NOL
Astronomicon

Chapter 17

L. Quinctio Cincinnato nunciatum est eum dictatorem esse factum —

a nilla in senatum arcessebatur et Curius — Cic. Cato m. 56) —
fascesque per arua tradidit (149), namlich dem Serranus — also hier
iaurus als uiator — und in der Person des Cincinnatus kommt er
gar selbst als dictator aus dem ihm geweihten Pfiuge — e suo aratro
(Luc. Miiller deutete an, dass (ungewohnliches) aque zu schreiben sei,
und begriindete dies mit bitterem Humor Jacob gegeniiber — d. r.
metr. 5. 452, ohne seine Sache zu verbessern) — suo wie IV 523 pro-
priaque iuuencum clote exornat: Manilius halt das Bild des Stieres
vollstandig fest: die ^wSta treten vollig fiir die unter ihnen geboreuen
ein. — 150. 151 schliessen nicht ohne eine leuis mascula ab: Cupido
puer thront auf seiner Stirn. — Dort befinden sich die hellsten Sterne
(Aldebaran im rechten, Aja im linken Auge). — Dies Charakterbild
des Stiers vermeidet sorgsam die widrigen Ziige der Sternsage: der
Landmaun aus der besten Zeit der Republik wird hier geschildert.
3. (jemini 152 — 161 Die Fuhrer der Musen (381), hier und sonst
bei Manilius, Phoebus uud Hercules — in 156 und 157 mag das
Bild der nackten sich umschlungen halteuden Jiinglinge vorschweben.
So auch Asclepiades: TiaXatcxarc; [apixo^st] xa 'Ep[iai7.a, jjLaXtaxa ol
SiBu{iOf 'AtcoXXwv yap xal 'HpaxXYjs oxizoi (Ringer sind Castor und
Pollux; Manilius hat diese Auffassung nicht). Friedlicher Beruf, behag-
liches Leben, taktmassig gesungene Lieder (ora) zur Rohrpfeife, Lieder,
die sich dem Klang der Saiten anschmiegen (neruis insita uerba),
Saitenklang ohne Gesang (ingenitumque sonum, erg. neruis). — 155
labor est etiam ipsa uoluptas: 'wird zur Berufsarbeit'. — 157 in amore
Buch 4, 158-182. 115
fiir inorte o Bentley nach Y 111 ducunt in amore iuuentam. — 158 Neben den Kiinsten der Euterpe fehlt Urania nicht: hier werden ge- boren die Astronomen, die Mathematiker, die messen und berechnen das Weltall (consummant orbem): als Philosophen gehen sie iiber die Ge- stirne hinaus (159), denn der Geist ist grosser als die Natur, diese muss ihm dienen (160) — Hercules tritt hier ganz zuriick.
4. cancer 162 — 175 ad ardentem metam Bentl. (uictam in g sehr undeutlich; metam gibt m nach Ellis, aber uictam las Lowe) — bei Asclepiades: 6 Se ocapxivog [xpdTrot?] 6y\oya.piaiV oux opi^-w^ (1. C. 187 Z. 9); bei Manilius: merces amabit (IV 381); beide gehen von dem Wesen des (^wowv xpoTCCxov aus. Er lasst die Tage zuriickgehen (164), ist tenax animi., beharrt zahe auf seinem Standpunkt („tardi menses"'); weitere Andeutungen an Sternsage und Sternbild sind kaum zu finden. Manilius charakterisiert ihn als den Grosskaufmann, der alles klug berechnet. — 167 foriunam ferre: 'mit auslandischer Ware sein Gliick auf deu Miirkten versuchen'. — 168 incendia annonae: Brand, Miss- wachs im Getreide Qincendia wie torres gebraucht) beobachtet er, steckt dann sein Geld in Schiffe, bringt den Ertrag eines Erdteils dem andereu {prbisque orbi — die verschrankte Wortstellung nach g und m). — 173 nauigat (II 224: also hier marinus): als Glaubiger fahrt er mit dem Schiffe seines Schuldners. — celeris annos — schnelle Jahre wiinscht der Glaubiger, fiirchtet der Schuldner („Zinstermine"). — Bentl. zitiert Ouid. Rem. am. 561 lanumque timet celerisque Kalendas. — 173, 174 Jener aber verlaugert auch die Zahlungstermine (tempora), prolongiert sie fiir nette Zinsen, auch wohl zu pari (aequo quoque). — 175 'Streit- fertig, wenn es sich um seinen Gewinn haudelt'.
5. leo 176 — 188 Jager, Schlachter — astronomische Bezeich- nungen, Hinweise auf die Sternensage fehlen ganzlich. — 178, 179 Das Bild des Lowen iiberwiegt liier: uiuit spolio pecorumque rapinis (Stellung nach m), geht 180 iiber in das Bild des passionierten Jagers. — 180 Jioc habet, hoc studium o ex repetitione pronominis mendum apparet sagt Bentl. zu dieser wunderlichen Anaphora. Alte Anderung ist: hoc auet, hoc studiumst (Heringa); hoc habet hic studium Pingre (etwa im Gegensatz zu 179); vielleieht ist zu lesen: ille habet hoc studium („hat folgende Passion"); ille steht 178, aber V 162. 163. 165. 168 ist es in gleicher Verbiudung viermal zu finden. — Der Jager aus Passion jagt edles Wild, schmiickt mit den Fellen der Beute die Saulen des Palastes, heftet Trophaen (Geweihe) an das Haus, Purcht ver- breitet er im Walde, lebt als Sieger. — 182 uictor ist fest zu halten;
11 G I^ucli 4-, usn-200.
vwere rapto oder iiicfu passt docli nur auf dns Tior iu 179. Aber der ^Nominativ uictor ist zu stiitzen durch die leichte Anderung in 180: superhit (superbire, stolz sein mit infin., wie gaudere \ 139 nnd 385).
— 183 Die Schlachter haben auch den .Tagdsinn des Lowen — nnr musseu sie in dor Stadt jageu. — frenent aus jungem Ms. (M). — 184 pecudum m — Schlachtvieh (179 war pecorum angemessen) — grassentur (riistig schreiten, ferro^ r4 fjrassari, hier memhris) 'gehen mit den Fleischstiicken in der Stadt los'. — 185 Ihre Tro])haen — laceri artus — haugen am Laden aus. — 186 caedem uud mortes ist zu lialten: ,,die Schlachtstiicke richten sio fiir die feine Kiiche her", aus dem Schlachten ziehen sie ihre „Einnahmen". — 187. 188 Das Epiphonema hier wie in 175 ohne copula. — 7'ecessus, Gegensatz zu impetus, hier zu suhitas iras: „ruhiges Zuriickweichen", gehort zu aequale ad. — 188 jmro Bentl.
