NOL
Atalanta fugiens

Chapter 10

Section 10

82 Acht und zwantigſtes Sinnbild von Geheimnuß der ratur. Der Koͤnig badet ſitzend in dem Schwitz⸗Bad / und wird durch den Pharut von der ſchwartzen Galle befreyet.
Acchtund zwantzigſte Uberſchrifft.
Der Koͤnig Duenech dem gruͤnen Loͤwen gleichend / Liegt an der et hart und geſchwollen
| IRRE Nite
Ruff Pharuts Huͤlffe an / nicht von demſelben weichend Biß er von Dampff ein Bad / ſtell unter ſeine Banck.
Wann du den Koͤnig wirſt im Glaß zum oͤfftern waſchẽ
So wird vollkom̃en er Geſundheits⸗Krafft hae . Glei
Acht und zwantzigſte Erklirung. 83 Lich wie z. Digeſtiones oder Kochung bey einem Menſchen ge⸗ funden werden / deren eine der Magen / die andere die Leber / die
eſalbet / den Kampff und Streitt / das Wettlauffen / en und 5 en oder
Kunſt⸗Baͤdern gewaſchen / zu welcher Bequemlichkeit viel herrliche Ge⸗ bau in Rom erbauet worden / die uns mehr zu einer Bewunderung als Nachfolg anleitẽ ſollen. Hiervon find noch zu finden die Bader Diocletiani, die mehrentheils noch ſtehen / und ſehr prachtige Gebaͤud find. Nach dieſer Art des Kochens richtet ſich auch die Schmeltz⸗Kunſt. Das erſtere geſchie⸗ het / in feinem Un Jahr / das iſt in Veranderung der oberſten Sphera, Das zweyte bey Veraͤnderung der unteren (Sphæra.) Das dritte aber in der mittleren (Sphara ) damit zugleich den ſandigten groben Überfluß der Excrementen die Philoſophi Br Bas e der Natur bequemlich abführen moͤchten / haben fie verſchiedene Wege geſucht / als das abluiren / reinigen / die Balnea und weiß⸗VBader / als wodurch fie eben dieſes verrichtet / was ein Medicus an einem Menſchen thut. Der Duenech wird von dem Pharuth in das Schweiß ⸗Bad gefuͤhret damit er ſchwitzen moͤge / und durch die poros die feces der dritten digeſtion abwerffe:dañ dieſer König iſtMelancholiſch und Gelbſichtig dahero er auch vor allen anderen Anfaͤngẽ in ſo lang gering gehalten wird / biß * Saturnilinrath K 2 auck⸗
84 Acht und zwantzigſte Erklärung.
Kranckheit abgeleget / ja er wuͤnſchet ſelbſten / daß das Leben ihm genommen und durch ſolches Ai nen geholffen werden moͤgte. Ein einkiger von allen Medicis ward gefunden aa unternehmen mochte / und dieſer wurde durch Gebett und Geſchenck allein erlanget. Welche Redens⸗Art oͤffters in der Philofophen Schrifften / als des Bernhardi, Alani von dem Duenech und anderen gefunden wird / weßhalben ein weiters anzufuͤhren vor ohnnoͤthig halte. Genug iſt es / daß wir Meldung gethan / wie die Excrementa durch das Bad auszufuͤhren ſeyn / dann in ſolcher Wiſſen⸗ ſchafft die gantze Kunſt vergraben lieget. Es pfleget aber die in dem Leib enthaltene Natur⸗Waͤrme / durch das warme Bad mit ſammt dem Blut gereitzet zu werden / daß ſie aus der Haut bricht und eine rothe Farb in das Angeſicht ſtellet / ja den gantzen Leib faͤrbet / welches das Kennzeichen iſt / daß die Melancholiſche eee die Haut beſeſſen / ſich wiederumb verlohren / und ſeine zehe Feuchtigkeit ausgeſtoſſen / auch ein reiners roſen⸗ farbes Blut angeſetzet. Noͤthig iſt