Chapter 27
VI. Paranatellonten der Erigone 251^ — ^271.
1. Coroua np 5°, Hipparch t tip 27 «, =c= ^V^^.
Manilius erwahnt (hier und I 321) nur den nordlichen Kranz (axecpavos '^opeioq 'Aptaovvji;) zwischen Ivyovaaiv und ^^obixiqq. Aratus und Hipparch haben die Sterne, nicht aber den Namen des siidlichen Kranzes (siidlich vom Schiitzen). Asclepiades erwahnt beide (axecpa-
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vocpopiaii; \ihy yap 6 axecpavoi; dp|i,6aec diirfte wegeii der Nachbarschaft der dpya) dem siidlichen Kranze eignen); beide auch die Teukros- texte. — Dem gemeingriechischen Sternhimmel eignet der Kranz ohne Tragerin (so Manilius I 321 nach Aratus) — die Erweiterung des Sternbildes durch Zufiigung ihrer friiheren Tragerin, der Ariadne, ist alexandrinischen Dichteru zuzuschreiben; Ariadne erscheint nun selbst am Himmel (Propert. III 17, 18 lyncihus ad caelum uecta Ariadna tuis). Anschaulich sagt 1 T. (Boll sph. 19): r\ 'Apidovr^ dvaxECfievT] lyoxioa. xr\v £U(i)VU|xov X^^P''^ ^"^"^ '^^l'^ xecpaXyjs xal 6 Gxicpa^^oq xYjs 'ApidSvrji; — die schlummernde Ariadne im Sternbild und der Krauz; diese Scheidung deutet darauf, dass der Kranz das urspriing- liche war. Dasselbe findet sich bei Mauilius (vgl. zu 254). Die Vermutung, dass Erigone selbst Tragerin des Kranzes sei, ist durch die Lage des Gestirnes ausgeschlossen (vgl. Boll sph. 275 ff. und Moeller stud. Man. 14 ff.). — Der astrologischen Deutung liegt eine Idee zugrunde, wie etwa im 2 T. L. (BoU sph. 50) xwfioug xip^eiq dveaiv — — oder bei Asclepiades spaaiatg xal YjouTtab-latv (2t)8. 269). — 251 tibi Bentl. statt ter (5° auch bei Firmicus; spica folgt bei 10°, daher hier 15° unmoglich). — 253 cara o weist auf V 21 caelestia dona hiu (Hygin. II 5 a Uulcano facta ex auro et Indicis geynmis, Ovid. Fast. III 514: gemmasque notiem transformet in ignes). — 254. 255 hinc dona puellae namque nitent; illinc oriens est ipsa puella; eiue beabsichtigte Scheidung: zuerst geht der Kranz auf, das Haupt- bild, danu seiue Tragerin. Puella ist beidemal Ariadne: hinc scil. a quinta parte Erigonae; illinc von ebeuda (bemerke namque au vierter Stelle!). — 256 ille colet: ille staud iu freierer Beziehung zu natis vs. 159. Hier ist eine solche Beziehung unmoglich, weil keine Klasse erwahut ist, zu der ille gehoren konnte. Daher: illa colet. Hier, wie so oft in lib. IV, schaft't das Gestirn selbst, was es durch seiue Schtitzliuge schaffen lasst: zunachst den Schmuckgarten mit Blumeuflor 256 — 59 — tyrias imitata ptapauera luces: 'der Mohn wetteifert mit des Purpurs Glanze', gauz wie I 416 squamea dispositis imitatur lumina fiamynis. — 260. 261 Daran schliesst sich ein Park: Geholz mit Laub verschiedener Farbe (caerideum uiridemue). caeru- leum foliis — dem dunkeln Laube tritt eutgegen das junge Griin des Gebiisches (germine aus m). Weder an oleae uoch an uites ist bei dem Luxusgarten zu denken; auch gramine (auf dem Hiigel) nicht zu brauchen, davon redet 261: ueris depifiget prata figuris: Rasen- stiicke gehoren zum Park. Figuris ueris soll heisseu pinget prata
