NOL
Atalanta fugiens

Chapter 11

Section 11

Ein und dreyſſigſtes Sinnbild von Beheimmuß der Natur. 91
Der König fo im Meer ſchwimmet / ſchreyet mit heller Stimme: welcher mich ergreiffen und erretten wird / dem will ich einen groſſen Lohn geben.
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Der fro König rufft in den n befluten Wellen / Als ihn die Kronen Buͤrd zu Boden trucken wolt / Kom̃t eylet mit der pe eh' mich die Wellen fällen /
Befoͤrdert euren Lauff und zeiget eure Hold! Dann wer mich retten wird und in das Reich einführe Der ſoll Ehr / Gut und Geld von mir auch wieder
hühren, 2 85 2. ie
92 Ein und dreyſſigſte Erklärung. Je Kunſt des Schwimmens / und die freyen Studia waren der er⸗
ſtere Anfang aller anderen Wiſſenſchafften / dahero auch von eiꝰ
nem ungeſchickten Menſchen das alte Spruch wort gefuͤhret wird / daß er weder zum Schwimmen noch zum Studien tauglich. Das durch anzeigende / daß ein Menſch durchs Schwimmen ſich vieler Befahr des Lebens entſchlagen / durch die Studia aber ewig an Leib und Seele be⸗ gluͤcken n Schwimmkunſt iſt denen Soldaten am allerdien⸗ lichſten bey Kriegeslaͤufften / die Studia aber einem Weltmann bey Frie⸗ denszeiten. Man ſiehet an der Natur / wie ſie alſo von der Geburt gleich das unvernuͤnfftige Thier mit ſolcher Wehr bewaffnet / daß es ſich gleich helffen und retten koͤnne. Der Menſch aber muß durch groſſe Müh dahin gebracht werden / daß er ſich dergleichen erſt erfinde die ihn genugſam ſchů⸗ tzen moͤgen. Eben alſo hat die Natur denen Thieren auch das Schwim⸗ men eingepraͤget / und denen Menſchen vorenthalten. Durch das Schwim⸗ men a der Juͤngling vieler Gefahr / welcher auch ein Erwachſener unterworffen iſt. Weßwegen man den Knaben das Schwimen als das nd» 900 Stuüͤck zu Erhaltung feines Lebens lernen laſſen / auff daß durch ſol⸗ e Kunſt wiederum erſetzet wuͤrde / was die Natur demſelben entzogen ge⸗ ur Und dieſes haben groſſe Könige vor dieſem getrieben / und damit den Leib beſchutzet / als welche wie alle ſterbliche Menſchen⸗Kinder den Uns gluͤcks⸗FJaͤllen unterworffen find. Hatte Diony ſius nicht ſchwimmen koͤn⸗ nen / noch ſich in denen Studis geuͤbet / ſolte er als ein Tyrann aus dem Koͤ⸗ nigreich Sicilien geſtoſſen / und in dem Corinthiſchen Meerbuſen jaͤmmer⸗ lich zu Grund gegangen und erſoffen ſeyn. Dieſer Koͤnig begab ſich nach Corintho / ſtifftete daſelbſt der Jugend eine Schule und lehrte ſie / legte als Mo: und Cron ab / ermwählte eine Ruten und wurde ein Lehrmei⸗ er / worvon nachgehends das Spruͤchwort kommen / der Dionyſius ſeye zu Corintho / alſo auch gehet es mit dem Königlichen Sohn der Philofophen: dann haͤtte er nicht ER koͤnnen / wuͤrde er ertruncken ſeyn ehe man ihm geholffen oder ſchreyen hören. Iſt derowegen die Schwimmkunſt ein ſehr nothwendig Stück das Leben zu erhalten / und ob es ſchon nicht allzeit zu brauchen / fo findet fich jedoch zuweilen ein unvermutheter Zufall / daß niemand ohne dieſe Kunſt dem Todt entrinnen mag. Dieſer König halt ſich immerhin mit ſeinem Schwimmen / und ruffet klaͤglich aus denen wil⸗ den Fluten / die ihn allenthalben bedecket halten / und in die Ferne treiben / wiewohl er wenig zu hoͤren iſt. Gleichwohl findet er von a noch ei⸗ ne ſolche Klippen / woran er ſich erhalten kan / wann die Wellen ihn zu ſehr aͤngſtigten und trieben. Es moͤchte aber gefraget werden / was doch dieſes vor ein Meer ſeye? und antworte ich hierauff das Eryrhreiſche oder rothe Meer / ſo unter dem Tropico Cancri ſieget / als woriñen alſo Hauffe Magn
