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Atalanta fugiens

Chapter 1

Section 1

AO. | M2Baak
. . .
* we;
MICHAELIS MAJERI:
Imperial, Conſiſtor. Comit. Med. D. Eq. Ex. &c.
Derer groſſen Seheimnuflen der
Natur / Durch wohl erſonnene ſinnreiche Kupfferſtiche
Und
EMBLEMATA,
| Zu mehrerer Eileuchterung und Verſtand derſelben / mit
angehefften ſehr dienlich ⸗ und geſchickten Sententien und Posti- ſchen Uberſchrifften / 8 und ausgezieret.
Nachdeme es wegen vieler darinn entdeckten raren Geheim⸗
nuſſen und Erlaͤuterung der Philoſophiſchen Subtilitaͤten / von verſchiedentlichen hocherleuchtenden und zu wehr Kuͤnſten ſich applicirenden Liebhabern zum oͤſſteren begehret und 8 worden;
Ehymiſchen REPUBLIC
Und
Dero Liebhabern /
Zur Speculation, Betracht⸗ und Unterſuchung aus wohlmeinender Veneration und Liebe zum zweyten mahl in der Lateiniſchen Sprach aus⸗ gefertiget / vor jetzo aber zum erſten Be indas Hochteuiſche über ſetzet iſt
G. A. K. Der Philoſophiſchen Künſten Liebhabern.
Deme beygefuͤget iſt / eine Application des Ho her Lied Salomonis / auff die Univerfal - Tinctur der Philofophorum,
Franckfurt / PMPerlegts Geora Heinrich Oehrlina / Anno 08.
Geneigter Leſer!
Aß der Menſch ein Begrieff des gantzen Welt⸗Creyß ſeye / iſt NN bekannt / und wird deſſen gantzes Leben in drey verſchie⸗ HA dene Wege des Wachsthums beſchrencket / deren erſteres RI, ſich bey feiner generation in der Mutter Leibe zeiget / da er wie die Pflanze waͤchſet und ſich mehret / dahers auch ſol⸗ ches Leben billich das vegetabiliſche Leben genennet werden mag. Das zweyte als das empfindliche wird mehrentheils durch deſſen ſinnliche Eygenſchafft gezogen / ohne daß der Menſch mit Vernunfft darunter le pariret und geſchieden bleibet: und ob er zwar in dieſer Sterblichkeit was ohn vollkommenes noch an ſich führer / fo begleitet ihn doch allezeit die geſunde Vernunfft und Gottes treuer Schutz⸗Engel / biß er endlichen in jenem Ceben mit Vollkommenheit prangen und Gott von Angeſicht zu Angeſicht ſchauen und preiſen kan. Soviel nun ein Menſch ſich in
egen waͤrtigem Leben vom irrdiſchen viehiſchen ab⸗ und zu Gott wen⸗ 27 um ſo viel nimmt deſſen Verſtand am inneren zu / daß er ſubtile, ge⸗ heime und ohnbegreiffliche Sachen ee und erforſchen mag / und jemehr er im Gegentheil an dem irrdiſe 1 Opa) haͤnget / je weni⸗
er er ſelbiges begreiffen wird. Von beyden haben wir hieruͤber klare
eugnuͤſſen / dann der Gelaͤhrte zieret ſich mit Tugenden und Wiſſen⸗ ſchafften / da der Ungelaͤhrte im Gegentheil ſich mit Schwelgen und Praſſen ergöger. Es hat aber der gůtige Werckmeiſter und groſſe Gott unendlich groſſe Seheimnuß in die Natur geleget / welche der Menſch durch Runſt und Verſtand alſo an fich ziehen und ergründen ſolle / gleich wie das Heuer vom Stein gereitzet und durch feinen Schla hervor ge⸗ locket wird: Und ſolcher Geheimnuſſen eines iſt die Chymifcbe Wiſſen⸗ ſchafft die vornehmſte / als welche ſich nach der Goͤttlichen Weißheit und des wahren Erkaͤntnuß Gottes / von keiner anderen vorgreiffen laͤſ⸗ ſet. Nicht ſage ich / eine ſolche Chymiſche experienz die denen Landſtrei⸗ chern und Vaganten bekannt / (als die ſich zu dieſer Runſt und Arbeit wie der Eſel zum 1 ſchicten) ſondern eine ſolche / die von hoch⸗ erleuchten / frommen / wohlerzogenen und zu groſſen Dingen gebohrnen Menſchen erkannt worden / als in welchem lauter ſubtilitaͤten / hoher Verſtand und Goͤttliche Weißheit ruhet dahero auch durch ſcharffe und tieffſinnige Betrachtung der bewehrtiſten Authorn (als deren Mey⸗