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natiuis coloribus (Dufay); on embellira les prairies des couleurs les pliis uaturelles (Piugre): dabei ist weder figuris noch depinget erklart. Gemeint sind die durch Wege begrenzten Rasenstucke, welche geome- trische Figuren bilden. — 262 Sie lehrt Strausse und Kranze flechten, Abbilder des himmlischen Kranzes. In der hdschr. Uberlieferung scheint sidus aus einer Kandglosse eingedrungen zu sein: in 1 las ich: suo/ simi- lesque sidiis in (sic!); die coll. Vrat.: similesque in (ohne sidus); sidus behalt m aber vor similesque in. lch empfehle: suum simile = Hhr AbbihV. Simile als SubstantiTum, auch mit Attribut, ist haufig, z. B. Cic. Tusc. II 5 § 13: ut in eodem dmili uerser, oder aliud simile do. — 264 — 267 Sie lehrt ferner die Kuust, wohlriechende Essenzen und Salben aus Blumen und Blatteru zu bereiten. Daher empfehle ich: aut in mutua pressos erg. flores. — 265 Vgl. IV 655. 754. —
266 Vgl. IV 673 : odoratae spirant medicamina siluae. Medos flatus vgl. die Beschreibung des duftenden medischen felix malum: animas et olentia Medi ora fouent illo, der zum Mundwasser pp. gebraucht wird, nach Verg. Georg II 125 ff. medios o ist unbrauchbar. —
267 adulterio : 'durch den Zusatz ausliindischer Blatter und Wurzelu'.
— 268 Es fehlt ein Wort: Nur in p findet sich eine Ausfiillung: munditiisque simul cultusque artesque decori — — decori ist fest- zuhalten. Kiiuste der Toilette, Verschonerung des Lebens, Genuss des Augenblicks eignen der Trageriu des Krauzes und den Blumen des Kranzes. uirginis, uicht etwa der Erigone: denn das Zeichen des Tier- kreises mischt sich nirgends in den Eiufluss oder Bereich des einzelneu signum. Die Worte aduUerio und lenocinium deutet Firniicus pro captu suo: et qui stupra et adulteria latenter exercent etc.
2. Spica (axaxus) 271—293 np 10° (Hipparch t np 28») Stern erster Grosse im Ahrenbundel (spicum) in der linken Hand der np, im Verzeichnisse (Buch I), ais ein Teilbild der np nicht genannt; als solches aber ein consurgens, auvavaxeXXov im eigentlichen Siune. Der Einfluss der Ahre auf die bei ihrem Aufgange geborenen wird hier im Einklange mit den Andeutuugen bei Asclepiades (yewpyotg x6 apoxpov, 6 axa)(ug) uud 2 T. L. (eui^Yjviav %a,l ixXouxov) geschildert. — 272 feret: sie zeigt die Grannen, welche die edle Frucht (corpus) schiitzen: praestans stait praesens (o) und uallantis (m), jeues nach Cic. Arat. 101 spicum illustre., dies im Auklange an Cic. Cato m. § 51: frugem — contra (luiicm minormn morsus muniiur uallo aristarum (so auch Bechert).
