Chapter 7
M. MANILIVS
ASTRONOMICA
HERAUSGEGEBEN
VON
THEODOR BREITER
II.
KOMMENTAR
MIT ZWEI TAFELN ZEICHNUNGEN
LEIPZIG
DIETERICHSCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG
(THEODOR WEICHER)
MDCCCCVm
mHALT.
Seite
Voiwort V— XVI
Zeiclien-Erklaruug: XVII
Kommentar:
Buch 1 1—39
Buch 2 40—79
Buch 3 80—106
Buch 4 107—145
Buch 5 146—179
Nameu- und Sachverzeichnis 180 — 194
Zusatze und Berichtigungen . . ^ 195—196
Auhaug. Tafel I-III.
VORWORT.
Sage, Dichtuug uud bildende Kunst habeu den griechischen Sterneuhimmel mit reicher Phantasie ausgeschmiickt, aber seine Stern- bilder haben doch nur den Wert von Himmelserscheinungen und etwa von Wetterzeichen. Gegen die astrologische Auffassuug des Orieutes, welche den Sternbildern eiuen Einfluss auf das Geschick des Menschen zuschrieb, verhielten die griechischen Astronomeu sich ablehneud. Der Cnidier Eudoxus, Platos Schiiler, durch langeren Aufenthalt bei dem Konige Nectanebis mit der Astrologie agyptischer Priester wohl ver- traut, urteilte, dass deu Prophezeihungen der Chaldaer und ihren Aufzeichnungen iiber dieLebeuschicksale keinerlei Glauben zu schenken sei*); uud auf ihm fussend gibt Aratus (250) nur cpaivdfisva und oioayjfiera. Aber der Astronom Hipparchus (150 v. Chr.) hat sich uach Pliuius**) bereits zu dem stoischeu Dogma von der Vervvandt- schaft der Gestirne mit dem Menschen bekannt, und man darf viel- leicht die auf griechischem Bodeu erwachsene anthropomorphische Betrachtung der Sterubilder auf seine Autoritat zuriickfiihren. — Die astrologischen Lehren haben sich mit dem Hellenismus durch die Kulturstatten Kleiuasiens verbreitet; sie erschienen dann iu Athen, wo (c. 260) der chaldiiische Priester Berossus fiir seine astro- logischen Weissaguugen durch ein Deukmal mit vergoldeter Zunge geehrt wurde***). Alsbald erscheinen Chaldaer — auch verkappte — in Rom, dem Nahrbodeu aller Superstitiouen — ein fahrendes Volk, de circo astrologi, Isiaci coniectores, interpretes somniorum — deren Weissagungen nacli Ennius eine Drachme kosteu, aber um eine Drachme zu teuer sind ****).
*) Cic. de diuin. II 42, 87.
**) Piiuius N. H. II 95: quo uemo raagis approbauit cognationera cum horaine siderum, auimasque nostras partem esse caeli. ***) Plin. N. H. VH 123. = ***) Cic de diuiu. 1 58, 132.
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Dass Cato seinen Pacliteni vurbot, froimlo Astrologen zii be- fragen, dass dor praetor pfnegrinus Cn. CJornelius Scipio Hispalus (13D a. Chr.) den Astrologen (Uircli ein Edilct befahl, binnen zehn Tagen Roni nnd Italien zu riiunicn (Valer. Max. I, 3, 3), blieb ohnc Erfolg auf die J3auer: vielmehr fanden die Chaklaer ihre Kuuden nnn in den besteu Hauseru. Im sog. Octavianischen Kriego (87) blieb Cu. Octavius, gestiitzt auf eine astrologische Prophezeihuug iu Rom, wahrend Metellus floh. Octavius wurde getotet: aber im Bausche seines Gewandes fand man das glnckverkuudende chaldaische*) Diagramm (Phitarch Marius 42); richtiger war Sulla geweissagt, dass er in der Piille des Gliickes sterbeu werde (Plut. Sulla 37). „Wie oft", sagt Cicero (de diuiu. II, 47, 1)9) „habeu die Chaldaer einem Pompeius, eiuem Crassus, ja eiuem Caesar geweissagt, dass keiner vou ihuen auders als im Greisenalter, als in seinem Hause, als iu der Fiille des Ruhmes sterbeu werde" ! Aber uicht blos namenlose Chaldiier, sonderu Miinner der Wissenschaft werden als Astrologen genauut: so bestimmte Lucius Tarutius Firmanus, Freuud Varros und Ciceros, den Geburtstag der Stadt Rom unter dem Zeichen der Wage (in iugo cum luna esset) und verkiiudete