Chapter 16
D. Gr. 366): aaxepac slvai zobc, xoj-iTjTac, ahnlich uud ausfiihrlicher
Seneca N. Q. VII 22: non enim existimo Cometen suhitaneum ignem sed inter aeterna opera naturae und VII 3: Apollonius Myndius ait cometas in numero stellarum errantium poni a Chaldaeis. Dem- entsprechend ist ut cuncta (Hdschr. oh cuncta) zu lesen. Diese Ansicht bedarf nun einer Beschraukung in 868 sed trahit, namlich: twv dTio Il'j%-a,y6pO'j t'.v£C |i£v daiepa '^aalv eivac xov 7.0[i.r|XYjv xwv o5x dst cpalvoiievwv oii xtvo? o£ tbpta[Jiivou ypoyou -epioStxwc dvaxeXXovxwv
Bucll 1, 869-881. 37
(Diels D. Gr. 366) und Plinius N. H. II 99: Simt qui et haec sidera perpetua esse credant suoque ambitu ire sed non nisi relicta a Sole cerni; ganz wie hier (869 ff.). Demnach ist Scal. Anderung seu fiir sed unzuliissig, denn rait 869 beginnt kein neues placitum, sondern nur eine genauere, aber notwendige Bestimmung des begonnenen; und ebenso Bentleys perpetuis flammis, denn dies wird eben von 869 an berichtigt oder eingeschrankt. Die Einwirkung der Sonne (rapido aestu, die durchdringende Glut = igne) auf die Sichtbarkeit der Kometen gleicht derjenigen auf Mercur und Venus. Macrobius erklart sich diese Einwirkuug (Comm. in S. Scip. I XIX 6) so: circulus per quem Sol discurrit a Mercurii circulo iit inferior amhitur, illum quoque superior circulus Veneris includit atque ita fit, ut hae duae stellae cum per superiores circulorum suoriim uertices currunt, intelligantur supra solem locatae, cimi uero per inferiora commeant circidormn sol eis superior aestimetur — cum superiora tenent magis radiis occulantur. Manilius begniigt sich, darauf hiuzuweisen, dass beide Planeten uns nur als Morgen- und Abendsterne sichtbar sind, und zwar findet ein dreifacher Wechsel statt: accenso uespere — nach Untergang der Sonne — (Venus erleuchtet den Abendhimmel, fiihrt die Nacht herein, ducit wie Orion die Gestirne I 395) — werden sie sichtbar (nitent), verschwinden, der Sonne folgend, unter dem Hori- zonte {fallunt ocidos), gehen im Osten auf (rursusque reuisunt), schwinden wieder mit Aufgang der Sonne (fallunt usw.) — rursum- que g, gesichert ist diese Form nur zweimal bei Manil. II 73 und IV 125. — 874 Wie oben bei der Milchstrasse, so macht hier die Ansicht den Schluss, welche auf Wissenschaftlichkeit den geringsten Anspruch hat; aber sie gibt Aulass zu einer glanzenden Digression bis zum Schlusse des Buches. — Als instantis fati signa — als prodigia uud ostenta sendet sie (affectus caeli = Erscheinungen am Himmel) die warnende Gottheit — miseratus g (?), miseratur o). — 876 Die Verlangeruug der Endsilbe in futtilihus ohne Position halte ich wie oben vs. 10 bei diesem strengen Metriker fiir nicht glaublich: concanduit (Dufay) ist nicht nachweisbar, ich schlage Umstellung vor: Futtdihus non timquam excanduit. — 877 squalidaque — die verkiiudete Missernte wird beklagt (squalida, frustrata, maerentis) — iii 877 ist effusi coloni (o) nicht zu halten (wunderlich erklart Jacob in terram prostrati maerentes, andere ex domihus in agros effusi), es ist aus jiingsten Hdschr. (F. p. M.) elusi einzusetzen. — 880 bis 895 Die Kometen verkiinden eine Pest. — 881 letalis flamma nicht
38 Bucll 1, 883-907.
etwa ignis mortifer mit Dufay, sondern vis morhi, ahnlich Ovid Metam. VII 592 : letiferis calidi spirahant aestibus austri. — 883 per- aguntur fata puhliea: wie peragere fahulam, peracta fortuna: 'in ganzen Stadten findet das Geschick der Biirger seinen Abschluss auf dem Scheiterhaufen'. — 884 — 895 In Nachahmuug von Thucydides, Lucrez, Ovid (metam. VII 548 — 613 Pest von Aegina), Vergil (Georg. in 478 — 566, Rinderpest) knappe, aber drastische Schilderung der Pest in Athen. — 885 fiinera pacis nach Analogie von funera helli: 'das Sterben im Frieden' vgl. II 597: pacis clades = Schlachten des Friedens'. — 886 alter in alterius lahens cum fata ruehant: ahnlich Ovid met. VII 604, 605: mortisque timorem morfe fugant: 'die Kranken drangen sich zum Tode'. Hier wortlich: einer stiirzte sich auf die Leiche eines andern. — 887 artis medicae: jetzt durch m beglaubigt. uota: Gelubde und Opfer waren vergeblich (Ovid 1. 1. 587 ff.). — 888 fiinera deerant mortihus et lacrimae Ovid 1. 1. 610fF. : qui lacriment desunt indefletaeque uagantur natorum patrumque animae. — 889 lassus defecerat ignis vgl. Ovid 1. 1. 613 nec locus in tumulos nec sufflcit arhor in ignes. — 890 et coaceruatis ardehant corpora memhris: auf einen Scheiterhaufen wurden viele Korper gehauft. Nach Thucyd. II 52: iTzi Tiupa? yap dXXoxpia? cp^aaavts^ xobc, ■^•i]ocaxa.Q ol jxev ETiti^evxs? tov iauxwv V£%p6v O^f^TCiov, oi oe xato[i£VOu aXXou av(D^£v iTOpaXovxES ov cp£pot£v dTrigaav — ausfiihrlich Lucrez VI 1280 und kurz Ovid 1. 1. 610 deque rogis pugnanf alienisque ignihus ardent. — 892 — 895 Zusammenfassuug und Verallgemeinerung. — 893 Zu minantur ist aus dem vorigen ein Subjekt (faces oder cometae) zu erganzen. — 895 nouum sortita sepulchrum: eiue Hin- deutung auf die rATtupwaci; der Stoiker, welcher gewisse Anzeicheu vorausgehen. — 896 Drittens verkiindigen die Kometen Kriege und jahen Waffenlarm, zuerst draussen (898). Hier die alteste Nachricht iiber die Varus-Katastrophe, geschrieben in frischer Erinnerung; auf- gefasst wird sie als ein Ergebnis kluger Tauschung und als Bruch des Bundnisses; angedeutet wird ihr gewaltiger Eindruck auf die Romer. — 904 ff. nec mirere anschliessend an das Vorige: saepe domi culpa est: die Schuld Hegt bei uns, wir wiirden sie erkennen, wenn wir die himmlischen Zeichen beachteten. — 906 Hier sollte ein zweites modo folgen, dafiir steht etiam. Folgen die Biirgerkriege {bella cognata): da geht nun Manilius bis zur Gegenwart, weiter als Vergil Georg. I 487 ff. — 907 nec plura alias incendia mundus sustinuit nach Verg. Georg I 467: non alias caelo ceciderunt plura
Buch 1, 908-926. 3^
sereno fulgura nec diri totiens arsere cometae. Ebenso nennt Vergil zwei Kampfe bei Philippi 1. c. 490 Romanas acies iterum uidere Philippi — his sanguine nostro Ematliiam et latos Haemi pingues- cere campos: dem entspricht v. 910 uixque etiam sicca iniles Romanus Jiarena — Pharsalus und Philippi sind als nahe bei einander, wenigstens in derselben prouincia liegend gedacht. Alles etwas hyperbolisch, aber der AufFassung jener Zeit entsprechend: Augustus erfiillt die Pflicht der Rache an den Mordern (ducihus cruentis 908) seines Adoptivvaters. — 914flF. Actia hella dotali commissa acie: die Kriegserklarung richtete sich gegen Cleopatra, welche die Kriegs- kosten trug. dotalis acies: ein aus der Mitgift bezahltes Heer. — 915 alea rerum: 'die Entscheidung iiber die Herrschaft', wie V. 52 Actia- cosue sinus inter suspensus utrimque orhis et in ponto caeli fortuna natabit. — 917 femineum iugum — mit dem Siege des Autonius ware Cleopatra Herrin Roms geworden; die Agyptische Isis wollte gegen den Capitolinischen Jupiter kampfen, sistrum gegen fulmina, die Kriegsklapper gegen den Donner der Schlacht. — cum Roma pependit — alle Hdschr. (auch m nach L) geben pompa rependit^ eine alte Corruptel, beruhend auf der nach unseren Handschriften haufigenVerwechselungahnlicherMajuskeln. — 919 Restabant: chrono- logisch nicht richtig, da Sextus Pompeius das Jahr 31 nicht erlebt hat: profugo milite seruilia hella: Proscribierte und Sclaven bildeten Pompeius Heer, daher seruile hellum. — 921 Sextus Pompeius hat seines Vaters Feinde, die Seerauber um sich versammelt, unahnlich jenem, der das Meer befriedete. — Bemerkenswert ist in der ganzen Digression von 874 an die pragnante Kiirze des Ausdrucks. — 922 ff. Schluss des Buches. Manilius kehrt zu dem Gedanken der Widmung (Vs. 5) zuriick, zu dem Priedensfiirsten, diuus Augustus. — fatis: 'Heimsuchungen', die durch das Fatum bestimmt sind — Kriege nach aussen, Zwietracht daheim. — 925 sit Roma siih illo, namlich in- uicta. — 926 cumque deum caelo dederit sc. Roma. — Entsprecheud dem Vs. 800 wird man unter Deum hier nicht Caesar, sonderu Augustus verstehen. Dann ist zu quaerat {quaerit hat nur m) deum zu erganzen, namlich in orhe. Rom soll einen Gott auf Erdeu nicht suchen oder vermissen, sondern sich des Augustus als praesens Diuus erfreuen. Freilich: non quaerat in orhe konnte jemand auch als eine Hindeutung auf den unbeliebten Thronfolger ansehen.
