Chapter 15
Section 15
daß fie ohne Zuthun tines Mannes Eyer legen und e bruͤten / ja daß fie biß auff hundert Jahr ihr Alter bringen. Ihre Neſter bauen fie auff 45
Drey und viertzigſte Erklärung. 129 he Berge / damit es niemand finden kan. Seine Geburt beſtehet mehren⸗ theils aus zweyen / und ſtehen ſie den Schlangen nach als deren Feind ſie find. Der Oſtwind ſchwaͤngert ſie: Wann fie ihre Eyer geleget / fo brin⸗
n ſie aus Indien eine Nuß / die in ſeinem innern Theil was bewegendes
und einen Thon von ſich giebt / wohin ſie dieſe legen / da giebt es Junge / doch bleibt ein eintziges von allen nur lebendig / das nennet man Immufulum. Der Hermodorus Fonticus bey dem Cœlio * ͤdaß der Geyer un⸗ ter allen Voͤgeln der au er ſey / weilen er weder Saat noch pflantzen anruͤhre / was des Menſchen Hand gebauet Sie toͤdeten auch kein Thier : fuchten auch das Todte nicht / was nehmlich ihrer Art waͤre Dahero fie auch bey denen Heydniſchen Wahrſagern in hohen Wuͤr⸗ den geweſen / wie E bey der Stadt Rom geweſen / und in denen Hiſtorien zu leſen iſt. Dieſes Geyers Eygenſchafften / repræſentirtt alle der Philoſophiſche Vogel / dahero er auch von Hermete der Geyer genennet wor⸗ den / weilen er langſam vom Flug und ſchwartz von der Farbe iſt. Er ge⸗ bührt aus ſich ſelbſten / wie Rolarius gegen dem Ende ſchreibt: Er iſt der Drach der ſich ſelbſt freuet / ſchwaͤngert / und zu ſeiner Zeit zur Ge⸗ burt bringet. Und Rofarius: Er ſelbſten iſt eine Schlange / die ſich ſelbſt reitzet ſchwaͤngert / und in einen Tag zur Geburt treibet / ꝛc. Er lebet lange Seit iſt uͤbrig und vermehret ſich. Was Virgilius ron dem Vogel Phoͤnix gedichtet / das hat auch dieſer der mit ihme eins iſt: Alipedem cer vum ceruus ter vincit, at illum Multiplicatnovies Phænix reparabilis ales: Selten findet man ſein Neſt. Mit der Mercurialiſchen Schlangen ſtrei⸗ tet er und beſieget ſie / das iſt Sol mit der Luna. Aus dem Wind wird er ge⸗ 1 Bauch des Winds getragen / in der Lufft waͤchſet er. Der dler⸗Stein ſoll einen Stein der da ſchlottert / in ſich fuͤhren / wie die mei⸗ ften Scribenten melden. Ein — * eter nun wird in dem Philofophifche Neſt gefunden. Und ein unſchuldiger Vogel iſt der een Vogel / dann er ſchadet niemand. Allen wiſſenden iſt er dienlich / und bey Weiſſa⸗ gungen iſt er — 7 und bew e. Daß er aber auf demGGebuͤrge wohnt / niſtet und ſchreyet / ſo ſchreibt Roſinus aus dem Rafı; muß das hohe ae. zur recht / undlincken Seiten wol betrachten / und da elbſt hinauff ſteigen: dann alldorten wird unſer Stein und auff einem andern Ber mit allerhand Arten Farben / Spiritus. und Geſtalten geſchmuͤcket iſt / iſt er auch zu finden : Morienus, ů⸗ berſteiget das hohe Gebuͤrg das mit Baͤumen beſetzet iſt / da da⸗ ſelbſt wird unſer Baum ge der verborgen iſt: Und Hermes: Nehmet den gebenedeyten Stein / ſtoſſet ihn / und waſchet den ro⸗ then Stein / von ihm wird extrahiret :; Er findet ſich in den Ber⸗ gen / und zuweilen in den alten een Serteren. ) 2 2 Der
130 Vier und viertzigſtes Sinnbild voncdeheimnuß der Natur. Der Ofyris wird von dem Typhon hinterliſtig ermor⸗
det / welcher nachgehends feine Glieder hin und wieder aus geſtreuet / dieſe aber ſammlet die lis wieder.