es / daß der gantze Coͤrper gereiniget und ein gutes Blut gewonnen werde; dann es muß das kalt und trockene wiederum verkehret / und in eine warme Feuchtigkeit verwandlet werden / welches ein wohl erfahrner Medicus ſchon wiſſen wird. Einige haben den Cerdonem vor einen Bo Fuͤrſten / ja des Königs Sohn felbften gehal⸗ ten / biß ſie endlich feine Herrſchafft aus denen Sitten erfahren. Damit gleichwohl ein 17 — nicht dem treuen Sucher ebenfals begegnen moͤch⸗ te / ſo muß er ſich mit groſſem Fleiß dahin bemuͤhen / den rechten Sohn des Königs zu erwaͤhlen / welcher / ob er ſchon in keinem guͤldenen Kleide pran⸗ get / doch auch mit keinem elenden / verachtlichen Rock umgeben / noch mit einer braunen Melancholiſchen Farbe bekleidet iſt; anderſter man ſolchen gar hinweg werffen / oder gegen einem anderen verwechſeln doͤrffte. Wird er nun zum oͤffteren gewaſchen werden / ſo ſollen feine Königliche Tugen⸗ den ſich bald zeigen: wie bey Cyro, Paride und Romulo geſchehen / die zwar von ein und anderen Bauren erzogen worden / doch mit Königlichen Tugenden gepranget. Das Balneum ſoll ein Dampff und Schweißtrei⸗ bendes Bad ſeyn / welches keine Haut aͤuſſerlich verbrennet / noch deffen Schweißloͤcher ſtopffet / anderſter mehr Schaden als Vortheil zu erwar⸗ ten waͤre. Und hat ſich niemand vor die rechte Kleidung dieſes Koͤnigli⸗
chen Printzens nach dem Bad zu kuͤmmern / weilen des Königs Alci-
nori Tochter ihn auff Koͤniglich bekleiden wird / wie ſie auch dem mit Sc e Ulysſi 5 gethan.
Der
Neun und zwantzigſt · Sinnbild von Geheimnuß der Natur. 8
Der Stein der Weiſſen hat ſein Leben in dem Feuer | wie der Salamander.
—— -
Des Salamanders Krafft im Feuer fich vermehret / Und iſt kein ſolche Fam die Schrecken ihm erweckt: So auch der Weiſſen Stein das Feuer nicht verzehret /
Weil ihn ohn Unterlaß die Flamme hat bedeckt. Die Hitz zwar Eiß Fuel und ſonders groſſe
| i Muͤ
Doch aber wärckt dießlandaß der Stein in ihr late. 3 8
86 Neun und zwantzigſte Erklarung. S © find zwey Elementa / worinnen alle Thiere ihr Leben haben als duft und Waſſer: und wiederum werden zwey Elementa gefun⸗ RE den / in welchen Feine lebendige Creatur beſtehen kan / als Erde und IT Feuers Wie nun jene eine mittlere und gemäffigte Complexion der erſt und zweyten Eigenſchafft führen / fo haben auch dieſe der auſſerſten Complexion Art an ſich / ſo / daß die Coͤrper entweder allzu dick und grob oder allzu ſubtil und rein ſind / als wodurch das grobe keinen anderen Coͤr⸗ per annimmt / oder das gar zu ſubtile mit Eindringung in das Centrum alles gar verbrennet. Daß die Leute in den holen Berggaͤngen wohnen koͤnnen / verurſachet die Lufft darinnen / wie wir dann von jeglichem Ele⸗ ment beſonders unſere Meldung thun wollen. In dem 9 0 5 findet man eine ohnzehlige Menge Fiſche von allerhand Arten / doch mehrentheils der Thiere. In der Lufft leben die Menſchen / vierfüffige Thiere / Vögel Wuͤrme und Inſecka. Daß aber auch die irrgehende Geiſter die keine Thies re ſind / dar innen ſich verborgen halten