Chapter 19
L. Tarutius Firmanus (Cic. de diuin. II 37. 98 familiaris noster) er-
wahnt die Finsternis im Horoskop der Stadt nicht. Die astrologische Beobachtung bleibt bestehen, Ptolemaus behandelt sie sehr genau (Bouche-Leclercq pag. 368 ff.). Nach ihm wirkt die Finsternis auf die ^wSta und die Planeten, die in den ^wSia Sitz haben, ein. In- folge der Beschrankung, die Manilius sich auferlegt, darf er nur die C(})5ta herauzieheu; und so wird seine Theorie fiir den Astrologen wertlos, weil dieser hauptsachlich mit den Planeten operiert. — 818 perdpe nunc etiam: 'noch zum Schlusse'. — quae sint eclipiica Oraio nomine: (^wSta ist aus dem Zusammenhange zu erganzen. Das grie- chische Wort wird vermerkt und iibersetzt: delassata und cessant. Aber bevor Manil. zur Sache kommt, namlich v. 839: sic tempore certo signa amittunt uires sumuntque receptas, bietet er Analogien fiir solchen Wechsel. — 823 diu o. suh diu hat man (vgl. Lachmann- Lucrez 4, 251); hier empfiehlt sich, die mit Bentl. parallel zu per annos zu setzen. — 824 fecunda suis subsistunt frugihus arua: sub- sistunt = delassata cessant, so II 796 qua defessus equis Phoehus subsistit anhelis. — 828 fP. Erdbeben mit Flutwelle. — 830. 831 uenit oceanus — resoluit o. Die Metapher natat orhis in ipso wird weiter- gefiihrt: die Erde erscheint als Ozean, gierig trinkt sie den Pontus aus (resoluit)., ohne sich sattigen zu konnen Qapit wie IV 540). ■ — 831 urbe ist die alteste Uberlieferung, in 1 scheint wrJe/ korrigiert aus urhe {urhes liest Yrat. und so hat c, wahrend m urbe behalt, demnach halte ich urhes wobei orbis Subjekt bleibt), orhem folgt gleich 833. — 841 Jetzt kommt er auf die Sache zuriick: die i^([)5ta. iu welchen eine Mondfinsternis (ExXsttj^t?) eintritt, werden ahnlich be- einflusst. — 844 ad o. Mit Delia wird luna aus 841 wieder auf- genommen (wie aquarius in 799 eintrat). — 846 Diese uwSta ver- lieren also ihr Licht, gehen in Trauer (lugent)., gebiickt, wie beim Ijeichenbegangnisse der Phoebe. — 848 titulos o. Halt mau dies, so wird man sich fur ipsa entscheiden und den Dichter von der in den Text eingeschlichenen Randglosse causae ecliptica signa dixere antiqui befreien. — 849 Nun sollen aber immer zwei ^wbia in Mitleidenschaft kommen, weil sie ebenfalls in Opposition stehen. Die Schwiichung dieser Gestirne dauert aber langer als die Mondfinsternis (851. 852), ja wohl iiber eiu Jahr (Phoeheia tempora 856), und dann iibertragt sich die Schwachung auf die beiden Nachbargestirne, z. B. von V und ^ iibertragt sie sich auf K und np. — 861 K prius in terras
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xteniunt quam y, np p'ius terras relinquunt guam ^, sind also sidera dextra. — 862 sidereo etc: Scal.: non quidam ut terra aduersetur caelo, und Pingre: 'en tout ceci la terre ne contrarie pas le ciel": beide lesen orbi und iibersetzen dies durch 'Erde'. Aber 1. orbis heisst bei Manil. Erdball, wenn der Gegensatz zu caelum oder pontus ausgedruckt oder selbstverstjindlich ist. 2. hier ist von der Erde gar keine Rede, sondern von dem orhis signorum, dem Zodiacus, und dieser soll dem sidereus orbis folgen, der sich um die Weltachse dreht nach I 281 (vgl. I 330 inmensum mundi reuolubilis orbem')\ hier: qua mundus agit cursus. Halt man nun orbi (o), so muss man zu contrarius in 862 und et ijjse in 863 doch ein orbis erganzen. Das leichtere ist wohl orbis einzusetzen. — 865 locus — sedes signormn.
— Damit schliesat Manil. seine Lehre vom Wesen der aoSia. Oben war ihre Gewalt als eine geteilte bezeichnet, hier wird sie zeitweilig fiir je zwei ganzlich aufgehoben. In diesem Sinne kommt ecliptica signa sonst nicht vor. Ahnlich, aber recht unbestimmt ist, was Scalig. aus Ptolemaus anfiihrt. — xolq x6 alttov £[X7co:Yjaaat xwv xao^oXixwv au[ji7ixw[jLax(DV, xoOx' iazi xoic k7JXenzz'.v.oXc. yj y.ai xot; xowuxwv oiafJLexpotc.