G. 189 — 202 Erigone dixit aeuum: 'bestimmte', wie dicet 137.
— 190 Aus opta m entnahm Bentl. apta magisterio nodoque coercita liirgo; auch 382 heisst sie uirgo magistra. ora w und nadosque w ist unverstandlich, Anderungsvorschlage zahh-eich; nodoque wurde ver- schieden erkliirt. Piugre erwahnt 1. le lacet au cou, 2. une ceinture qui retient les liabits, 3. un uoeud d'annee cardinal. Das letztere billigt Bentley: coercetur ef ferminatur lihra. ManiL scheint hier die Erigone als louis et Themidis filiam — propter diligentiam et aequitatem
iustitiam appellatam in coelum euolasse (Hygin. astron. II, 67)
aufzufassen: dalier apta magisterio; bei nodoque coercita uirgo denkt cr au Hor. II 19. 19 nodo coerces uiperino Bistonidum sine fraude crines oder II 11. 23 in com.ptmn Lacaenae more comam religata nodtim. nodus einfachste Frisur, Haarwulst, auch ohne den Zusatz von crines bei Ovid. a. am. HI 139: exiguum summa nodum sihi fronte relinqui, ut paleant aures — uud absolut: alfera succinctae religetur more Dianae
— in gleicher Kiirze: „das Haar in Knoten aufgebunden". — Als magistra schafft sie Gelehrte, Redner, Naturforscher, Schnellschreiber.
— 192 compendia census: „Vermogensvorteile". — 195 ocidos mentis, qua; menfis nach m qua nach Igc (oculos mentis IV 875). — 199 noua jjer compendia: Schilderung der unter Augustus ausgebildeten Stenographie. — 200ff. enthalten wieder eine leuis correctio: honas uf teneros ist iilteste Uberlieferung (inteneros m nach Lowe, dazu bemerkt Lowe: ut v. 2 sieht auch wie in aus). Ellis liest in uifio hona sunt: Da in diesen Endurteilen die copula meist fehlt, lese ich: in uitio hona: sed teneros etc: „FehIer uud Vorziige finden sich bei ihnen zusammen,
Buch 4, -202-219. 117
aber Sittsamkeit leiikt die angeborene Kraft zum Guten". — "202 nec fecmidvs erit — quid miriim, nach II 238.
7. 203 — 216 libra. Asclepiatles (1. 1. Z. 24): xa bk taYj[Ji£p!.va [ap[jic^£t] Tolc. ota aTai)-[xa)v [spya^otJLevot^], mensuris iiote^is vs. 383. Das Gleichgewicht zwischen Tag und Nacht herstelleud (lihrantes) wageud, zahlend, niessend, richtend, schlichtend ist ihr Einfluss. Unter ihr werden Manner wie Palamedes uud Servius geboreu. — 204 'per noua munera ist Zeitbestimmuug: libra herrscht in der Zeit, wo sich die reifeu Baechusspendeu uach Jahresfrist wiederholen (noua). — 206 ortum im siug. filr natum uicht selten — Falamedeis. Palamedes, ein beliebter Vorwurf f iir die Rhetorschulen ; behaudelt iu Tragodien von Aeschykis, Sophocles uud Euripides; er findet meyisurae usus ac pondera rerum (205) nach Sophocles Naupl. frgui. 370 Diud.: axccd-^iouc, x' dp!.i)-[jiwv y.al [.isxpwv £upT^[jiaxa — •, numeros rebus^ qui nomi^ui summis imposuit (207), ebd. v~.ix%zi sxsu^s, Trpwxov e^ £v6c; 0£y,a v.ax' xwv o£y/ aO^O-tg Yji>p£ 7C£vx£">covxaoa;, oc, yiXi aOihc; — certumque modum (208) — und Eurip. Pahim. frgm. 582 (Diod.): £^£upov dvS-pwTiotat Ypd[Ji[jLax' £C0£Va'w — — oiXzoc, 5iaip£r xoux ea t}j£u5-^ X£y£cv, eudlich propriasque flguras (208): die Ziffern. — 209 ff. Eechtsgelehrte wie Servius Suipicius, Freund Ciceros, Horer bei Molo dem Rhodier, Consul 51 V. Chr. ; liier eiu staudiger Prator ohne Amt, der privatim Recht sucheuden Rat gibt (Cic. Brut. 1 1 : longe omnium — in iure civili princeps. — 210 notis leuihus peyidentia uerha: Dufay und Pingre versteheu uuter notae „Abkiirzungeu". Es handelt sich wohl um die Interpretation teclinischer Ausdriicke, bei deneu auch unbedeutende Beziehuugeu wichtig sind. — lu 214 ist potias blosse Dittographie; Ersatz durch Konjektur steht also frei. populo eiuzusetzen liegt uahe, ist aber uach der viermaligen Alliteration zu populo in 212 nicht eben zu empfehlou; vielleicht passtZaiio. — 216 examina., das Zunglein der Wage.
8. 217 — 229 scorpiofi (o) als Nomiuativ nicht zu duldeu (zu II 211); deu Akkusativ stiitzt Jacob durch armat uti^ Ellis durch armauit, so dass cauda Subjekt wird. Einfacher erscheiut: armata uiolentum conspice cauda. Die Apostrophe mit aspice findet sich I 373, II 163, II 198, IV 416. Der Scorpiou in liegender Stellung scheint mit deni Ende des gekriimmten und bewaffneten Schwauzes wie mit eiuer Pflugschar die Erde zu pfliigen (219 rimatur wie eriiit IV 781), er ist auch der Saemaun (sulcis semina miscet, denn seiue Zeit ist der Oktober — als Pfliiger uud Stiemann auch IV 555). Hier der
] 18 Buch 4, 221-251.
streitbare (armis potens lY 383 acri ictu II 213); er liefert Krieger im Felde und im Biirgerkampfe, aber auch Jager, Gladiatoren, Tier- kampfer uud Schwerttauzer. — 221 multo nach g; zu sanguine er- ganze ciuium (nach Hor. c. I 2. 21: audiet ciues acuisse ferrum). — 228 est im Epiphonema mit Bentl. zu streichen.
9. 230 — 242 arcitenens (centauriis) : Rosselenker, Tierbandiger nach seiner pars ferina. Als Bogenschiitze verleiht er Spannkraft der Glieder und Schneidigkeit des Geistes. — 230 biferum corpus — sein Korper, welcher die Glieder von zwei Tieren zeigt (crura equina et caudam Satyri sagt Jacob nach Hygin. H 27; so auch Stoeber, rait dem Bedenken: tamesti non utique feris). Hier schwebt dem Dichter die Mischgestalt des Schutzen aus dem agyptischen Tierkreis mit Pferdeschwanz und Scorpionschwanz als ein corpus biferum vor (Boll. Sph. S. 188if.). — 231 subiunge}'e currus erg. equis. ■ — 233 totis campis: man sollte latis erwarten. — 236 aptarc loquendo artibus Immanis: durch Zureden fiir meuschliche Verrichtungen abrichten. — 240 qiioque o; dazu vgl. Hygin. 1.1 27: et sagittas adiunxisse., ut ex his et acumen et celeritas eius uideretur. Verbinde quoque mit cornu: der gespannte Bogen mit dem aufliegenden Pfeile deutet auf (bezw. verleiht) sehnige Glieder etc. — 242 nec delassabile = et indelassatum (Housm. I 656).