Vier und viertzigſte Uberſchri Egypten⸗Griechenlands / und Syriens helle Strahlen Sind Oſis, Dionis und Adon, die regiert: > Die Schweſter Ihs bind / des Ofyrs Ehegemahlen / Die Theil ſo Ayers 8 mit Liſt 3 Der unſchuld Blut zerſtreut / hin zu dem Meer ſich wen⸗ Weil Sulphur ſeinen Lauff mit dieſem hat vollendet.
Vier und viertzigſte Erklärung: 131
As Gedicht von Ofyride habe bereits im 1. Buch dieſer meiner
ne iguren angeführet und wie es auf die Chymie
zu appliciren / aus hhrlichen emonſtriret / weßwegen es ohnnoͤ⸗
thig iſt / weiter etwas davon Meldung zu thun. Doch wollen wir
noch etwas / fo dieſem Gedicht gleich iſt / vorſtellen und in feinem iet Fürglich anzeigen / was die Alten vor Figuren und Gedichte gehabt / die
aus denen boẽten auff ihre Chymie gezogen / und biß dato noch arme
Du moͤchteſt mich wohl gerne bereden / daß Olyrisein Gott und Koͤnig der
Egyptier geweſen / ich glaub es aber nicht was du auch Darüber vorbringen
magſt. Dann wo du nicht ein Heyde biſt / und gaͤntzlich von der geſunden
Vernunfft weicheſt / wirſt du mmmermehr einen Gott aus ihm behaupten
koͤnnen / dein Beweiß ſtincket. Kein Koͤnig kan er ebenfalls um aller Um⸗
ſtaͤnde wegen genennet werden / die anderwerts angefuͤhret habe. Doch iſt er
eine Sonne / nicht zwar die jenige fo am Himmel pranget / ſondern der Phi-
loſophen; und weilen der fire: Poͤbel nichts von dieſer gewuſt / ſo has
—
ben ſie ſolche vor die Aſtraliſche Sonn gehalten und angebethet. Von der Sonne aber hat der Weiſen Sonne ihren Namen erlanget / weilen ihre Eygenſchafft von der oberen Aſtraliſchen Sonne quillet / und die jenige Krafft
uhret / was dieſelbe hat. Wird alſo die Sonne der Philofophen mit ver⸗
chiedenen Nahmen bemercket / dergleichen find Olyris, Dionyſius, Bachus, Jupiter, Mars, Adonis, Oedipus, Perſeus, Achilles, Triptolemus, Pelops, Hippomenes, Pollux. Der Philofophifche Mond aber mit den Nahmen Ilis, Juno, Venus, die Mutter Oedypi, Dana, Deidamia, Atlanta, Helena, imgleichen Latona, Semele, Europa, Lada, Antiope, Thalia. Und nach de⸗ nen zuſammen geſetzten Theilen vor der Operation des Lapidis oder Steins der Weiſen / auch unter eines jeglichen Metalls verſtand / die Magneſia Nach der Operation, der Oreus, Pyrrhus, Apollo, Æſculapius. Die adjuncta oder Sufiße ſind / Typhon.Python, Aper: Der Künftler Hercules, Ulyſſes, Jafon, Theſeus, Pyrithous: Der Gefahr und Arbeiten find ohnzehlig viel / ſo bey dieſer de anden werden. Dieſe gleichen fuͤrwahr denen Arbeiten Her- culis, die Fehler aber darinnen des Ulyſſis Fehlern / die Gefahr des Jafonis Gefahr / das Unternehmen der Theſeen unterfangen / und die Hinterun⸗ gen fo darunter angetroffen werden / des Pyrichoi Hinterung Ein ohnmaͤß⸗ lich groſſes Buch vieler Materien und Lehren iſt die edle Chymie der Wei⸗ ſen / in welchen Blättern durch und durch der Vulcanus, Mercurius und Sa- turnus enthalten und herum ſpringen. Dieſer der Saturnus als ein Vatter aller / und als diellrfach ohne welchen nichts verrichtet wird / jener aber als die Materi uñ Form / uñ der erſtere der Vulcanus als das wuͤrckende / oder ßeuer. Die Sonn nimmt die Lunam zu ihrer Zemahl der Jupiter die Juno, als wie Saturnus die Rheam uf Olyris die Iſidem. Der Dionyſius wird aus der / durch Jovis Keul perbreũten Mutter eee ia
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232 Vier und viertzigſte Erklärung.