ZWEITES BUCH.
Inhalt. Nach einem tJberblicke iiber die Leistungen seiner Vorganger im Lehrgedichte stellt Manilius als seine Aufgabe hin: das Walten der Gottheit zu besingen, welche des Erdenbewohners Geschick an die Gestirne gekniipft hat. — 149 Es folgt die Astrologie des Zodiacus: sie behaudelt die 12 ^wSia nach ihrer Natur — 269, — nach ihrer Stellung zu einander — 432, — ihrer Unterordnung unter zwolf Gotter — 442, — ihrer Herrschaft iiber die menschlichen Glieder — 465, — ihren Beziehungen unter eiuander — 686. — Sie behandelt dann die Gebiete (fines) der i^toSta, zuerst die Zwolf- teluug — 787, — sodann die vier Hauptpunkte — 807, — deren Bedeutung fiir das menschliche Leben — 840, — die Intervalle zwischen diesen Hauptpunkten — 855; — endlich die zwolf Hauser des astrolo2:ischen Himmelskreises — 970.
Erklarimg.
1 — 11 Der abfalligen Kritik seiner Vorganger schickt Manil. einen schwungvollen Hymnus auf Homer voraus: in knappster Form geben drei Verse den Inhalt der Ilias, drei den der Odyssee. — 3 Hedore- umque facit tutamqiie o (Hedoreamque F p M) — • in dieser Fassung un- brauchbar; die Anderung facem oder faces (nach V 301: Hectoris faces) erwahnt eine einzelne Tat Hectors, nicht aber den Ausgaug der llias; auch Bentleys Athetese ist nicht annehmbar; die beideu xptxo^Xa, eines fur die Ilias, eines fiir die Odyssee sind festzuhalten. Ich empfehle den an seiner jetzigen Stelle unbrauchbaren Vers I 766: castra ducum et caeli uictamque sub Hectore Troiam hier einzusetzeu. Gotter und Helden beteiligten sich am Kampfe, durch Einwirkung der Gotter fiillt Troja, besiegt in der Person Hectors; vgl. IV 24 Troia sub uno non euersa uiro — 'erhalten in der Person des Aeneas' — zu castra Cic. d. N. D. II § 70: qzmm duos exercitus contrarios alii di ex alia parte defenderent.
Buch 2, 4-20. 41
4 Inhalt der Odyssee: Ndaxo;, Kampfe der Seefahrt, Bestrafung der Freier — ebenfalls in drei Versen. — errotrmque diicis — instantem : kiihn statt instantis, errorem hervorhebend : — geminata per agmina {aequora erst in c und jiingeren Hdschr.) ein erneuter Zug, aber ffegen eiuen anderen Feind. — Merkwiirdig ist hello. Vielleicht ist saeuo zu lesen, passend zu iionto., dem Elemente des zurnenden Poseidon (L u. N sind oft verwechselt, z. B. IV 610: bellum (o) statt leumn) ■ — patriae cui iura petenti schrieb richtig Gronov, jetzt auch Bechert; zu dum dahat eripuit ist posteritas (Vs. 9) Subjekt. Hinter 7 bietet m den Halbvers omnia peruolitans (66); ihm folgen Uj n.y — 8 cuiusque ex ore jjrofusos: nach Lucrez VI 6 omnia ueridico qui quondam ex ore profudit. — 9 latices nun gesichert durch m (der nach Lowe latites in latices korrigierte, wahrend u latites ohne Korrektur bietet, also der ersten Hand von m folgt). — 10 amnem im Gegensatze zu tenuis riuos^ daher mit Bentl. diducere zu leseu. — 11 sed in Aufzahlung: aber nun. Hesiodus findet auch noch Anerkennung: Theogonie (11 — 18), spya xod Yjjilpat (19 — 24) sind kurz erwiihnt. — 13 chaos hier wie I 125fF. als Mutter der Erde, des Himmels und der Gestirne, wahrend bei Hesiod. (6 116 yjxoc [jlsv TipwxtaTa x^°? ysvsx'* a5xap eTisixa FaE' eupuaxspvog) die Erde den Sternenhimrael gebiert. — 13 orhemque suh illo infantem et primos tituhantia sidera corpus (o): die Welt ist im Werdestande (infantem)^ und in dem gleichen Bilde: die Gestirne versuchen schwankend den ersten Lauf. — corpus (o) ist unbrauchbar. Lowe conjicierte am Rande seiner Kollation |jasszts, den Sinn treffend. Richtig setzt Bechert cursus. — 15 louis et cunahula: 'die erste Kindheit' (vgl. V 30). — 16 sub fratre uiri nomen: in der Person des Bruders wird er Gatte der Schwester und Vater ohne Mutter. Es ist matre zu schreiben, /Va^re ist Dittographie. Gemeint ist die Geburt der Pallas: Hesiod. 0 924 : aOxog 6' k-/. v.t^ci.Xr\c, y^auxwTiwa ystvax' 'A^S-tqvtjv. Dafiir spricht in 17 das iterum nascentem patrio corpore, der zweite Fall solcher Geburt (denn Semele gebiert doch nicht).
18 omniaque inmenso uolitantia lumina mundo — die Ent- stehung der Gestirne ist an richtiger Stelle 14 gemeldet; iiber omnia — sidera sagt Hesiod niehts; der Vers ist zu streichen. — 19 notauit {notarit s; rogarit to, der Conjunctiv war durch quin ver- anlasst). Von hier Inhalt der epya y.ac ri\xipa,'.. — 20 quod mit Conjunctiv hier und 22 im Inhaltssatz (statt acc. c. inf.) in Augusteischer Zeit noch sehr selten — Verg. Aen. IX 289 nox et tua testis dextera..
42 Buch 2, 21-39.
quod nequeam lacrinias perferre parentis. Bei Manil. IV 250 quod ferrum calidi soluant — camini ■ — kann man quod gleicli quatenus und also indirekte Frage annehmen. Die Construction wird im 2. Jahr- hundert haufiger (s. Draeger Hist. Synt. TT 230). — Dass Gotter und zwar iiertinentes per naturam cuiusque rei verehrt werden, duidet auch der Stoiker: so mag Bacchus die Hfigel, Ceres Fruchtfelder, beide far die Oeibaumpflanzen Pailas (so statt der Dittographie Bacchus in 21) sich aneiguen. — 22 uagis adidtera pomis: haufigea Bild: 'dass durch Veredlung die Baume verschiedene Friichte tragen' (vgl. V 267 ut sit adidterio sucorum gratia maior: 'durch Zu- mischung'). — 23 Fortfahrend im Anschiusse an 21 erhalten, wie colles, campi., so auch Wjilder und QueTlen ihre Gottheiten, Faune und Naiaden: die Concinnitat spricht fiir das gewahlte: sacrataque numina lymphis (statt des sinnTosen nymphis^
25 Es folgen die Dichter der ',pacv6[X£va und oiorsr\^tloL. weTche die Consteliationen (figuras) und jedes Gestirnes Sage und Geschichte (causas) meiden. Wie diese Leute verfahreu, zeigt Manilius an Bei- spielen. Er wJihTt sie nach seinem Zwecke, nicht zur blossen Wieder- hoTung aus I 250 ff. An den HimmeT wurdeu die astra aus ver- schiedenen Griinden versetzt (variis pendeniia casibus astra uoluerunt fixa reuolui). Er zaTiTt sie Ivurz mit meist je einem Schlagwort auf: Strafe, Trauer, Siihue, Entfiihruug, Tiiuschung, IviudesTiebe, Stich, Fell, Biss, Verwandlung, Schwimmkunst — gewahlt mit der grimmigen Ironie des Stoikers (vgl. zu 1, 750), um zu dem Urteile zu gelangen: 37 — quorum carminihus nihil est nisi fabida caelum terraque coni- posuit caelum quae pendet ab illo — so nacli Cicero de N. D. II 28 ff. — Im einzelnen ist zu bemerken: von 28 an soIT nach Bentl. alles von uoluerunt fixa reuolui (36) abhangen; das ist fiir seine Text- gestaltung wichtig. — 28 Persei et ist unzulassig; es ist wohl mit Bentl. Persea et Andromeden poena zu lesen. — poena hier wie in V 547 ornatur uictima poenae, und 554 seruatur tamen in poena — die Ankettung an den Felsen — denn so erscheint sie im Stern- bilde — ist Strafe und Grund fiir ihre Versetzung an den Himmel. Dann fasse man dolentem sc. poenis, und erganze zu soluentem auoh poenam; Cassiope ist iu Trauer, Cephens biisst fiir seiuen Frevel. (Die sonstigen Losungen: soluere concmtem, oder solantem befriedigen nicht). — 29 raptuque Bentl. — die Uberlieferung ist zu halten (vgl. 31 dmtam). — 32 nepa — von hier an htiufig — scorpios. — 39 Quin etiam deutet darauf hiu, dass auch die Bukoliker (39 — 42)
Buch 2, 41-49. 43
keine besondere Wertschatzung erfahren sollen: Theocritus — (aber Vergil ist auch gemeint) besingt die Pflege der Herden und den Flotenspieler Pan. Die falsche Stellung ritus pecorum in 1 und c ver- leitete zu einem imorumque in jiingereu Hdschr. und zu Bentleys Anderung iiastorum. Die Verbindung Pans mit dem V^alde, den Herden, der Rohrpfeife nach Vergil Ecl. II 32: Pan curat oues ouiumque ministros; aber auch in 41 und 42 schwebt Pans Tatigkeit dem Dichter vor: nec siluis siluestre canit: 'sein Lied ist fiir den Wald bestimmt, aber hat keiue Waldesart', per horrida motiis rura serit dulcis: 'zierliche Tanze fiihrt er auf wiister Flur' — 'seine Muse geht auf den Acker' — alles mit beissendem Spotte. Die einzehien Ztige: Pan als Chorfiihrer der Nymphen in W^ald und Wiese, der Tanz und das Lied zum Preise der Gotter in Hom. Hymnus XIX zIq Ilava (19 — 27). In 42 arua statt anras seit Scal. — • 43 — 45 Gemeint sind mit hella ferarum die Cynegetica des Gratius Faliscus; mit volucres, angues, Jierbae Aemilius Macer (Ovid Trist. IV 43: saepe suas uolucres legit mihi grandior aeuo, quaeque nocet serpens, quae iuuat herba, Macer). In 44. 45 ist wohl etwas zu iiudern: verstandlich ist 45: fata (= mortem) refert uitamque sua radice ferentis scil. herbas. Aber unverstandlich ist in 44: nata, Sinnentsprechend setzte Bentl. gramina et herbas., aber zu weit ab von den Hdschr. Ich empfehle prata per herbas (Umstellung der Praposition).