Ein und dreyſſigſte Zrklärung. 93 a finden ſind / daß man nicht gar wohl mit Schiffen die Eiffen haben / vorbey ſeeglen kan. Dann ſie ſencken ſich und gh zu Grunde / wie dieſer Koͤnig der des Wegs nicht kund geweſt / auch erfahren / ſich aber mit dem Schwimmen noch lalviret. Er behielte doch in ſolcher Fluten⸗Gefahr ſeine edle Crone / welche mit den ſtrahlenden Rubinen beſetzet geweſt / und wur⸗ de er hieraus erkannt daß man ihn in die Königliche Burgk fuhren konnen. Was Lohn und Gnade aber er den jenigen fo ihn errettet / und ins Koͤnig⸗ reich geführet/ mitgetheilet / iſt gar leicht zu achten / dann er ja gewiß nicht einen ſolchen Lohn erſtattet haben wird / welchen der letztere König Prolo- mæus in Egypten / dem Pompejo vor die Treue ſeines Vatters der ihm wie⸗ der zu dem Koͤnigreich geholffen dargelcget da er ihn getoͤdtet / ſondern Ge⸗ ſundheit / Heylung aller Kranckheits⸗Zufaͤlle / Verlangerung des Lebens / Reichthum und benoͤthigte Mittel 0 Erhaltung des Leibes / ja alle Scha⸗ tze der gantzen Natur. Wer ſolte alſo ſelbige nicht ſich wuͤn — ? gewiß er ware dum̃ und bleyern zu halten Solte man nicht bey ſolchen præmüs einem nachſchwimmen und die Hand bieten / ja / man wuͤrde ihn auch mit hazardirung feines eigenen Lebens gar ins Schiff ziehen. Doch iſt dieſe Sorg zu fuhren / daß man auch dem Koͤnig ſeine Crone erhalte: dann wo er ſie im Meer verlieret / ſo weichet ſeine Koͤnigliche Wuͤrde / daß er nicht von ſeinen Unterthanen mehr erkannt nnd auffgenommen wird / ja mit die⸗ fen gehet das allerfoftbarfte Edelgeſtein der Bezoar verlohren / als welcher allen Menſchen die Geſundheit giebet / und von welchem der Rofarius aus dem Ariftotele ſchreibet: Du ſolt dir einen Stein erwaͤhlen / worvon der Aoͤnige Cron gezieret iſt / und mit welchen die Natur ⸗Kuͤn⸗ diger die Rranckheiten heylen; dann er iſt der nächfte nach dem euer. Ohne feine wuͤrckende Krafft wird dir die Crone wenig nutzen. as ſoll aber mit dem aus den Meeres⸗Wellen heraus gezogenen Koͤ⸗ nig fernershin gemach et werden? Antwort: befreye ihn von nem einges ſchluckten Waſſer durch das Schwitzen / und jage ihn durch ein fanfftes Balneum mit gemaͤſſigter Hitze die Kälte wieder aus den Gliedern / auch bes nimme ihm durch eine gute diæte feinen Hunger / und liberire ihn von aller auſſerlichen Kranckheit / durch wuͤrckende heylſame Gegen⸗Mittel / fo kanſt du ihn ſo dann vermaͤhlen / daß er ſich zu ſeiner Zeit vermehre / und einen Koͤniglichen Sohn zeuge der jederman angenehm / vor ſich aber ſchoͤn und lieblich ſeye / ja alle feine Vor⸗Eltern an Macht / Volck / Land / Herr⸗ lichkeit und Reichthum uͤbertreffe / und ſeine Feinde zu Boden lege / nicht mit Waffen ſondern mit Freundlichkeit / nicht auff tyranniſche Art / ſon⸗ dern mit angebohrner Freundlichkeit.