10. 243 — 258 Capricornus. Vesta, Schiitzerin (11 445) des winter- lichen Steinbocks, nahrt in ihrem Heiligtum das auch jeuem will- kommeue Feuer (vgl. Verg. Aen. II 296: aeternumque adytis effert penetralibus ignem. Die Form der Apostrophe (tuos^ Capricorne) ist in diesem Abschuitte ganz durchgefiihrt, daher iu 244 trahis aus jungen Handschr. (FpM) herzustelleu. — 246 sub te: die uuter dir Geborenen werden Feuerarbeiter (quicquid ignis eget nach Imuj, au- klingend an Asclepiades: xa Se TcupwOYj xol? Sia uupos, Bergleute, die Feuer im Innern der Erde anwenden (exurere, Bentleys exquirere unannehmbar, weil dies rait dem Feuer nichts zu tiiu hat). — 248 — 250: Deine Gabe ist die Verarbeituug der Metalle — Gold- schliiger, Goldschmiede, Metallschmelzer gehoren dir. — In 248 lese ich duplicaris (Fut. exactum) et statt duplicari et: Die Tatigkeit des Bractiarius gehort auch dem Z — wie addis 252, retrahis 254, facis 255. — 249 Die indirekte Frage iu 249 und 250 — iiber quod mit Konj. = inwieweit vgl. zu II 20 — abhangig vou tua munera surgent. — In 251 ist der Backer rait untergebracht (consumentqiie o ist schon wegen der Konstruktiou in consumment zu auderu = 'zur
Bucll 4, 252-267. 119
VollenduDg bringen'. — 252ff. frigore verbinde man mit seruans brumalem sorteni — zur Jahreszeit des Wiuters gehort die Kalte — mittelbar uud durch sie fordert ^ die Bestrebuugen der Kleidermacher und den schuelleu Absatz ihrer Ware. Ahnlich Plinius N. H. 18. 225 vom Untergange der Vergiliae: seriiantque id sidus etiam uestis in- stitores — statimque augent lacernarum pretia — et reliquarnm uestium accendunt. — Schliesslich erweist sich Z als der Wankelmiitige 256 fP. (mutataque saepe niens natat — Asclepiades: 6 Se Aty6"/,ep(i)(; xout^oc?, SuaywaTaXyjTiToic;), eiumal als signum tropicum (254. 255); aber er ist auch amhiguus corpore mixto (II 23 1 . 240), uud daran schliesst sich ein leichter Tadel: der untere Teil, der in eineu Fischschwanz verlauft (iuncto suh pisce) ist der bessere, der obere (pars prior) der wolliistige: jenem eiguet das Greisenalter, diesem die Jugeud — namlich des uuter dem ^ Geboreueu. — 258 at (fiir et o); der Gegensatz ist auszudriickeu.
11. Der Wassermanu 259 — 272. aquarius folgfc iu 260 uach; ebenso auch IV 799. Er verleiht die ihm verwaudteu Wasserkiinste (bei Asclepiades: xa bi uypa xotc; 5i' uypwv IpYaS^ojJisvotc;). — An co- gnatas artes (260) reihe ich den jetzt zusammeuhanglos steheuden Vers (269) : quue per aquas ueniunt operum fonfesque sequentur (fontes Salmas. statt pontes o). Nach 266 artes, quas tempjerat unda wiirde er eine wunderliche Tautologie biklen. Die Aufzahluug von 261 bis 266: inducere terris: der Quellenfinder entdeckt unteu in der Erde, der Brnnnenmacher fiihrt den Felderu das Wasser zu, im Spring- brunnen steigt es gegen die Natur zu den Sterneu (hyperbolisch, wie nach Ovid die aqua Appia bei dem Tempol der Venus genetrix: Appias expressis aera pulsat aquis)', dauu Luxusbauten: litoribus nouis nach Horaz III 1. 33 contracta pisces aequora sentiunt iactis in altum molihus, und bei 264 lacus et fiumina ficta denke ich uicht an emissarii u. euripi, Nili mit Scal., sondern au die kiinstlicheu Seen uud Kanale in den Parks der Grosseu, wahrend dic peregrinantes riui von Dufay richtig erklart sind als: pensilia receptacula aquarum, quibus supra domos aquae longe deflu^ntes reciperentur in usus do- mesticos: die aus der Ferne kommendeu Bache weilen oben im Hause. — 267 Als Ganymed (so Eratosth. p. 144 ed. Robert) ist er Astronom, mundi faciem mouehit: bringt zur Erscheinung wie I 51. — nouum in orhem versahit; damit deutet Manilius vielleicht auf die sphaera des Posidouius hin: sphaeram, so Cic. d. N. D. II 34. 38, quam nuper familiaris noster effecit Posidonius, cuius singulae conversiones
120 Buch 4, 270-292.
idem efficiimt in sole et in luna et in quinque stellis errantibus, quod efficitur in caelo singidis diebus ac noctibus — dies ware also nouus orhis. — 270 ff. Ergebnis: mite genus erg. aquarii, (lementsprechend die unter ihm Geborenen: fiuunt der Situation entsprechend; ad sidera (o) zu halten: dulcesque fiiiunt ad sidera scil. mitia: 'anmutig, dem Wesen des Oestirns entsprechend' (sidera vom einzelnen signum haufig, z. B. I 432. G86, III 189. 264, IV 518. 744 u. a. m.). — 272 sic profluit urna: 'stetig fliesst die Urne': dem eutspricht die Finauzlage ihrer Schiitzlinge (nec deest nec superest census).