— 273 Von ingenerat hangen ab studium und artes (280) und die als Appositiou hiuzutretenden Infinitive. — 274 Mit fenus und usura
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anklingend an Cic. Cato m. 51. nec unqiiam sine usura reddit quod accepit — plerumque maiore cmn fenore. — 277 — 279 Langere Pareuthese. — 279 beaustandet Bentl.: diues erat, inquiunt, pro esset. Recte, sed noster, cum semel dixisset: forent (278), non recte suhiunxisset : erat. Aber der Satz geliort nicht zur hypQthetischen Periode, ist ganz selbstandig: damals, als man Edelmetalle uoch nicht kanute, hatte die Erde Reichtum, weil alle befriedigt waren. — 280 nimmt die Konstruktion wieder auf. tardauerit intr. „wenn die Feldarbeit stockt", wendet man sich zu anderen Kiinsten, Miillerei, Backerei, die auch der Ceres dienen. — 286 'Kammern und Scheuern bietet die Ahre der Frucht': aber die Betrachtung ihres kunstvollen Baues (structo similis componitur ordo nach Cic. Cato m. 1. 1. frugem spici ordine structam) — leitet zu Hoberem als zum Baue vou Scheuern: sie regt einen Kiinstler au, die iu Felder geteilte Decke im Kuppelbau des Tempels auszufuhren (sculpentem und tecti auro deutet auf die Yerzierungen der Kassetteu hin). Manilius diirfte auf die Bauten Agrippas hinweisen. — 293 uescimur auro: der Luxus der triclinia wird gezeichnet. Durch die vou Scaliger beliebte Um- stelluug der Yerse 289 — 293 hinter v. 509, welche bereits Huet als uuberechtigt erwiesen hat, werden die Yerse 286 — 288 sinnlos. Fir- micus schliesst allerdings mit 285 ab: pistores, dulciarios, conditores et his similes uiros.
YIL Paranatellouten zu chelae 294 — 337. L Sagitta 294—311 ^ 8°. Hipparch t ^ 5« — ^ ^V^"- Die Deutung bei Asclepiades: axovxiaxar; d -o^c-ctjC 6 dVaid? "f] y.ot.lrdc — 2 T. uud Antiochus erwahuen deu Pfeil nicht (vielleicht als av.tc?) uud die Sterusage bietet wenig: so beschriinkt sich Mauil. auf Deutuug des Namens und fiihrt drei beriihmte Schiitzen an, fur welche der Pfeil (sidusue genusue) horoscopus sein miisste. — 296 ccda- mum Pfeil aus Rohr — glelas 'Kiigelu aus Ton' — uirgis eutweder die aus Biuseu oder Kuten gefiochtene Schleuder oder eiu zum Auf- nehmen der Kugel eingerichteter Schleuderstock. — 301. 302 feloque Scal. — 302 ist wegen der Concinnitat zu halten. Ich lese mittehat saeuos ignes qui mille carinis. — 303 Jacob hiilt hellum fest, sortem hellumque sei = helli sortem; sehr gezwungen; es ist mit Bentl. hellique zu leseu. — 304 suhsederat: vgl. Icfeopc; b. Soph. Aiax 606. — 305 Beriihmter Pfeilschuss des Cretenser Alcon, wieder beschrieben bei Yaler. Fl. I 399: nam lapsus ah arhore pastum ter quater ardenti tergo circumuenit anguis: stat prociil intendens duhium pater anxius
Buch 5, 312-325. 161
arcum vgl. Scal. — aber merkwiirdig: serpentem somnumque (so- numque o) animamque bibentem. Dufay und Pingre iibersetzen san- guinem et quietem — le sang et la vie — aber somnum heisst das doch nicht. sucum ist von Immisch bei Bechert vorgeschlagen. Ich empfehle sanguen statt des hdschr. sonum einzusetzen. Archaistisches sanguen ist gesichert bei Lucrez I 837, 860, auch wohl 853 — sonstiges Vor- kommen zeigt Neue I 243. Diese Heteroklisie ist neben ambagine und alituum wohl zu dulden.