nung in der Natur ſelbſt gegründet iſt) die Arbeit angefangen / und mit
reitfer liberlenunmg des Werbe een ens e Dani a
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Vorrede. und Wiſſen ſchafft todt iſt /) zur Operation geſchritten werden muß. Und dieſen erſt gemelteten Wiſſenſchafften der menſchlichen Vernunfft / fol⸗ et die Optic oder Perſpectiv, und die berůhmte Mahlkuſt / als welche das ug und Ohr erquicken / davon die letztere die redende Mahlkunſt benah⸗ met worden wie die erſteren von einigen boeten die Stumme betitult find. Beyde ergoͤtzen ſich mehr im Geiſt als einem aͤuſſerlichen Anſchauen / und ſtrahlen gleichſam zuſammen in eines welches das Gemuͤth iſt. Wir haben auch Vernunfft und Verſtand zuſammen gefaſt / und dieſe edle Wiſſenſchafjt der Chymie mit raren Chymiſchen reg und Sinnbil⸗ dern ausgezieret. Die übrigen Kuͤnſte / welche / ob fie zwar mit Emblema- tiſchen Figuren auch andere Sachen vorſtellen doch das Geheimnuß der Natur ohnberuͤhret gelaſſen / achte ich vor nichts; dann die Chymie iſt eine zarte keuſche Jungfrau und gleichſam die Diana, die ohne Derändes rung oder Farben ihres Kleides nicht zu ſchauen (wie ich anderwaͤrts ausgefuͤhret.) Dieſes nun find Poctifche Gedichte / verbluͤmte Redens⸗ Arten / Bilder und Emblemata der Göttin Venus oder dem Kupffer nicht ohne die Venus oder Beguͤnſtigung eingegrabenen Chymiſche Geheim⸗ nuß find es / die allein nach dem Verſt and ergruͤndet / und auff einmahl zugleich in das Buch einverleibt und genutzet werden wollen / und weis len ihre Wiſſenſchafft mehr auff die Vernunfft als den bloſſen aͤuſſerli⸗ chen Verſtand gegruͤndet iſt / ſo iſt auch ihr Gebrauch um ſo viel nuͤtzli⸗ cher und angenehmer. Solten aber ſelbige am Anfang auff den Ver⸗ ſtand fallen / ſo iſt leicht zu glauben / daß ſie ſich alsdann gleich als durch eine Thür auch von dem Verſtand zur Vernunfft wenden werden. Nichts iſt im Verſtand zu finden / welches nicht vorhero die Sinnen durch wandert / und iſt das unſchuldig neugebohrne Kind einer Tafel leich in welcher noch nichts zwar geſchrieben / doch vermittelſt ſeiner innen als mit einem Griffel / alles eingegraben werden kan. Der ohn⸗ wiſſende traͤgt die Unſchuld / dahero noͤthig iſt / daß dem Verſtand als dem Regenten und Schiedsmann die Rundfchaffeer und Botten / das iſt / die Sinnen alles ihres Wiſſens von allem getreue Nachricht ſtellen / wie ein Waͤchter der die Thore einer Stadt bewahret / alles feinen Mit» gliedern anzeiget und kund machet . Ein jeglichsredlichzgefinnter und verſtaͤndiger nehme dieſe in Reimen verfaſte Emblematiſche Figuren zum beſten auff / und verachte fie mit nichten gar: dann / ſo die Rauff⸗ und Handelsleuthe die vor groſſes Geld eine gewiſſe Portion Gemaͤhlde kauf⸗ fen / nur allein nach dem betruͤglichen Anſchauen / urtheilen und was der Natur am beſten gleichet / vor hoch ſchaͤtzen / was ſollten dann nicht dieſe auff Vernunfft und Weißheit gruͤndende Figuren thun / als welcher Nuten auſſer dem aͤuſſerlichen Anſchauen / billich zu Ehren und in ho⸗
m Werth zu halten. RR Lebe wohl.