ters Jovis gezeitiget zu werdẽ / der Afculapius aber von Coronide feiner Mut: ter. Der Dionyſius zeuget denen Menſchen als er groß geworden / einen neuen Traubel⸗Tranck / und ſtellet feinen Zug nach Indien. Der Ohris und Tri- ptolemus befördern dort die Saat der Frucht und lehren ihren Gebrauch. Der Aſculapius aber / wie man die edle Medicin gebrauchen ſoll. Die Griechen nennen ihn den Dionyſium, die Roͤmer aber den Bachum, die Egyptier den Oliris, und die Syrier den Adonis. Der Oedy pus hat feinen Vatter ermordet und feine Mutter zur Ehe genommen; Der Perfeus hat feinen Groß⸗Vatter getoͤdtet: Der Typhon feinen Bruder Oßrim; Das wilde Schwein den Adonim: Die Ceres, welche eine Erzieherin Triprole- mi war / den Eleuſium ſeinen Vatter. Hippomenes uberwand durch den guͤl⸗ denen Apffel den Arlantam. Der Tantalus des Pelopis Vatter gewan die Hippodamiam im Lauff⸗Spiel. Der Olyris wurde in Stücken zerhauen / und von lſide feiner Mutter / auch Schweſter und Gemahl wiederum zus ſammen gebracht. Der gekochte Knab Pelops, deſſen Schuldern die Ceres geſpeiſet hatte / bekommet neues Leben und helffenbeinerne Schuldern. Der Achilles und die Helena waren die Urſach des Trojaniſchen Krieges / und dieſe als das anreißende/ (caufa impulſiva) jener aber als das wuͤrckende / (caufa efficiens.) Die Helena fuͤhret ihren Urſprung von einem Ey / und war auff der Hochzeit Pelei und Thedis, von welchen Achilles gebohren; Der guͤldene Apffel Eridis, war a daß die Helena entführet worden. Der Pollux war mit denen 54. Perſohnen die mit Jaſon nach Colchos reiſeten / und if ſollen dem Gedicht nach so. Jahr vor dem Trojaniſchen Krieg gelebet haben. Der Pollux iſt mit Helena aus einer Eyerſchalen gekrochen / und war dieſe ſchon eine alte Frau als fie Paris geraubet hatte; Der Achilles bekam die Medeam in denen Elyſiſchen 395 zur Ehe / da ſie ſchon ein zahnlickigt Weib war. Dieſe machte ſich wieder jung wie Klon den Vat⸗ ter Jovis, und die Ceres den Pelopum, weßwegen dieſe zweymal verjuͤngte genennet worden. Der Perſeus bekam ein geflügeltes Pferdt von der Goͤt⸗ tin Pallade, und verehrte ihr zur Danckbarkeit der Meduſen Haupt / wel⸗ ches zu befiegen/ der Mercurius den Sabel und die übrigen Goͤtter die ande⸗ ren Waffen darzu hergaben. Dem Triptolemo berehrte die Goͤttin Pallas einen Wagen mit gefluͤgelten Drachen beſpannet. Aus dem Hirn Jovis (wovon Pallas die Göttin in Rhodis gebohren /) faͤllet der guͤldene Regen / und die Sonne wohnte der Venus in der Liebe bey. Der Jupiter verwan⸗ delt ſich in einen guͤldenen Regen / und fällt in der Danais Schoß worvon ſie fruchtbar wird. Auch verſtellet ſich der Jupiter in einen weiſen Schwan um die Ledeam zu der Liebe zu reitzen / ſo er auch erlanget. Europa des Koͤ⸗ nigs Agenoris in Phenicien Tochter / wird von Jove, der ſich in dieſelbe vers liebet / und aus Liebe in einen Ochſen verwandelt / liſtiglich entfuͤhret. Und alfo iſt die Concordantz in allem zu machen. ö Die
gonſfund vierzigſtes Sinnbild von@eheimmuf der. Tatur. 133 Die Sonn mit ihrem Schatten vollbringet das gantze Werck. .