12. 273 — 291 Pisces. Dies Gestirn bringt die Schiffbauer, die Schiffsfiihrer, die Euderknechte, den Steuermann, der Sternkunde und Erdkunde besitzen muss, die Fischer, die Kampfer zur See. — 279 peruenit in astra: der Steuermanu hat die Sterne kennen gelernt, die ihm den Weg zeigeu: so bezwingt er das Meer. Aber (sed durch das Metrum und den Zusammeuhang gefordert) er muss auch Erd- kunde besitzen. — 281 mundam uentosque m mundi w flvminaque et 2^oiins gehoren zu orbem, mundum uentosque gehoren zu caelum. — An necesse est schliessen sicli die folgenden Infinitive frei an. — 284 remis agere scil. ratem — lentas tonsas 'die biegsamen Ruder- stangen'. — 285 quid o et FpM, ich empfehle qtiin (steigernde Auf- zahluug) — zur Sache vgl. V 660. — 290 natis Im (= ortis sub pisci- bus; denn uur davou ist die Rede). — 292 Manilius betont zum Schlusse seiner phantasiereicheu, des Humors nicht entbehrenden Darstelhing, dass er bisher die ^wota als Einzelweseu schildere. Wiire deren Einfluss unbeschrankt, so gabe jedes Gestirn wahrend seiner dreissig Tage gleiches Prognostikon fiir alle unter ihm Gireborenen (380 ff. unter taurus uur aratores, cancer nur mercatores) — • aber alle signa nehmen andere signa bei sich gasthch auf. Ohue zu bemerken, dass ein Modus dieser Aufuahme schon bei den Dodekatemorien (II 674) au- gegeben war, stellt Manilius eine neue auf Drittelung beruhende Kom- bination auf: die Lehre von den sog. Dekauen. Er kennt deu Ter- niinus oey.avd? — vermutlich auch die Babylonische und die Agyptische Doktrin. Die „Agyptier" (Firm. IV 21) habilitieren 36 grosse Gottheiteu in deu Gestirnen, die „Babylouier" (Firm. II cap. III u. IV 2) die sieben Planeten — (Mars beginnt im ersten Dekau des Y* die Planetenreihe, erhalt im ganzen sechs Platze, die iibrigen sechs je fiinf). — Beides kann Mauilius nicht braucheu, die Planeteu schhesst er zunachst gruudsatzlich aus, die Agyptischen Gottheiten verschmaht er als stoischer Philosoph. Er halt auch hier fest, dass der griechische Zodiacus vor diesen
Buch 4, 303-322. 121
EindriDglingen verschlossen bleibe; und verteilt nun Cw5'.a auf ^Moia. nach Dekaden von Graden — und zwar so, dass jedes Cfpoiov viermal als Dekan und zwar immer im trigonon erscheint (z. B. y erhjilt die zweite Dekanie im V, cQ, ^ ; — die erste in n, — , ^ n. s. w.): dabei begegnet ihm das Verseheu, dass er den K gegeu den Grund- satz strenger Reihenfolge 'V, ^,11 — statt Z ^ K zuteilt — 358 — 362). — Den Ausdruck deccmus hat er nicht gebraucht; dies spat latinisierte Wort wiire ihm auch nicht zuzumuten. Ahnlich steht es mit decanica oder decania, griech. 0E-/.aviv.6(,, osxavta = ozvAc.: ihnen eignet d. In 298 steht degdnae ueben decd^iica, beides in unechtem Verse — (quam partem ohne Beziehung, vgl. zu II 968: decanae gentes: Volker, welehe astrologische Termini erfinden, siud noch zu suchen: ob graiae, indigenae., Danaae, bleibt sehr fraglich, und mit dieseu Anderuugen werden die Spuren eines decanus gar verwischt. Es scheint hier (wie V. 644) ein iibel versifiziertes Scholion — etwa: quas partes decanas dixerunt, item (V. 1) decanica — in den Text ge- kommen zu sein. Manilius uennt die Dekane domini, ihr Wesen ist 290 genau erortert. — Ubrigens ist diese Verteilung der signa auf signa nicht weiter erwahnt, auch eiue Quelle fiir sie nicht bekannt: sie darf daher als Eigeutum des Dichters bezeichnet werden. Dass die Astrologeu von Profession nichts mit ihr anfangen konnten, ist klar. 303 consaepta „umschlossen" aus jiingeren Hdschr., ist durch den Sinn gefordert. — 304 amhagine (sonst nicht angemerkte Form) rerum = 'Weitschweifigkeit, durch die Verhaltnisse bedingt', Gegensatz zu compendia. — 305 usus erg. caeli Werstandnis des Himmels'. — 306 imago (TCpdawTtov) das Sternbild, welches in eiuem anderen zu wirken sich den Anscheiu gibt (mentitur = simulat) oder es uu- bemerkt tut (celat = dissimulat). Deshalb (ne lateant uires) gibt er in 310 — 362 die Verteilung der domini auf die einzeluen Drittel. — 314 sic in ter denas — erg. partes — divisum ducitur astrum: deyias aus m, ducitur aus jungereu Hdschr. : Mas in 30 Teile zerfallende Sternbild wird so ausgefiihrt, wie gezeigt ist, uud wird so viele Krafte entfalten etc.'. — 316 ratio 'Verfahren' — 2^'^'>'^^ ^*'^ ^^^^' o. Illa wird erklart durch iirima arietis; einfacher ist die Anderuug Bentl. in ulla: darauf weist diuersa 316 hin und 319 stat tamen natura 'sie behauptet sich dennoch'. — 321 tertia pars est (parte., partes oj, pars ist hier und weiterhin im Siune von sors gebraucht. — 322 69 sendet dem gegeniiberliegenden Jg vorweg zehn Teile, er bewilligt sie in dem Abschnitt seiues Bereiches (temporis articulo)., in welchem
122 Bucll 4, 330-369.
er selbst vom Z aufgefiihrt -wird, namlich im ersten. — 330 meminit suh lege trigoni — quadrati 331, hexagoni 333. Manilius erwahnt diese Lage doeh nur, um im Ausdrucke zu wechseln: der eigentliche Grund ist aber die Reihenfolge, die iiberall (nur nicht 359) beachtet ist. Nachdem K bei 6p untergebracht war, sind V, ^ , II an der Reihe. — 333 contingit o nicht in coniungit zu andern. demeint ist die II 363 bezeichnete sex per anfractus curuata tnrgula in orbem ■ — sidera contingens; das Sechseck ist ^ n T ^ / — , fli© Linie beriihrt also die Zwillinge. — 336 tma o: nur der eine Abschnitt, welcher besonders bezeichnet wird in 337 quae fastidito concessa est iure potiri (ima ist Scal. unnotige Konjektur) np behalt ihreu dritten Abschnitt: angeblich weil der Eechtsanspruch auf ihn von keinein anderen sigmim erhoben ist; in der Tat weil np uach 6p und ^ an der Eeihe ist, also selbst Rechtsauspruch hat. Bemerke die seltene personliche Passivkonstruktion concessa potiri vgl. Craraer d. Infin. b. Manil. p. 62. — 338 — 340 ^ verfjihrt wie Y" (pariter