Chapter 13
Section 13
Sieben und dreyſſigſt · Sinnbild von®eheinmuß der Natur. 109
Zum Geheimnuß der Natur find dreyerley noͤthig / ein welſſer Rauch / das iſt Waſſer / der grüne Löw das iſt / das Philoſophiſche Ertz / und das ſtinckende Waſſer.
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AſteUlbe
Drey Saamen ſind in der Ohymie enthalten / f Ein Schlamm und weiſer Dampff des gruͤnen Loͤ⸗ wen Haut“ 2 5
Die Frucht das Waſſer bringt und daß die Weiſen altẽ Bereiten ihren Stein: das erſt und letztes baut.
Hermetis wahres Ertz der gruͤne Loͤw vorſtellet /
Vom harten Felß Dampf und auch Waller fälle, 2 rey⸗
110 Sieben und dreyſſigſte Erklarung. — Reyerley find zu Erbauung eines Haußes noͤthig / als das Fun⸗ KH) Dament / die Wande und das Dach / und fo viel Stücke requi- A rrret auch das Philofophifche Werck / wann es ſoll zum Ende kom⸗ men. Der Author Auroræ im 20. Cap. redet von einer Schei⸗ dung derer Elementen / wann er ſpricht: die Erde wird daſelbſt zurück ge⸗ Far: die anderen 3. Elementa ſich in ihr recht wurtzlen koͤnnen. ann die Erde nicht ware / hatten auch die Elementa keinen Grund / auff dieſes Hauß eine neue Schatz⸗Kammer zu bauen. Dieſer Grund iſt das ſtinckende Waſſer / ein Waſſer aller Elementen / aus welchem / durch wel⸗ ches und mit welchem die weiſſen Philoſophi ihr Elixier von Anfang biß zum Ende bereitet. Stinckend iſt es / weilen es einen ſtinckenden Schwe⸗ fel⸗Geruch von fich giebet; und dieſes iſt das Waſſer / fo der Pegafus das geflügelte Pferdt mit feinem Huef aus dem Berg Parnaflo getretten / wel⸗ ches Waſſer der Berg Nonacris in Arcadia von ſeiner Spitzen wirfft / und rauſchend durch die Felſen treibt. Deſſen Krafft allein in einem Pferdts⸗ Huef erhalten wird. Dieſes iſt das Waſſer des Drachens / wie es Rofa- rius nennet / welches allein ohne Zuthun was anderſter / uͤber dem Helm getrieben und bereitet werden muß / bey welches Deſtillation es einen harten ohnannehmlichen Geruch giebet: welches Wort / als es einige geleſen / einen irrigen Gedancken erwecket / daß ſie auff die Excrementa und Aus⸗ wuͤrffe derer Menſchen und Thiere gefallen / und daraus ein Waſſer ge⸗ brennet / ohne Zweiffel ihnen einen ſchlechten Geruch in die Naſen gegeben / ja gar Salv. Ven. Dreck zur Ausbeute dargeleget haben wird. Damit du aber auch nicht meinen moͤgeſt / daß die wahren Philoſophi nur ſtinckende Käfer waͤren die im Unflat wuͤhlen / ſo ſolt du wiſſen / daß der uͤble Geruch wann er kommt / ſich ſogleich wieder in einen ſtarcken lieblichen Geruch verwandle / wie auch Der Philofophus Lullius von feiner Q. Efleng ſchreibet: Es habe einen ſolchen anmuthigen Geruch wann es recht berei⸗ tet werde / daß dadurch die Voͤgel aus der hoͤhern Aufft Region zu uns hernieder gezogen wurden. Dieſer Philofophus ſtellet auch feine Q: Eſlentz in Miſt / als durch deſſen gemaͤſſigter Waͤrme fie den lieblichen Geruch erreichet. Einige haben es / wiewohl vergebens / mit dem Spirieu Vini verſuchet / und darauff den Lullium gar verworffen / da fie doch nie des Lullü gebrannten Wein gekoſtet / und dahero billich ſelbſten zu ver⸗ werffen ſind. Jener vortreffliche Pose Chryfop. wuſte Lullium noch beſ⸗ fer zu erflären / wann er dieſe guͤldene Wort ausgebrochen: „At non ille quidem ſenſit, quæ dicere prima a Ef facie viſus, neque tum ſtillantia vina, Mifcebat &c. 8 Nach dem ſtinckenden Waffer / tritt der gruͤne doͤw herfuͤr / von weichen - o-