M 3 Gleich
94 Zwey und dreyſſigſtes Sinnbild von geheimnuß der Natur.
Zwey und dreyſſigſte Uberſchrifft. Das Graß waͤchſt = im Meer / und breit aus feine:
ä eſte / Ja in der tieffſten Flut / wo nichts als Wellen find ; Und der Corallen⸗Baum zeigt ſich im Meer aufs beſte Der doch die Haͤrtung m An Nordwinds Mund Wa du der Weiſſen Stein mit Wunſch dir wilt bereit So muß auch dieſer Weg zur Warheitsſpur dich leihen. ie,
zwey und dreyſſigſte Erklarung. 97
Je philoſopiu nennen ihren Stein den wachſenden / weilen er wie raß waͤchſet und ſich ſelbſt vermehret. Dieſes ſolte zwar den ohnwiſſenden was fremd duncken / weilen jederman bekandt / daß nie ein Stein waͤchſet noch fi alfo vermehret / 1 3 was füfiges von einem Metall in ſich habe. Was ihnen aber nicht bekandt ft / das halten fie vor ohnmoͤglich / und meinen es waͤre nichts n ſo nicht ihr Verſtand ergründete- Wer folte auch wohl glauben koͤnen / daß ein Stein im Waſſer wachſe / oder da ein Kraut darinnen auffgehet / daß es ſich in einen Stein verwandle? wo nicht die Erfahrung oder ande⸗ rer wahrer Scribenten Nachricht uns hiervon die Gewißheit geſtellet. Doch wohero entſpringet ſolche Krafft? oder woher kommt die rothe gm andenen Eorallen ? ja wodurch werden fie hart? ſolte es wohl vom zaſſer kommen oder von der Lufft entſpringen / oder aber ſolte es die Er⸗ den machen? Das Graß ſo lange es im Waſſer iſt / bleibt weich / doch führer es eine groſſe Irrdigkeit bey ſich / und wann es von dem Stamm geſchnitten / und an die Luft geleget wird / verhaͤrtet es und verkochet ſich in einen Stein. Dann die Kalt und Lufft treiben die naſſe Theile her⸗ aus / daß es brechlich wird / und das andere irrdiſche Corpus wird durch des Nordwinds kaltes Blaſen ausgetrocknet und gehaͤrtet. Die Erde al⸗ lein ziehet zuſammen / und nicht das Waſſer oder die Lufft / dahero auch ein jegliches Ding feine befondere Krafft und Eigenſchafft fuͤhret. Uber diß / fo giebt auch anderwaͤrts das Meer dreyerley Geſundheits Steine von ſich / derer einige aus dem Reich derer Vegetabilien / einige aus dem Animali- chen oder Thier Reich / deutlicher aus der geheimen Natur gebohren wer⸗ en / dergleichen der Agſtein und Ambra Gryfea iſt. Der Edelgeſteine Ur⸗ ſprung und wie ſie weiters erlanget werden / iſt bekandt / von was aber die anderen kommen iſt noch nicht erforſchet worden: auſſer daß der Agſtein am Ufer des Sudaviens ſich ſammlen laſſe / wann der ſtarcke Nord⸗ wind treibet / und wie einige vermuthen / aus denen Adern oder Gaͤngen der Erden quelle und ins Meer falle / da es dann von denen Meeres⸗Wellen ehaͤrtet / und ans Ufer geſpielet und getrieben werde; und findet man in elbigem zuweilen Gold und Silber mit eingepraͤget / daß man alſo glau⸗ ben muß / weilen dieſe Metalla in der Erden vergraben liegen / daß der Agat⸗ oder Bornſtein auch von ſolcher Erde ſeinen Urſprung führen müffe. Daß ſich aber auch zuweilen / Fliegen / Muͤcken / Spinnen / Zweyfalter / Froͤſche und Schlangen darinnen ſehen laſſen / wie auch ich 120, Kugeln von Agat gedrehet gehabt / in welcher allen dergleichen Thiere geweſt) kommt allein vom Einfluß des Geſtirnes her / wie ich auch anderwaͤrts bereits ſchon er⸗ wieſen. Das Ambra Gryfea wird 1 — am Meerbuſen des Orienta⸗ liſch⸗ und Oceidentaliſchen Indiens gefunden / und ob zwar einige es vor eis nen