secum regentem). Beide haben Aquiuoctium: Y" ueris iuga temperat: die Balken der Wage halten sich das Gleichgewicht im Friihling, die ^ soll nun die Stundeii feststellen und zwar nach Tagen (lucibus horas); weshall» aber nicht auch nach den Nachten? Das war doch 339 betont. Entsprechend dem ueris iuga temperat ille (halt das Gleichgewicht von Tag und Nacht im Friihling) heisst es von der Wage: sie be- misst die Stunden des Herbstes (autumnales sind die horae exactae^ zur Zeit des Aquiuoctiums) nach ihrer Wage: richtig also Dufay lancibus horas (auch leichter als lucihus umbras). Pingre: 'preside a Tegalite des heures'. — 358 Den K gebiihren nach 357: ^ :55J K ; weshalb Y" und y eintreten ist nicht erklart. — 361 utque mit Bentl. wegen des folgenden sic. — 362 — 386 Der Leser (387 kommt er zu Worte) erwartet nun eine Angabe dariiber, welchen Einfluss die in ein Drittel eintretendeu signa auf die unter ihnen Geborenen ausiiben (408 nascentum mores^. Statt dessen erhalt er eine Mahnung zu ernstem Selbststudium. — 366 tituli notl die von vs. 122 — 291 mitgeteilteu Aufgaben und Charaktere der signa in ihren Eiuzelsitzeu, die sich nunmehr modiiiziereu. Diese tituli verschleiern die Wirkungen der Gestirne (wie 307 mentitur uires et nomina celat). Tiefer ist zu forschon; 369 inque alio quaerenda manent (alio o manet Fp, manent M). Subjekt ist astra; in alio ist unerklart: Mes sigues doivent etre cherches dans d'autres signes' sagt Pingre, das ware aber alia in aliis, Scal. in alto — nach altius iu 368 kaum zuliissig. Zu lesen erapfehle ich
Buch 4, 370-404. 123
inque aluo quaerenda manent, cmictisque sequendum uiribus; der Ge- danke: altiiis est acies animi mittenda wird verscharft, ahulich wie I 17 scire iuuat penitus magni praecordia mundi und IV 908 nec sola fronte deorum. contentus manet et uerum scrutatur in aluo (bis in das lunerste hineiu). — 370 Der Leser erhalt nur eine allgemeine Regel: cuius signi quis parte creatur, eius scil. decani und talis per denas sortes natura feretur (371), darnach soll er selbst beobachten (wieder- holt in 408 hac tibi nascentum mores sunt lege notandi). — 380ff. Die tituli noii der zwolf Tierzeicheu wiederholt Mauil. in musterhafter Kiirze mit je einem Worte, um uochmals zu erinnern, dass ihre Charaktere durch ihr Zusammentreten sich andern. — 385 ipse suis iuuenis. Hdschr. tui', aber der ganze Abschnitt euthalt eine Anrede au den Leser (366 tua pectora); eine Anrede au das siguum hat hier keinen Platz. — 387—407 Fingierter Einwand eines Lesers: muhevoUe und kleinliche Arbeit verlangst du, deren Ergebnis unsicher ist'. Autwort: Arbeit scheuet ihr nicht, wenn es sich um fluchtige Giiter handelt (403); hier ist der Preis die Gottheit; der Mensch muss sich ganz hingeben, damit die Gottheit in ihm wohnen kann. Die Stelle arbeitet der Schlussbetrachtung des Buches vor (866 ff.): der dort vorgetragenen . Ausicht, dass der Mensch ein Mikrokosmus sei. — 392 transire tuum pectus: die Greuzen deiner Erkenntnis iiberschreiten. — 393 inmunia: 'ohne Gegenleistuug'. — 395 si^it (o) cetera nostra: der Mensch wird zur Betrachtung des All nur zugelassen: dass Weitere aber muss seine Arbeit sein. — 400 consumma^it (Bentl.): ein Prasens iimiitten der vier Futura? es ist consument aus m zu nehmen. iiota consument: werden ihre Geliibde jahrlich bezahlen. — 402 quaeremus lucrum, naues Ma?iemque sequemur in praedas — hdschr. gut bezeugt. naues Martemque sequemur, beides gehort zur militia lucri: nauigat IV 173, sequi bei Manil. haufig (rura^ castra, uentis fortunam pp.^ — ■ 404 Luxuriae quoque militia est^ uigilatque ruinis uenter ■ — wie V 375 iam uentri longius itur quam modo militiae. uigilat bleibt im Bilde. Der Schlemmer spaht uuablassig aus nach Genussen, die seinen Magen und seiuen Geldbeutel ruinieren. uigilare mit dat. Prop. II, II, 9: si possem studiis uigilare seueris. — et ut pereat (o), suspirant saepe nepotes; nach Dufay: et posteri nostri laborant, ut uenter studeat par- simoniae; nach Pingre: les dcbaucheurs (nepotes) soupirent souvent apres des plaisirs, qui les conduisent au tombeau (!). Vielmehr: Mie Enkel wiinschen, dass der Schlemmer bakl sterbe, damit noch etwas zu erben bleibe'. Dabei andere ich 'pereas', verallgemeinernd.
124 Bucil 4, 40G-431.
406 quod caelo dabimus quantum est quo ueneat omne! Solche Arbeit verwendeii wir fiir fiiichtig-on Gewinn: wie gross ist der Kauf- preis filr dies All! (quid ist hdschr. nicht bezeugt). Dau)it weist or zuriick auf po-o pretio labor est, und mit ]iac lege auf 363. — 409 — 499 Partes damnandae. An die Lehre von den Dekaneu schliesst die Astrologie die Einteiluug der 360 Grade in giinstige und uugiinstige (eine reiche Terminologie bildet sie dafiir aus: vgl. Boucho-Leclercq pag. 235). Sie lasst ihre Dekane {mmiina oder Plaueten) in die Dekanieu eintreten, ohne dass diese ganz ausgefiillt werden — daher sind besetzte und nicht besetzte Platze (Grade) zu scheideu. — Aus- fiihrlich dariiber Firmicus (mit Berufung auf Nechepso 'imperator et astronomus'') IV Cap. 2L Er zahlt 207 partes plenae, 153 vacuae (qui uero in uacuis partibus horas Jiabuerint, erunt minori cor^^ore, deiecto animo etc/ Nachdem nuu Manilius sowohl Planeteu Avie iigyp- tische Gottheiten vou seiuen Dekanien ausgeschlossen, diese aber bis auf den letzten Grad durch ^(^ionx besetzt hat, vermag er seine Theorie der partes damnandae nicht mit den Delcanen zusammenzubringeu, weist auch auf sie nicht zuriick, halt jedoch die lierkommliche Reihenfolge fest. — Unter Ablehnung astrologischer Motive hebt er pliysikalische Einfliisse, — das UbermaB von Hitze, Kiilte, Nasse, Diirre liervor; er ziihlt 70 p^artes nocentes (gegen 153 bei Firmicus): seine Quelle ist unbekannt, aucli ist er wohl nicht nachgealimt worden.