Sieben und dreyſſigſte Erklärung. 111 Rofariusalfo ſchreibet: Du haſt dich über die Gruͤne beſchweret und geglaubt / daß das Kr darum Auffägig ſeye. Ich ſage aber dir daß alles vollkommene Ertz / allein dis Gruͤne feye / welches von uns Meiſtern alſo bald in unſer wahres Gold verkehret wer⸗ den kan. Ohne de grünen Duenech iſt der Stein der Weiſſen nicht zu machen / als welcher aus unſerer Minera allein ſeinen Urſprung führer. O du gefeegnete Grüne! die du alles hervor bringſt. Dahero auch zu ſehen iſt / daß keine Frucht oder anderes Gewaͤchs ohne Gruͤne wachſen kan; ja daß auch dieſer Dinge Leben allein die Gruͤ⸗ ne ſey / wie es dann die Philoſophi auch ein Gewaͤchs genennet. Alſo ſchreibet Rofarius: Dieſes iſt das Philaſophiſche Gold und Erg / ein Stein in denen gaͤchern bekannt / ein Rauch / Dampff und Waſ⸗ ſer / ein Speichel (Aus wurff) Lane, welches dem Soͤnnen⸗Liecht beygeſetzet wird. Dieſer grüne Loͤw ſtreitet mit dem Drachen / wird aber von ihme uber wunden und nach und nach gefreſſen. So bald aber der Low faulet / fo ſteiget aus feinem Munde eine ſolche Suͤſſe auff / die der Suͤſſigkeit des Honigs gleichet die in jenem Loͤwen geweſt / welchen Sams on der Starcke erlegt Der über die doͤwin ſiegende Drach / iſt alſo dick am 55 geworden / daß er ſtirbt davon / von welchem (weilen ohne hin das Loͤden⸗Schmaltz die taͤgliche Fieber curiret / und bey Koͤnigen und Voͤlckern / wann ſie damit geſalbet werden / groſſe Gunſt und Freund⸗ ſchafft 1 eine recht koſtbare Medicin bereitet werden kan / die zu vielen Kranckheiten und ee dienlich. Endlich und zum drit⸗ ten zeiget ſich ein weiſſer Dampff / welcher / wann er wieder coaguliret worden / ein Waſſer iſt / fo da dienet ſtatt der Seyfen zu dem Waſchen / es ſolviret und reiniget / und nimmt alle Flecken weg. Diß nun iſt das Feuer wieder die Natur das zu ſuchen iſt / und wird darum alſo ge⸗ nennet / weilen es alle egenwuͤrckung der Natur thut / es ſchlieſſet auff und deſtruiret das jenige was es mit groͤſtem Fleiß bereitet hat. Es iſt nicht aus Spiritu Vini oder einem anderen Hehl entbrunnen / fondern aus der ohnverbrennlichen Materi das gleiche Hitze und Wuͤrckung hat: es iſt ein Feuer ohne (Flamm) Liecht und Brand / von groſſer Tugend und Wuͤrckung / welches in der Dunckelheit gefunden wird / es leuchtet nicht / dahero es ger u bekommen iſt. Man muß es bey der Arbeit gebuͤhren⸗ der Maß appliciren; wie wir auch ſchon von dieſen und anderen feinen Eygenſchafften genugſame Meldung gethan.
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Rebis
112 Acht und dreyſſigſtes Sinnbild von geheimnuß der Natur. Rebis, ein Hermaphrodit wird gebohren aus zwey Bergen Mercuri und Veneris.
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Acchtund dreyſſigſte Uberſchrifft.