56 zwey und dreyſſigſte Erklärung. nen Gummi und Safft eines Baums (gleich wie auch den Agſtein) halten / ſo werden doch die meiſten mir Beyfall geben / daß es von der Er⸗ den komme: Zumahlen ja bekannt / daß noch nie ein ſolcher Baum von dieſen Gattungen geſehen oder gefunden worden. Denen Erdgaͤngen und Berg⸗Adern ſchreibe ich allein die beyde Arten des Ambre zu / als wie ich auch die Edelgeſteine zu denen Erd⸗Gewaͤchſen rechne. (NB. Diefe Erdgewaͤchſe nennet der Herr Author in dem Lateiniſchen Zoophyta, das find ſolche Arten / die ein Leben und eine Natur von einem Gewaͤchs und ei⸗ nem Thier haben / zum Exempel Auſtern / Schwamme / zc. dieſe haben gleichfam ein Leben und generiren fich.) Und die Corallen zehle ich unter die Vegetabilia oder Gewaͤchſe. Dieſen Steinen und Corallen gleichet der La- is Philoſophorum: bann wie der Corall feinen Wachsthum im Waſſer bat, von der Erden aber die Nahrung oder das Nutriment empfaͤhet / alſo auch der Stein der Weiſſen / fuͤhret feinen Urſprung aus dem Mercurial Waſſer / und ziehet von ſelbigem an was er irrdiſch finden kan das ihn wachſend machet; und hierdurch a 85 ſich die Feuchtigkeit zugleich. In der coagulation gewinnet er die rothe Farb / ſo die Alten ihre Corallen Lin- &ur benahmet / weilen er am 77 — feiner coagulation roth wie ein Co⸗ ralle wird. Und wie der Corall ſich von der Kaͤlt und Trockne haͤrtet / alſo auch der Stein der Weiſſen nimmt von der Hitz und Trockne eine Haͤrte an / und wann er augmentiret wird / ſo flieſſet er wie vor / welches die ande⸗ ren Steine nicht thun / ſondern ſich in Gtaß verwandlen fo balden fie ge⸗ floſſen find. Der Corall wird bißweilen zu koſtbaren Medicinen gebrau⸗ chet / und der Philo ſophiſche hat aller Kräuter Tugend und Krafft in ſich / daß er in einem alles verrichten mag was die gantze Natur in denen Kraͤu⸗ tern wuͤrcket. Dann die Sonn die allen Gewaͤchſen ihre Krafft giebet / hat dieſem ihrem irrdiſchen Sohn auch eine ſolche Macht zugeleget / daß er alle andere Kräuter an Krafft und Tugend übertreffen kan. Dieſes ift n che Corall / der zugleich auch Animal und Mi- neralifch iſt. Dieſer liegt im groffen weiten Meer verborgen / welcher nicht zu kennen iſt / er werde dann den Unwiſſenden gezeiget und in die Hand ge⸗ geben. Dieſer muß mit ſonderbahrer Klugheit in dem Waſſer geſchnit⸗ ten werden / wann er Safft und Blut behalten / und nicht eine bloſſe Erde ohne Geſtalt und Form ſeyn und bleiben ſoll: Und hierinne 1 75 alle Schwuͤrigkeit des Corallen⸗Fangs. Dann es muß die uͤberfluͤſſige en die den Stein erſaͤuffet / gantz abgeſchnitten und beyſeit ger an werden / wann die rothe Corallen⸗ Farb ſich zeigen ſoll / ja anderſter wird keine coagulation zu erlangen ſeyn.

en Der
DreyunddreyfligftesSinnbildvonGeheimmuß der Natur. vy Der Hermaphrodit ifteinem Todten gleich / und wann er im Finſtern lieget / hat er Feuer noͤthig.
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7
Drey und dreyſſigſte Ulberſchrifft.
Der zweygeſtalte Menſch todt auf der Baar ſichzeiget /
Nach dem die Feuchtigkeit ihm gantz entzogen iſt:
Wo aber helles Liecht die Leich bey Nacht erreichet /
So glaub daß ebens⸗Safft von neuem in ihn flieſt.