darnach ihre Geschicke**); ein Beispiel, wie mau auch fiir lustitutiouen das Horoscop stellte. Wie mau dabei gauz mechauisch verfahreu konnto, zeigt des Firmicus thcma mumli (III cap. 1): die Planeteu erhalteu ihren Platz unter den Tierzeicheu, Luna iibernimmt die Fiihruug und iibergibt den Plaueten, vou Saturn aufangend, die Herrschaft wahrend einer Weltperiode. So lasst sich nun auch das Wundersamste erklareu — Mauilius scheiut z. B. IV 101 ff. ein thema monstri anzudeuteu. — Auch die ernste Persou des Nigidius wird iu deu Dienst der Astrologie gezogen. In der Senatssitzuug, wo iiber Catiliuas Yerschworuug verhandelt werdeu soll, lcommt Octavius wegeu der Bntbiudung seiuer Frau verspatet au: als der Seuator Nigidius die Ursache der Verspatung und die Stunde der Geburt erfahren hat, weissagt er, der Herr des Erdkreises sei geboren. So Sueton — aber Octaviau war am 23. Septeiuber geboreu, uud die betreffende Sitzuug faud iu deu ersten Tagen des Dezember statt, — uuter dem Zeicheu des / — uud die chronologische Verwirrung
*) Cornelius Culleolus heisst eiuer der Propheteu bei Cic. de diuiu. I, cap. 2, 4.
**) Cic. de diuin. II 47, 98 impimis Chnldaicis raiionihis eruditus. V\\\\. Romulus XII.
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sprioht gegen den geschiohtlichen Wert der Anekdote.*) Ob die Himmelskonstellatiou nach Caesars Uberoan"; iiber den Rubicon bei Lucauus I 639 — 665 von Nigidius herriihrt, mag dahingestellt bleiben.
InzAvischen hatte die Astrologie in der Stoa einen machtigen Verbiiudeten gefunden. Mit Ausnahme des Pauaetius adoptieren die Stoiker das Dognia der Diuination**), Zeno, Cleauthes, Chrysippus, Antipater, vor allen Posidonius aus Apamea verfechten es in be- sonderen Biichern. Posidonius, Schulhaupt und Staatsmann in Rhodus, Freund des Pompeius und Cicero, auf allen Gebieten des Wissens Autoritiit ('avYjp twv xaxh' YjjJia? cptXoadcpwv 7zoXu\).a,%'ioxoi.xoc, uach Strabo XVI, 753), gewann entscheidenden Einfluss auf die besteu Kreise Roms. Seine zahlreichen Schrifteu liefern reiches Material fiir Cicero (de nat. D., de diuinatione, de fato), fiir Vitruuius, Manilius, Strabo, Plinius, Seneca u. a. m.***), uud sein Einfluss lasst auch die von Cicero geachildorten Kampfe der Epicureer uud Peripatetiker gegen die Stoa verstummen. Spuren seiner astrologischen Lehre sind nur spiirlich nachzuweisen (vgl. Mueller pag. 29); wahrscheinlich aber entstammt ihm die knappe Zusammenfassung bei Cicero de diuin. II cap. 42, 89 : icim quamdanb esse aiunt signifeyo in orbe, qui Graece zodiaeus dicitur, talem, iit eius orbis una quaeque pars alia alio modo moueat immutetque caelum, perinde iit quaeque stellae in iis flnitimisque partibus sint qtioque tempore, camque uim varie moueri ab iis sideribus, quae uocantur errantia. Quum autem in eam ipsam partem orbis uenerint, in qua sit ortus eius, qui nascatur, aut in eam, quac coniunctum aliquid habeat aut consentiens, ea triangula illi et quadrata nominant. Etenim quum tempore anni tempestatum atque caeli conuersiones cominutationesque tantae fiant accessu steUarum et recessu, cumque ea ui solis efficiantur, quae uidemus, non uerisimile solum, sed etiam uermn esse censent, perinde, utcumque temperatus sit aer, ita pueros orientes animari atque formari, ex eoque ingenia, mores, animam, corpus, actionem uitae, casus cu- iusque euentusque fieri: eine Stelle, die mir eine Art Programm fiir Manilius zu enthalten scheint. Mau beachte den fiir den Stoiker
*) tJber Nigidius und seine Bedeutung fiir Mauilius vgl. Boll sphaera Cap. XIII ff.