ſollen / hat eine andere ieh heit. Im Feuer lebet nichts ohne wie man ſagt der Salamander allein. Die⸗ fer fol ein kriechender Wurm / der einer Eydex nicht ungleich / jedoch etwas langſamer am kriechen iſt / ſeyn / und einen groſſen Kopff haben / auch in et⸗ was die Farb verändern ; Dergleichen auch in der Schweitz an der Spitze des Spluͤger⸗Bergs geſehen da er nach einem harten Donner⸗Wekter aus der Klufft gekom̃en / und ſich an der Straſſen gehalten / welches ein Bauers⸗ mann daſelbſt einen Molch genennet. Er war mit einem zehen Schleim umgeben / als wodurch die Feuer⸗Flamm ohne Schaden ſpielen kunte. Ob nun wohl der Philofophifche Salamander dieſem oͤffters verglichen wird / ſo hat er doch eine gantz andere Natur an ſich. Jener (der Philofo- phiſche Salamander) waͤchſet im Feuer / dieſer aber nicht; und wann er in das Feuer faͤllet / ſo kan er allein von wegen feiner vielen Waͤſſerigkeit / als wodurch die Flamme ſpielet / nicht verzehret werden. Jener iſt heiß und tro⸗ cken / dieſer kalt und feucht. Ein jeglicher gruͤndet ſich auff die Natur ſeiner Mutter / und giebt dadurch an Tag von wannen er gebohren ſeye. Das Feuer generiret nichts anderſter als was ſeiner Natur iſt / nehmlich heiß und trocknes. Und wiederum: die Kluͤfften derer harten Felſen / welche mit dem Regen angefuͤllet / geben das Feucht und Kalte hervor / woraus die kalten und feuchten Wuͤrme kommen. a freuet ſich feineg gleichen des Feu⸗ ers: dieſer aber loͤſchet durch das Gegentheil ſeiner Natur das Feuer aus / und zerſtoͤret ſeine Krafft. Man lieſet von dem Kupffer / daß es in dem Schmeltzen des hohen Ofens ein Wuͤrmlein von ſich gebe / ſo aber in der Flamme wiederum davon gehe / welches allein vor eine verbluͤmte allegori- ſche Redens⸗Art halten kan. Dann das Feuer verbrennet und verzehret alle Thiere / und verwandlet die Erde in ein pures Glaß / das Holtz ch zerſtoͤ⸗
Neun und zwantzigſte Erklärung. 87
zerſtoͤret es zu Aſchen / und zermalmet alle Dinge die nicht Mercurialifcher Subſtantz find ; und dieſe bleiben gar / oder gehen auff einmahl mit einander durch das euer weg. Das Feuer iſt der ſchaͤrffſte Richter / der alle gemiſch⸗ te Coͤrper derer Elementen vor Bericht 7 genau examiniret. Gegen ſolches mag auch nicht das allergeringſte beſtehen / es waͤre dann beſonders von der Natur mit Privilegis perſehen worden / oder der Angeklagte haͤt⸗ te den Hoffrichter Areopagitam von Athen zu feinem Beyſtand bekommen. Der Salamander alleine beſtehet gegen feine Grauſamkeit. Avicenna führet in der Porta verſchiedentlich⸗temperirte Coͤrper an / die doch in der That einander ungleich ſind / und des Feuers Gewalt nimmermehr vertragen konnen · Ein eintziges iſt in der Natur fo eingegleichet / daß es ſo viel des warmen als des kalten habe / und deſſen trocknes der feuchten gleiche. Nicht zwar nach dem Gewicht / fondern feinem tempera ment nach / weilen es auch mehr ein dultendes ( paticos ) als ein wuͤrckendes (agens) iſt. Dann ſo auch ſchon das Feuer fein Gegen⸗Element das Waſ⸗ fer in