Der Stein des N e den Schwe⸗ el heget
Mercur vom Silber auch ſich alle Krafft beyleget.
. Aus
98 Drey und dreyſſigſte Erklärung. us der geheimen Natur ft bekannt / das bey eintretender Win⸗ ters⸗Zeit ſich die Froͤſche und Schwalben in die Waſſer ſencken / und gantz erſtorben da verdecket liegen / biß die Sonne ihren Lauff empor richtet / und uns den erwuͤnſchten Fruͤhling bringt. Da ſie ſich allmaͤhligen hervor machen / und zu neuen Kraͤfften kommen. Solten fie aber des Winters⸗Zeit in gedachten Waſſern gefunden / in die Warme gebracht und von einer warmen Lufft beruͤhret werden / wuͤrden ſie auch vor der Zeit zu ihrem Leben kommen und auff wachen; woraus dann zu ſchlieſſen iſt / daß allein die Warme ſo das Natur⸗FJeuer anzuͤndet / ihnen entzogen worden. Die Philofophi reden von ihrem Hermaphroditen auff gleiche Art / und geben vor / daß fo lange er im Jinſtern ſitze und der Waͤr⸗ me des Feuers mangle / todt ſeye. Nun wird durch das Reden im Finſtern ſtzen / hauptſaͤchlichen verſtanden / wann er in der kalten Winters⸗Nacht / das iſt / in der Schwartze die das Zeichen der Kalte iſt / verſchloſſen lieget welches Zeichen alſo lang das kalte Nordens⸗Zeichen genennet wird / biß ts durch die Staͤrcke des Feuers zu einer Weiſen / und noch durch eine ſtaͤrckere gar zur Roͤthe gebracht iſt. Ohne Wärme ſaget Bodillus in der Turba iſt nichts zu wegen zu bringen / und das allzu heiſſe Bad iſt ſ hůdlich. Iſt es kalt ſo fliehet es / wo aber eine gemaͤſſigte Waͤrme ſo dem Coͤrper gleichet / gebraucht werden fölte / würs de es was gutes wuͤrcken. Und weiters ſchreibet Bonellus: Daß alles was das Leben habe / nach dem Goͤttlichen Willen auch den Todt ſchmecken muͤſſe: dahero auch die Natur die ihre Feuchtigkeit verlohren und ins finſtere Grab verſencket worden / dem Tode gleiche; und ſo lange fie der Waͤrme mangle / (dann deſſen Coͤrper und Spiritus in Erde verwandlet wird) Staub und Todt ſeye. Biß ein · ſten der ewige Schöpffer ihn wieder aufferwecke / und mit Ders einigung feiner Seelen / Geiſtes und Coͤrpers ſtarck mache / daß er in neuer Krafft prange und ewiglich beſtehen koͤnne / da dann unſere Leiber verbeſſert zu ſehen. Woraus dann zu ſchlieſſen / daß der Philoſophen Werck ohne Furcht zu verbrennen ſeye. Wie aber das Feuer ſonſten alle Dinge zerſtoͤret und vernichtet / ſo erwecket es doch hier im Ge⸗ a eine Conſtruction und Verbindung / alſo / daß das jenige was dor⸗ ten toͤdtet hier ein eben giebet. Der einige Phoͤnix ſoll im Feuer verjuͤngert werden / und aus der Aſhen in ein neues Leben tretten / wie denen Philofo- phis bekannt iſt. Was ſonſten einige von dieſem Vogl mehr geſchrieben / daß er flüchtig ſeye und niemahlen vergehe / iſt mir ohnbekannt und halte es allein vor ein Gedicht. Es iſt aber der Hermaphrodit wovon die gantze Philofophifche Schaar ſchreibet / ein Coͤrper von doppelter Natur und Ey⸗ genſchafft / der eine Mann⸗ und eine Weibs⸗Perſohnen zugleich , \ : r
Drey und dreyſſigſte Erklärung. 52 ret / welcher Natur doppelte Wuͤrckung in einander gehet durch der Waͤr⸗ me Krafft: dann es wird aus einem Weib ein Mann. Welches auch de⸗ nen weiſſen Meiſtern darum nichts fremdes zu ſeyn ſcheinet / weilen hin und wieder aus denen Hiſtorien (wo ihnen anderſter zu glauben iſt) zu le⸗ ſen / daß ſich oͤffters das Geſchlecht an denen Menſchen verändert habe als bey den Poeten Pontano von Cenea, Iphi und Tirefiagu finden: 1.