Vom Rebis durch und durch der Weiſen Rede gehet /
Daß 1 eg an einem oͤrper
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Das Eingecoͤrpert zwey auf zweyen Bergen ſtehet /
Und Hermes Fluͤchtigkeit in Venus Spaß ſich find. Verachte nicht den zwey Geſchlechten Leibe /
Weil aller Reichthum eng ſo wol vom Mann als
; elbe. — Als
Acht und dreyſſigſte Erklärung. 113 essocrates einſtens befraget worden / was vor eine Landſchafft die Pilgrame dieſer Welt hatten / hatte er die Antwort geſtellet / es ſtuͤnde einem jeden frey ſich zu bekennen wohin er wolte. Dann
oberſchon dem Leib und der Geburt nach ein Athenienſer ware / ſo waͤre er doch der Seelen nach ein Beſitzer des gantzen Erdbodens / in wel ⸗ chem er / als in ſeinem Vatterland / Den umſchauen möchte s erwogen einem Weiſen alles Land wo es ihm nur wohl gieng / zum Vat⸗ terland gegeben ſeye. Solte man nun die Philofophos auch fragen moͤgen / von wan nen doch ihr Hermaphrodit ſtamme? fo würden fie nicht weniger dieſe Antwort ſtellen / daß er 5 ein Buͤrger der gantzen Welt / der von al⸗ len Theilen des Welt⸗Creyſſes / wo die Elementa gefunden werden / her⸗ vor kommen / ja daß er ſeye der Weiſen Sohn / der mit ſelbigem ein jegli⸗ ches Vatterland gemein habe. Einem Menſchen iſt nicht noͤthig oͤffters oder an verſchiedentlichen Orten gebohren zu werden / weilen er auff ein⸗ mahl durch ſeine Geburt den Nahmen eines Einlaͤndiſchen erlanget / wie Socrates der zu Athen gebohren / den Nahmen eines Athenienſers uͤberkom⸗ men. Der Rebis, der ein Einwohner zweyer Berge des Mercurii und Veneris 5 hat auff gleiche Weiß von beyden Eltern den Nahmen eines He oditi erlanget. Seine Hauß- Götter find die Einwohner des Ges birg8 fein Vatterland iſt erhoͤhet / und er ſelbſten iſt an hohen Orten ge⸗ bohren. Diß iſt in Warheit nicht ein geringer Beweiß ſeines Adels / wie dann die Innlaͤndiſche allzeit den Vorzug vor den er führen / wo man nehmlich Ehren⸗Aembter austheilet / damit ſie aus dem niedrigen Stand erhoben / und zu hoͤhern Wuͤrden gebracht werden moͤchten. Durch dieſes ihres Einwohners oder Hermaphroditi Tapfferkeit erlangen die ohnbekandten Berge einen ohnſterblichen Nahmen / und machen ſich der gantzen Welt Fund: dann wer ſolte nicht / der nur ein wenig in der Phi- loſophen Bücher geleſen / den Rebis erkennen oder den zweykoͤpffigen An- drogynum das iſt / Hermaphroditum mercken. Dieſer iſt biß in Indien bekandt / und fein Ruhm gehet uͤber Alexandrum Magnum. Viele reifen einem gelehrten Mann oder anderen tapfferen Helden von weitentfernten Orten nach / ihn 2 ſehen und zu ſprechen. Mehrere aber wuͤrden zu des Rebis Bergen reiſen / wann ſie ſelbige finden koͤnten. Mit was ungemei⸗ nem Fleiß und groſſer Mühe ſuchte nicht Morienus der Romaner ‚den Ad- far Alexandrinum, da er derentwegen von Rom nach Alexandria reiſete / und fo lang ſuchte biß er ihn gefunden. Und war er um fo mehr glücklich und von Gott geſeegnet / daß von dem wahrendehrmeiſter ſelbſt / und nicht von einem ſtummen Buchſtaben / dieſer Sachen / das iſt / dieſer Geburtsſtaͤtte des Rebis kund worden und mit Augen geſehen. Mit weit a Fleiß ſollen die bemuͤhet ſeyn / die des Rebis Vatterland vor ſich ſuchen und von denen Büchern nan ns und allein hierzu verleitet wer⸗
