Chapter 22
I. Paranatellonten des T (32—105).
1. Argo, pars 4^. — Die Sternsage {nec p^lle inmunis ab ipsa, 'nicht ohne Gegeuleistung' wie nec sunt inmunia tanta IV 393, — uertere lolcon: 'Medea iibertragt magische Kiinste von Colchis nach lolcus', — uisere in ni entstand aus uestre 1, verleitet deu Dichter, die Argo zum Widder zu setzen (argo gelit uach Hipparch auf
— =G= 3^0°) und uicinam zu nenueu. — 37 a dextri lateris regione: Huet: ait ariefem ducere Argo a regione dextri lateris, intellige dextrum latus Argus; aries enim horeator cst naui. — ductat niit Immisch.
— 40 illa niit Bentl.: Beruf der unter ihr Geborenen: Asclepiades: a.f^\i6oti 7] 6' 'Apyw 'KXoi^oiaiyoK;', 2 Teukros L: [o-qloi] vautag vauayou?
— sie bringt Seefahrer — Manilius bleibt damit bei der Argonauten- gao-e — neue Minyer (Bentl. Minyas statt menscs o, gestiitzt durch Phasin und Tiphyn, nach Vergil. eclog. IV 65: alter erit tum Tiplnjs et altera quae uehit argo delectos heroas; das sind aber die Minyer).
— 45 uolet superare Tiphyn in cautes trementem, wie in hellum ardentis IV 220. — 46 toUe istos ortus hominum: auf ortiis g weist avLch portus Ini hin: vgl. II 239 nec capit aut captos effundit aquarius ortus. Die Beweisfiihrung ist, wie in IV 23 (an nisi fata darent); von deu Aufgaugen der argo datieren die grossteu Ereignisse zur See (Aulis, Scdamis, Syracusae, Punica rostra, Actium), weit hergeholt, nach jener beliebten Beweisform der Riietorik, welche Cic. ad Heren- nium II 22 nur den Poeten gestattet: ne Ennium et ceteros poetas imitemur^ quihus hoc modo loqni concessum est: utinam ne in nemore Felio securihus caesa occidisset ahiegna ad terram trahes (sc. Argo).
— 50 uera Syracusis Salamis non merget Athenas (tdra m uera w): dem Dichter schwebteu Stelleu vor wie Cic. Her. I § 116 anfe enim Salamina ipsam Neptunus ohruet quam Salaminii tropaei memoriam, oder iu Verrem \ 98: in hoc portu Atheniensium nobilitatis, imperii, gloriae naufragium factum existimcdur, wahrend Silius XIV 282 (mersasque impiine profundo clade — Athenas) ihn genau nach- ahmt. Ein ueram Salamina hat Lucau III 183: tresque petant ueram credi Salamina carinae: 'die verarmten Athener wiinschen, dass die
Buch 5, 52-73. 149
niit Muhe beschaffteu drei Hiilfsschiffe so augesehen werdeu mochten, als seien sie die wirkliche alte, bei Salamis siegreiche Flotte. Hier aber ist auszudriicken, dass die bei Salamis erruugene Seeherrschaft bei Syracus scheiterte, uud iufolge desseu Atheus Macht scheiterte (vgl. Rossbach uud Jeua). I)as meiut Jacob mit uicta\ Mau bleibe im Bilde und setze mersa Syraeusis Salamis non merget Athenas. Die Wiederholuug desselbeu Wortes liebt Mauilius, vgl. I 775 dam- natusque suas melius damnauit Athemas, HI 16 uictam quia uicerat urhem. — 52 Actiacosue (Beutl.) — caeli fortuna natdbit nach I 918: Isiaco certarunt fulmina sistro.
