NOL
Astronomicon

Chapter 26

V. Paranatellonten zu ^ 206 — 250.

1. canis maior (206—233) Q, P (Hipparch + 6p 15» — — 206 in uastos surget hiatus. ^ geht (rectis memhris) so auf, dass er zuerst den gahnenden Rachen zeigt (surget o — aber dem Zu- sammenhang ist sirrgit angemessen). — 207 exoriturque canis latratque canicula flammas Qme — que bei paralleleu Gliedern vgl. 554): es geht das Sternbild des Hundes (canis) auf, damit auch sein Teilbild, canicula, Sirius (Steru erster Grosse im Maule des Hundes). Canicula heisst auch das ganze Sternbild, z. B. I 396; ahnlich wie iugulae fiir Orion steht. Hier aber soll die Ghit der Hundstage besonders hervorgehoben werden. — latrat flammas — von Germanicus nach- geahmt: ore uomit flammas (134). — 208 rahit vgl. zu IV 461. — 210 fatum supremum sortiiur : 'bestimmt sich' (Hindeutung auf die stoische E^uupwai?). — 212 uiridis sanguis bildlich wie II 941. — 217 tmo ceu sunt in flumine 0. Der Vers stellt das Bild fest und schliesst es ab: es ist der Gipfel der Glut — daher andere ich fulmine (ceu hier Adverbium). — 218 — 230 Die astrologische Deutung sieht zunachst von der Sternsage und dem Sternbild ab und deutet nur die Wirkung der Sommerglut auf die unter ihm geborenen an. — 218 per proximas o
156 Buch 5, 219-234.
extulit oras; ein bestimmter Grad des ^ war noch nicht genannt (Fir- micus: in prima parte Q oritur\ daher lese ich: per jJriinas extulit oras
— 219 Die Liicke in Ij nascentem quam fiillen Ugc durch si quem, m durch quam nec aus. — restinxerit g und 1 nach coll. Vrat.; ich fand in 1 restrinxerit^ was auch m bietet. Hiernach lese ich: na- scentum quam nec — restinxerii : [caniculaj, sie, welche bei ihrem Aufgange selbst die Flut des Meeres nicht dampfen kounte — wird uugebandigte Charaktere bilden. — 221 irarumque dahit fietus (o). fl^ictus empfiehlt man durch Hinweis auf Vergil. XH 831, der selbst Lucrez folgt: uoluere fluctus irarum in pectore VI 34; VI 76; capere fluctus irarum in pectore III 299) aber uoluere in pectore ist ein ganz verschiedenes Bild (ein opy^ OTisp^siv). Hier ist es das Heulen vor Wut (fletus canini), das Hass und Furcht in der Nachbarschaft wirkt.
— 222 procurrunt (nach ra) uerha: 'Worte sprudeln hervor': aber bevor er spricht, sieht man seine Erregung (animus). — 224 corda micant: das Herz klopft bei geringem Anlasse (Ovid. Fast. III 330 corda micant regis; Firmicus diesmal richtig: cor liaheat crehris agi- tationihus palpans). — latratque loquendo: das Bild des wiitenden Huudes wird festgehalten, auch in 225: dentes in uoce relidit. relinquit oder reliquit dentes in uoce ist verschieden erklart. Scal. (mit Fir- micus) ut dentes quatiant aut attritos semper exacuant; Stoeber dentes ani^nis imprimit ioquendo; Pingre: ne peut achever son discours; Jacob schliigt vor uoces in dente relinquit (?). Der Fehler steckt in reliquit. Die Wirkung der morsus crehri ist, dass er beini Reden mit den Zahnen knirscht; daher lese ich dentes in uoce relidit ('lasst ertoneu'). — 228 nec siliias rupesque (m) timent: damit kehrt Manil. zuriick zur Sternsage, in der der Huud mit dem grossen Jager Orion verbunden erscheint, 7,uvrjY&r? 6 xuwv sagt Asclepiades, er briugt gewaltige Jiiger, die nun ihre Leidenschaft (flammas) iu geselzlicher Weise befriedigen (c-oncesso in corpore m, im Gegensatze zu dem odiumque metumque totius uulgi 221). — 231 Zum Schlusse Hinweis auf das Sternbild selbst: der Hund mochte den Hasen unter dem Orion ergreifen. Hierher setzt Bentl. den dort verdachtigen Vers aus I 435: intentans morsum, similis iam icmique tenenti.
2. Der Becher 234—250. tip lOVg^) vox6\>£v. Von den drei gewohnlich zusammen genannten Sternbildern, Hydra, Rabe, Becher (Jiydra in qua coruus insidere et crater positus existimatur — Hygin. II 40; Manil. I 415flF.) wird hier nur das letzte behandelt. Die Charakteristik bei 2 T. L.:
Buch 5, 235-251, 157
6 ecpeattog xopa^ -/,al 6 xpaxYjp TrpoYVWoiv, auyxpaatav epywv — passt nur auf den Raben. Die Sternsage bietet weuig. Aber euwyjaic 6 v.p fassung des Dichters vom crater gratus laccho — daher Schilderung des Weinbaues, Weingenusses, Weinhandels. — 235 crater in der griech. Form gesichert 1218 uud Y 250 (die Varianten konnten vielleicht auf eiu creter deuten); caelatus ah astris: 'comme ciselee par Teclat des etoiles' Piugre. — 238 Drei Formen der Weinpflanzung: arhusta 238. 239, Spalierbildung 240, Stiitzung durch Pfahle 241 und 242. — 238 te Bacclie tuos nuhentem iunget ad ulmos zwei berechnete Wider- spriiche in nuhentem und tuos ulmos — letzteres nach Catull. 1. XII 54 et si forte eaclemst ulmo coniuncta marito (vgl. Ellis N. M. 175); tuos bieten Igc; tuas in m diirfte Korrektur seiu. — 239 disponetque iugis: die stutzenden Baume mancherlei Art (Plin. N. H. 17, 23) sind in angemessenen Zwischenraumeu an den Hangen gepflanzt; sie er- scheinen nach aussen als Reiheu (fronte m fronde w; aber auf das Laub kommt es hier nicht an, fronde ist auch nirgends erkliirt; choreas findet sich nur noch I 671). — 240. 241 Spalierbildung, ohue besondere Stiitze: teque tihi credet — Bacchus also soll sich auf sich verlassen. Endlich die einzelnen Weinstocke (surculi a sua matrice resecti sagt Dufay), an Pfahle (calami) gebunden, da- zwischeu Gartenfrucht. Aber das a matre resectum duldet kein miissiges semper; fordert vielmehr Bentleys kiihne Metapher: Semele- qite a matre resectum. — 244 nec parce uina recepta hauriet e mustis (so Vollmer statt des sinnloseu emiseris): der Weinbauer keltert und trinkt. Verbinde: nec imrce hauriet uina e mustis recepta — fouetur 0, das notige Futurum fruetur stellte Scal. her. — 247 Er ist auch Weinhaudler: annua uota vgl. IV 398 ff. Seiu Jahresgewinn darf nicht blos von dem Ertrag des Bodens abhangen; aus der Kreszenz inuss er einen Gewiun ziehen (vgl.: supplicium uectigal crit V 628), muss sich nach Ware umsehen (sequetiir wie oben 236), besonders nach feuchter ('qui doivent a Teau leur production et leur accroisse- ment' Pingre).