412if. \\\ 414 hat 1 eine Liicke, deren Ausfiiln-ung die jungste Hand in g (saec. XVI) durch iam sucus obit vei-sucht. Das Ubermarf der vier Idimatischen Faktoren ist auszudriicken: in 413 deutet idroque an, dass Hitze und Kalte mit Diirre und Niisse verbunden sein konnen (wie 498 uud 499). Ich empfehle: et sterilis utroque tamen: qua largior umor, quaque (aus minor ibi touit m) minor iusto fuerit. — Die folgende Aufzahlung wird sorgsam eingeleitet. — 416 Ungleichheit lierrscht auch hier unten: Land, Meer, Fliisse zeigt 417 iu fried- lichem Zustande: 419 — 424 erweisen in je zwei Versen das Gegenteil. pactis (statt partis o) = concessis ripis: Innerhalb der zugewiesenen Ufer' 'erglanzen' die Fliisse (den bildlichen Ausdruck bewahrt g). — 419 Statt des neben aruis o unhaltbaren terris o setze ich torreif: der Brand, Rost vernichtet die Saaten und die Friichte des Feldes. — 421 uasta nach m. — 422 gfa xpi iu 1 und g, eine Laune des Schreibers. — 427 utrumque war alteste Uberlieferuug, aus ihr macht g uictumque, m usumque: der allgemeiuere Ausdruck ergab fiir die Wirksamkeit des Gestirnes mehr. — 431 ff. Etwa hundert
Bucll 4, 432-474. 125
Zahleiiaugaben sollen sich dem Metrum fiigen, im Ausdrucke wechseln, wichtige Krafte nach den Teilen der sigua schildern: wer vermag' es? — 432 tot dicere summas per partes caiisas? nach gc. faciem mutare loquendi — „soll ich zur Prosa hinabsteigen und die tech- nischen Ausdriicke (Zahlen) anwenden, wenn deren Uraschreibung (uerba scil. mutare) beschwerlich wird?" incipimus mit Bentl. — 438 fingenda nach vs, 442. — 443 So entschliesst er sich kurz — (accipe asyndetisch wie II 453) — und gibt uus in den folgenden fiinfzig Versen ein metrisches Bravourstiick ersten Ranges. — 445 illi ac o: wohl das einzige Beispiel der Elision einer langen Silbe in der Caesur bei Manilius. — decumaeqiic secunda: eine bedenkliche Konstruktion : ich empfehle ac decuma a decumaque secunda (so Heringa). — 448 Man ziehe et quinta uoch zu laedit und halte consummat o („schliesst In 450 ist est zu streicheu. - — 451 Manilius will ausdriicken: Parsque his nndecima et vicesima quarta nocentes und wahlt dazu die als Ordnungs- zahlen nicht zu brauchenden Distributive. Aber bisque undena nocens et his duodena nocentes sind nach Housman (ed. pag. LXXIII) .soloecismen und nicht zu halten. Seine erste Anderung: notans und recensens erscheint leichter als die zweite, missverstandliche: bisque undma notans et bis duodena (22-1-24!) nocentes. Ich empfehle zu setzen: bisque undena nocent et his duodena nocehmt (das Puturum wie 497: metuenda feretur). — 453 Die Apostrophe ware zulassig, wie 488, aber et tu (lc) ist nicht liinlanglich bezeugt. Mit g: et tmn unter Streichuug von est. — summa = ultima wie 463. - — 455 ter quina et noxia pars est o {pars hat nach Lowe auch m) abgesehen von quma ist nichts zu andern — et steht an dritter Stelle. — 459 in- munis erg. noxae. — 461 rabit {rapit o) ist in V 224: lingua rahit gesichert, daher hier und V 208 aufgenommen — von archaistischem rahio. — 473 und 474 in den Hdschr. verstellt, dadurch die Reiheu- folge der Teile verwirrt, \t quinta 1 deutet auf at quinta, damit beginnt die Aufzahlung (so 518. 530 und oft) — in 474 ist die doppelte Verbindung decumaeque et septima anstossig, die Lesart in m: iunctu est deutet darauf hin, dass ein quae fehlt, wahrend est hinter undecima iiberfliissig ist. Daher ist zu lesen: tertia et undecimae et decumae quae septima iitncta est (pars 5, 7, 14, 17). Sinn: 'schiidlich gegen Hitze ist die fiinfte und siebente und die, welche als dritte der elften und als siebente der zehnten sich anreiht', schadlich auch die vierte hinter zwanzig: usw.
126 Buch 4, 477-499.
477 Scorpius o. — 478 et que ter quinta gc, quater Im. Die fehlende Silbe ist durch Konjektur ausgefullt: Scalig. ter quoque quina^ Bentl. est et quae ter quina., ich empfehle et quae pars ter quinta. Jacobs atque quater quae quina empfiehlt sich nicht wegen des zu grossen Sprunges von zehn auf zwanzig. — 482 ff. centauri bewahrt m allein (centaurum w). — Unter Teil zwolf, sechszehn, zwanzig (bis gehort sowohl zu octo als zu denis) 'herrscht bose Luft' (also eine klimatische Einwirkung!) ebenso unter vierundzwanzig, sechsund- zwanzig ('wenn er zum zweiten Male zwolf uud dreizehn meldet'). — 489 quaeue auget quinta sc. parte, so Bentl. nach g und c : es ist aber mit 1 und m zu setzen quinto numero (vgl. 491), und so entscheiden wir uns (lcm) fur septima fertur statt sexta feretur (g). Vor 490 fehlt ein Vers, der den Namen des Wassermanns euthielt: Hier setzt nun Bentley den II 232 nicht zu brauchenden Vers ein: Pars est jmma nocens fundentis semper aquari fjundentis wjire beizubehalten). Man wird ihm zustimmen konnen. Aber nun soll auf Teil eins gleich Teil elf folgeu, kein Teil weiter aus der ersten Dekade. Vermutlich haben 490 und 491 ihre Platze getauscht, da andernfalls der Vers tertiaque et quinta etc. jedes Anschlusses entbehrte. Stellt nian um, so folgen richtig die Teile: 1. 3. 5. 9. 11. 21. 25. 29. — 493 quartam o accumidat nur c, accumulant o>. Daher Scal. quartam accumidans in dem Sinne: Vlie ueunundzwanzigste, mit jener — der fiiufuudzwan- ziffsten — die vierte vereinigend'. — 498 und 499 wiederholen die 412. 413 gemachten Angabeu. Hiernach und nach 444. 454. 461. 465. 473. 483 zeigt sich die verderbliche Macht einzelner Teile iu klimatischen Einflussen, wie das in einem Wetterkalender dargestellt sein konnte, an anderen Stellen werden sie allgemein als metuendae, nocentes bezeichnet; zusammenfassend heisst es 498 und 499: sterilem ducunt aera, wie 412 und 413 angekiindigt war. Diese Betonung der vier klimatischen Faktoren eignet den Physikern der Stoa, beruht auf der Wechselwirkung der Elemente, wird von Ptolemaeus tiberall durchgefiihrt. Eine Ubertragung dieser physischen Einfliisse auf die ^(p5ta durch die Planeten ist von Manilius an keiner Stelle angedeutet, auch nicht einmal ihre Mitwirkung, wie das iu Buch III bei den athla regelmassig geschah. Die von Scaliger uud Dufay verworfenen Verse: si rapidus Mauors ignis iaculatur in illum, Saturnus sumet glaciem, Phoebusue calores scheinen den Angaben bei Cic. de N. D. II § 118 entsprechen zu sollen: quam summa Saturni refrigeret, media Martis incendat, his interiecta louis illustret et tempe/ret, infraque Martem
Buch 4, 502-518. 127
duae soli ohoedient, ipse Sol nnindwn omneni siia luce compleat. Der Interpolator stellt aber Mars vorau, nennt luppiter gar nicht, lasst Phoebus weitere Hitze liefern, erwahnt weder Diirre noch Nasse. Anstossig ist illum, sumet neben iaculatur. — 502 Mauilius kehrt zu den Gestirnen zuriick. Nach der Aufzahlung der schadlichen Teile soUte nun eine Behandlung folgen, welche den Einfiuss dieser Teile auf ihre astrologische Wirksamkeit beriicksichtigte (freilich nicht wie Ptole- niaeus den Krebs behandelt, Tetrab. II, 11: zh oh ~o\> Kapxcvo'j 5oj- 5exaxrj{jidptov xa-S-dXou |X£V eaxtv £u5cov xac ■^■epivdv, zaxa [xapo; Se xa [A£V TCpoYjYOU|x£va adxou xal xa xaxa cpaxvYjv T^vr^biOt] xaX a£ta[iOTCOta a.yjM^iZf], xa 5e [leaa euxpaxa, xa 5£ £7id[ji,£va 7rveu[Aaxw57], xa 5£ j^opeta otxA.). — Nichts davon gibt Manilius in deni Abschnitte 502 bis 584. Die bisherige Betrachtung der signa zeigte ihren Binfluss auf alle wahrend der Herrschaft des signum geborenen Individuen;
— die Einforraigkeit dieses Eiuflusses forderte die Kritik heraus. Daher folgt eine zweite Betrachtung der signa unter bestimmtem Horoscope, und zwar wird bei zehn derselben der heliakisclie Aufgang
— erstes Wiedererscheinen des Sternes am Morgenhimmel — als Prognostikon der Geburt betrachtet; bei zweien, tli und ^ pars 30: jeue ortu accipiunt proprias uires, andere ultra [ortum] remittunt. Vollstandigkeit hatte zur Besprechung aller Teile genotigt. Sehr genau ist iiberall der zu besprechende Punkt bezeichnet. Dass aber die Qualitat der Teile noch 446 — 497 betrachtet werde, ist nicht zu erweiseu.