Erſtes Sinnbild von Geheimnuß der Natur. N TEEN Pan tg 2
Ert Uberſchrſt.
Solt die e fi) icken .
Zu tretten einſt ans Licht/fo faͤllt der Helden Ruhm / Ihr Fleiß / Kunſt / Tapfferkeit / wird ſie darnieder druͤckẽ / Drum gedenck dahin / daß fie nicht komme um. Durch Schnitt und DRihoeburt/Agripppamanc) nicht gleiche;
Hab ein erfreut Geſiiern und die Geburt erreiche.
SER: EFrſte Erklaͤrung. 11 a Er fürtreffliche Natur⸗Kuͤndiger Hermes in feiner Schmaragdi⸗ niſchen Tafel / beſchreibet das Werck der Natur mit kurtzen Worten gar deutlich / wann er alſo hervor bricht: Der Wind hat es in ſeinem Bauche getragen; Will damit anzeigen / daß das jenige Ding weſſen Vatter die Sonne / die Mutter aber der. Mond iſt / von dem windigten Rauch / als wie der Vogel von der Lufft etragen werde / ehe es ans Licht komme. Dann aus dem coagulirten auch und Wind (die alleine nur eine bewegende Lufft zu nennen ſind) entſtehet das Waſſer / auff welchen fernershim mit Vermiſchung der Er: den alle Mineralien und Metallen generiret un euget werde:lind wie Dies fe ſelbſten auch aus Rauch beſtehen / alfo werden fie allein vor ſich coaguli- ret / wie uns hiervon die Natur ein klares Zeugnuß gibt. Es werde aber die Wuͤrckung dem Waſſer oder Rauch zugeſchrieben / ſo iſt es eins / dann dieſer beyden Materi iſt der Wind. Von denen Mineralien und Metallis mag ein gleiches gemeldet werden / ob ſchon deren Terminus was aus⸗ ſchweiffend iſt. Hier doͤrfft ſich aber fragen / was doch das jenige ſeyn muͤ⸗ ſte / das der Wind in feinem Bauch trage? und iſt Chymice zu beantwor⸗ ten / daß es nach L.ull. Cod. c. 32. und anderer Philofophorum Meinung ein Schwefel ſeye / der in dem lebendigen Queckſilber ſtecke. Phy ſice da⸗ von zu reden / ſo iſt es eine Frucht / die behend ans Tages Licht will; und ſo es Arithmetice oder nach der Rechen⸗Kunſt betrachtet werden ſolte / findet ſichs / daß es der Radix Cubi, zu Teutſch die Wurtzel des Quadrats ſeye. Die Muſici und dehrmeiſter der Sing⸗Kunſt heiſſen es die Quint. In der Geometrie iſt es der Anfangs⸗Punct einer fortſtreichenden Linie: Nach der Aſtronomie das Centrum oder Mittel⸗Punct des Planeten Saturni, Jovis & Martis. Ob nun ſchon alle dieſe Dinge in ihre unterſchiedene ſub jecta abgemeſſen und getheilet ſeynd / ſo zeugen fie doch alleſammt gar einhellig / daß nach jedes Eygenſchafft der Wind die Herrſchafft habe. Hiervon noch deutlicher ufhreiben ſo iſt eines jeglichen Dinges Mercurius aus Rauch entſproſſen / das ift / aus einem ſolchen Waſſer / welches die Erde in eine ſubtile Ye: auffgezogen: um aus einer Erden die die Lufft gende thiget / ein irrdiſch Waſſer oder waͤſſerige J rrdigkeit von ſich zu geben. Dañ indeme die ſaͤmmtlichen Elementa dar innen verfaſſet / und als in einer waͤſ⸗ ſerigen Natur verſchloſſen liegen / fo koͤnnen fie auch von ſelbſten nicht leicht eſchieden werden / es begebe ſich dann das Fluͤchtige empor oder das Fixe ege ſich; wie dort an den gemeinen / hier aber an der Philofophorum Mer - eurio und anderen Fixen Metallen zu ſehen In dieſen erhalten die Fixen Elementa vor denen Fluͤchtigen dort aber die Fluͤchtigen vor den Fixen den Preiß und Vorzug / und wird keines Wegs ohne bewegende Urſach der Mercurius mit Fluͤgeln an Haͤnden und Fuſſen gemahlet / und vor den Bot⸗ 5 f ten