114 Acht und dreyſſigſte Erklärung. werden. Zwar geben uns zu Weilen die Buͤcher ein groſſes Liecht / jeden⸗ noch aber ſind dieſelbige voll lauter Dunckelheiten / daß man nichts gewiſ⸗ aus demſelben nehmen und begreiffen kan: weßwegen dann allerdings
ehutſam zu verfahren iſt / auff daß man nicht vor eine wohlbereitete Me- dicin einen Gifft ergreiffen moͤge. Dann in Warheit dieſe nichts dann ein weites unerſchoͤpffliches Meer find / auff welchem nur allein die wohler⸗ fahrne Schiffer durch ihre Aſtronomiſche Inſtrumenta die Weite und Hoͤ⸗ he des Æquatoris uber den Horizon zu finden wiſſen. Der Magnet muß den Polum von Norden entdecken / und zeigen / wie viel Grad ſolcher von dem erfteren Meridional-oder denen Infulis Fortunatisftehe. So nun ein Unwiſſender nicht errathen kan / an was vor einem Ort des Auff⸗oder Nie⸗ dergangs der Sonnener ſeye / wie ſoll er dann errathen mögen / was der wahre Inhalt der Philoſophiſchen Buͤcher ſeye? die Erfahrung muß mit der Vernunfft zu Rath gehen und von derſelben lernen durch beſondere Zeichen das entlegene abzumeſſen / damit fie erforſchen moͤgen / wo die Bor: gebuͤrge und Inſulen ihre rechte Lage haben / um dadurch der Gefahr zu entgehen / die ſie leicht durch Anſtoß an denen Klippen leyden doͤrfften. Hier in der Philoſophiſchen Arbeit findet ſich zwar keine Lebens⸗Gefahr noch Verluſt Haab und Guͤtere / wann die Arbeit umſchlagen ſolte / als wie auff dem Weiten Meer / ja es giebt auch wohl bey glücklicher Bereitung derſelben noch einen ſehr herrlichen groſſen Nutzen / gegen jenen Verluſt / da in einer Stund Leib und Gut verlohren gangen. Es iſt aber der Berg des Mercuri der Philoſophen nicht der Nonaces oder groſſe Atlas von wel⸗ chem man ſagt / daß er da gebohren ſeye / ſondern der zweyſpitzigte Parnaſs, auff deſſen einer Spitze Hermes, auff der anderen Venus wohnt. Er iſt der Apollo mit feinen Mulen und der Brunnen Pegaſus, Hippocrene, der ſtets mit einem gruͤnen Lorbeer⸗Crantz pranget. Ein Brunn iſt er nach dem Nahmen / und ein doppelter nach der That / gleich wie der Hermaphrodit, der an einem Leib 2. Koͤpff und doppelte Glieder hat. Aber wer bleibt von tauſenden auf der rechten Bahn / nach der Spitze dieſes Bergs zu wandern? Oder / wer ſolte nicht zum oͤfftern ſtrauchlen / und ſo bald an des Berges Fuß ſich irren? ja wie viel moͤchten ſeyn / die deſſelben Mitte dann ereichet? gewiß wenig. Non levis aſcenſus, ſi quis petat ardua, ſudor ö
Plurimus hunc tollit, nocturnæ inſomnis oliva Immoritur, delet quod moæ laudaverat inſe, us cupit æterna donari frondis honore. 1
Dahero es kein Wunder / daß von zehen ee kaum ein eintziger dieſe Herculiſche Arbeit zu Ende bringet / den Fuß auff die Spitze des Berges ſetzet / und mit dem Kleinod den unverwelckten Lorbeer erreichet / als nach welcher Arbeit fie als gelehrte und tugend⸗volle Helden in guter Ruhe le⸗ ben und prangen koͤnnen. Die Grillenfaͤnger und Jager aber moͤgen Hun⸗ de fuͤhren. Nach
Neun und dreyſſigſt · Sinnbild von@ebeimmuß der Natur. 117 Nach dem Oedipus das Wunder ⸗Thier Sphynx uͤber⸗ wunden / und feinen Vatter den Lajum getoͤdtet / nahm er ſeine Mutter zur Ehe. |