505 Der Widder erscheint hier als der Wanderer der Sternsage, er eilt zum Kampfe wie H 246; die unter seinem Aufgange Geborenen mochten die Welt durchwandern. Das astronomische Motiv — der Widder hat den schnellsten Aufgang nach III 275 — scheint durch die phantastische Darstellung hindurch, vgl. zu 2, 244fF. — Zu ein- zelnem: — 505 extollet (Jacob) wegen ihit iu 506. — 506 Im Bilde weudet er den Kopf so zuriick, dass der Hals friiher als die Horner sichtbar wird. — 507 censu 'der gesicherte Besitz' — beim Widder nach 124 die WoUe — 509 tantum audere nach m. Anders obeu IV 84 coguntur tanta moueri. — in cornua fertur: dies Bild schwebt weder I 264 noch oben 124, vielleicht II 246 vor. — 510 aut nach Bentley — anschliessend an 509. — 514 tibi nicht sibi (g): der Widder hat dera l^eser etwas, nicht aber sich zu bezeugen. — 515 aurauit o — 'teignait de son or' Pingre.
518 taurus. Das Bild betont den Aufgang des Gestirnes: auersus snrgit I 264; daraus wird die Natur desselben hergeleitet. Andeutung
128 BlKh 4, 521-539.
in II 199: dunthus surfjit, lY 151 hahitat suh fronte Cupido, Yorbild fiir effeminati, cinaedi b. Firmicus — hier feminei incedunt (so nach Bentl.). — 5'21 diues puellis: auffallig ist es; dass nur das im Nacken des Stieres stehende, gedrangte Hauflein der Pleiaden, nicht die im Kopfe stehende Gruppe der Hyaden Erwahnung findet. — Vielleicht steckt in dem miissigen paruo diese Erwahnung (etwa: pluuiumque ferens glomerahile sidus). — In 523 wird das in vs. 140 gezeichnete Bikl wieder aufgenommen. — 524 mit Bentl. exercet fiir exornat. — propria dote nimmt ruris opes anf. Der eigne Besitz eines Landgutes wird betont.
525 Gemini pedihus surgunt nach II 199. Dem entsprechend zeigt der Horizout sie uud deckt sie zu gleichem Teile — profert pedes, tegit reliquum corpus = ortus geminorum. — Im Bikle sitzen die Zwillinge, strecken die Fiisse weit vor. Ihr Aufgang schafft Lust zum Studium und zur Kunst, zum heitern Lebensgenusse (ahnlich wie oben 152). — dahit: als Subjekt bleibt unda, d. h. prima pars ge- minorum. — 528. 529 saltus (aXjjia) cum pectore versucht Jacob zu deuten : saltationem cum iugenio eius iungit, beides nicht zu biUigen. Bentl. setzt dotem cantus cum pectine iungit: aber der Gesang ist schon vorher erwiihnt. Die Lesart salius in m fiihrt auf salium (= saliorum vgl. Hor. I 36, 12 und lY 1, 28, was auch Scalig. wollte) liectine ist anzunehmen.
530 6p. VVie bei deu Zwillingen wird ein eiuzelnes Motiv des Aufganges verwertet. Der Krebs geht nach II 199 testudine auf, zeigt den Riicken zuerst uud die dunkle Sternenwolke (praesepe, (^axv-^, 'ein gedrangtes Hauflein kleiner Sterne, das dem blossen Auge als Wolkchen erscheint'), deren Glanz schwindet wie der eines Feuers vor der Sonne (exitstus — verdunkelt). Hierzu das weitere Motiv: lumifia cancro desunt vgl. zu 2, 256. — So wird der „weitschaueude Kaufmann" (obeu 165ff.) hier zum Patron der Blindgeborenen. — 533 Aus arctus 1 arctus cm artus g eutnehme ich uicht partus, sondern ortus (vgl. II 239 captos effimdit aquariiis ortus; lY 206 certantem uiribus ortum = prolem), endlich wird geminam mortem fata dahunt, mit rhetorischem Effekt erklart durch: se uiuit mortuum, se uiuum sepelit: das Leben des Blinden ein Sterben. — 535 Q^ zeigt beim Aufgange den gierigen Rachen; der passionierte Jager (180) erscheint liier als Schleraraer, der uneingedenk seiner Verpflichtungen (patri natisque reus) seine Habe verprasst. — 539 cupido — capiat semet nec compleat: 'geht iiber sich hinaus, ohne sich sattigen zu kounen',
Buch ^,m-^Tm- (jt-20
iWi .rjed^^^! miiii Bentl. -— Gereehtigkeit-., ;TrT 544 Zu ftZto per fastigia gehort surgens (oriiiir mpite). — 54? [ =c=, chelae surgunt aequatd pondere. Dies wird m einer Huldigung fiiir >; Augustus benutzt ; noch lebt er als Heirrscber iiber die Erde; gesichert ist ihm die Herrsehaft des Himmels. ttt -a^r^ genitus suh pondere lihrae: Augustus ist am IX. cal. octobr., ai&b ^m 23. September unter dem yieicheii der Ijbra geboren, wie er.sel^s^ ili dem aiu IX. : oa;!/ ocfc. a. m- 763 an Gaius gerichteten Schreiben bei Gellius XY 7. 9 bezeugt. ' Dem„ scheirit Manil. H 508 zu widetiv •sprecheu: qnid enim mirahitw tlle maius., in Augusti felioc cum fidserM or^MMa, namlich der SteiHbock, der^attl 23. Dezember beginnt; . Scalig. versucht «lie Differenz auf deu Zustand des Kalenders vor Caesar zi\riiG|czufuhreu, Es ist aber auzunehmen, dass ortum (11. 5Q&) nicht auf die Geburt; sondarsQi di^e EmpfaUgnis sich heziehe (Haeli biii^er- lichem Rechte 23. Dez. des Vorjahres), und dass so Manilius der iiUeste Zeuge fiir die Anweudung dieser bei Ptolemaus erwiihnteu Spitzr findigkeit der Fach-Astrologeu auf das Horoscop des Augustus ist, tgl- Gardtbausen, Augustugj,! ,46!-i. 1'0, jII:4v,1^ rvrvM^ emamen mit Bentl.