**) Cic. de diuiu. I cap. 4, 6.
**■) Sudhaus Aetna. — Mueller Edm. De Posidouio Mauilii auctore. Lips. 1901.
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charakteristischon Versuch, (len astrologischen Wirkungen physikalische Ursachen entgegonzustellen; auch haben wir hier die filr uns alteste Erwahuung eiuer (Jruppierung der Teile nach geometrischen Be- ziehungeu.
Zu Augustus Zeit ist der Kampf zwischen Astrologie und Astro- nomie vorerst ausgeglichen. Reichlichste astrognostische Verwendung der Gestirue findet sich bei den Augusteisclion Dichtern*) ueben astro- logischen Leistungen bei Propertius und Horaz. Der letztere gibt ein techuisch annehmbares Nativitatsthema fiir Macenas''"), der offenbar ebenso diuinationsglaubig ist, wie sein Herr und Freund Augustus. Wenn man Suetonius trauen darf (D. Octav. Aug. 90—96), so iibertraf dieser Herrscher in solchem Glauben alle seine Untertanen; namentlich betrachtete er sein Nativitatsthema mit zartlichem Stolze. Ergotzlich ist der Bericht Suetons (ib. 94). Mit Agrippa erklimmt der Jungling Octavianus das Observatorium des Mathematikers Theagenes***) in Apollonia; Agrippa, der zuerst konsultiert, erhalt wundersame Weis- sagung. Nur zogernd und in Angst, etwas minderwertiges zu horen, bekennt Octavianus seinen Geburtstag — da springt Theagenes auf, betet ihu als Gott an, und jener vertraut so sehr auf das ihm geweissagte Geschick, dass er als Kaiser das ihm gestellte Horoscop, die Note des Steinbocks, auf einer Silbermiinze anbringeu lasst. Dazu sagt Sueton: „quo natus", im Widerspruche mit cap. 5 (natus IX Cal. Octobres, 23. September). Offenbar hat Theagenes, um etwas ungewohnliches zu bieten, schnell besonnen das Thema der Konzeption, nicht der Geburt gewahlt, ist also Quelle fiir Manilius, der das Horoscop der Konzeptiou fiir Augustus II 509 erwiihnt, aber seine Lebensfiihrung (fatum) IV 547 an den heliakischen Aufgang der Wage — seinen Geburtstag — ankniipft. — Indem nun Augustus die Astrologie gleich- sam von Staatswegen unterstutzte, wurde sie Modesache: eine von Dichtern uud Philosophen geforderte, vom Hofe und dem Fiirsten anerkannte Wissenschaft mindestens in den Kiementeu kennen zu lernen, wurde Bediirfnis der feineren Gesellschaft. ****)
