Chapter 14
Section 14
118 Viertzigſtes Sinnbild von Geheimnuß der Natur.
Mache aus zweyen Waſſern eins / ſo haſt du das geheyligte Waſſer.
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Vierzigſte Ulberſchriſt.
Zwey Brunnen fi) mit Waſſer⸗Roͤhren zeigen / eee Bild ein warmes Waſſer | ührt / Das and re aber kalt / will Jungfern Waſſer reichen / Damit auch wiederum die zwey ein eins berührt. Doch bleibet beyder Krafft ſtets gut und ohnverlohren / Als wie des Jovis Brunn / der Hitz und Kaͤlt gebohre.
(Jovis Hammonii) | Es
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Viertzigſte Erklärung. 119
RE SS giebt viel und mancherley Wunder⸗Brunnen in der Natur / da ein jeder eine beſondere Wuͤrckung fuͤhret / worvon gantze Buͤ⸗ cer koͤnten angefullet werden; wie dann verſchiedene einige Au- ores angeführet: Unter ſolchen aber haben die zwey Philofophi- ſche allein den Preiß und Vorzug / weilen ihre Krafft und Tugend allen vordringet. Man lieſet von denen Fluͤſſen Sybaris, Axo in Macedonien / und Mela in Beotien, daß ſie das Vieh ſchwartz machen wann es daraus getraͤnckt werde. Der Fluß Crathis aber / und der Qlirunnus zu Mevan, auch der gauze ene ſollen daſſelbe in eine weiſſe Farb verwandlen. Die Si- nuellaniſchen Waſſer in Campanien vertreiben die Unfruchtbarkeit an bey⸗ den Geſchlechten. Der Fluß Afrodiſius ſchwaͤngert die Unfruchtbaren: der Brunnen zu Cabur des Melopotamiens giebt ein wohlriechendes Waſſer / und das Waſſer Anygri in Pelopones ſtincket. Des Jovis Hammonii Brunn gefrieret des Tags und des Nachts iſt er heiß / Morgens und A⸗ bends aber lau. Damit wir uns nun nicht länger auff halten / ſo ſage ich hiermit allein / daß das Philoſophiſche Waſſer alles das verrichte / und mit und gegen die Natur wuͤrcke. Von welchen auch der Lallius im Buch de Q.Eilentia in der s. Diſt de inceratione alſo fchreibet: Und alſo find zwey⸗ erley in der Runſt zu obſer viren / nehmlich: aus einer Natur eines einigen Metalls zwey wiederwaͤrtige Liguores oder Waſſer berei⸗ ten deren eines Krafft die Tugend zu firiren / congeliren und zu verhaͤrten / der andere aber zu vo/arılifiren ı flüchtig und weich zu machen hat. Das letztere wird durch das erſtere ſeirt coaguliret und ges härter / wodurch aus beyden ein fixes Corpus entſtehet / Lapis genannt / daß die Krafft und Wuͤrckung hat auch das flüchtige zu figiren / und das wei⸗ che hart zu machen / ja das harte zu erweichen. Aus welchem allen zu erſe⸗ hen iſt / was beyde Waſſer vor Tugenden fuhren / und warum ſelbige in eins zu bringen ſeyn. Der Stein heiſt ein Waſſer / weilen er gegoſſen wird / und das Waſſer wiederum ein Stein / weilen es ſich reiben laͤſt· Wahr iſt es / daß zuweilen eine Quelle weiters geholet und geleitet wird als die an⸗ dere / wie an den Jungfern Brunnen zu Rom und anderen dergleichen / (die durch Röhren geführet worden zu ſehen iſt; doch müffen ſie zuſammen in einen Kaſten gebracht werden. Zumahlen wann ſie verſchiedentlicher Naturen / und der eine kalt der andere aber warm ift = als durch welcher Vermiſchung / die Waſſer ſo dann auch eine vereinigte Krafft empfinden / und ſich in einander temperiren. Die Artzney⸗Getraͤncke und warme Baͤ⸗ der find ebenfalls ſolche mixturen die aus dieſer Vereinigung ſproſſen / und nachgehends allerhand Anftöffe der Kranckheiten heben. Zwar / vermiſchet durch ihre heimliche Verbindung in der Erden / die Natur ihre daſelbſt he⸗ gende Waſſer / und theilet ihnen allerhand metalliſche Krafft = / 5 * ran 7