eee Le | Fünff und viertzigſte Uberſchrifft. Der Sonnen heller Strahl mag nicht die Erd durch⸗ ſcheinen /
Daher der Gegenſtand / uns einen Schatten bild: Weil aber dieſes will der meiſte Hauff verneinen / So ſucht die Sternenkunſt / daß fie die Prob erfüllt. Was nutz der N und Schatten ſey den | iſen | Wird alles Ertzgebuͤrg mit Ruhm genugfam preifen. 3
SP; Fuͤnff und viertzigſte Erklärung. HB | Ann in einem runden Coͤrper oder Palatio ( Hauß ) ein Liecht an⸗ gezuͤndet und auffgeſtecket wird / fo giebt es allenthalben an de⸗ nen Wänden und Theilen deſſelben einen hellen Schein / fo daß nicht einen Schatten hat / ohne was durch einen darzwiſchen ſtehenden Tiſch oder Stuhl von des Lichtes Strahlen verhindert wird. Das Him⸗ mels⸗Liecht die groſſe Sonne durchſtrahlet auch den gantzen Himmel mit ſeinem Glantz / und findet ſich in nichts ein Schatten / ohne wo die Erden ihren Gegenſtand gebrauchet/ dahero dann die Nacht entſpringet / welche alſo lang verbleibet / biß die Sonne mit ihrem Lauff ihre Strahlen weiters ſetzet und die Nacht vertreibet. Iſt alſo die Nacht eine Auffhaltung oder Beraubung des Sonnen⸗Liechts / der Tag aber / der Glantz der Sonnen. Die Nacht kan keine Strahlen der Sonnen vertragen / dahero flieher fie und verbirget ſich bald an dieſen bald an jenen Ort der Erden / wie ihr nem⸗ lich das Sonnen⸗Liecht entgegen kommt. Das Liecht und Finſternuß ſe⸗ hen ſich auch nimmer nicht / ob es ſchon geſchehen moͤchte wann die Natur darzu einſtimmig ware; und weilen die Sonne hören muß / daß ſie von der Finſternuß als eine Feindin gehalten wird / fo ftellet fie ihr immer nach / ob ſie ſelbige ſchon nicht ermuͤden noch ereylen mag / worvon Buchmann in ſeinem Libro Sphærico handelt. Ein ſolches hatten die Philoſophi und Natur⸗Kuͤndiger wohl erwogen / und dadurch befunden / daß ihre Sonne ebenfalls einen flüchtigen ſchwartzen Nebel und Schatten fuͤhre / wie dann Hermes ſchreibt: Mein Sohn ſaͤubre das Liecht von ſeinem Schat⸗ ten / das iſt / ſeye bedacht deine Sonne durch das erſtbewegende
zu hinterſchleichen / welches Valcanu (das Feuer) verrichtet / und
den jenigen Theil deiner Erden der durch die finſtere Nacht hart verdecket liegt / dahin bringet daß ſie einen Glantz der Sonnen erlange . Wann nicht in der erſteren Bewegung / das gantze Firmament des Him̃els mit feinen Tag und Stunden (deren 24. find) ſeinen von Gott geſetzten Lauff behalten / ſondern die Sonne alſo nach ihrem Willen den Lauff in der zweyten und jahrlichen Bewegung zu fuͤhren und zu nehmen ſich unterwunden hatte / wurde es erfolget ſeyn / daß unſer 1 (oder Leute die unter der Erd⸗Kugel uns ihre Fuͤſſe kehren) ein halbe 15 und wir nur einen einkigen Tag / und wiederum im Gegentheil / ſie einen eintzigen hellen Tag / wir hingegen ein halb Jahr Nacht / haͤtten: und wa⸗ re alſo das gantze Jahr in eine Nacht und einen Tag eingetheilet / wie aus denen beyden Polis zu erweiſen ſtehet. Es hat aber der allweiſe Schöpffer nach ſeinem heiligen Willen und Gefallen / da er denen Planeten eine dop⸗ pelte Bewegung / als die erſt und zweyte ( wotum primum & ſecundum) geſtellet / ein anderes Gefallen / und das Jahr in ſo viel Tag und Stunden vertheilet. Der Schatte und die Sonne wuͤrcken Tag und Nacht / ſo die
c
Sonne
| Fuͤnff und viertzigſte Erklarung. 137 Sonne allein zu verrichten nicht vermag / weilen ſie ein jegliches Corpus fo ihrem Schein allein entgegen ſtehet / nur beleuchten kan / alſo nothwendig / iz Mangel ihrer Strahlen auff der anderen Seiten des Cörpers ein Schatten oder Nacht entſtehen muß. Die Philoſophiſche Sonne brin⸗ et durch ihren Schein und Schatten einen gleichmaͤſſigen Tag und eine