die kufft / (ſo ihme einiger maffen verwandt) derwandlen und verkehren wolte / ſo verhindert doch ſolches die Erde / als welche dem Waſſer incorporiret iſt. Das Central oder innere Feuer dieſes Compo ſiti heſchůtzet die Erden / weilen es ins innerſte mit ihr verbunden ſtehet. Bey ſolchem Ah weg nun muß der ſcharſſe Richter das Feuer weichen / und iſt die Erde von demſelben nicht zu überwinden oder in die Aſchen zu bringen. Dann das Waſſer führet feine exception ober Gegenſaͤtze und leget dar / daß es alſo mit der Erz den verbunden / als wie er der Richter ( Feuet) mit der Lufft / und habe ſie (die Erde) noch zur anderen Seiten auch das Feuer zum Beyſtand. Wer nun gedencket dieſe Erden ein⸗ zuaͤſchern; der muß auch andere Elementa zu Aſchen machen. Wie nun dieſes ſchwer zu vollbringen / alſo laͤſſet auch der Richter feinen Spruch beyſeit geſtellet / und will keines wegs den Spott zur Nachred haben. Es iſt aber dieſes wahre Lorpus dem Salamander 255 / in welchem die waaghaltende Elementa / gleiche Krafft und Wü gung führen,
n ſolchen meldet Rofarius aus dem Geber : Der rhiloſophus will jene Subltang des Mercucäi gethdtet haben / es iſt aber in dieſem preißwuͤrdigſten Stein der ag J fein natürlicher Mercurius enthalten wie bekannt iſt. Derohalben ze. Item jener Philo- ſophus will die ſubſtantiam Mercuriifix haben / weilen bekannt iſt / daß die fix atios eine groſſe Kunſt erfordere: Aber wer will zweiſflen daß die Subltang dieſes herrlichen Steins nicht nur über fir ſene? ja niemand der ihn kennet wird zweifflen daran. Woraus dann gantz klar und deutlich erhellet / daß der Stein der Weiſſen auff eine Art des Salaman- ders ju bereiten fene/ nehmlich in eine ſolche hohe Fixitat zu treiben / daß es von des Feus ers Macht gantz frey bleibe. Dann es mag kein Salamander ſeyn / ſo lange es die ð eu⸗ ers Glut nicht uͤberwinden kan / und gehet ſolche f rar ĩon was langſam her. Vom Achil- le und Fr lieſet man / daß fie über Nachts in der Glut der Aſchen geſeſſen / und dadurch fo hart geworden / daß fie alle Hitze des Feuers wohl vertragen können; Worvon im nachfolgenden 3 5. Embl. mehr gemeldet wer den ſoll / auch wer ſonſt dieſe Salaman⸗ driſche Natur und Eigenſchaſſt erlanget. Die Gewonheit iſt die andere Natur / und wann dieſelbe nicht zugleich die Krafft erlanget / und in der Veranderung gleichſam ei⸗ ne Meiſter in wird / fo kan und mag fie weniger als nichts verrichten. Weßhalben es ohnmoͤglich iſt / daß der Eiß apffen zu einem Feuer figiret werden kan / wohl aber / daß ein Eryſtall dahin zu bringen / als welchen die Natur bereits zu arbeiten angefangen: Auff gleiche Art iſt auch vom waͤſſerig⸗ und fluͤchtigen Mercurio zu reden / welcher feiner Na⸗ lur nach auff keine Weiß zu leiten war / ohne da ihn der ander maͤhlte Schwefel gebun⸗ den / und zu einer Philolophiſchen Tinctur bereitet / die nun alle fluͤchlige Geiſter Die
39 Dreyſſigſtes Sinnbild von Geheimnuß der Natur.
Die Sonne iſt des Monds benoͤthiget / als wie die Henne des Hahns.
Dreofigfe een.