120 Viertzigſte Erklärung. Kranckheiten zu heben / wo ihm aber die Kunſt zur Seiten tritt / und bey vorhabender Vermiſchung und Bereitung / das Regiment fuͤhret / fo kan ſolche Arbeit in weit hoͤhern Grad der Krafft und Tugend kommen Ohne Huͤlff der Natur mag nichts dann eine Zerſtoͤr⸗und Unordnung von der Kunſt bereitet werden / da doch eine genaue Vereinigung (die eigentlich gantz allein die Natur wuͤrcket) erfolgen ſolte Der Theriac iſt eine Ver⸗ miſchung vieler Simplicien, durch das Stoſſen und fermentiren nach der Kunſt bereitet / gleichwohl kan niemand behaupten / daß es eine naturliche Vermiſchung und einſtimmige Medicin ſeye. Von der kuͤnſtlichen Ver⸗ einigung derer ſubſtantien oder Weſen (Coͤrper) iſt bekannt daß ſie nicht
auff das allergenaueſte vereiniget find / ob ſie ſchon durch des Kuͤnſtlers Hand auch nicht wieder moͤgen geſchieden werden. Nun fragt ſich aber bey aller ſolcher Qualitäten Vermiſchung / ob die ſpecifica und ingredienti- en des Theriac zuſammen in eine Quint-Eſſenz gebracht werden koͤnnen? oder ob ſie nur alſo vermiſchet in ihrem Weſen und Pulvern / wie ſie vor der mixtur geweſen / als wie das zufällige (accidens) an den ſubjecto (Coͤr⸗ pern) zum Exempel die Farb an der Wand zc. verbleiben? auch was von ihren zweyten und vierdten Qualitäten zu halten? Beweißlich iſt es / daß alle Qualitaten ihrem Weſen nach noch in denen ſub jectis (Coͤrpern) eine verleibet liegen / und daß fie durch ſolche natürliche Vermiſchung nicht auf das 3 (minima) vereiniget worden / ſonſten wo ſolche Qualitäten (Kräaͤfften) ihre Coͤrper gaͤntzlichen verlaſſen / muͤſten in jederem Compoſi- to das durch die Kunſt geſchehen / nach der Zahl / Maaß und Gewicht vier Eſſentien hervor kommen / ohne daß ein irrdiſcher Coͤrper daran mehr zu finden / oder einer von dem andern weiter zu ſepariren ware / fo aber bey dem Theriac nicht zu ſehen iſt. Von den Haͤſern coagulat wird gemeldet / daß er ihn von der Geringfuͤgigkeit des Gebluͤts coagulire und beſtehend mache / in der coagulation aber und Zuſammenrinnung eben denſelben re- ſolvire und zernichte. Und auff ſolche Art haben auch der Eſſig / das Bley und andere Sachen nach ihres Gebrauchs Unterſchied / wiederwaͤrtige Wuͤrckungen / weilen die Natur ſich alſo wunderbahrlich gemiſchet. Das Philoſophiſche Waſſer hat ebenfalls verſchiedene Krafft und Wuͤrckung; dann die Natur hat durch Huͤlff der Kunſt aus wiederwaͤrtigen Dingen daſſelbe vermiſcht / und in eine unzertheilende Subſtantz gebracht / welches
die Quint · Eſſenz iſt gegen anderer Coͤrper Eygenſchafft / die in einan⸗ der vermiſcht werden ſollen.
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Ein und viertzigſtes Sinnbild vonheheimnuß der Natur. 121 Der Adonis wird von einem wilden Schwein erlegt /
worüber die Venus a und mit feinem Blut die Roſen faͤrbet. ö
Vons Vatters Schoß die Myrrha hatt gebohren Adonis Bild / dem hier das Schwein gefaͤllt; Bald Venus deſſen Blut zur Roſen hatt erkohren / Wodurch die weiſſe Blum in Purpur wird verſtellt. Die Goͤttin / die betruͤbt mit denen Syrern ſchreyet / Ver wandelt feinen Leib und ihn ins Graß ausſtreuet.