acht herfür / welches die Latona oder Magneſin genennet werden mag; deſſen atten mit einer feurigen Artzney außzuloͤſchen und zu verbren⸗ nen / der Demoeritus in feinem 3. Buch Aurex Menſæ im Eingang gelehret. n der Aſtronomie oder Stern⸗Kunſt iſt der Schatten alſo noͤthig zu wiſ⸗ en und zu erforſchen / daß ohne dieſe Wiſſenſchafft ſonſt niemand fortzu⸗ ommen weiß / oder ein gewiſſes Schema ſtellen kan. Die Chymiſten mel⸗ den ein gleiches / und gedencken auch von ihrem Schatten / daß durch ſelbigendas Werck geendiget werde. Wie ſolte dann hier eine Sonne oh⸗ ne Schatten ſeyn? welches eine Glocke ohne Stempel ware. Jene die Glo⸗ cke macht die erſte Bewegung daß es einen Klang geben kan dieſer aber der Schwengel giebt den Klang von ſelbſten. Jenes iſt das Inſtrument und dieſes die Zung. Der Schatten iſt zwar etwas leichtes / und nicht ungleich dem Enti, (woruͤber 11 viel die Metaphici diſputiren) der weiſſen Philofo- phen Schatten iſt ein ſolches Weſen / das ſchwartz iſt und ſchwaͤrtzer dann alle Schwartze. Oder: das geringer dann ein Meer⸗Graß iſt / nicht zwar vor ſich ſelbſt / ſondern nach der Menſchen Einfall und Gutducken. Was ift nuͤtzlicher dann das Feuer? was iſt koſtbarer als Waſſer? und was iſt angenehmers als die Erde / die Blumen und andere Anmuthigkeite von ſich iebt? ja was iſt herrlicher als diedufft / in deren rmanglung alles todt und (eb iſt? und weilen fie zu des Menſchen Nutzen ausgedaͤhnet in ihrem pharisruhet / fo wird fie auch von denen Menſchen nur ſchlechter ang geachtet und betrachtet. Und auff eben folche Art wird der Philolophiſche Schatten von denen meiſten Artiſten angeſehen und confideriret/gleich wie auch der ne Schatten von niemanden ſonder lich in obfervanz gezo⸗ gen wird. Welche lange Zeit in finſtern Orten geweſen und des Tages Liechts gemang⸗ let / werden / wann fie alſo ſchnell das Licht der Sonnen erblicken / gar leicht des Geſichts und ihres Scheins beraubet. Ein jeder auch der in dem bloſſen Schatten der Philofophen ſtehet und arbeitet / kommt / wann er nicht ſchon ein biecht bey ſich gefüͤhret / den Hervor⸗ trettung der hellen Sonnen um ſeine Augen und deren liechten Schein ſo von der Seelen quillet / ja er hat wenig Nutzen zu hoffen. Um Mittas ſcheint die Sonne am heiſten / und der Schatten iſt am allerkleineſten. Wann nun auch der Philo ſophiſchen Sonnen Schein erhöhit wird / fo vermindert ſich ihr Schatten / und wann der Schatten von derſelben su: nimmt / fo entweichet ihr der Schein Muß derowegen die Sonne ihren erſten bauff von Mittag nehmen / und ſich gegen unſeren Scheidel Punet kehren / ſo im Capricorno gez ſchiehet / alsdann die erſtere Arbeit ſich im Winter endtget / und geht der Weiber Arbeit an / die biß zu dem Löwen dauret. Gehet alſo eine Arbeit aus der anderen / biß das Jahr
mit feinem Haupt den Schwantz ergriffen und die Schlangen ſich geendiget. PR Zwey
136 Sechs und viertzigſt· Sinnbild von Heheimnuß der Natur.
y Adler ſtoſſen zuſammen / deren einer vom Auff⸗ Aug i der 11 vom Untergang geflogen kommt. uff
Sechs und viertzigſte Uberſchrifft. Von Delphis Jupiter zwey Adler laͤſſet ſtreichen / Nach Oſt und Weſt / zu ſuchen einen Rath / Ob auch der Mittel⸗Punet der Erd ſey zu erreichen / Zur gleichen Wiederkehr er ſein Erinnerung that. Zwey Steine ſind vor dieſe zu erwaͤhlen / Aus Oſt und Weſt ſie ihren Urſprung zehlen.