0 S. die reiclie Zusammenstelluug bei Harder, Fr., Astrognostische Be- merkungen. Berlin 1893.
**) Hor. Carm. II 17: 'consentit' = magua radiatioue coniunctum. — 'refulgens' = ex diametro. — Beide habeu gleichen Chronocrator nach vs. 8. '**) Vgl. Bouche-Leclercq, rAstrologie pag. 549. ****) Hieriiber Bouche-Leclerq, Astrol. Gr. Chup. XVL
IX
Solchem Bedurfnisse zu dienen war das Lehrgedicht eines Manilius bestinimt. Es eutspricht auch den Intentionen des Kaisers Augustus durchaus: ja man kann vermuten, dass es von Augustus irgendwie veranlasst war. Darauf fiihrt auch die Form der Aurede I 10, die gewohnlich als eine Widmung gefasst wird. Wahrend aber in den zur Yergleichung herauzuziehenden Widmungeu eines Horaz, Vitruvius und etwa des Germauicus ein bestimmtes Verhaltnis dieser Manner zum Imperator angedeutet wird — bei Vitruvius jBinden wir den Dank fiir ein auf Empfehlung der Octavia, wohl anlasslich bau- licher Leistungen, erhalteues Geschenk und die HofPnung bekuudet, dass ein Werk iiber die Architektur dem baulustigen Herrscher will- kommen sein werde — , so fehlt bei Manilius jede derartige Andeutung. Kurz sagt er (l 10) liunc mihi — animum clas uiresqiie excis — wodurch.? Pingre iibersetzt: c'est vous qui m'inspirez, c'est vous qui me donnez la force, qui m'est necessaire pour chanter des objets aussi releves — und Rosselli: tu Tanimo m'accendi si che vigor uon manchi all' alta impresa — beide schreiben also dem Imperator die inspirierende Kraft zu, welche sonst dem Phoebus und den Pieriden bei Manilius eignet. Das animum heisst wortlich: 'du gibst mir den Mut' — und das lasst vermuten, dass Manilius zufolge eines kaiser- lichen Auftrages sein Lehrgedicht iiber die Astrologie verfasst hat.*) Jedenfalls darf man behaupten, dass dies Gedicht dasjeuige astro- logische System darstellt, welches zu Augustus Zeit das herrschende, von Augustus selbst anerkannte war. Manilius dichtet nicht fiir die Menge, die materiellem Streben, schlaffem Genusse ergeben ist, soudern fiir die kleiue Schar, welcher vom Himmel der Zutritt zu den himm- lischen Pfaden gestattet ist (II 136ff.), d. h. fiir die hoheren Schichteu der romischen Gesellschaft, die Aristokratie der Stellung und des Geistes**), fiir die Kreise, bei deuen er Interesse fiir Wissenschaft und Phiiosophie voraussetzt.
Daher sein Streben, eineu Zusammenhang der Astrologie mit den Forderuugen der Wissenschaft festzuhalten. So sendet er dem Ganzen die populare Astrouomie im ersten Buche voraus, im An- schlusse an Eudoxus, Aratus und Posidonius, mit Ausschluss alles astrologischen Materials. Im astrologischen Teile (von Buch II au)
*) tjber seine Auffassuug des Augustus sowie seine politische Stellung vgl. Kraeraer, Ort und Zeit der Abfassung der Astronomica d. Manil. Frkf. a. M. S. 14 ff.
**) Vgl. Ribbeck, Gesch. d. rom. D. U 22.
legfc er, wo es geht, eiueii besouderen Wert auf die mathematische Forui astrologischer Berechuungen, indem er hiiufig die Forui der arithmetischou Eeihe (3, 275, 385 u. o.) anwendet, vielleicht nacli Hipparchs, sicher wohl nach Posidonius Vorgauge, dem aucli Cleomedes folgt. Dahin gehort die energische Verurteihing der gewohnlichen Methode, den Horoscopus zu bestimmen, bei welcher Tage und Xachte iiberall gleiche Dauer bekommen: eine Methode, welche nur fiir die Aquiuoktien dem Horoscopus und der Fortuna die richtige Stelle gibt, unter alleu iibrigen Zeichen aber ein falsches Himmclsbild (HI 209) und somit eine falsche Prophezeihung gewinnt. Dafiir emplioldt er (HI 385 ff'.) eiue ihm oigeutumliche Methode, fiir jede Polhohe Dauer der Tage und Nachte zu bestimmen. ■ — In Buch IV 585 ff. soll ge- lehrt werden, wie die Astrologie den Gestiruen eiue Herrscliaft iiber die einzelnen Lander zuteilt. Da erhalten wir zuvor eiue Choro- graphie, welche deu Lehren der wissenschaftlichen Erdkuude uach Posidouius solche Rechnung triigt, dass die nachtraglich als Herren der Erde aufgefiihrteii Tierkreisbilder