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122 Ein und viertzigſte Erklarung. 5 S werden die verblümten Redens Arten und boetiſche Gedich te von Adonide, bald auff die Sonne / bald auff das wilde Schwein / ſo ihn getoͤdtet / bald auff den rauhen Winter / bald aber auff die Saat der Fruͤchte / welche 6. Monath unter der Erden bey der Goͤttin Proſerpina, und eben ſo viel ober derſelben bey der Goͤttin Venus iſt / gezogen / worvon ich bereits Meldung gethan / und es ſchon anderwerts wiederleget. Daß aber dieſe Sonne unter Adonide vorgebildet / der Weiſſen Sonne ſey / zeuget folgender Vers: Omnia ſunt idem, Dionyfas, Sol & Adonis: Imgleichen der Orpheus: qui vario lætaris nomine Adoni,
Germinum & idem author, pariter puer atque puella: Welches alles nicht der Altraliſchen Sonne am himmliſchen Firmament / ſondern der Philoſophen Sonn zugeeignet wird. Dieſe bildet beyde Ge⸗ ſchlechte vor / jene aber nicht. Und dieſes wird auch von Dionyſo und So- le geſagt / was von Adonide gemeldet worden. Alſo auch im Gegentheil was von Oliride geſprochen / begreiffet die anderen mit. Der Adonis wird von einem Schwein / das iſt / von dem allerſchaͤrffſten Effig oder auffld- ſenden Waſſer erleget / welches feurigen Schweins grimmige Zähne ihn getoͤdtet. Die Philo ſophiſche Sonne wird ebenfalls von dieſen grimmi⸗ gen Thier toͤdtlich verwundet / in Stuͤcken zerriſſen und zermalmet. Da⸗ hero ihm die holdſeeligſte Venus feine getreue liebſte zu Hulffe ſpringt / und als ſie ihn entſeelet / ſchon zur Erden gefunden / unter die Kräuter geſetzet und verwahret. Und alſo wurde auch Ofıris von feinem Bruder Triphone er⸗ ſchlagen und in Druͤmmern zerhauen / welche Stücke nachgehends die lis des Oſiridis Eheweib zuſammen getragen und begraben. Eben derglei⸗ chen Trauerfall der in Egypten den Oliridem betroffen / begegnete einige Jahr hernach dem Adonidi, wodurch beyde benachbarte Koͤnigreiche in die groͤſte Traurigkeit verſetzet worden. Man hoͤrete einige Taͤge groſſes Klagen und Heulen bald darauff aber Frolocken und Freude / weilen der jenige fo todt war / wieder erſtanden / und nun unter die Goͤtter erhoben iſt. Dieſe Heydniſche Gedichte find durch des boͤſen Feindes Eingeben / nnd ſalſche Miracul denen Voͤlckern damahls als ein Goͤtzen⸗Dienſt und Hei⸗ ligthum vorgeſtellet und eingeredet worden. Vom Adonide lieſet man / daß derſelbe von dem König Cinyra in Cypern und ſeiner Tochter Myrrha, aus unkeuſcher Blutſchand erzielet und gebohren ſeye. So es nach der Erzehlung betrachtet werden ſolte / waͤre es ein groffes Laſter; da es aber al⸗ lein auff das Philafophifche Werck appliciret und gezogen wird / findet es einen groſſen Nutzen. Dann wann bey dieſen nicht die Mutter mit dem Sohn und der Vatter mit der Tochter uniret und in Ehe verbunden wird / daß fie eine neue Geburt zeugen / fo iſt das Werck verlohren. Je naher 1
