und wen. Und 2 ermes