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Neun und drey ſſigſte Uberſchrifft. Vom Wunder ⸗Thier dem Phynx zu Thebis wird ge⸗ Daß Oed chart Sit hab den Todt bereit edyps in ihm 0 : Als es gefraget hatt 1 Morgens blieben? Des Mittags zwey und drey in Veſpers⸗Zeit. Da dieſem klugen Kopff der Lajus nicht wolt weichen / Begieng er Vatters mord / macht fich die Mutter eigẽ P 2
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116 ** Neun und dreyſſigſte Erklaͤrung. a Pad der Philoſophus ſchreibet in der Turba alſo: Was ihr ſuchet iſt nicht ein geringes / dann ihr ſuchet den groͤſten Schatz und das
Amt des groſſen Gottes. Uberleget alſo Dihr begierige Sucher was
laͤngſtens die Philoſophigeſchrieben / die Warheit werde nicht ohne Fehl erkannt / und daß nichts bey den Menſchen eine weit groͤſſere Kuͤmmernuß verurſache / als der Fehler dieſer Kunſt und Arbeit. Wann nun der Kuͤnſt⸗ ler der Hoffnung iſt er habe es bereitet / oder rein gemachet / ſo wird er nichts mit einander in einen Haͤnden finden Und dieſes haben vor Alters die Weiſſen ſchon gemeldet / wann ſie durch das Wunder⸗Thier den Sphynx, die Dunckelheit und Verknuͤpffung der Kunſt uns vorlegen wollen. Die Egyptiſche Prieſter hatten bey denen Iſiaciſchen Opffern / die ſie der Goͤt⸗ tin Oſiris gethan / ſich das Haupt beſchoren und in eine weiſſe Leinwand verkleidet / damit fie unter ſolcher gantz verdecket / und von dem Poͤbel o:n- erkannt bleiben moͤchten. Beym Antritt des Altars ſtunde eine Saͤul des Stillſchweigens Sigalion genannt / welche die Beytrettende nur anſchau⸗ en und mit Stillſchweigen verehren muſten. An denen Winckeln des’; tars aber das Bildnuß dieſes Wunder⸗Thiers (Sphyngis) welches das Heyligthum in ſeiner Bedeutung darſtellete / wie aus denen alten Scribenten Boiſſardus angeführet. Es iſt aber der Sphynx ein ungeſtaltes Monſtrum fo den? Thebanern, wie auch vor dieſen denen Egyptiern verborgene Raͤtzel vorgeleget / die nach dieſer Kunſt geſtrebet / und ruhete in der Weiſſen Buͤ⸗ chern / wie ein Waͤchter vor der Thebaner Thore; wer nun bey ſolchem Thier voruͤber gieng / durffte ſich zwar keiner Gefahr beſorgen / er verfiel un dann in Vorwitz deſſen Raͤtzel auffzuloͤſen / da er / wo ers nicht errathen kunte / in Hertzens⸗Angſt und Verluſt ſeines Vermoͤgens gekommen / ſo allein aus dem Irrthum dieſer Arbeit gefloſſen. Wer nun dieſe allegorien und verbluͤmte Reden auff die Hiſtorien ziehen wolte / wuͤrde einen Pfif⸗ ferling vor alles ſpeculiren haben / und nicht mehr dañ einen Traum wiſſen. Nichts kindiſch⸗ oder weibiſcher iſt zu hoͤren als alles nach dem Buchſtaben erklaͤret zu fegen und hierdurch werden die allerherrlichſten Wiſſenſchaff⸗ ten zu Maͤhrlein und Gedichte gemacht. Man ſagt / daß dergleichen mon- ſtroſe Thier in Africa gefunden wuͤrden / die den Nahmen des Sphyngis fuͤhreten: aber hiervon iſt hier keine Meldung zu thun / wann auch ſchon etwas darunter vorgebildet waͤre. Der Philofophifche Sphynx hat eine de Stimm gehabt und Griechiſch geredt: ingleichem heimlich und lubtile Nagel und Fragen gebraucht / in welchen eine ſonderbahre Wif⸗ ſenſchafft und Gelehrſamkeit verborgen gelegen / welche er zwar nicht jedem die vorbey gegangen / ſondern allein denen Weißheits Begierigen vorge⸗ leget Solche Razel find die Philofophifchen Buͤcher / die alſo find verfaſ⸗ ſet / daß ein jeder der darinnen erfahren iſt nicht irren mag. Dann wañ eines ar ges