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Ein und viertzigſte Erklärung. 123 ſie einander dem Gebluͤt a ſind / je fruchtbarer werden fie : und wo nicht diejenige in der Bluts⸗Verwandtſchfft vom erſt⸗ und zweyten Grad zuſammen geführet und vereiniget werden / iſt keine Frucht zu hof⸗ En elches aber nach Guͤttlich⸗ und Weltlichen Rechten denen Mens chen ſonſten verbotten iſt. Der Oedipus nimmt ſeine leibliche Mutter zur Ehe / und der Jupiter ſeine Schweſter; imgleichen Olyris Saturnus, Sol, der rothe Knecht Gabricius und andere. Von Adonide und der Sonnen ſchreibt Belinus im Rofario , als ein Gefpräch / fo er der Adonis von ſich ſelbſten fuͤhret. Ihr ſollet wiſſen / daß mein Vatter die Sonne mir die Macht gegeben über alle Gewalt zu herrſchen / und nicht mit Kleidern der Herrlichkeit gezieret. Und weiters: Ich bin der einige ſo meinem Vatter gleichet. Ich ziehe meine Knechte und ihre Natur mit voller Gewalt hervor / und bekleide ſie mit mei⸗ nem Glantz und Liecht / welches mir mein Vatter gegeben in al⸗ len derſelben Wercken: Ich bin herrlich / und kan alles erhoͤhen und vernichten / und hat kein einiger meiner Knechte über mich Gewalt / ohne einer der etwas an ſich fuͤhret was mir entgegen iſt / dieſer zerſtoͤret mich / doch nicht meine Natur. Es iſt der Saturnus der alle meine Glieder zertheilet: dann gehe ich zu meiner Mutter / die ſammlet meine Theile wieder. Ich erleuch⸗ te alles und gebe einen hellen Schein von meinem Vatter auff der Reiß / und von meiner Mutter die mir fend iſt. Dieſe Wor⸗ te find ja fo klar / daß ein halbverſtaͤndiger fie faſſen kan; und wird derſel⸗ ben bey Conferirung anderer P 500 ff chrifften eine genugſame Harmonie finden. Dann was wahr iſt / laͤſſet ſich auch unter denen ver⸗
bluͤmten Redens⸗Arten bald mercken / und alſche tritt ſo gleich der Warheit entgegen. Sache ſog
124 Zwey und viertzigſtes Sinnbild von@ebeimnuß der Natur.
Dem Sucher der Chymiſchen Kunſt muß die Natur / Vernuufft / Erfahrenheit und das fleiſſige Leſen / Leiten / und an ſtatt eines Fuͤhrers / Stabs / ja einer Leuchte und Lampe dienen.
Dich leitet die Natur / drum folge ihren Wegen / Sonſttritt ſt W der rechten Warheits “= Boll: | | Dein Staab ſey die Vernunfft / das icht muß dirzulegẽ Die edle Wiſſenſchafft / wañ du das Werckfaͤngſt an. Das Leſen iſt die Lamp fo in dem Finſtern ſcheinet / Doch uͤberleg dabey was auch der Weiß recht meinet, ie
Zwey und viertzigſte Erklärung. 125
Je Neiſende find vieler groſſen Gefahren unterworffen / allermeift
wo fie def Nachts auff gefahrlichen ſchlupfferigen Wegen wand»
len: und haben ſelbige auſſer der Zehrung unddeibes⸗Krafften noch
vier Haupt⸗ Dinge noͤthig / als erſtlich / den Weg wohin fie reifen
wollen / auff daß ſie 7 wohl erforſchen / und einen getreuen Weg⸗ weiſer mit ſich fuhren moͤchten. Dann wo ein ohnwiſſender einen 1 ſolte / waͤre es eben + als wann ein Blinder dem andern den Weg wieſe / nicht daß ſie miteinander in die Gruben fallen / ſondern irren moͤch⸗ ten. Zweytens / daß fie fich eines guten Wanderſtabs befleiffigen mochten / um ſich auff der Reiſe und anderen ſchluͤpfferigen Orten zu ſteigern und zu halten. Drittens / daß ſie fun Augen haben; dann kein Blinder oder Bloͤdaugigter mag ohne Gefahr 5 705 ierdtens / daß er ein gute hell⸗ leuchtende Laterne oder angezuͤndete Fackel habe. Ein in der Chymie be⸗ gieriger Wanders mann hat auſſer der Leibes ⸗Staͤrcke und erforderenden
Koſten / auch noch 4 Puncten in genaue Confideration zu ziehen und zu