866 — 935 Den Schluss des Buches bildet ein Stiick stoischer Anthropologie. Ein fingierter Einwaud weist auf die Einleitung zuriick : was niitzt die Erkeuntnis, dass wir vom Fatum abhaugen, wenn dies doch nicht begriffen werden kann? — 868 prohibetque limine hdschr.. die Ergiinzung a limine (1) ist dem Sinne mehr entsprechend als e limine.
— 869 quidquid — so fiillen die jungen Hdschr. die Liicke aus — - als indefinitum wie I 808 — recessu eig. Zuriicktreten, uasto recess^i Hni fernstcn Hintergrunde', vgl. II 374 conuexo conduntur signa recessu.
873 'Du achtest unsere Erkenntnis zu gering. Wir kennen den Himmel uud konnen sein Wirken (munera = fata) begreifen'. Die siebeu Infinitive zeigen die Stufen unserer Erkenutnis (caelestis gradus IV 120): seminihus suis comj)onere molem. (878 uach I 138 'aus ihren Elementen'), den Himmelssohn durch seiue Heimat fiihren (879), Erde uud Meer kennen lernen (nach lY 586), schliesslich, was iibrig bleibt, in den Kreis unserer Berechnung ziehen {rationem ducere: gebraucht wie III 417 IV 913: ducere und disce7'e sind ofters verwechselt). Dazu felilt aber das regiereude Yerbum; Bentley's Lesung in 874 est munere = licet ist sprachlich bedenklich, sachlich unrichtig (vgl. 883 peruidimm omnem'). Ich empfehle, das sinnlose nociis in nostis zu andern. nonisse mit Infinitiv ahnlich wie nescire nnd didicisse (I 905 uud I 91); mit Acc. c inf. bei Ovid. Fast. V 345.
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883 Die Erkenntnis des Mensclien geht aber iiber die Natur hinaus. Denn er ist eine Welt im kleinen, ein Bild der Gottheit. Damit erhebt sich Manilius zu der anthropozentrischen Anschauung des Posidouius. — 888 ex omni corpore: Manilius nennt hier nur drei Elemente, da aetJieris atque ignis summi zusammenfallen. BentL las aeris (die Reihenfolge der Elemente ist nicht bindend, so I 137 und besouders I 249 aeris atque ignis^ terrae i^elagique iacentis), man kanu ihm folgen, denn die Stelle I 249 hat auch fiir das Folgende vorgeschwebt. — 890 Spiritus et motu rapido, qiiae iussa, guhernet nach I 250. 251 uis animae diuina regit sacroque meatu — — — gubernat (motu Jacob fiir Hdschr. totu). Als Microcosmus hat der Mensch irdischen Leib, eine sanguinea anima und den Geist, der ihn leukt und seiu Tuu bestimmt (cuncta gubernat, dispensatque ho- minem ahnlich wie I 251) sanguineas: auch Posidonius scheidet zwei Teile der Seele: xb XoyrAov und x6 ciloyo'^ (ygl. Diels D. Gr. pag. 391 fg.).
— 896 — 910 Fiir den Himmel geschaffen, muss er den Himmel (die Gottheit) erforschen. Gegensatz bilden die fiir die Erde bestimmten Tiere. — 899 censusque per artus: 'deren Geltung blos auf ihren Gliederu, ihrem Korper beruht'. — 901 unus inspectus (et ist Korrektur .in 1; m haben erst p und M); ich empfehle unius: 'Nur einem eignet die Betrachtung des Ganzen'. — 902 educitur artes vgl. I 204 nec jKitulas distenta jjlagas. — 908 inquiritque louem: dagegen geht die Polemik Aetna v. 253: in louis errantem regno perquirere uelle. — 910 se quaerit Scal. — 911 huic sc. quaerenti in tanta: Manilius gebraucht sonst in tantum wie in totum. — 915 Die Gottheit selbst verlangt sogar solche Forschung; ideo ist nicht erklart; ich empfehle adeo., iu steigerndem Sinne: 'uud vielmehr'. — 918 uidendis — etwa 'durch das, was gesehen werden solF ■ — es ist wohl uidentis zu lesen.
— 919 m allein bewahrt das Eichtige: eat cogatque. — 923 ff. Trage kein Bedenken, dem Menschen gottliche Erkenntuis zuzuschreiben. — 924 quod ualet Subjekt zu inmensum est. Aber in 928 ist quo ge- sichert: klein ist das Organ, womit die Augen sehen, wiihrend sie das All durchschauen. — 929 animi sedes sub corde., so Aet. pl. IV § 12, Diels D. Gr. 391. — 932 Ein argumentum ad hominem: gott- liche Einsicht besitzt der Mensch: schon entsendest du selbst Gotter: facis und mittisque mit m. — 935 crescet: denn noch weilt der ver- gotterte Augustus auf der Erde.
Manilius. II. 10
PUNFTES BUCH.
Inhalt.
Yorwort: Es eriibrigt uocli, die Kriifte der iibrigeu Fixsterne zu melden und zwar, was sie beim Aufgauge, was sie beim Niedergange bewirkeu, uud mit welchem Teile des betreffeuden Tierzeicheus sie auf- uud untergeheu (1 — 31).