Pæniteat generis tamen & 2 Conea malınt,
Aut in femineam penitus tranſire figuram: Et Aufonins:
Maæret in antiguam Cenens revocata figuram. Als iſt zu Zeiten des Burgermeiſter Amts Licimi Craſſi und C. CasfiiLon-
ini zu Caslin eine Jungfer zu einem Knaben worden. Und Licinius Mu-
Kianns führet bey dem Plinioein ander Exempel an / daß er eine Manns⸗ Perſohn zu Argis mit Nahmen Ariſton gekennet / der ein Weib geweſen und Ariſtuna geheiſſen: dann als dieſe Perſohn ſich verehliget / waͤre ihre ſo gleich das Maͤnnliche Glied hervor getretten und ein Bart gewachſen. Ja Plinius ſelbſt gedencket von einem Weibe / die in Africa zu ſehen geweſen daß ſelbige an ihrem Hochzeit Tag zu einem Mann geworden / und den Nah⸗ men L. Cosficius erlanget. Dieſe Hiſtorien find wahr und wo es nöthig zu erweiſen. Kommen al dieſe Geburts⸗Glieder alleine von Vermehrung der Hitze vor: dann ein Weib iſt weit Fälterer Complexion als ein Mann / und hält dieſe Glieder in fich verborgen / welche dem Mann hervor gehen / wie die Medici ſtatuiren. Mag man alſo füglich ſagen die Natur ſeye im Zweiffel / einen Mann oder ein Weib herfuͤr zu bringen / weilen das Weib von innen alſo bezeichnet wie der Mann von auſſen Indeme nun mit Her⸗ annaͤherung der Jahren auch das Natur Feuer gewachſen / und endlichen auch die Bewegung darzu gekommen / find ig im Leib verborgene Glieder hervor gebrochen / daß ſie jeder ſehen koͤnnen Auff gleiche Weiß wird bey denen Philoſophis durch Vermehrung des Feuers aus dem Weib ein Mañ bereitet: das iſt / es verlieret dieſer br Hermaphrodit das Weibliche Glied / und wird ein tapfferer woblgeſtalter ſtarcker Mann / der nichts weibliches oder weiches mehr an ſich hat. Wir finden bey dem ſehr berühmten Bononiſchen Medico Cafpar Tagliocotio, daß einsmahls durch die Kunſt der Chyrurgie ein Adeliches Kind ſo ein Hermaphrodit gemefen/in ein techt vollkommenes Bild eines Knabens gebracht wor den / ſo / daß er auch kunſſtig geſchickt geweſen Kinder zuer zielen / und dieſes waͤre allein mit ei⸗ ner Se&tion, da man mit einem ſcharſſen Inſtrument einen Schnitt gethan / daß das Männliche Glied hervor brechen können / derrich et worden. Dat andere Loch aber / ſo der weiblichen Schaam gegleichet / hätte man dar gegen zugeſchloſſen. Nun haben die Philofophi dieſer Section gantz ohnvonnoͤthen / dann wann die Kaͤlt und Feuchtigkeit des Monds vorhanden / ſo nennen ſie es das Weib / und ſobalden ſich die Hitze und das Trockene der Sonnen vermercken / ſo heiſſen fie es den Mann: Mit allen dieſen vier Qualitaͤten und Eygenſchafften zugleich reprzfentiret ſich der Rebis oder Herma phrodit: mag alſo gar leicht aus einem Weib / das iſt / aus Kalt und Feuchte ein Mann zu wegen gebracht und dargeſtellet werden / weilen es allein die Hitze dez euers vermag. Das Feu⸗ er aber ſcheidet denUberſtuß der Feuchtigkeit / uñ bildet fine Ideam(Entiperffung)in dem bailoſophiſchen Werck / welches die L inctur jft, N 2 Im