obſerxixen / nehmlich die Natur Bernunfft Erfahrung / und die Philo- ſophiſchen Bücher oder Schrifften in eine Harmonie zu bringen. Dann wann ein eintziges von diefen manglen wird / iſt die gantze Arbeit umfonft und vergebens. Mit dieſen / als mit vier Raͤdern gleichſam muß der Philo- fophifche Wagen 1455 eyn. Die Natur pretendiret natürliche Coͤr⸗ per und Spiritus, als ſolche ſubſecta, die von ihrem Anfang von ihr gewuͤr⸗ cket worden / damit nur die Kunſt mit præpariren / purificiren und der Aus⸗ arbeitung fortfahren und zu Ende bringen moͤge / was dem fleiffigen Su⸗ cher zum Lohn ret. Der Toͤpffer bedienet ſich in feiner gantzen Arbeit der Erden (Thons) und des Waſſers. Der Glaßmacher der Aſchen und des Sands. Der Schmied des Eiſens / Kupffers / Zinns / Bleys / Silbers und Golds. Der Gaͤrber der rohen Haut ꝛc. und andere Kuͤnſt⸗ ler anderer Sachen. Und alſo muß der Chymicus auff gleiche Art feine Materi zu Handen nehmen. Einigen iſt ſie ſchon bekannt / einigen aber / wird ſie erſt nach vielem kennlich / einem anderen wohl gar nicht. Und ob es zwar die gutige Natur mit Fingern zeiget / ſo ſind die meiſten doch ver⸗ blendet / daß ſie ſolches nicht verſtehen noch erkennen 1 Muß alſo zu foͤrderiſt die Natur im Centro oder ihrem innerſten Weſen conſideriret und betrachtet werden / wie ſie nehmlich wuͤrcke auff daß die wahren ſub⸗ xecta (Materien) derer Oy miſten ohne Mangel oder Überfluß erwählet werden konnen. Dann die Natur iſt auff dieſer Reiſe der Wegweiſer des ren Jußſtapffen man folgen muß. Die Vernunfft iſt der Wanderſtock / der des Artiſten Tritt gewiß machet / und den Fuͤſſen Huͤlffe giebt / daß
fie nicht gar leichtlich ſtraucheln mögen: Weß wegen auch die Philofophi
geſchrieben / was du hoͤreſt das uͤberlege wohl ob es alſo geſchehen koͤnne? Q3 Nie
126 | Swep und viertzigſte Erklärung. Niemand vernuͤnfftiges laͤſt ſich zwingen zu glauben was nicht wahr iſt / oder zu arbeiten was wieder die Vernunfft ſtreitet / er waͤre dann gar ſchwacher Gedaͤchtnuß / dumm und wanckelmuͤthigen Verſtands / der fal. ſche Wahr vor Warheit annehme / und das gute mit Gewalt verſchlinge. Die Philofophi bekuͤmmern fich um keine leere Wort / ſondern erklaren den Buchſtaben nach der That / und geben vor / die Worte waren um der Sachen wegen / nicht aber die Sachen um der Worte wegen geſchrieben. Zum Exempel: Es ſagte jemand die Philofophifche Tinctur mache das Glaß haͤmmrig / warum ſolte nun dieſes niemand glauben koͤnnen / wann es die Vernunfft bejahete? Die Erfahrung als das dritte giebt uns die Erlaͤuterung / daß man in die Ferne ſehen und erkennen moͤge / was anzuneh⸗ men oder nicht. Dieſes ſind die Inſtrumenta Optica (Fern⸗Glaͤſer) die die ſchwache Augen ſtaͤrcken. Und ſolchen gleichen auch die kxperimenta der Mineralien die man unterſuchet / geſehen oder warhafftig gehoͤret / daß ſie unterſuchet worden; je mehr man nun mit ſolchen in der Vernunfft zu Rath gehet / je mehr muß man uͤberlegen / was zu wahlen und mit andern zu vergleichen duch imgleichen was wahr oder unwahr? Das Leſen als die Laterne oder Fackel / öffnet den Verſtand und giebt dem Begierigen Les fer ein Liecht: dann ohne dieſes find nichts als Finſternuß und dunckle Wolcken zu ſehen. Die guten Bücher der wahren Adeptorum müffen im Leſen oͤffters wiederholet werden / wann ſie ſollen Nutzen geben. Wie auch Bacaſſer in der Turba ſagt: Wer langmů thig iſt und gerne ſich ge⸗ dultet / wird auff rechten Wegen wandlen; wer ſich aber bere⸗ det / datz aus unſern Büchern alſo gleich ein Nutzen zu ſchoͤpffen ſeye / der betrieget ſich / und wäre ihm beſſer / daß erniemah⸗ len in die Buͤcher Ber noch ſelbige beruͤhret tte.