Die Sonn ohn ihren Mann dem Mond mag nichts bvbeerrichten / Gleich wie die Henn die keinen Hahnen weiß: f Soll nun dein Werck ſich auch nicht gar zernichten / So gib dem Cabrico die edle Beam preiß. Nicht ein Geſchlecht von Mann und Welbes Seiten | Sich mehren kan / Pe zwey den Sohn erbeuthen. Es
Dreyffigfte Erklärung. 3 Es ſhhreibet Avicenna in dem Buch de Anima (von der Seelen) daß kin Ey zur Kunſt geſchickt ſeye / deſſen Henne nicht vorhero bey dem Hahn geweſt. 2 Will damit andeuten / daß das Weib⸗ liche Gefchlecht nichts tauge / wo nicht ſelbiges durch des Mannes Krafft verherrlichet worden. Und der Hahn ohne das Weib iſt auch kein Nu⸗ FR Dahero beyde Geſchlechte in dem Philofophifchen Hertz zu Paaren
nd / auff daß ſie ſich vermehren koͤnnen. Die Philofophi nehmen auch ein Gehen von dem Hahn / als 3 Schwefels Krafft ſo er in ſich ans vor allen anderen Vögel den Vorzug hat / wodurch er dann ſo vie⸗ e Weiber fuͤhret / und nicht gerne einen anderen Hahn auff feinem Mi dultet. Des Martis Vogel ſtammt von einem jungen Hahnen / der al lange 5 die Sonnen Achtung geben muͤſſen / biß der Mars mit Venere ſeinen Ehebruch vollbracht. orvon die Heydniſche Poeten gedichtet: Dieſes Martis j war alſo heftig! daß er ſich mit dem Gegentheil in das Verderben geſetzet. Unſere Philoſophi ſtellen in ihrer Arbeit die Sonnen vor / als wie die Henne den Mond. Und fället eben fo noͤthig die Sonne mit dem Mond zu vereinigen / alſo einen Hahn der Hennen zuge⸗ ben. Der Hahn iſt der Sonnen Geheiligter / der mit ſolcher auffſte und zur Ruhe gehet: Er ſiehet oͤffters den Himmel an / und erhebet feinen kommenden Schwantz gegen ſelbigen. Gegen die Schlangen ziehet er Streit / um feiner Weiber willen und verfündiget uns den Tag / der La- tona iſt er werth und angenehm / weil er ihr in der Geburt beygeftanden- Es hat aber die Latona Sonn und Mond gebohren dahero ſie vor die Mut⸗ ter und den Sohn zugleich gehalten worden. en Philofophis iſt in ih⸗ rer Chymiſchen Operation die Sol, Luna und Latona auch eins / deßgleichen der Hahn und die Henne / als welche aus einem Ey entfproffen / und Eyer wieder hinterlaſſen / noch andere junge Hahnen daraus zu ziehen. Derer — 9 Eyer haben gleiche Art / ſich in andere ihrer Geſchlechter brin⸗ gen in aſſen / wo fie anderſter in einer rechten / gemäffigten und beſtaͤndig⸗ ten Warme gehalten werden / davon ein wahres Exempel uns die Henne mit dem Bruten ſtellet. Bey anderen Voͤgeln brütet auch das Maͤnn⸗ lein. Bey denen Hunern aber iſt der Hahn befreyet davon / und die Hen⸗ ne ſitzet allein ihre Eyer aus. Dieſe bezeuget in ya Brut einen ſolchen groſſen Fleiß / daß ſie auch nicht einmahl recht freſſen mag / nur damit das Ey nicht erkalte noch verdorben werde. Was a A in Weſchuzeng ihrer Jungen / und wie forgfältig ihnen ? ja mit was Liebe breitet ſie ihre Fluͤttig aus / ſabige darunter zu be⸗ decken 2 ſuchet fie nicht alle Körner zuſammen fie zu ſpeiſen? Gewiß es iſt zu bewundern / was m Thier vor Mühe hat / ——