Cicero
Sechs und viertzigſte Erklärung. 137 Icero der berühmte Redner meldet in feinem Buch De natura Deorum, Cs Apollo der Beſchützer des Achens von Vulcano gebohren ſeve. Wel⸗ ches wann es bloß als eine Allegoriſche Gleichnuß genommen wird / gar fuͤglich und wohl gebilliget werden mag. Vulcanus, bringet den Apollo als die Sonne der Philofophen vor; welcher / weilen er aus Jove gebohren / den Voſſug behalten. Weilen aber die Latona, durch Beyſchlaff des Jovis mit Apollo und der Göttin Diana ſchwanger gieng / ſandte die eyfferſichtige Juno die eee Schlange den Pychon hervor / ſie zu Mia Dieſe unglückfelig Schwangere / wurde nach vielen ausgeſtandenen Ver⸗ olgungen endlichen zu Schiff gebracht / und nach der Inſul Ortygs ges uhret / als woſelbſten ihre Schweſter Aſteries die Regierung hatte : Und weilen dieſe Inſel meiſtentheils mit Meer überflutet geweſen ſo gab fie Dies fer inder Geburt ſtehenden Schweſter Latona einen ſichern Platz ein / der Adilos ſich nennete / und gab ihm einen andern Namen Delos genannt Die Diana war die erſtere / ſo dieſes Liecht der Welt erblickte / und ſo bald ſie nur ebohren war / ſtunde fie der Mutter bey / daß ſie auch den Apollo gebahren Fun. worüber dann erfolget / daß fie noch in denen erſteren s. Wochen von denen Schwangeren verehret worden / die ſie vor die Goͤttin Lucinam oder llichyiam angebethet / weilen ſie den neugebohrnen mit offnen Augen das Liecht der Welt zeiget So bald Apollo nun erwachſen / brachte er feiner Mutter eind den Pychon mit einem Pfeil um / und toͤdtete den Cyclops der des Jovis Donnerkeil geſchmiedet / den Elculapium feinen Sohn damit zu Km und zu legen. Diefen Afculapium hatte der erzoͤrnte Jupiter nach ge⸗ rtem Streich zu denen furien der Hoͤllen verſtoſſen / weilen er den Hyp- politum, der von denen Pferden zerriſſen worden / das Leben wieder geben. Daß nundiefeschymifche Vorbildungen und Gedichte ſind / iſt anderwerts von mir erwieſen worden. Dann die Latona, Cynthia, der Apollo und der Python find Stucke der Kunſt / die ſich alſo gegen einander verhalten / wie ich im vorigen Emblemare gemeldet habe. Und nachdeme es die alten Poeten und Versdichter als Orpheus, Linus, Muſæus, Homerus &c. in gewiſſe Rei⸗ men verfaſſet / hat es denen Ohnwiſſenden nachgehends Gelegenheit zu ei⸗ nem Opfferdienſt vor den Gott Apollo gegeben. en an vielen Orten Europæ und Aſiens gefunden worden da gedachtem Apollo ein Tempel ge⸗ ſetzet war. Vor allen dieſen war berühmt der Tempel zu Delphis / im wel⸗ chem viele kuͤnſtliche Säulen von maſſiven Gold und Silber eines ſehr hohen Werths von Koͤnigen und Fuͤrſten / auffge richtet ſtunden / die aus allerhand Volck / als ein Zeichen ihrer de otion dahin verehret worden Pau- (anias gedencket eines Metallenen kuͤnſtlichen Bildes / welches Hippoera- tes an die Decke dieſes Tempels gehänget. Es wurde auch dem Gott Apol- lo jener koſtbare Tiſch mit 3. Beinen 85 den Pelopen gewiedmet / als er