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1 PEN NZ V
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Höre
Dreyund viertzigſt. Sinnbild vonGcheimnuß der Natur. 127
Höre das Geſpraͤch des Geyers / welches dich nin⸗⸗ mermehr betruͤgen wird.
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Drey und viertzigſte Uberſchrifft. Der Geyer ſchwingt ſich auff des Berges Spitzen / Mit ſietem Ruff / ich ſchwartz und weiſſes Thier! Pfleg auch das Gelb und Roth zugleich mit zu beſitzen / Der abgeſtumpffte Rab gleicht ſich alleinig mir. Bey finſtrer Nacht und auch bey hellem Tage / Von ihm und mir der Weiß fuͤhrt ſeine Sage.
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128 Drey und viertzigſte Erklaͤrung.
* S bezeuget die tagliche Erfahrung daß Pappegen / Raben / Doh⸗ Ln und Elſtere reden lernen und dem Menſchen nachahmen. Dies ſes bejahet Plinius wann er meldet / daß zu feiner Zeit Kaͤyſers Clau- du Gemahlin die Agrippa eine Droſel gehabt / die reden koͤnnen. Ja daß dero Königliche Printzen einen Staaren und eine Nachtigall gefuhret / die Griechiſch und Latein geredet und verſtanden / und täglich was neues in weitlaͤufftigen Reden vorgebracht. Weilen es nun jetziger Zeit mit ſolchen Voͤgeln was gemeines iſt / ſo wird es wenig mehr admiriret und in Confi- deration gezogen. Zumahlen durch die tägliche Ubung und Gewonheit alle Voͤgel / die nur von Natur geſchickt ſind darzu / koͤnnen abgerichtet werden. Der Geyer der Philoſophen hat ſeine Sprach nicht erlernet / ſon⸗ dern von der guͤtigen Natur erlanget / als welche ihn gleichſam ſtillſchwei⸗ gend damit begabet und ausgezieret: dahero er auch ſtaͤtiglich mit heller Stimme ruffen ſoll / wer doch der jenige ſeye der einen fo hohen Stand fuͤh⸗ re / und beym Anblick ſeiner Offenbahrung ſeine Ehren⸗Titulen und herr⸗ liche Erbſchafften koͤnne kund machen / wie er 2 nicht daß er ſolches aus Hochmuth thue / ſondern daß jederman ſehen möge / was vor eine Herr⸗ ſchafft er fuͤhre und was vor eine Erbſchafft er zu hoffen habe. Dahero iſt noͤthig daß man acht giebet / was vor Farben dieſer Vogel fuͤhre / weilen dieſe ſeine Wappen und Ehren⸗Zeichen ſeines wahren Adels ſind / und daß er allen anderen an Hoheit vorgehe. Ich ſpricht er (wie Roſarius qus dem Hermeteanführet/) bin das Schwartze aus dem Weiſen / und das Gelbe von dem Rothen / die warhafftige Warheit die nicht trůget. Das Schwartze ruͤhmet fich des Weiſſen / üñ das Gelbe der Rothe und in der That befindet es ſich auch alſo / ob er ſchon die z. letzteren Farben noch nicht wuͤrcklichen beſitzet / ſo hat er fie doch aus der Erbſchafft zu hof⸗ fen / wie Rofarius in libro div inarum interpretationum gedencket / wann er ſchreibt: Nimm den Stein der ſchwartz / weiß roch / gelb und ein Wunder⸗Vogel iſt / der mit Schwaͤrtze der Nacht und des Tages Klarheit pranget und ohne Fittig flieget. Aus feiner Bit⸗ terteit die aus feinen Tropffen kommen erkennet man die Faͤr⸗ bung / und nach abgelegtem feinem Zorn bekommet man ein reis nes Waſſer. Wie auch Alexander gedencket. Nimm den Stein der vier Farben mein Sohn / dann alle dieſe Farben finden ſich in der Ordnung bey ihm. Und alle Philoſophen ſtimmen hierinnen uͤberein / und erinnern es. Nicht ohne Urſach wird das Philoſophiſche ſub/ectum eis nen Geyer verglichen. Unter ſolchen haben die Schwartzen den Vorzug / ſie ſind rubriſch / fegen aber langſam weilen fie gar Sa find. Man ſagt / ſter