553 Ht, Die Auss^rung- Scalig.:: :/"msfm est quod scorpium ah acumine caudae oriri putat veranlasst Dufay uud Boekler zu wundeif lichsten Exkursen, Huet stellt die Saehte richtig.; Es haindelt sich bt>i dem Scorpion um deu Aufgaug der letzteu Sterne des Sternbildes, ftJsQ, 4&r ca//4ft armata^ des niit dem Giftstachel bewehrten Hinterleibsj- e5desi.i Der Scorpion (383 armis potens) wird als Pfliiger aufgefswst sa^^ ■'iSl^: cauda rimatur terras et sulcis semina miscet, oder nach 781 rwr^ireruit, darnach eignet ihm der Pflug des Stiidtegriinders (Verg. Aen.; V 755 und dazu Seryius) und der Pflug des Stadtezerstorers (aaxjh HorazuIvJ^O. 21)..; o h(5i5 8T6 ~ .baiebaB oidO mouon loy eig
560 ^, 230 Tierbandiger, hier Sehlachtenheldi Tifiumphdtor H- prima ueste resurgens: der Schiitzo erscheint mit Fell oder flatterndeai Gewande bekleidet bei Hipparch uud auf Abbildungen (BoH. Sph. 182). — 564 ff.: nnn entscheidet hier ein Zug: H 260. centauro supered et quaeritur unum (sc. lumen\ und es folgt das Horoscop des Hannibai; inuidet in facie saeuitque asperrima fronte: der Neid des Gliick^fe zeigt sich auf seinem Antlitz (vielleicht ist faciem zu lesen), dtii^kt ihm ein hassliches Merkmal auf. — 567 Noch in seinem Siegeslaufe und lange vor seinem Abzuge aus Italien biisst er, schon als Abbild des Centauren^ einaugig fiir Trebia, Cannae, Trasimenus lacus.. > —
Manilius. U. 9
130 Buch 4, 5«8-5S3.
568 Z • Wie bei H^ wird nicht der heliakische Aufgang, sondern der Aufgang der letzten Sterne des Tierzeichens, der pars marina, des Fischschwanzes zur astrologischen Deutung benutzt. ultimus in caudae acumine summo bezeichuet den gemeiuten Punkt ganz klar. — acumine nach Pingre Textremite de la queue; Dufay- in supremo aculeo suae caudae, dem Wortlaute entsprechend. Vielleicht bewaffnete Manilius den Z rnit dem Stachel des Rochen: nulliim usquam exse- crabilius, quam radius super caudam eminens trygonis — quincunciali magnitudine Plin. N. H. IX 155. — Von der reichen Tatigkeit des "Z (IV 245) bleibt nun wenig iibrig (vgl. oben 504: ultraque remittunt uires): namlich der harte Dienst eines Seemannes und schliesslich 570 uitae discrimen inertis: nach Pingre: 'toujours active' — richtiger ware doch wohl 'inactive'. Jacob vermutet: in undis, andere in armis. Vielleicht ist inermis zu lesen, die militia in ponto soll durch puppis colendae ministeria als eine friedliche bezeichnet werden.
571 zz sehr kurz als Tugendheld gefasst. Vielleicht ist er hier als Deukalion der Sternsage gedacht (Hygin. II 91; so auch bei Ni- gidius, Schol. Germ. 80, 154,1).
573 K pisces, sidus marinum II 225, hier Flussfische (582 so- gar squamosi). Mit gutem Humor leiht M. dem Gestirn ('a^^wva') Redseligkeit, Klatschsucht, lasst es durch das Feuer gehen pp. — et 0 — eine Liicke in Igc fiillt m durch animus; ad primos procedere pisces: geboren werden bei dem Aufgange der Fische. — 574 linguae parallel zu garrulitas — mouentum o ist zu halten, denn uenenum nur in M hat hochstens den Wert einer Konjektur, mouentes in 575 ist leichte Anderung. — In 576 (hilingui o) zeigt ferre leichten Wechsel der Konstruktion (erganze datur aus 574, Bentley anderte seret^ leichter ware feref). Das Ganze: Zungen solcher, die boshafte Worte fuhren, sie vor neuem Ohre iindernd. — 578 lihet o uach lihido in 577 andere ich in iuuat. Mit ardentem fiihrt M. einen neueu Charakterzug ein, Venus bringt den Fischgeborenen die Glut (ignes in 582). — 581 Typhona profugit wiire zulassig, nicht aber mit dem Zusatze in undas. — alatos humeros ferentem erklart Jacob durch gerentem (?), Scal. anderte furentem (blos mit den Schultern?); statt humeros bietet c unguem^ M unguis, p anguis. Der Vers entstand wohl aus der Randglosse Typhon im Anklange an 801. — 583 geminis suh piscihus ortus — namlich gemelli, gemellae., auch gemellipara. — Damit schliesst die zweite Portrat-Reihe der signa; sie sind, um mit Firmicus zu reden, hier partiliter, oben platice (im allgemeinen) betrachtet. Sehr vor-
Buch 4, 585-598. 131
sichtig bezeichnet Manil. die Einwirkung der signa auf die unter ihuen Geborenen. Uber ein generabit pectora 507, creant 518, dahitstudia 526, dictat militiam 569 geht er nicht hiuaus. Sie siud lediglich Vorbilder; dies bezeichuet Asclepiades als ein «pfAO^ecv, sich eignen fiir, der zweite Teukrostext (P. L.) als ein SyjXouv, ankiiudigen: SyjXo: gebraucht auch das astrologische Fragment 276 in Tebtunis Papyri Part. II pag. 30 vou Planeten: [6 Ss loO Kpdvjou xpiywvos uTiapxwv xw [xou "Apsw? Su?]- xuxstav hf\koX — daneben omoxtkzl, xa^-iaxrjaiv, auaxT^aexac. Der stoische Philosoph nimmt an, dass, wie die Charaktere der signa vom Schicksal bestimmt siud, so auch den unter ihnen Geborenen eine gleiche Ent- wickhing vorgezeichnet ist. Die letztere zu finden ist die Aufgabe der stoischen diuinatio (vgl. 913).
585 Yerteilung der Lander auf die zwolf Tierzeichen. — Mauil. kennt den astrologischen Erdkreis der Agyptier, die zwolf merkwiirdig gewahlte Lauder auf die zwolf Tiere verteilen, aber er verschmaht ihn als uuwissenschaftlich. Statt jeder Kritik erhalten wir zunachst einen Abriss der wissenschaftlichen Erdkuude (586 — 743). Eine Ver- gleichung mit Strabo, Seueca und der Schrift uspt Tcoajxou lehrt, dass dieser Abschnitt auf Posidonius Lehre (vgl. Miiller de Posidonio Manilii auctore) im wesentlichen zuriickgeht. — 587 — 596 Orieutierung durch die zwolfstrichige Windrose. Manilius uimmt vier Hauptwinde mit je zwei Nebenwiuden an, gibt also die von der Aristotelischen abweichende Auffassung des Posidonius wieder, welche dieser seiner- seits von dem Rhodier Timosthenes iibernommen hatte (vgl. Capelle