46 Den in Finsternis eingetauchten tartaros rufen die Dichter aus schwarzer Nacht an den Tag (inmersum statt inmensum, haufige Verwechselung; tartaron atra nach den Spuren iu g u. m — tartara natra in g tartara nacta in m; plur. tartara II 794). Nicht Necro- mantie, Zauberformeln (wie I 93: sollicitare umbras und Ache^'onta mouere) sind gemeint. Manilius fiihrt hier die letzte Dichterklasse vor, welche eine vsxuta schafft und auf einem Abstieg (">caxa^aat;) in die Unterwelt die Seelen befragt: damit deutet er auf Vergil. Uber sie urteilt er: den fest geschlossenen Erdball rollen sie auf, er- dichten eine Unterwelt, das Gesetz der Natur verletzend — ahnlich sagt der Dichter des Aetna 75: uates sub terris nigros uiderunt carmine manes'"). — 49 Breit fliesst der Strom der Dichtung, doch geniigt er
'■') Manilius richtet seine Kritik gegen die romische Didaktik. Nun, auch gegen Manilius wendet sicli eiue hofliche aber scliarfe Kritik. Ich finde sie in der Dichtung Aetna. Die Stelle 225—250 gibt meines Erachtens den wesentlichen Inhalt der Astronomica des Manilius — Panope, rubeat Phoebe
44 Buch 2, 53-67.
niclit dem Bedarf der Menge, die sich zum Trivialsten drangt (nota, die abgenutzten, vorhin erwahnten Stoffe. (Die Vorschlage uota u. pota, so Lowe in seiuer Kollation — sind nicht sinngemass). — Der echte Dichter braucht ueuen Stoff (53), fiudet ihn fern vom gewohnlichen Treiben — auf bhimiger Aue oder in geweihter Grotte (Dionaeo sub antro Hor.). — 57 Ganz eigen soll sein Gedicht sein — ora: Rede (II 897 u. 916 Romana per ora, IV 441 nec pariia est gratia nostri oris, V 480 referetque affedibus ora i. e. gestihus orationem). — 58 ueniet, etwas stilrker als erit. — curru und rate, beide bestimmt durch solo uolamus und propria pellimus; das Ziel ist caelum, nicht campum (Beutl.), wozu solo nicht passen mochte. — 60 ff. Gegenstaud ist ihm Gott, in stoischer Auffassung, ganz nach Posidonius tzz^I %-z(bv — vgl. Comm. Bern. Luc. IX 478 p. 305. 23: ait enim Posidonius Stoicus: ^-eoQ laxi TtVsOfJia vospov oii]v.oy oi aTiaaYj^ ouata^: deus est spiritus rationalis per omnem diffusus materiam hoc est terram aquam aera caelum. — 63 totumque alterno consensu uiuere mundum — in etwas freierer Konstruktion von canam abhangig. Diesen consensus erschliesst Manilius, ganz nach Posidonius, aus der Einheit Gottes: cum spiritus unus per cunctas hahitet partes, fast wortlich uach Cicero, welcher aus derselben Quelle schopfte: oratio de conuenientia con- sensuque naturae, qiiam quasi cognatione continuata conspirare dicehas — negabas id accidere potuisse nisi ea uno diuino spiritu contineretur (d. Nat. D. III § 28). — 65 irriget orhem bildlich wie sol irrigat caelum candore (Lucr.), sopor irrigat artus (Verg.) lanugo genas irrigat (Accius) ==- belebend durchdringen. — 66 corpiisque animale figuret: 'schafft eine beseelte Welt': nach Posidonius xa: ^wov 6 7.6a[jto? (Diog. Laert. VII 142), animal tellus (Ovid. met. XA^ 342), siue animal est mundus (Sen. N. Q. III 29. 2). — 67 Das Weltgebaude (machina mundi) ist einheitlich regiert (vgl. II 807, III 47 ff.); dafiir negativer
mag als Zusatz gelteu — uud zwar zum Teil mit Manilius Worteu {caputque attollere caelo 227, lyrincipia mundi 229, aeterno religata machina 230, uices sig- norum et tradita iura 235, tempora cur uarient anni 239, axem Helices 242, in louis errantem regno perquirere uelle 256, diese uach Manil. IV 907 propiusque aspectat Olympum inqueritque louem nec solum fronte deorum contentus manet et caelum scrutatur in aluo) und schliesst darau die Kritik: „dies alles zu er- grijnden sei geistiger Genuss, erhebend zugieich und erquickend, aber Torheit sei es in Jupiters Reich umherzuirreu, statt die Erde zu erforschen, die uus doch njiher liege als die hiramlischen Gestirne." — Ich vermag Sudhaus uicht zuzustimmen, der iu dem Ganzeu eiuen selbstaudigen metereologischen Exkurs ohne weitere Tendenz findet.
Buch 2, 70-92. 45
Beweis (70—79) ahnlich wie I 173 ff. — 70 amhitus Umlaiif, Gegen- satz zu statio. — 76 Summa haufig bei Mauilius: das aus allen Teilen erwachsende Ganze. — 78 sideret orbis: vor Bentl. las man sidera nobis nach jiingeren Hdschr.; die altern haben sidera orbis: das Meer, die Brde, die Gestirne sollen in ihrer Ordnung bleiben: die Erde namentlich nicht sinken. — 82 Hier beginnt das Grundthema des Gauzen: die Gottheit lenkt das Geschick aller Erdengeschopfe durch die Gestirne (ducit wie I 18 regat generetque animalia), macht sie ab- hangig von den himmlischen Gestirnen — es ist aetheriis statt aeternis zu lesen, als Gegensatz zu terrena animalia. — 85 quae sc. signa: freiere relative Ankniipfung wie I 15 — cogit sc. deus — uitas, fata^ mores: Geburt, Tod, Charakter bestimmen die Sterne: dies zu erkennen, werden wir durch klare Zeichen gezwungen (87 — 105). — 87 7iec minus glc {munus m). Mit Scal. nehme ich comminus: handgreiflich, augenscheinlich liegt der Beweis vor: mit sechsfachem sic (d. h. nach dem Willen der gottlichen Vernunft — ) werdeu sechs beweisende Beispiele aus der Natur eingefilhrt. — 87 Wie die Erde so beherrscht der Himmel das Meer, zunachst (89 ff.) in Flut und Ebbe. Die ganze Lehre des Posidonius drangt Man. in vier Yerse zusammen: Tloaei- owvioc UTio [X£V X7]s aeAYjVTjc; %iyeXG^a(.i xouc; (xyi\iO'jq bno os xouxtov xa TieXayYj £v olg xa TipoecpYjfxsva yiyvea^J-ac 7iix%"ri (Diels D. G. 383), und ausfiihrlicher bei Strabo III 173: cprjac bk xrjv xou wxeavou xtv/jacv uTcexstv aaxposiSrj Tcsptooov xrjv p,£v Yj[Ji£pT^aiov aTtOowouaav xrjv os jXYjvtacav xyjv oe ivcauaiav au[XTca9-(]t)s x^ a^Xr^viQ, sodann nach der- selben Quelle Plinius H. N. II 97 auf Grund genauer Beobachtungen. Hiernach 89 caelum pontum mouet ac terris inmittit et aufert: causa in sole lunaque (Pliu.), Posidonius neunt die Winde als vermittelnde Kraft; das fehlt beiManil., aber nach Plinius Worten: ancillantes uideri aiiido trdhentique secum haustu maria cett. kennt Posidonius schon die Anziehungskraft des Mondes. — 89 gibt die tagliche Bewegung; — 90 und 91 die xtvrjatg [xyjvtaia: die das Meer beherrschende Be- wegung (sedifio) ist am starksten zur Zeit der Syzygien (mota sidere lunae: bei Yollmond, stimulata bei Neumond diuerso recessu; recessus im Gegensatze zu accessus, 'Abuahrae'); endlich (Ys. 92) wird auch der Einfluss der Sonne erwahnt (xtvYjaos Ivtauata): die Flutwelle be- gleitet die Sonne in ihrem Jahresumlauf in wechselnder Starke (aus- gefiihrt bei Plinius 1. 1. solis annuis causis duobus aequinoctiis maxume tumentes et autumnali amplius quam uerno^ inanes uero bruma et magis solstitio — das Ganze ein Zeugnis fiir die glanzenden Beob-
46 Buch 2, 93-109.
achtungen des Posidonius uud fiir seine bei aller Kurze doch sehr ffenaue Benutzung durch Manilius. — 93 — 95 Der Mond beherrseht auch die Tiefe auf dem Meeresgrunde: Cicero de div. II 33: nndta enim Stoici colligunt — ostreisque et conchyliis omnibus contingere ut ciim lima pariter crescant pariterque decrescant und Plin. X. H. II 109 aus derselben Quelle; in 95 hat m tum, die ubrigen cum, es ist darnach zu lesen et tua damtia, tuas etc.