2. 58 — Q6 Orion p. 10*^, (decuma uach den Spuren in 1 uud m. Dieselbe Angabe macht Firmicus, der freilich auch das Schiff unter p. IQO ohne Angabe, ob von liuks oder rechts, setzt, uud so uuent- schieden lasst, wie er vs. 37 a dextri lateris regione aufgefasst hat) voToS-sv. Das pomphaft eingefiihrte Sternbild {caelumque trahente wie I 305, das wie der Mond leuchtet — nox contrahit alas wie Y 724 ff.), der mit Szepter und Schwert geriistete Oriou (ensiferi nimium fulget latus Orionis im Horoscop des Nigidius bei Lucan I 639 — 672) bildet hier den strebsameu, schnellfiissigen, auf Dienstleistuug bedachten Klieuten und Parasiten, Hausfreund iiberall, befiisseu, an jeder Schwelle untertauigen guteu Morgen zu wiinscheu. Das hiibsche Lebensbild aus Rom passt zam Orion ebeusoweuig wie dessen Stelluug zum Widder (uach Arat. und Hygin. gehort er zum 6p, uach Hipparch t y 27V.3^ — @ 3^ zum Stier uach 2 T. Pa.). Nach Boll liegt eiu Verseheu des Dichters vor, der hier den Perseus einsetzen wollte (apjjLoast oy][j,oa{oi; — ■ den Stadtdienern nach Asclepiades), zumal Orion weiter uuten 175 ff. nochmals unter dem Sterubilde iugulae (vgl. Huet zu vs. 175) richtig behandelt w^ird. Ob hier etwa die agyptische Auf- fassung des Oriou als Osiris mit dem Schiffe sich eingedraugt hat? — 64 instar erit populi, totaque hahitahit in urhe: er vervielfaltigt sich gleichsam; iiberall sieht mau ihn, er tut iiberall wie zu Hause: das verballhornt Firmicus: lii enim uariahunt sae^^e domicilia et domos sedesque mutahunt.
3. Heuiochus v. 69 p. 15« poppo^sv (Hipparch I K lOV^^ bis y 15^2*^), nach 2 Teukros P.: ■fjvwyo; £7:1 apjjiaTO? ^^jvioyou; ir^iQ-fi^xQxtc,. Als erster agitator — Wagen- und Rosselenker — gilt iu der Stern- sage Erichthonius (Hygin. H 47), der Erfinder des Yiergespannes. Er verleiht proprium studium caeloque retentas artes den uuter ihm Geboreneu {retentas nach 1 u. m). — 73 — 75 Pruukfahrt {torto uach m)
150 Buch 5, 76-101.
stringere gyro 'straff anziehen bei Schwenkungen'. — 76 — 84 Wett- fahrt im Zirkus. — ot cimi: m hat \\denm, das deutet auf sed cum — fugerunt: exierunt extra claustra. — 77 Im Gegensatz zu stare leui curru und moderanfem gilt es nun: exagitare feros und pronum anteire (dreisilbig) ; weil vorgebeugt, eilt er gleichsam seinen Rossen vorauf. — 79 und 82. Zwei Tricks des Zirkus: der fiihrende Wagen versperrt den folgenden den Weg (81); ein Wagen in der Mitte bricht nach rechts aus oder drangt sich nach links: im ersten Falle entschadigt die freiere Bewegung fiir den Umweg, im zweiten ist die Ktirzung des Weges ihm die Hauptsache: fidentem campo ire und fidentem meta acuta currere: (die Zielsaule mit den scharfen Ecken ist links von den Fahrenden). — 84 siih extremo — casu — noch im letzten Augenblicke = bis zuletzt. — 85 Der Kunstreiter, der auf zwei Pferden (alterno dorso) voltigiert (desuUor). — 87 Alteste Uberlieferung zeigt m: per quo Idbite quos; g und l^: per quos lahit equos: uadit in c ist Korrektur aus l^. Das fiihrt aui perque uolahit equos, ludet per terga uolantum. Die Wiederholung uolahit und uolantum ist Manilianisch, vgl. zu 50. — 88. 89 arma mouehit: Waffen schwenken — leget fiir licef o schrieb Turnebus: als Sieger im Wettrennen (per cursum m). — 90 Zusammenfassend: hahehit erg. heniochus nach vs. 71. — 91 — 100 Aus der Sage werden zwei ■fl^^ioyoi iTzia'q\ioi angefiihrt: Salmoneus, dem eine lange Parenthese gewidmet ist. — 91 imitatus (1 und m) in urhe (m): letztere nach
Vergil. Aen. YI 588 mediaequc per Elidis urhem ihat ouans et