nichts mehr zu besseru findeu uud mit kiihler Versicherung ihrer Wichtigkeit (807 — 817) abgespeist werden. — Die stoischen Physiker hatten es versucht, das Walten der Gestirne durch physikalische Vorgange zu erkliiren (tttcumqne temperatus sit aer — Cic. de diuiu. II 42, 39). Auch Manilius wendet das, aber sehr vorsichtig an: so soll die Dreieckseite die vom atherischeu Feuer durchhitzte Luft uuserer Atmosphare sicherer als die Quadratseite zufiihreu (II 352), uud die Wirkung der einzelnen Grade des Zodiacus beruht nach IV 498, 499 wesentlich auf atmo- spharischen Zustanden der Luft — Hitze, Kalte, Diirre, Nasse — eine Theorie, welche Ptolemaus ins Ungemessene ausspinnt. Endlich rechne ich hierher die wie zur Erholung nach den Lehren der GenethUalogie mit sichtlichem Behageu dargebotenen Digressioneu iiber die astronomische Bedeutung der Jahreswendepunkte (III 618 — 682) und iiber die ver- schiedene Lichtstarke der Fixsterne (V 711 — 745). Auch strebt er darnach, einzelne gar zu fremdartige astrologische Superstitiouen seiuen Landsleuten in einer annehmlicheren Forni vorzufiihren. So iiber- nimmt er die brieutalische Lehre vou den Dekanen (Buch IV 294 ff.). In der Sache stimmt er zu: der ausschliessliche Einfluss eines Ge- stirnes wiirde fiir alle unter ihm Geborenen die gleiche Prognose geben; daher miissen mitwirkeude, gleich berechtigte Kriifte gefunden werden. ludem nun Mauilius — und zwar er alleiu — jedem Tier- zeichen die beideu uachstfolgenden als Mitherrscher iu seiuem Gebiete
XI
zaweist, vermeidet ev die seehsimddreissig grossen Agyptischeii Gotter des machtigen Kouigs mid klugen Astronomen Necepso (Firmicus IV cap. 21) sowie die babylonische Verteilung des Zodiacus unter die sieben Planeteu (Firmicus II cap. 4 uud 6) — ilhnlich wie bei der Zwolftel- teilung in Buch II G97ff. Damit halt er nach Eudoxus Vorgange deu griechischeu Zodiacus reiu von fremdeu Eindringlingen und wahrt doch die Sache; aber er fiihlt auch, dass die agyptischen uud chal- diiischeu Lehren wenig salonfahig sein diirften. Anderswo leiht er seinen Stoffeu ein nationales Gewand. Man wolle z. B. die Tafel der zwolf Lebensaufgaben im dritteu Buche mit der bei Firmicus (II cap. 7) vergleichen. Bei Manilius finden wir spezifisch romische Aufgaben: militia (2), urhcmi lahores (3), iudicia, fortima fori (4), nohilitas (8) ; bei Firmicus keinc der Art. Auch unter den Charakteren der Cq)o:a findeu sich uationale. Dem Stiere leiht er die Ziige des Laudmanues aus der besten Zeit der Republik (IV 140 — 151); Erigone (IV 542 — 546) mag als Horoscop Numas gelteu, die Wage (IV 547—560) zeigt das des Augustus, der Scorpion (IV 555 ff'.) das des Romulus, der Centaur (IV 560ff.) das eines Hannibal. Reichliches Material zu ahnlichen Bemerkungen bietet naraentlich das funfte Buch.
An deuselben Kreis auserwahlter Leser wenden sich die Prooemien, Digressionen und Epiloge, iu welchen Mauilius das geo- zentrische Weltbild der Stoa nach Posidonius zu dem Erweise dar- stellt, dass die stoischen Satze iiber das Walten der Gottheit, das Schicksal und sein Verhaltnis zur menschlichen Freiheit, die Grenzen der menschlichen Erkenntnis, das Wesen des Menschen als Bild der Welt im kleinen u. a. m. sich mit den Lehren der Astrologie vereiuigen lassen.*) In dieseu Stellen zeigt er Warme und Schwung der Dar- stellung: die astrologischen Berechnungen behandelt er kiihl; mauche Theorien, z. B. die Unterordnung der Z,6^oiol unter die zwolf griechischen Gotter (II 433), die Verteilung der menschlichen Glieder unter die zwolf signa (II 453) uimmt er wie anderes ohne Bemerkung lediglich im Interesse der Vollstandigkeit auf.
Manilius hat sein Gedicht nach der Varus-Schlacht begounen und bei Lebzeiten des Kaisers Augustus mit dem fiinften Buche beeudet. Es liisst sich namlich nicht beweisen, dass irgend ein Vers desselbeu zur Zeit des Tiberius entstanden sei. Das Werk
*) Vgl. Boll, d. Erforschung der antiketi Astrologie. N. Jahrb. 1908,