96 — 98 Fiinftes Beispiel: Dein Glanz als Gestirn hangt von dem Glanze des anderen Gestirnes ab: sidus sidere constas. Dies wird an den verschiedenen Stellungeu des Mondes zur Sonue gezeigt. ora die voUe Mondscheibe in den Syzygien; quantumque relinquis aut dedit ille die Stellung des abnehmenden uud des zunehmenden Mondes. Hiernach lese ich sic (96), relinquis (97 nach g). constas (98 uach g). — 99 — 10-i Letztes Beispiel: auch die Tiere verstehen uud ehren ihren Schopfer. mundum parentem, caelum ac sidera — corpora lustrant: Elefauten baden sich bei Neumond nach Plin. X. H. WYl 1 — reditura serena: substantiviertes Adjectiv mit Attribut.
105 Ruckkehr zum Thema sentiri signa ut vitas fata mores ministre7it. Ein gewisses Verstaudnis der Zukunft zeigen die Tiere, wie viel mehr der dem Himmel verwandte Mensch. — 106 eximium: der Ausdruck aus der parallelen Stelle bei Cic. d. X. D. H 140 ad hanc prouidentiam naturae — intelligatur quantae res hominibus quamque eximiae tributae sint pp. An die weitere Schilderung bei Cic. schliesst sich Manilius lY 872 ff. an. — eximium o viel angefochten: man vermisst eiuen Dativ: daher Beutl. cui xenium, Francius cui dedit eximiam vorschlug (auch exirnio mit Ergauzung vou huic uni. eximiam. scil. linguam ist empfohlen). Ich halte eximium als Sub- stantiv, entsprechend den eximiae res bei Cicero: es sind vier Gaben, samtlich besonderer Art geuannt. Substantivierung der Adjektiva ist bei Manil. hilufig. vgl. Jacob i7id. unter rotundum. Ahnlich Plin. X. H. YII 141: Magnum et sidjlime, sed yro oculis datum. — 108 seque ipse durch Igm gesichert, ipsumque c. was sprachlich, nicht aber metrisch zulassig ist. — 109 mitto Beutl. wie 111 u. 113. — alias artes: wer aus den Gestirnen das Schicksal der Menschen erschliesst, dessen Kunst ist eiue diuinatio: was uber sie Posidonius in seinen funf Buchern lehrte, gibt Cic. de diuiu. I; hier kommt nur § 132 in Betracht: nunc illa testahor, non me sortilegos neque eos qui quaestus causa Imriolentur ne psijchomardia quidem agnoscere — non enim sutit ei aut sciefitia aut arte diuini. Diese Kiinste stehen ja zu Gebote.
Buch 2, 112-133. 47
aber sie sind triigerisch iind sind keine Aufgaben fiir meinen Beruf. — 112 ist unverstandlich; sehr verdachtig auch 111. — 113 schliesst sich an 110 an; die Unsicherheit der dort bezeichneten Weissagungen folgt aus der Unabanderiichkeit des Schicksals, dessen Verhaltnis zur Materie (cogere imd cogi) nach Zeno augegeben wird: ap)(ac; |X£V xov ■y-eov xal xyjv uXyjv ' wv 6 {jiev iaxi xou uotelv aXxiog yj 5^ ToO 7i:aa)(£LV. lu 111 ist 7iiitto gesichert, die Verkiirzung der Endsilbe zulassig, daher die Einschiebung vou et aunehmbar. In 114 hat 1 durch Dittographie aus 113 fatum ebenso c, daher materiae, wahrend materiaeque in g und m steht, aber m korrigiert nach 1 datum est^ das urspriingliche hat g bewahrt: sat est im Sinne von consenianeum est. — 115—135 betouen wiederholt (I 25) den gottlicheu Ursprung der Astrouomie. — nosset entstand durch folgeudes et; ^jossit ist gram- matisch korrekter als 2^osset (g); dasselbe Schwanken in 121 posset g 'possit to, aber dort ist posset das grammatisch richtigere. Ferner: wenn quis das Subjekt bis 126 seiu soll, so ist die Wiederholung von posset oder possit iu 121 befremdeud. Es ist wohl mit Bentley in 117 quisue statt atque zu setzen. — 117ff. bezeichnen den Inhalt der Auf- gabe, Vs. 120 geht dariiber hinaus und ist formell uud inhaltlich ver- kehrt (man soll verbindeu terras et fretum caeli sc. subiecta, et quae terrae etfreto subiecta sunt; was das aber sein sollte, ist unverstandlich). — 124 dictasset ojms. Die Natur, mundus, deus, ordnet das Schaffen des Dichters an, vgi. I 12, 11 130. — r29ff. circuitu: bisher waren Er- scheinungen angefiihrt, welche auf die Macht der Gestirne schliessen liessen, jetzt soll der wissenschaftliche Weg betreten werden {secunda =■ sequenda), die Ursachen werden betrachtet, dann ergibt sieh die Wirkung, bewahrheitet sich die Weissagung: verae causae 132, euentus praedicitur 133): Alles nach Posidonius und der stoischen Lehre vom Schicksal: kurz bei Diels D. Gr. 324 £L[xap|ji£VYjv — oi Ilxwixol elp^ov aixiwv xouxEaxL xa^tv xal £7itauvO£aiv dTrapaPaxov; ausfiihiiich bei Cic. de diuin. I 55 mihi uidetur, ut Posidonius facit a deo deinde a fato deinde a natura uis omnis diuinandi ratioque repetenda. Fieri igitur omnia fato ratio cogit fateri: fatum autem id ap^^ello, quod Oraeci £E{iap[i£VY]v id est ordinem seriemque causarum, cum causa causae nexa rem ex se gignat. Und 56: qui colligationem causarum omnium 2;er- spiciat animo, nihil eum profecto fallat. Auch nicht das zukiinftige, denn auch dies ist Ergebnis bestimmter Ursachen. Und wenn die Brkenntnis der Ursachen nicht immer moglich ist, so muss man doch jhre Zeichen uud Merkmale erforschen, und aus deren Beobachtung
48 Buch 2, 136-150.
erwachst die Prophezeiung-, welche also auf das Fatum im obigen Sinne zuriickweist. Dies also ist die stoische Legitimation der Astro- logie. — 136ff. Nochmals des Dichters individuelle Aufgabe wie oben 50 ff. — ad sidera fere: sein Gedicht ist fiir den Himmel bestimmt, nach 141 caelo noscenda, und erklingt am Himmel (rnirantihus astris), fern von der Menge. Daher schreibe ich 7iec in turha nec turhae. — 138. Wie oben 58 soloque uolamus in caelum curru, so hier ueluti uectatus und uacuo in orhe, im einsamen Himmelsraum. Zu diesem Bilde passt aber weder (Scal.) uerhere agam currus, noch (Bentl.) liher agam currus. Es ist wohl lihrato curru zu schreiben: die hdschr. Lesart V ta ta in c zeigt, dass die Majuskehi Y u. L wieder einmal verwechselt wurden; aus uhratd machte dann l^ und g umhrato, was keinen Sinn hat. Lihrato: technischer Ausdruck fiir freischwebend (I 173 n 921) von Himmelskorpern ; also: gleichsam getrageu vom freischw^ebenden Wagen will ich singen, was der Himmel unter dem Zujauchzen der Gestirne horen soll, und die kleine Schar derer, denen die Gestirne den Zutritt zum Himrael nicht versagten. Eine noch- malige Erwahnung solcher phantastischen Fahrt findet sich Y. init. — 144 Diese Schar ist Ideiu: grosser die dem Dichter fern bleibende. — fluit: 'sie hat keine feste Richtung, schwankt haltungslos', fluctuat, vgl. ni 328 fortuna usque adeo permixta fluit, IV 377 confusique fluunt partus. — 147 et hlandis aduersa sonis: wenn die Lesart zu halten ist, muss aduersa Objekt sein, etwa nach Jacob: 'was schmeich- lerischen Klangen sich zuw^endet', jedenfalls ein seltener Gebrauch von aduersa. — 148 ut modico lahore = da ja diese Arbeit gering ist im Yergleiche zur Miihe, mit welcher die Weltordnung studiert wird.
— 149 fatorum et — freilich die Weltordnung stellt an uus auch die Forderung, dass wnr sie begreifen lernen.