Erſte Erklärung. $
ten der Götter / Tollmetſcher und Mittelsmann gehalten / weilen er wie der ſtreichende Wind fluͤchtig durch die Lufft fleucht / welches leyder! gar viele mit Schaden erfahren. Die doppelten Schlangen an ſeinem Staab bilden ung feine Natur vor / daß er nemlich die Coͤrper entſeelen und auch wieder erwecken koͤnne / und was deſſen wiederwaͤrtigen operationen mehr / fo uns des Philoſophiſchen Mercuri Symbolum lehret. Iſt alſo der Mer-
curius ein Wind N chwefel / deutlicher / den noch unzeitigen Gotte
Æſculapium der Artzn ß dem Bauch / oder aus der Aſchen des ver⸗ brennten Coͤrpers ſeines Vatters in ſich nimmt und dahin fuͤhret wo er mag gezeitiget werden: und die unzeitige G burt iſt ein Schwefel den die Sonne im Nordwind erwecket / daß er Darinnen zeitige und zu ſeiner Zeit mus ebe / deren einer mit weiffen Haaren Calaim, der andere ein othlopff Zeten genennet werden mag. Dieſe Borealiſche Soͤhne wa⸗ ren nach des Chymifchen Vers Tichters Orpheus Meinung unter denen fo den Jaſon nach Colchos begleitet / als er das Guͤldene Vließ rauben wollen und weilen der blinde Phineus der eben damahls durch die Harpygifchen Raubvoͤgel uͤberfallen war / durch dieſe — Soͤhne ent ediget wurde / zeigte er ihnen den Weg zur Danckbarkeit. Es ſeynd aber ei⸗ gendlich die Harpygæ ein ſolcher zerſtoͤrender Schwefel / der durch Hulffe der Nordiſchen Söhne / in ſeiner Zeitigung liberiret / und aus der unreif⸗ fen grob und ſchaͤdlichen Fl uchtigkeit in ein pur lauter und vollkommen Weſen gebracht iſt / und dieſer weiſet den Weg zum guͤldenen Vließ. Von ſolchen Winden ſchreibet der beruͤhmte Philoſophus und Frater Baſilius Valentini in feinem sten Schtüffel alſo: Es muß ein doppelter Wind kommen Vuliurnn FE ge und ein einfacher Mius, die werden von Grient und Mittag brauſen und ſich bewegen / und ſo fie als le bedeubet worden / daß ihre Be vergangen und aus Lufft Woſſer worden / ſo magſt du Eühnlich trauen / daß aus einem Geiſtlichen ein Keiblichs wird. Und Riplæus in der gten Pfort. In der Lufft muß unſer Sohn wieder gebohren werden / das iſt im Bauch des Winds. Eben dahin zielet auch die Scala der Philofophorum im sten Grad. Man muß wiſſen / daß der Weiſen Sohn in der Lufft gebohren werde. Und im gten Grad. Die fluͤch⸗ tigen Spiritus, wann fie in die Lufft ſteigen / ſo 86 0 e ſich einander mit Liebe. Dahero auch Hermes gedenckt: Ihn habe der Wind im Bauch getragen / weilen unſers Sohns Geburt in der Lufft geſchiehet / und der Gebohrne weißlich in der Lufft ent⸗ ſpringet: Dann er ſteiget von der Erden in die Wolcken / und wendet ſich zur Erden wieder / ja er ziehet alle ober⸗ und untere