non imitahile fulmen aerc et cornipedum piilsu simularet equorum. — orhe (1) — aber fiir die Briicke und den Eisenweg bedarf es einer bestimmteren Ortlichkeit. — 94 dum statt deo Is. Voss. — 95 Zu sensit erganze fuhnina. — inmensos o ignes mochte ich nicht iindern: es steht im Gegensatze zu des Salmoneus faces nec fumea taedis lumina (Vergil.). — morte: mit dem Blitze fahrt er in den Abgrund. — 97 ff. Sodann Bellerophon als Reiter des Pegasus — suh pedihus (wie 79) erg. Pegasi. — non ulla tulit uestigia cursus m cursu gl campum c. Bentl. anderte cursor: Nach I 657 sed quaecumque tiagae tulerint uestigia plantae nehme ich als Subjekt zu tulit Pegasus oder Belle- rophon und schreibe cursu. — 101 His erit heniochi surgens tibi forma notanda: die Hdschr. haben: chianda 1 conanda gm canenda cpM cauenda F; cauenda und canenda sind mit fihi nicht zu ver- einigen: der Leser braucht das Geschick Bellerophons uicht zu fiirchten (Dufay), noch hat er deu heniochus zu besingen. Bentl. setzt nofanda.
Buch 5, 103-119. 151
his 0 (vorgeschlagen ist dafiir hic und haec): der Sinn ist: fiir solche Manner geht dies Gestirn auf, das merke dir. — his Dativ. Vielleicht ist sic — tenenda zu lesen. — Firmicus macht aus dem Reiter einen Clown (qui saltu quadrigas transeat) — seinen Gewahrsmanu Manilius zitiert er so: hoc astro Salmoneus et Bellerophontes a priscis auctorihus nati esse narrantur.
4. haedi — 103 — pars 20 — eptcpot, 3 Sterne in der linken Hand des heniochus (Hipp. ed. Manit. 164, 4), mit capra verbunden bei Manilius I 365; nach Hygin. H 131 mit ihr unter die Gestirne versetzt; zum zpco? stellt sie exc. I im Barocc. (BoU Sph. 465); Asclepiades sagt: amoXotc; yj al^ xal ol eptcpot. Die Sternsage begniigt sich mit kurzer Erwahnung, daher hatte Manil. freieste Bewegung. — 103 tremidum — mentum vgl. I 845. — 105 dexter boreas: bis in idem (Popp6i)-£v). — ne crede nach m (fiir nec sehe ich keine Griinde). — 106 signi o. Leistungen ernster Art eignen diesem Gestirn nicht: erwarte nicht Manner mit dem unbeugsamen Sinn eines Cato (strictos in corda wie in cornua tortits; Catonis hat auch Firmicus: ita ut Catonis histitutum imifari uideantur). — 107 Torquatus, deu derVater dem Henker iiberliefert, Horatius, der seine Schwester totet. — ab- reptumque Bentl. ahruptumque bieten Igm ahruptamque c (daraus entsteht endlich in M: aut Brutum atque parem Tarquinum); ab- ruptus und abreptus werden in Hdschr. vertauscht, vgl. zu HI 352. 355; fiir abruptumque spricht Moeller Stud. Man. pag. 16, Ellis n. M. pag. 95. — 108 sigito ist Ablativ. — 109 lasciua signant pectora: Die leichtfertigen Bockchen schafPen leichtfertige Menschen. — 112 libido impeUit erg. in uulnus: zum Kampfe. — 114 qnia crimine uictum erg. cecidisse: sehr kurz ausgedriickt: 'das Unterliegen ist das geringste Ubel — Ubel ist das Unterliegen niit der Schande des Verbrechens' (junge Hdschr. haben sed fiir quia). — 115 Beruf der Geboreuen: pastorem suum generant: zu den epicpoo gehort ein ca- prarius: die siebenrohrige Hirtenpfeife ist ihre Gabe. — 117 et uoces alterna per oscida ducat: zu ducat erg. ein qui aus cui in 116, vgl. Housman I 136. oscitla sind die Mundstiicke der Schaferflote, denen abwechselnd der Hirt Tone entlockt. — Aus Firmicus merke: 1. er kennt einen haedus quem fert auriga; 2. aus ne crede macht er: aliud fronte pollicentur, aliud latenter iti morihus celant: 3. aus turpisque emitur uel morte uoluptas schliesst er: mortem sihi inferre coguntur; 4. die haedi schaffen ouium (!) pastores.