150 You hier an tritt Astrologie an Stelle der Astronomie: sie lehrt, wie die Gottheit durch Gestirne Leben und Schicksal der Menschen leitet und erkennen lasst. Welchen Quelleu Manilius folgte, ist unbekannt, jedenfalls griechischen, nicht den I 51 angedeuteten. Nach Bolls Entdeckung (Sphaera 543ff.) haben wir eine solche Quelle in der a'falpa jjap^aptxi^ des Asclepiades vou Myrlea (100 v. Chr.) zu erkennen, an die Manilius sich mehrfach anlehut. Jetzt liegt im Catalog. codd astrol. Y. 187 auch der erste Abschnitt des Kapitels vor, dessen zweiten Teil Boll abdrucken liess. Dieser Abschnitt
— iiber die Bedeutung der Cw5ta — zeigt die gleiche Fassung wie der von Boll mitgeteilte Abschnitt iiber die iibrigen Fixsterne, und
Buch 2, 151-167. 49
darf daher ebenfalls auf Asclepiades zuruckgefiihrt werden. Da finden sich die gleichen Gruppierungen der ^wSta wie bei Manilius: xpoTiixa, ■)^[ji£ptva, voxTsptva, apaevcxa, S-YjXuxa, StcpuTj, Sc'ato[ia, •^epaouoc, uypa, opO-a, TcXayta, aber auch einige dem Manilius fremde: Xoyr/.a, aXoYoc, JtaxpwSYj, dazXyr], ai^wva, aLViyiJtaxwOYj, 'Ep[xalxa — fiir den etymolo- gisierenden Grammatiker charakteristische x\.usfiihrungen. Gemeinsam ist ihnen, dass die Gestirne nicht mehr als meteorische Erscheinuns-en, sondern als Charaktere, Personlichkeiten (species, facies — mores, in- getiiiim sagt Manilius II 155 — 57) erfasst werden. Nach Manilius haufen sich derartige Gruppierungen ungemessen (vgl. Bouche- Leclercq Astrologie Grecque pag. 150 Aum. 1). Nun muss Asclepiades als der alteste Vertreter einer vermutlich reicheren griechischeu Literatur gelten, welche die Gestirne als vorbildlich fiir die Lebens- richtuug der Sterblichen erkannte. Wurde — nach Bolls Aus- fiihrungen — Asclepiades durch Crates 'den ergebenen Anhanger der divinationsglaubigen Stoa' beeinfiusst, so liegt es nahe, ihu als Quelle fiir Manilius anzusehen, deren Kenntnis uns freilich nur in einem diirftigen Excerpte zuteil wird. Firmicus scheint mehr zu kennen: (II, IX, 1) explicatis signorum generihus ac formis et natura eorum diligenti ratione perscripta^ sicut nobis ^Jfudentissimis Graecorum magisteriis tradituni est. Leider ist dieser Abschuitt bis auf einen Rest (iiber die Fische) verloren. Ich vermute, dass Firmicus auch hier Manilius ausgeschrieben und wie auch sonst nicht genannt hat. — 151 Charakteristik der 12 i^wSta bis lib. IV — zunachst ihre Gruppierung nach Kategorien uud bis 269 als Einzelwesen. — 151 bis 154 masculina — feminina. — 152 taurus auersus (I, 2(54) ist Pemininum, nicht nach Scaliger: xivatStxds, quod auersus, et O-yjXuc, quia diues puellis, sondern wie Hygin. II 21: cum lo in bovem sit conuersa — so fiihrt Manilius, einer besonderen Quelle folgend hier die den Bosporus durchschwimmende lo-Kuh als ^ vor. ■ — 155 bis 156 humana n ttp :^ (d. h. deren Trager, eine sitzende mannliche Pigur vgl. Boll sph. Tafel VI) und os!. — ferina: V b (pecudes) ^ ^ '^ Z X (ferae) ■ — diese von 150 an) sind Einzelwesen (|iova(^ovxa) mit Sonderaufgaben. — 159ff. Die zwiefachen, au^uya; zwei Wesen in einem Zeichen (II K); sin Wesen mit verschiedenen Gliedern (Z ^)', eine Person mit doppelter Aufgabe (ttp): alles nach den Bildern der sphaera. — 167 ex paribus — censu: diese Paare erfreuen sich ihres vollen Besitzes, kein fremdes oder angefiigtes Glied ist zu sehen (exterius admissimue). Andere: dolent quaedam
Manilius. II. 4
50 B"
qiiod parte recisa (erganze: meant aus 168): ^, der in den Fisch- schwanz, ^^ der in ein Pferd endigt. — 171 Nach den Spuren iu m setze ich: id capricornus et intentum qui (utque und et hic qui sind wohl Interpolatiouen) und vermeide damit die unschone Elision (qui intentum). — 173 und 174 tilgt Bentl. wegen des wunderliclien alta in arte und duplane figura (doppelter Korper!) mit Recht. — 175 tip gehort zu astra hina^ nicht facie] ihrer Oestalt nach astrum simplex, aber ihrer Aufgabe nach ratione dupilex (Bentl.): als Gestirn vor einem signum tropicum wirkt sie ein auf die scheidende wie auf die kommende Jahreszeit. Dies wird weitlaufig auch fiir n -^ K his 196 ausgefiihrt. — 182 Im Sternbild folgt der eine Bruder (bei Manilius ist es Apollo) unmittelbar dem Stiere, ergiinzt also die Zeit des Friihlings; dem zweiten Bruder (Hercules) folgt der Krebs, der Sommer; dessen Hitze spiirt also jener schon. So teilt sich da.s Sternbild gleichmiissig in Friihling und Sommer (186) — astronomisch ist das wie bei / und K zu bemangeln. — 185 ist wohl mit Scal. ut zu setzen. — 186 sors ultima parti: parti o ist nicht zu andern. pars und sors sind hier gieichbedeutend. — 187 s^ib ipso promittit: 'verheisst in seinem Laufe den Winter'.
189 In Vs. 172 folgten wir m; pars huic hominis (statt oris w): liier halten wir oris fest. Die menschliche Seite wird hier genau weichen Arme und Schultern, das weiche Gebilde des Antlitzes eignet sich der milde Herbst an; die tierischen Glieder im Riicken begriissen den starren Winter ( i^S ). — oris ist so notig wie hominis iiberfliissig. — 191 kvi% mmciaq {o) wird mittuntque oder mutantque gemacht, wozu fera memhra Subjekt ware. Der Sinn verlangt ein zusammenfassendes Urteil iiber Cei^taurus, wie 186 iiber gemini, wie 196 iiber pisces "■eo-eben wird. Dies gibt mein Vorschlag nutatque in tempora signum — 'dies Gestirn schwankt nach den Jahreszeiten hin'. — 192 Das Doppelbikl K als aequoreum, fiuitans signum beherrscht Regenstiirme des Wiuters- und Fruhlingstau ; der eine Fisch (australis) nahe der Urne des ^ empfangt imhres hiherni^ der audere (septentrioyialis) nahe am T Jie Flut des Fruhliugs. — dicant wie hahet (196) 'be- ansprucht fiir sich', reuolans = reuertejis. Scaligers Besserung der Stelle wird nun durch uernis in m gerechtfertigt. Ubrigens steht ueritus bei 1 in rasura. — 197 Seit Scaliger quin fur quod (o), welches ohne Nachsatz nicht zulassig ist, — drei auf einander folgende Ge- stirne — ^, IT, $9 — weichen von deu iibrigen neun ab, zeigen bei
Bucll 2, 201-203.
51
ihrem Aufgange nicht Kopf und Oberkorper, sondern Hinterteil, Beine, Rucken, d. h. man sieht von ihneu zuerst die in den Sternbildern diese Teile markierenden Sterne. Im Sternbild wendet y die clunes, n die Fiisse, ^ die testa nach Westen, nicht nach Osten. Dadurch soll ihr Aufgang langer dauern, die Sonne daher *in ihrem Laufe durch diese Gestirne mit zogernden Monaten das Sommerhalbjahr verlangern'. Ganz bestimmt bezeiehnet Manil. diese Gestirne nicht als Ursache solcher Yerlangerung, beliisst vielmehr der Sonne die Hauptsache. Die Bemerkung selbst ist richtig: wenn z. B. 'Y am 21. Marz friih 8 Uhr aufgeht, :^ aber am 23. September abends 6 Uhr, so entfallen auf die Sommermonate 186 Tage und 10 Stunden, acht Tage mehr als auf die Wintermonate. — In 201 ist aduersa o zu andern. Dufay iibersetzt: reliictantia, Pingre: qui s'opposent a sa marche; aber das gilt doch von allen Gestirnen den Plaueten gegen- iiber. Hier handelt es sich um die Besouderheit von dreien ^ n $9 bei ihreni Aufgange, und da sind sie auersa: ^ zeigt die clunes, 6p marschiert naturlich riickwarts, neigt nicht den Kopf, sondern die testa nach Westen, ebeuso strecken die 11 die Beine weit vor nach dem y hin, sind d7roatp£cpd[X£va. Es ist mit Bullialdus in 201 und also auch im lemnia auersa zu lesen. — Zu tardi menses vgl. Verg. Georg. I 39. — attollat hat nur c.
203 signa nocturna, diurna: weder aus deu Sternbildern noch aus der Konstellation lasst die Bezeichnuug sich erklaren. Daher lehnt Manil. ihre wortliche Auffassung ab (205 — 208). Ihr eigent- liches Wesen (legem, sortem) bezeichnet er etwas mystisch; 'sie haben den bestimmten Charakter der Zeit durchzufiihren' — partes haugt noch von peragentis ab. Eine Andeutung dieses Charakters gibt Bouche-Leclercq TAstrol. 155: meme theorie en langue pythagoricienne: -^{xlpa |JL£V ydp xal vu^, w; cpY]ac noa£c5wvios, dpxtou xat TZcpt-xou cpuatv b/o\>ai'^ — ahnliche Deutungen finden sich fiir die signa mas- culina und feminina, Manilius geht darauf nicht weiter ein. — Seiue Gruppierung der signa, die Zuteilung des Charakters an feste Sitze (210) ist die kiinstlichste — er ordnet sie als trigona — , obwohl er die trigona noch gar nicht behandelt hat, ferner bringt er je zwei benachbarte zusammen, — die doch eine entgegengesetzte Natur haben. Sein Schema ist folgendes:
5 9 1 12 8 4
1. diurna: leo arcitenens aries pisces scorpios cancer;
6 10 2 3 11 7
2. nocturna; uirgo capricornus taurus gemini aquarius libra;
4*
52 Buch 2, 203-232.
also (lie trigona des Y", der X, t^es ^, der n, nnd ludnaloco sind Y und K, -i?' u«d Ht,
Im einzelnen sei hierzu bemerkt: — 203 praetereat Scal. (Jacoh sucht vergeblich praetereant o durch II 84 zu halten). — 206 — 208 eine Pareuthese. — 211 ra jj2V%?(e hier und 550 durch 1 uud m empfohlen. — 213 scorpion o von Scal. korrigiert (als Nomiii. nicht zu halten). — 216 nec — nec o ist iu nunc — nunc zu andern. Fiir sechs nocturna bleiben die Platze 6. 10. 2. 3; 11. 7 iibrig; fiir diese gilt aber genan, was 214 fiir die diurna vorgeschrieben war. — 218 Manilius kennt noch zwei andere Gruppierungen: 1. diurna seien die ersten sechs vom Widder, nodurna die folgenden von der Wage an. — 220 a lihra hat m. — Damit ist Bentleys a clielis beseitigt. — Gegen diese Gruppierung, welche eine beleuchtete und eiue dunkele Hemisphare annimmt, gilt 207 und 208. — 2. die mascula seien diiirna, die feminea noctnrna^ wozu 222 bemerkt wird: tutis in noctem tcnehris (Jacob: tutis in lihidineni) feniinea gaudere.