90 Dreyſſigſte Erklärung, dem Menſchen zum Nutzen. Der Kuͤnſtler des Philofophifchen Wercks bezeuget in feiner Arbeit gleichen Fleiß / und ſuchet ſich ſolche Eyer aus / die von dergleichen Stamme kommen / da der Hahn bey der Hennen geweſt / er reiniget ſie / bereitet ſie und bringt ſie in das Glaß / als wie die Henne ihre Eyer in das Neſt leget; Er fuͤhret / ine Natur gemaͤſſene Warme daß ſich feine Materia vermiſchen kan / beweget / und mit der Zeit durch die Grad der Farben in eine beſtaͤndige Farb und wahre Efleng verkehret / bey welcher rbeit dann die folution, coagulation, ſublimation, aſcenſion, deſcenſion, diſtillation, calcination nnd fixation (als welche zu ſolcher Zeit alle vorkom⸗ men und mit unterlauffen) vollbracht wird. Das Harte oder Compacte mag nicht wieder verändert werden / dahero billich zu erſten feine ſolution vorgehen muß / damit es fluͤſſig werde. Wo nun eine ſolution iſt / da muß auch eine coagulation folgen / nicht eine ſolche da der Coͤrper wieder hart ge⸗ machet wird wie er vorher geweſen / ſondern er muß allein zu einer Honig⸗ dicken eingekochet werden. Die lublimatio ſcheidet das purum oder reine vom impuro oder un reinen / das geringe macht es groß / und das unterſte verkehret es in das oberſte . Und dieſes darff ſo wenig von der Arbeit bleibe als das vorige / dann es iſt das Hauptwerck und die Regentin der gantzen Kunſt. So bald es aber ſublimiret und in die Höhe getrieben wird / ſo ſtei⸗ gen einige Theil davon empor / welches man die aſcenſion zu nennen pfle⸗ get / einige aber davon legen ſich zu Boden / daß es deſcenſio genennet wer⸗ den mag. Die Deſtillation machet klar / und was am Boden bleibet wird calciniret / beydes wiederum Agiret / damit iſt die gantze Kunſt vollbracht. Wer nun alle ſolche Arbeiten alleine in der Kochung verrichten kan / iſt na⸗ he bey deren Ziel getretten. Wie nun alle Huͤnlein / fo viel auch deren ſeyn moͤgen / unter eine Mutter und Verpflegerin ſich ſetzen / alſo Im auch fo viele Arbeiten und Wege in die einige Kochung der Weiber hin. Der Mond erhoͤhet die Sonnen / als um welcher alles dieſes vorgenommen wird. Das iſt / man muß ein beſtaͤndig Ehebett der Sonnen und dem Mond bereiten / als worinnen alle Geſandtſchafften / Vermaͤhlungen / Copulationes und Zweiffel weichen / damit bey: der Fleiſch in kuſt gereitzet / zu ewig⸗beſtaͤndiger g iebe auffgemuntert / und zum unzertrenne lichen Band verknuͤpffet werden mögen. Ohne den Mond wird die Sonn nicht hochge⸗ achtet / und der Mond wiederum ohne die Sonn nicht / ob auch jener ſchon geringer als die Sonne iſt Er empfaͤhet aher von ſeinem Gemahl der Sonnen Ehre / Herrlichkeit und Staͤrcke / und dieſe wiederum vom Mond Vermehrung des Geſchlechts und ſtaͤte Fortpfla zung, Daher o Rofarius meldet : Wann eines dieſer beyden in unſerem Stein allein wäre/ wuͤrde nimmer mehr die Mediein fluͤſſig ſeyn / noch eine Tin ctur geben nnen / und ob es auch ein ſolches ſchon thäte / jo Eonte es jedennoch nicht tingiren/ ſon⸗ en wuͤrde das nur ſeyn was es iſt / ja der Mereurius wurde im Rauch verſchwinden / weilen bey ihm kein Nuffenthalt der Tineur ift. Und Geber probiret es in feinem Libro Examinum daß wo Sol und Luna der Kunſt zugleich mit einverleibet / wuͤrden ſolche nimmer mehr leicht geſchieden werden konten. | 5