5. hyades 119 p. 27^. — Die Hyaden gehoren unter ^ ; trennen
152 Buch 5, 119-135.
hier seltsamlich die Bockchen von der Ziege, wie sie selbst von den Pleiaden getrennt erscheinen. Asclepiades erwahut sie nicht, der 2 T. kennt sie: xaOpq) etac, ^' Oaosc; '^poyjcc, uopaYwyou; ireptyu-a?; folgt also der Ableitung von uecv (vgl. Cic. d. N. D. II 40, 111 liyadas a pluendo: ustv enim est ]jluere. nostri imperife sucidas quasi a subus essent, non ah imhrihus nominatae'), wahrend Manilius die von Cicero getadelte Ab- leitung befolgt. Dass er aber die Hyaden friiher aufgehen lasst, als die in Wirklichkeit ihm vorangehenden Pleiaden (vgl. I 371) erklart Boll (Sph. 388) durch die vollige Gleichgiiltigkeit des Dichters gegen die astronomischen Tatsachen. — 119 Die unter den Hyaden ge- borenen sind die uuruhigen Elemente im Staate. — Secession (daher rarosqite Qiiirites'), Aufruhr (^pacis hella wie funera pacis I 895), wollen sie, geben steten Anlass zur Besorgnis (curae alimenta): — 125 Der spezielle Beruf der geborenen ergibt sich aus dem Namen (suculae). 6. Capella 125 pars 30. Mauilius verwertet je uach Bedarf seiner Charakterschilderungen die Sternsage oder das Sternbild. Olenie ist eine der beiden Tochter (Aega und Helice) des Olenus (Hygin. H 13), der Pflegerinnen und Hiiterinnen des von Rhea ihnen anvertrauten Zeusknaben, aber iu seruans praegressos toUitur haedos tritt das Sternbild, die Ziege, vor, und so wechselt er weiter. — 133 fundamenta allein entbehrt jeder Beziehuug; ich empfehle in 132 tonandi (nach I 368: crescens ad fulmina uAmque tonandi) zu schreiben. — 135 Treffende Charakteristik der Pflegerinnen: fidae mentes (das beneficium matris wird belohnt Hygin. II 13) treme- hundaque corda suspensa ad strepitus (aus suspensas trepitus^ vgl. Livius V 47 sollicitum animal ad nocturnos strepitus), uud dann eine levis macida: his etiam etc. (tamcn ist nicht geniigend bezeugt) die Neugierde, welche auch den Ziegen eignen soll. Unverstaudlich ist aber per noctes. Er ist wohl aus pernices korrumpiert. — Den vs. 131 beanstande ich mit Bentley. stellata heisst entweder 'mit Sternen besetzt' (I 679) oder im Gegensatz zu seiner irdisclien Existenz unter die Sterne versetzt (I 341 nunc quoque diductas uolitat steUatus in alas, auch Y 24) beides passt nicht her; ferner gebraucht Manil. egelidus sonst nicht; sodann ist die wunderlich weitschweifige Angabe bei der capella iiberfliissig, weil sie schon fiir die haedi gemacht war (vs. 105 qua dexter horeas spirat). Endlich fehlt diese Angabe bei Firmicus, wahrend er eben noch wortlich abschreibt: in V parte 30, quae pars totum signum supra terram semper ostendJt — auch bei Orion, auriga, haedus die betreffende Augabe wiederholt hatte.
Biich 5, 140-165. 153