223 humida (m), terrena., communia — quin. Scal. {quid m) — sihi (o) loqiiuntur, nach Dufay: sihi ipsis, nidlo monstrante; sie sollen es aber uus sagen, daher tihi mit Bentl. — scojndosus = saxosub- (durata cute tutus sagt Jacob), vgl. Yaler. Flaccus II 518 sco^ndosa terga vom cetus; bei deni Krebs und dem Scorpion erlaubt sich Manilius nianche Hyperbel: kampften sie doch gegen Hercules und Orion. — 225 effuso aequore — vom Aquarius (I 272). — 226 id o: von einer Vergleichung ist doch keine Rede; eine neue Klasse wird aufgezahlt: daher andere ich (mit Thomas) simt quae, dem 230 ein sunt etiam entspricht. — censentur sorte: 'werden eingeschatzt zur Klasse'. — 228fsio: aber in dieser Aufzahlung. unberechtigt (vgl. Thomas Notes p. 10), vielleicht durch ecce vor aries zu ersetzen (ecce in Aiifzahlung IV 73, 82). — 229 Die Einschiebung eiiies et hinter leo ist auch grammatisch notig Qeo niit langer Endsilbe ist nur V 698 gesichert). — 231 amhiguus mit Dativ noch V 419 terrae pelagoque., mit Genet. IV 795 terraeque marisque. — aquarius undis amhiguus: 'zum Teil Besitz des Meeres'. — Der Hinweis auf Cecrops oiqjuTjc; (Hygin. II 29), der biformis, nicht amhiguus ist, oder auf Deucal'on (Hygin. ebd.), der doch die Flut hinter sich hat, erkliirt nichts. — Manilius hat das Sternbild vor Augen. Aquarius, abgebildet als Flussgott, im Wasser stehend oder liegend, aus einem (Manil.) oder zwei Gefassen Wasser giessend, so gehort er diesen Fluten zum Teil: bei ihm sind umida terrenis aequali foedere (Bentl.) mixta. — Vers 232 imrsque marina
Buch 2, 234-256. 53
ist mit Kecht vou Bentl. hier verworfen. — 234 — 243 fecunda, sterilia, comniunia. — 236 proprie: "m hervorragender Weise'. — acer et ictu Scoryios: das Sternbihl gibt seiue charakteristische Haltung (vgh Plin. N. H. XI 87: semper cauda in ictu est nulloque momento meditari cessat, ne quando desit occasioni). — 238 simili leoni scil. in sterilitate (Plin. N. H. Vni 45). — 241 Cretaeo stehendes Beiwort, vgl. Diodor Y 74: 'AT^oXXoDva oioa^a: lou; eyxwptou; xa -sp: ty]V xo^siav v.ai x6 i6E,ov 7,p-/]Ttx6v dvo[xaav"^vai. Cretas Beziehung zum Centaur — s. Manil. IV 783. — 242 communis = inter idrvmque manet (240): teils fruchtbar, teils uufruchtbar — zahlt T die ===,11, ^ zu seiues- gleichen. Bei der lihra kommt ihr TrJiger, lihripens, eiue sitzende mauuliche Figur iu Betracht — aequantem tempore Igc, tem^wra m lihram aeguantem temjjora ist fiir die Wage sonst augemesseu. Hier diirfte ihr Verhaltuis zum Widder durch tempore Mar bezeichnet sein: weil die Wage dem Widder iu der Zeitbestimmung gleicht, teilt sie auch mit ihm gleiches Los (243).
244 — 255 (urrentia staniia sedentia iacentia — locasse (Beuth) commenta siud die Plilue des Weltschopfers, die er iu deu Gestirnen uiederlegt. — Naive Aufziihhing nach Haltung und Stelluug iu den Bihlern mit verauschaulicheuden Zusatzeu (cancer in aluum, scorpios plano suh pectore, pisces in latus ohliqui). Er zahlt je drei currentia, stantia, sedeniia, iacentia. Dass der Widder laufe {ruat IV 510, ihit 506), der doch meist sitzend dargestellt wird, mag auf Bildern sich fiuden. Bouche-Leclercq pag. 151 eriunert: il se leve rapidement sur rhorizon. (siderum celerrimus Hygiu prooem.), er hat deu schnellsten Aufgaug auch uach Mauil. IH 278. — Ob Mauilius hier darau gedacht iiat, bleibt fraglich', auch recta ist nicht eiufach hinzuuehmeu. Zu eiuzeluem: — 251 considens: namlich der Trager sitzt. — emerito passiv, wie iu militia emerita, stipendia emerita. — emerito orhc lahorum = lahor lihrandi. — 253 Verderbt durch eiue Dittographie: contrat g aus contractus in 252 heriiber geuommeu, daraus contra w. Die zahl- reichen Anderungen erkennen die Dittographie als berechtigt an, gehen von ihr aus. Ich folge dem lemma in m: quae sedentia aut iacentia uud lasse aui sunt quaedam (245) aid quae (247) uel quae (249) der schlichten Aufzahluug angemessen ein durch die Dittographie verdrangtes quaeue iacent folgen. — 256 sidera dehilia: dem ^ ver- sagt der eiue Yorderfuss, die Schereu (hracchia) des ITt werden durch :£^ verdeckt (clielae siud auch die Wagschalen der =o=, und ttt und =g= wurdeu wohl auch als ein Sternbild bezeichnet); dem © fehlen in
54 Bucll 2, 26.J-287.
der astrologischeii Tradition die Augen; das Sternbild zeigt auch an der Stelle der Augen keine Sterne. Dass sie vorhanden und in der Ruhe des Tiers durch den Stirnfortsatz gedeckt werden, wusste auch Plinius N. H. XI 152 (crusta fragili ociilos inchisos gerentes). Beini .^ sieht raau (im Profil; iibrigens nicht auf allen Bildern) nur das rechte Auge (siiperest et quaeritur unum), alles nach deu Bildern auf der sphaera. — 265 vgl. zu 175 — Verteilung auf die vier Jahreszeiten, die nach einem signum duplum eintreten (aestas ageminis surgit., beginnt von n, erhiilt ©, «Q, Ttp etc), sodass je drei signa (terna Bentl. statt terrae o) auf die vier Jahreszeiten kommen. — In 269 bemerke autumnis als Adjektiv. • — 270 Vor 270 hat m das lemma quae cauta et eorum dextra aut sinistra; g lasst cauta weg. Hierher gehort aber ein anderes lemraa: de mensura trigonorum etc. — Bisher sind die signa als Eiuzelbilder gefasst, unabhangig von eiuander. Nun folgen ihre Kombinationen, zunachst auf geometrischer Grundlage, indem sie als Eckpuukte regelmassiger Figuren betrachtet werdeii. In diesen Kombinationen wirken sie auf einander ein, fordern und hemmeu sich. — 272 aliae scil. formae. — 273 signa trigojia (Anhang Tafel I, Fig. 1) bis 287 — deoctro orhe o — dazu sagt Bentley nidlius flocci; der Kreis ist weder rechts noch links, und die Reihenfolge der sig7ia in dem Beispiel 279 (V Q> ^) spricht auch nicht fiir dextro. Hier scheint das uupassende lemma schon eingewirkt zu haben. Mit Beutl. fiexo. — 274 Der Anfangspunkt der Konstruktion ist beliebig, Manil. geht aber vom fiihrenden Gestirn, V aus, ihm folgen die trigoua des ^, II, $9 — xptytova des T und der n kennt auch Asclepiades (Catal. codd. astrol. V, 187). — 279. 280 ex parihus (et o) wie I 107 uicinam ex alto: in gleichem Abstande. — 283 per totidem sortes (tortis o) = partes: Konstruktion cler trigona der n und des 6p. Die folgenden Verse sind mangelhaft iiberliefert; desunt quae, dextris seu causa — sind unverstaudlich; die Sache selbst wird sechs Verse weiter (293) semper enim dextris censentur signa priora kurz und treffend abgemacht, und zwar so, als ware uichts vorher dargelegr. desunt diirfte wie desint, desit in V. 728 eine Interpolation kennzeichnen, causa mag auf das cauta im lemma zu 270 hindeuten, das hier von einem luterpolator ahnlich wie in Firm. II XIX ausgefiihrt ist. Ich halte mit Bentl. die Worte bis at quae diuisa fiir interpoliert, — 287 at — fiihrt weiter zu den quadrata. Fiir sie ist der Zodiacu* geteilt nach je vier Sternen (298) wie fiir die trigona nach je fiinf — die Ecken der Quadrate gibt normalis uirgida, die rechte VVinkel
Buch 2, 290-339. 55
bildet ('289); dass die aiiliegenden Seiten gleich siud, wird 288 besouders bemerkt. Daraus der Schluss 290: Haec quadrata ferunt (nach g und ra, haec\\\ta und ferunt nach 1 und g) darauf folgt das Beispiel: libram caprkorniis et illum conspicit hinc aries atque ipsum a partihus aequis cancer et hunc laeua subeuntis sidera librae — alles nacli Bentley. — 294 diducere mit Bechert. — 295 ternaque — quadrata fingere uach Bentley, ebenso in 296 reddentur, eine Ankiindigung, wie 690.