2. haedus 312—324. Das Sterubild fehlt bei Aratus und As- clepiades: als a\)'joi'^axilloy zur :^ findet es sich in TR. : xou xpayou XYj? So)S£-/cawpou, bei Firmicus zu =o= 15^ Qiaedus im sing. statt haedi bei Hor. carm. III 1. 28 arcturi cadentis impetus aut orientis Jiaedi und ofter: Stellen bei Moeller Stud. Man. 37 Anm. 11). Hier handelt es sich nicht etwa um einen der vs. 103 besprochenen haedi (so Huet). Sondern Manilius fiigt hier ein der griechischen Sphiire uicht an- gehoriges Sternbild ein: der Bock ist ein Tierzeichen in der baby- lonischen Zv*'olftierreihe (SwoExawpog) : er folgt dabei einer uns uu- bekannten Quelle; ihm Firmicus, der selbstaudig 15 o der :^ hinzu- setzt (hieriiber s. Boll Sph. 295 ff-). — Weder Sternbild noch Sternsage gewahrte dem Dicliter eineu Anhalt fiir seine astrologische Deutung; so bewegt er sich frei, und Firmicus hinkt ihm nach.
312 imjjrouidus — unvorsichtig getrennt von seinen Briiderii (Iptcpoi, der Herde) irrt er in fernen Himmelsgegenden (astris), longo interiiaUo ]3roduciiur: sie sind ihm um deu halbeu Himmel voraus. Er schafiPt unermiidliche Beamte des Staats: cognitores urbis (m), ecdici, Vertreter des Staatsinteresses: iUo coram ist frei angeschlosseu an soUertis animos: er sorgt bei deu Zwangsversteigerungen fiir Bieter, tritt bei Zwangsverkaufen als Kaufer (sector) auf ; als Staatsanwalt sorgt er durch Anklage, dass der Schuldige der Strafe nicht eutgehe (wobei er als quadruplator sein Geschaft macht). — 322 Wie IV 150 schliesst das Charakterbild mit einer leuis nota: lasciuit amores (nach 1 und m), mobiUs in saUus (Firmicus : ad saUandum aptus) ; scenae moUior arte, recht empfiinglich fiir das Schauspiel.
3. lyra 325—339. ^ 26« Hipparch t rtl ^Vo^ — Hl IS^. Bei Firmicus fehlt der Abschnitt, dafur hat er Cap. 15 die lyra,
wo Manilius fidis sidera behandelt. — Der Grad des Aufganges fehlt, er findet sich erst zum Schlusse in den verworrenen Versen: hinc distante lyra cum pars uicesima sexta chelarum surget, quae cornua ducet ad astra. Das nach Scal. und Bentl. unverstandliche distante
Maniliiis. II. 11
162 Buch 5, 326-345.
sucht Dufay zu erklaren: hinc, i. e. ex octauo (!) lihrae gradu (294) suhlata (!) lihra acl 26^. gradum, qua parte oriuntur et cornua lihrae, cuius apotelesmata (!) non memorat et (!) aram exoriri; ahnlich Jacob: testudo prius quam cornua conspicitur, sie ziehen also die beiden Verse zum folgenden. Pingre schreibt: sic dictante lyra (= talis effinget crater in 250): immer bleibt der Anstoss, dass der Grad des Aufganges erst zum Schlusse angegeben ist; der Zusatz: quae cornua dueit in astra ist recht miissig (Wiederhohmg aus I 324 diductis cornihus inter siderd). Scaliger stellte bereits um, setzte die Grad- bestimmung chelarum pp. hinter 320; ich nehme an, dass auch 338 an den Anfang zu treten hat, und schreibe: hinc nascente lyra cum pars uicesima sexta chelarum surget testudinis enatat undis, und halte mit Bentl. den Schluss fiir unecht. Fiir das apotelesma folgt Mauilius dem Winke des Asclepiades: jjLOuar/>oT; fj Xupa. — 326 per heredem: sei es Mercurius oder Orpheus, oder kurzweg jeder \xouoiv.6c, (ille heisst er in 333). — 327 feris statt ferens mit Bentley; somnumque nach m, notig wegen des Parallelismus der Glieder. — - 329 morti finem: Orpheus fiihrt Eurydice zu neuem Leben. — 330 Gesang uud musikalische Instrumente: mit Recht setzt Pingre statt horeaeque (Igc) und horeaeque m chordae ein (= lyra uud cithara). — 333 Seine Klange beim Mahle halten die Gaste bis zum Morgen fest (Hor. III 31