Kraͤfften an. A 2 Seine
4 Sweytes Sinnbild von Geheimnuß der Natur. Seine Ernaͤhrerin iſt die Erde.
— ee a
Gleich wie die Woͤlffin hat den Romluum geſaͤuget / Und eine ſchlechte Geiß des Jovis Kindheit ſpeiſt / So hat die Erde auch der Weiſſen Sohn gereichet Die eigne reine Milch zu nehren ſeinen Geiſt. Kan nun ein ſchwaches Thier ſo groſſe Helden ſpeiſen / Wie wird ſich / dem die Erd in ihrem Schoß nehrt / weiſen? Gar
Zweyte Erklarung. 5
Ar wohl lehren die Peripatetici und Natur⸗Kuͤndiger daß das Er⸗ naehrende in die Subftanz und Weſen des Ernehrten verkehret oerde/ wann es ſeine Kochung (Zeitigung) erlanget / und ſol⸗ ches Axioma iſt wahr. Dann was iſt es n chi daß dae Ernehrende / wel⸗ ches ſchon vor laͤngſten mit dem Ernehrten eins geweſen im Weſen / erſt geandert werde? zumahlen da ein ſolches auch geſchehe / ſelbiges doch dem Weſen nach nicht eins verbleibe. Oder: wie koͤnnen doch die jenige Din⸗ ge / ſo dem Ernehrten ungleich ſeynd vor das Nutriment und Ernehren⸗ de gehalten werden? zum Exempel: Holtz / Stein und dergleichen. Gleich wie aber das erſtere ein vergeblich Thun iſt / ſo findet ſich auch das ande⸗ re gantz der Natur entgegen. Doch iſt aus dem Animaliſchen Reich bes kandt / daß das neugebohrne Kind die Milch ſeiner Mutter ernehre / und dieſes kommt der geheiligten Natur gemäß. Dahero auch weit beffer von der Mutter als von jenem ein Gleichnuß zu machen iſt. Eins hellig ſtatuiren die Medici, daß einem neugebohrnen Kind die Milch feiner eigenen Mutter weit mehr zu ſtatten komme / als wann es von der Milch einer frembden Amme gefäuget wuͤrde / dann es durch ſolches der Eltern Tugend / Krafft und Staͤrck erlange. Und dieſem pflichtet die Natur bey / denn ein jegliches Ding erfreuet ſich feines gleichen / und tritt gleich⸗ ſam ſchlaffend mündeten een deſſen wovon es ſei⸗ nen Urſprung hat. Die Philofophifche Arbeit halt gleichen Lauff der Na⸗ tur / und will als ein Kind in Mutter⸗Leib getragen und regiret ſeyn. Und obwohlen diefe die Natur den Vatter und die Mutter dabey uns vorſtel⸗ let / ſo iſt doch alles dieſes nicht ſowohl der Kunſt und Natur nach / als nach ſeiner ſelbſt u lebendigen Wirckung zu betrachten. Dann beyder der Menſchen Saamen werden zwar durch füffe Luft der Lieb gerei⸗ gan vereiniget / woraus Ft Kind in Mutter⸗Leib kormiret / ein Les
n empfaͤhet / und zu feiner Zeit ans Licht tritt / auch von der Milch ſei⸗ ner Mutter gefpeiffet und ernaͤhret wird · Wann aber die Mutter ſich nicht in dieſer ihrer Leibes Tracht mit Eſſen / Trincken und anderer bendthigten Leibes Ruh zu moderiren weiß / ſo gebaͤhret fie einen Mißfall / und wird als ſo die Frucht noch vor der Zeitigung deſtruiret und verderbet. der Philoſophiſchen Arbeit werden ebenfalls die beyden Saamen wo ſie nicht ſchon vereiniget find / zuſammen gebracht. Und wann dieſe vereiniget /
leichen ſie dem Ey eines Vogels / das beyde Saamen des Mann und eibes in ſich fuͤhret. Und dieſes iſt der Philofophen Meinung / daß das eine aus Orient oder Auffgang der Sonnen / das andere aber aus Oc- cident oder Niedergang entſpringe und in eins ſich formire. Dann was zeiget ſich doch anderſter als allein n in feinem Gefaß / eine 3 gema
du, Zweyte Erklärung.