297 Das lemma: de mensura eorum signiliter atque partiliter iu g und m (!^wStaxto? '/.od \xoipiYMc) schmeckt nach Firmicus. — 297 Gar weitlaufige Warnung vor Rechenfehlern will Manil. seineu Lesern nicht vorenthalten. Nicht signa allein, sondern partes signorum (jjartiliter) sind zu zahlen (pars a parte 312). — In 301 — 304 liauft er astra, signa, signis, astra, je eines dieser vier beseitigt Bentl. (posta in 304), Housman (ex trinis in 303), — man wird sich diese Haufung aus dem Streben nach Deutlichkeit erklaren konneu. —
306 Zwei Fehler: der Zahl und der Stellung kounen gemacht werdeu. —
307 if. Die Seite des gleichseitigen Dreiecks beansprucht 120 Grade. Wer nuu von Z 1*^ bis b 30^ zahit, verbraucht 150*^, kommt also schon in das Gebiet der folgenden Seite. Setzt er es fort, so ergibt sich ein Fehler der Stelluug; er kommt auf ein signum, das kein trigonum ist. — 319 partes trigonas: die zu einer Dreieckseite gehorenden Teile, — 320 Derselbe Rechenfehler ergibt sich bei don Quadrateu. — • 322 Ter triginta quadrum o — Eiue Verkurzung der letzteu Silbe in triginta ist bei Manilius uicht anzunehmen. Jacobs Anderung ter quadra triginta trifft das Richtige. Quadra erg. latera: von der ganzeu Zahl (360^) stelleu die Seiteu des Quadrates je 90*^ dar. Wer nuu (324) die Seite des Quadrates (uirga) z. B. vou V 1*^ bis $9 30*^ zieht, verbrauclit l^O^'- wer aber von T 30 uirga Sehne eines Bogens von 60*^ — duoruni signorum in medio numerum transit ■ — durchlauft — redditque und gibt sie auch an — der Betrag eines signum geht verloren). — • 331 — 336 sic conuenit — wie I 148 'die Rechnuug stimmt' — (trigona in 331 aus m, quaterna aus Im) wenn einmal 100 -f- 5-5 d^s andre Mal 100 — -^ Grade ge- zahlt werden. — 337 — 351 Bedeutung dieser Zusammenstellungen. — 339 signata uiae dispmdia recta, g^^g^ii Bentleys Anderuug zu halten : dispendia (Gegensatz zu compendia) uiae ist der durch den Bogen bedingte weitere Weg; ihn vermeidet die als gerade gezeichnete Linie (linquet = s'ecarte des dotours de la circonference de larc celeste —
56 Buch 2, 343-363.
Pingre). — 343. 344 siud in o aus 318. 319 wiederholt. Vermutlich standen sie dort am Anfang einer Seite zu 25 Zeilen, wurden durch Irrtum des Schreibers zu Anfang- der folgenden Seite wiederholt, und stehen hier zusammenhangslos. — Von 337 — 341 wird auf die Bedeutung der trigona und quadrata hingewiesen (vgl. Cic. de diuin. II § 89, wohl nacli Posidonius); von 342 auf die Folgen falscher Berechnung: die genitiira (Nativitiitsstellung), empfiingt nur dann den wohltatigen Einfluss — tritt in Harmonie zu den iibrigen Gestirnen (consensurn), wenu voii Teil zu Teil so trigona wie quadrata gerechnet sind (347 — 351). — 347 an o; aber aw au erster Stelle einer indirekten Doppelfrage ist nieht zu halten; in 348 ist detradetne zu setzen {detractet: diese Porm ist durch Hdschr. gesichert). Der Sinn ist: Es macht einen Unterschied, ob die Linie die richtigen Teile ver- wendet, oder ob sie sich der genauen Messung des Kreises entschliigt, die drei oder vier Seiten so zieht, dass sie rechnungsmassig mehr Gestirne trefPen miissen, als der Zodiacus zeigt. — 352 — 357 Die trigona haben fiir uns mehr Bedeutung als die quadrata. Ihre maior uis (352 nach Igm) griindet sich auf die Erdniihe, gemessen durch die Mittelsenkrechten von den Seiten des Quadrates und des Dreiecks. — 354 summoto templo: templo hier wie II i^Q'!^ sic quae- cumqiie manent quadrato condita tem'plo signa — , der Umfang des Quadrates, der von der Erde entfernter ist, wiihrend die Seite des Dreiecks der Erde naher ist, vom Himmelsbogen mehr zuriickweicht. Wie in 354 zu horum zu erganzen quadratorum, so zu eorum in 356 signorum trigonorum. Zwar: uisus signorum ist fiir die Erde immer gleich. Aber Manil. betont die Seite des Dreiecks. Diese soll die vom iitherischen Feuer durchsetzte Luft unserer Atmosphare zu- fuhren: man erkennt hierin den schwachen Versuch der stolschen Physik, das Walten der Gestirne durch phjsikalische Vorgange zu erkliiren (vgl. IV 498). — 357 hexagona — dehilia (Jacob) scheint der Uberlieferung am niichsten zu kommen. Die Seiten des Sechs- eckes sind der Erde noch ferner als die des Quadrates, schmiegen sich gleichsam gezwungen dem engeu Bogen an. — 361 formantur o die signa durch Linien gebildet? Wie 274 und 289 lelirt Manil. hier die Konstrulvtion des Sechseckes in 361, 362, 363: seine Seiten ver- binden, seine Ecken treften ein um das andere Gestirn: inuita linea: ihr Lauf ist zu kurz. Dies driickt auch Bentieys iiertransit formatus limes uicht aus {pertrcmsit ist selten und spiit): das Sechseck muss vor unseren Augen entstehen. Ich iindere daher: im~ talis (gc)
Blicll 2, 364-391. 57
feriuntnr sidera limas: ferire wie schon 276 et qnaecumque ferit, dicuntur signa trigona; limas sc. lineas, sclirag laufend, im Yergleiche mit den Linien, welche quadrata^ trigona, opposita verbinden (vgl. 373 und Anhang Tafel 1 Fig. 2). — 364 Erstes Sechseck unter Fiihrung von ^ venit scil. uirgula. — 365 quo te caprieorne rigentem: dass quo fiir a quo steheu kann, glaube wer will. Ich empfehle: quin te zu setzen: „sogar" dich {qimi iu der Aufzahlung oben 223). Fiir aduersaque tauro o setzt auersaque tauri Huet mit Recht. Wie in 292 halt Manil. fiir notig zu erwahnen, dass der Ausgangspunkt auch den Eudpunkt der Koustruktion bilde. — 368 Zweites Sechseck, die Stelhing der Verse nach 1 (coll. Vrat.) und g. — 370 in und it iu Im u. g empfehlen fit zu schreiben. — 371 Weitere Begriindung von 358 dehilia commercia — die folgenden entziehen sich den seitwarts gerichteten Blicken der vorhergehenden — sie sehen sich also von der Seite an. Dass sie sich ausehen, gehort zu ihrem commercium (466) — je naher sie sich liegen, desto mehr vou der Seite (uicinoque latent). — 372 inclinata cae m fiihrt auf inclinata acie; zu limis erg. hier oculis. — acies = oculus II 497. Dies bestatigt 373 ex rectocertior ictus. — 374 conuerso o ist vielleicht zu halteu: „durch das Zuriick- treten des Bogens werden die Gestirne zuriickgedrangt". — conuexo ist in 375 notig: 'die Linie, die sich dem Kreise des Himmels (conuexo raelo) mehr anschmiegt, wirkt entsprechend ihrer grosseren Entfernung weniger auf die Erde ein". — 379 siih lege propinqua: unter dem Oesetze der Verwandtschaft. — 380 est om. g; euntihns alloin hat keineu Sinu; nach 371 ist suheuntihus einzusetzen, suheuntia sind eben die hexagona. — 381. 382 statt sed und se ist sex einzusetzen. — 383 quicquam o spracldich auffallig. Beutl. ^quamquam" : quamquam altcrna sunt, qjiod obest, yrodest tamen qiiod cognata sunt. — Quicqtiam = „in etwas" — namlicli dass sie als cognata gelten. — 385 Jiaerentia signa (haerens vom unmittelbaren Anschlusse III 579 IV 860 V 41 V 615 u. a.) = vicina. Bei Firmicus steht II 19 deiuncta ahlepta'''' in der iJberschrift; im Text steht nichts davon. — Zunachst inconinnda: Freundschaft ist ihuen nicht vergonut, Verkehr stockt, weil sie sich nicht sehen (a[3X£7iTa) ; die hexagona seheu sich eben noch {limis omlis) seitwarts, diese nicht mehr. Auf entfernte signa lenken sie ihre Sinue (387), welche sie sehen konnen. Auch sind sie verschiedenen Oeschlechtes, daher immer „bedriingt" ohsessa durch einander. — 391 — 394 commoda iu mdlas uires = "sind nicht geoignet sich Krafte niitzuteilen', weil sie nicht durch o-Ieicho Linien zu gleichseitigen