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gemeldet wird ſo ver ſtehet ſich das andere darunter / und gebuͤhret allein die weydeutigkeit der Worte eine Fehl / ſo denen Philofophis gleichſam anbe⸗ ohlen. Als nun dieſes Monftrum die Thebaner lange Jahr mit feinen äßeln vexiret gehabt / ſo wurde es doch endlichen durch die Weißheit Oedypi überwunden; dann dieſer vermoͤgte das Raͤtzel zu errathen / da es ſich von einem hohen Felſen geſtürtzt und ſelbſt ums Leben gebracht. Dieſer Oedypus war eines Thebaniſchen Koͤnigs Sohn / den der Vatter in ſeiner Kindheit dem Oraculo vorgebracht und gezeiget; es hatte aber das Oracu- lum zur Antwort gegeben / man ſolte ihn als einen Fünfftigen Vatter⸗Moͤr⸗ der mit Fuͤſſen an den Baum hängen / welches auch geſchehen: nachdeme nun dieſes ein Bauer geſehen / hat er ihn abgeloͤſet und erzogen. Und ſo bald er in die Jahr getretten / behielt er zwar dick geſchwollene Fuͤſſe / er ließ aber e nen ungemeinen Verſtand ſpuͤren / wie die That bezeuget / da er das Wun⸗ der⸗Thier mit Aufflöfung feines Raͤtzels erleget. Unter anderen dieſen Raͤ⸗ sein war das vornehmſte ſo Oedypus zu löſen hatte / folgendes: des Mor⸗ gens iſt es vierfüffig/ des Mittags zweyfuͤſſig und des Abends dreyfuͤſſig. Was nun eigentlich Oedypus vor eine Antwort geſtellet iſt nicht zu finden / wie wohl einige wollen / daß er des Menſchen Alter auffgeleget / welches a⸗ ber nicht zu glauben iſt. Vor allen ſind die vier Elementa zu betrachten / als von welchem es auff das Hemiſphærium( welches 2. Linien eine gleiche nehmlich und eine krumme hat) kommt / ſo die weiſſe Luna iſt. Dann entde⸗ cken ſich Corpus, Spiritus & Anima, das iſt / Leib / Geiſt und Seel / oder Sol, Luna und Mercurius. Wie dann auch Raſis in ſeiner Epiſtel meldet: Der Stein im Tryangel iſt in feinem Weſen / der im Qradrangel oder Viereck aber, in ſeiner Qualitat oder Krafft Hicher gehoͤret das 2. Emblema mit „ area dem Oedypo in ſeiner Kindheit ein Vattermord und eine Blutſchande / (welche 2. Laſter die gröffeften un⸗ ter der Sonnen find) præſagiret und vorgeftellet wurden / ſo kam er doch nichts deſtoweniger auff den Koͤniglichen Thron / und da ſein Vatter nicht von ſelbigem weichen wolte / brachte er ihn um uñ nahm feine leibliche Mut⸗ ter des Lullu Weib zur Ehe. Alles dieſes iſt ein Gedicht / und muß vonChri⸗ ften gemeidet werden; ja es wird allein auff das Philofophifche Geheimnuß Wader Dann bey folcher Arbeit beydes ſich hervor thůt / die ( Urſach) der Vatter / wird von feinem Sohn (dem Wuͤrckenden) aus dem Weg ge⸗ raumt und umgebracht / und nach ſolcher Wuͤrckung / wird der Vatter der Natur nach wieder mit dem Sohn vereiniget/ daß ſie eines ſind / wodurch dam der Sohn ſeine Mut⸗ ter 4 Ehe bekommt / und das Königreich mit gewaffneter Hand befieget; beſitzet alſo dieſer Sohn nach dreyen Rechts Gründen feine Ehe und Herꝛſchafft. Weil er aber dick geſchwollene hat fo mag er nicht wohl lauſſen / und iſt den Bären gleich / doch ſte cketein Geheimnuß dahinter. Oder: er gehet langſam wie ſo die Firität verur ſachet daß das andere bindet Er auch keine „Flamm daß er ſolcher aus weiche / Mittel / ſo leicht fie 9 Dhilo phi höͤchſt ane, Er 5