gemaͤſſigte Waͤrme und ein Nutrimertt. Das Gefäß wird zwar durch die Kunſt bereitet / wann nemlich ein Neſt von dem Hahn oder der Hen⸗ nen / oder aber von einem Menſchen gemachet wird / (als woran nichts gelegen / ) doch aber iſt die Generation det Eyes nur eines / und gründet ſich der Abgang des Vogels auff vorgemeldte motiven einer ſchwangeren Frauen. Die Warme iſt naturlich / und hat ihren Urſprung von der temperirten Ofen Warme / oder von dem Miſt / oder von der Sonnen und Lufft / oder von der Mutter ihrer natürlichen Leibes Warme / oder auch wo anderſt her. Von denen Egyptiern lieſet man / daß der Saa⸗ men der Seiten Wuͤrmer auff dem Ofen / oder zwiſchen denen Bruſten ihrer Jungfrauen gezeitiget und erbruͤtet werde. Bieten alſo die Kunſt und Natur ſich eknander die Hand / und wie dieſe der Kunſt dienet / ſo die⸗ net die Kunſt wieder der Natur zu willen; doch bleibet die Natur die Meiſterin und die Kunſt die Magd. Hier möchte man wohl fragen / warum die Erde den Titul einer Ernehrerin der Philoſophiſchen Frucht fuͤhre / da doch zu erweiſen / daß unter allen 4. Elementen die Erden das trockenſte ſeye / deren Eygenſchafft auch die Doͤrre ſelbſten iſt? Ich ante worte aber dem kunſtbegierigen Sucher / daß die Erde nicht als ein lement allein zu conſideriren / ſondern wie ſie die anderen Elementa zugleich mit ſich — 60 wie im erſten Tag unſeres Philoſophiſchen Wochen⸗Wercks zur Genuͤge entdecket worden. Dieſe iſt ine him Ernehrerin / nicht daß fie etwan auffloͤſet / waͤſcht oder die Frucht befeuchtet / ſondern fie coaguliret / figiret und faͤrbet / und reiniget Blut und Safft. Es iſt aber die Nahrung eine Vermehrung in die Lange / Tieff⸗und Weite / das iſt / es extendiret ſich in alle Theile des Leibs ; und wann ſie da iſt / und der Philoſophiſchen Geburt allein durch die Erde mitgetheilet wird / kan ſie mit Fug und Recht eine Erde genennet werden. Doch findet ſich in dieſer Wunders⸗vollen Erde ein ſolcher Safft / der allen anderen Milch⸗ Säfften ſo ſich nur allein verwandlen und nicht wiederum verwandelt werden koͤnnen / entgegen ſtellet. Dieſer ſtaͤrcket die gantze Natur einer Saͤugenden durch feine Krafft / gleich wie den Romulum die Milch feiner Woͤlffin / der durch ſolchen Safft alſo ſtarck und ftreite bar worden / daß ernachmahls einem tapfferen Helden verglichen werden koͤnnen.