58 Bucll 2, 392-423.
Figuren verbunden werden konnen (par 392). — Verbindet man T 1° i»it np 1*^, dann np P mit r: P, so sind 300 Grade verwendet, fiir die dritte Seite bleiben nur 60; sie wird also ungleich. — 393 duo sigyia facit gc, fecit 1 ferunt m, das fuiirt auf ferit; denn zwei Linien sind gezogen, die dritte bleibt unvollstandig und zwar ahsunipto orhe vgl. Firm. II 21, 3. — adsumpto Im deutet die richtige Lesart besser an als assumpto in g und c. — 395 — 432 signa contraria — diametral entgegengesetzt, septima, beeinflussen sie sich doch, wenn auch aus der Ferne (399 ualent gl.i) feindlich, freundlicli; nach ihrem Wesen, manent \ m ist Dittographie. — 40 1 plioeho stellis nunc ct dictantihus iras las man vor Bentley; phoehus und Planeteu sollten Feiudschaft befehlen. Hier stellt nuu Bentley fest: nusquam in hoc opere de illis (planetis) agit Noster und daraui griindet sich seine Lesart: foedus (wie 379; D und B werdeu haufig verwechselt) nach 469 aut odium foedusue gerunt. — stellis: damit werden meistens Plaueten bezeichnet, iiher stella steht auch allgemeiuer fiir signum (I 755 V 30, 740 u. a. m.). — In 402 — 409 werden die contraria aufgezahlt {sint g 402 in indirekter Frage), iu 405 streiche ich est nach g — im kurzen parenthetischen Satze). — Mit 410 beginnt die Erliiuterung zu 399 iiiresque ministrant: locus, natxira, genus, tempora sind bestirameud. — locus 410, natura 411, genere 412 {genera o exemplis o). — 413 Der Yers mascula (misciui) si parihus (jnarihus) uel si diue7'sa suorum (duorum) est ist durch Verbesserungeu uoch barbarischer geworden. Alle contraria haben gleiches Gescldecht, das lehrt 380 (die ungeraden sind masculina, die geraden feminina); miscua natura, diuersa suorum oder duorum ist sinnlos, miscua ohne Beispiel. — 414 K und lip, 12 uud 6, haben gleiches Geschlecht, sind weiblich: respondent generi: 'ihre Gesinnung eutspricht ihrem Ge- schlechte' — amant communia iura., obwohl sie contraria sind (aduersi iwlitant); hier siegt Geschlecht iiber Stellung. Umgekehrt ® und ^, 4 und 10, beide weiblich, bleiben feiudlich; die Jahreszeiten trennen sie (natura uincitur temporihus 416). — 419 — 422 Digression iiber die Jahreszeiten, 419 Winter, 420 Sommer — nudusque in collihus orhis — Jacobs Erklarung: toto terrarum orhe nudi., cinctuti ho- mines in messe colligenda in uincis occupati sunt (index s. v. collis) ist nicht ernst zu nehmen. Collihus: cur uero in collihus potius quam in campis et aruis? fragt Bentley: man wird ihm folgend solihus setzen miissen. In 421 schreibe ich der Concinnitat halber aequans, worauf aequant o deutet. — In 422 annus (discordare ist intransitiv). — 423 nec mirere, anreiheud — in ea parte sr.
Bucll 2, 424-433. 59»
anni. — 424 Drittes Beispiel: 424 — 432 V und =c=, 1 iiiid 7, beide mannlich, feiudlich, weil ihre Jahreszeiten so verschieden sind, frenndlich, weil die von ihnen abhangenden Aquinoctien Biinduis empfehlen; also geteilte Wirkung der Jahreszeiten. — 425 in totum 'durchweg, so 688, III 390, 553, ebenso in tantum III 293, in quantiim III 249, in tnnta IV 911 — tempore 'in der Jahreszeit'. — 427 parist sc. hoc und illud. — 428 Zu efficiunt erg. laniger et libra, und schreibe in 430 seruantis sc. dies: 'die in gleicher Dauer die Tage des Friihlings und des Herbstes festhalten'; die hand- schriftliche Uberlieferung seruantia scil. tempora aus 428 bietet grosse Schwierigkeiten (vgl. Bentl. zur Stelle). — 431 quo minus — de- certent — das hiesse: deshalb haben sie gleiche Tageslauge, daniit sie weniger feindlich auftreten. Der Zusammenhang fordert: sie haben gleiche Tageslange: deshalb wird sie nicht ganz, soudern iiur weuiger feindlich. Es ist daher hinter utrumque zu interpungieren, uud iu 431 decertant zu schreiben. — 432 diuersis addita signis^ iilinlich schliesst auch 385, und auffiillig ist diuersis signis fiir aduersis oder contrariis, vielleicht dem diuersis ex partibus (395) uachgebildet. Dass der Yers clausuhx fiir den ganzen Abschnitt von 270 an sein konnte, diuersis signis gleich trigonis, quadratis, hexagonis cett. sein sollte, Uisst sich nicht annehnien; so wird man mit Bentl. den Vers streicheu. — Die Lehre von den geometrischen ConsteHationen erfullt die praktische Astrologie. Da treteu die planetarischen Gottheiten in die Felder der L>MO'.a, wirken nach ihrer diametralen oder polygonaleu Stellung sich eut- gegen oder zusammen: so heisst es ini astrologischen Fragnieut 276 (Tebtunis papyri II p. 29): [6 ok xoO Kpovjou xptYWVO^ uTiapxwv xm [xou "'Apstos 5ua]x'j}(£{av oyjXoc. [6 ok xoO Aijos xqi xoO "Apso)? xpiywvoi; uTcdcp^^tov Yj y.o(.l cu[j,uapo)v [xeyaXas paacXsiac; xal 'fiyE\iO'^i(xc, dTioxsXeL — Bei Firmicus tritt iiberall aspectiis uud radiatio hervor: die durch Strahleu (Sehnen) verbundenen signa, d. Ii. die in ihneu wolmenden Planeten sehen und beeiuflussen sich. — 433 Unvermittelt und im Plaue (270) nicht vorgesehen, folgt hier die Verteiluug der signa an die zwolf griechischeu Gotter: sie kuiipft ausserlich au die Lehre von signa aduersa an, ordnet die Gottheiten paarweise und diametral, so Jupiter und Juno zum ^ uud r:, Apollo uud Diaua zu n uud ^, Mercur und Vesta zum @ uud Z , Neptun und Ceres zu K und np, Vulkan und Pallas zu =c= und 'V, Mars uud Veuus zu Ht und y ; die Beziehungen der Gottheiteu zu den einzelueu Sternbildern Ijisst Manilius unerortert, wahrt aber 435 den Standpuukt des Stoikers,
•60 Buch 2, 441-400.
dem die Gotter nur Personifikatioiien erhabener Tugenden siiid. — Ubrig-ens ist die Verteilung der 'Qmoit. unter Gotter uralte Uberlieferung; urspriinglich sind es die planetarischen Gotter, welchen die Z^mZix als Wohnuug dienen (Firm. II '2 u. 3; vgl. auch Diodor II 30. 32: twv Ss •9"£(i)v Tcjxwv xupiouc, slvat cpaat owoexa tov apo\)-[i6v, wv iy.i^jxo) [x-?jva 7.1x1 Twv oo)0£y.a Xeyo^xlvwv ^wottov ev 7rpoav£(iouatv). Diesen ehahlaischen Yorbildern folgt Eudoxus; seinem griechischen Kalender, der die Namen der zwolf grossen griechischen Gotter den planetarischen Gottern substituiert, folgt Manilius; seine Reihenfolge ist auch die griechische, wahrend in dem sog. romischen Bauernkalender die Reihe um eines verschoben ist. Die zwolf Gotter erscheinen also liier als Monatsheih"ge, die mit den Tierbiklern in Verbinduug treten; vgk iiber das Ganze Bolk sph. 472fF. — Manilius hat die hierher kaum gehorige Doctrin der Vollstaudigkeit halber eingeschoben und ober- fiiichHch bchandelt. — 441 regis: schliesst sich an Cyllenie an. — 446 et (o) loiiis adiierso Itmonis etc. Gewohnlich ware ja eoc aduerso louis astri; aber aduerso allein und lokal wie medio., extremo ist zulassig. — 451 diuisa o entstanden durcli Dittographie aus 453. — 453 Noch weniger passt in den 270 vorgezeichneten Rahmen der dnrch asyn- detisclies accipe eingeleitete Abschnitt: die Verteihing des menschlichen Korpers unter die Cifoota — wiederkehrend bei Firm. II 22 — Chal- daeern (Sext. Emp.) oder Aegyptiern (Schok Arat. 544) entnommen. Mechanisch wird der Korper in 12 Stiicke zerlegt; verteilt ohue jede Begriindung der Reihe nach, sodass die Beine den Fischen zufallen. Ein Vergleich mit spateren lohnt nicht, weil diese die Planeten hin- zuziehen. — 457 censusqiie sui 'als gehorig zu seinem Besitze'. — 464 imjmrat et o — aber et an vierter Stelle ist wohl nicht zu duklen: imperitat setzte Bentley. — 466 — 692 Die Beziehungen der cwoca zneinander sind auch durch ihre Gesinnung geregelt, Liebe und Hass lierrscht durch den Tierzeichenkreis. In diesem Abschnitt bewegt Manik sich mit voller Freiheit. — Visus, audittis, odium, amor (468— 70) nach Stellung und Art zunachst zwischen bestimmteu Paaren sind dargelegt. Eine Art astronomischer Grundlage ist fiir visus und auditus bemerkbar. Manilius geht von der Axe zwisclien V nud =2r, dem Aequator aus, denkt sich durch Parallelen zu ihr die iibrigen (^(ooca zu Paaren geordnet ( ^ und np, n und Q, einerseits, K und X\\,, r: und / andrerseits, diese sehen sich; es bleiben unverbunden (a^uya) einerseits 6p, andererseits Z tibrig; diese sehen sich nicht. Es seheu sich also die J^cpSca von gleicher geographischer Breite.
Buch 2, 467-521. Ql
Sodann geht Maniliiis aus von cler Axe zwischen $9 und Z -, verbindet durch Parallelen zu ihr dio iibrigen (^(oSia (n nnd "^^ ^ und K, Q und /, np und 11^, diese horen sich; unverbunden bleibeu V und =i2=, diese horen sieh nicht). Es horeu sich also die uooia mit gleicher geographischer Lange (vgl. Anhang Tafel I Fig. 3 und 4). Dabei ist signum signo^ aber nicht j!?ars imrU entgegengestellt, wie dies richtig bei Firmicus II 27 iu der Lehre von den antisda geschieht.
— 467 coniieniunt vgl. I 148: 'sind darin einig'. — 474 iitrique sorti: die iu 1 angedeutete Liicke fiillt Bentl. richtig durch aut: 'oder endlich' (die dritte Moglichkeit neben 472 und 473). — 48;") consilium ipse suum est = amat se: daher frustratur amando taunim zu er- klaren. frustrari meistens passiv gefasst („frustra amat, sed amaf'); es ist aber hier Deponens (wie I 879 iuga fruslrata): 'er beraubt den b seiuer Zuneigung' (odit taurum). Diesen Hass erwidert ^ ordnungsgemass nach vs. 385: nulla est haerentihus addita signis gratia., nam consensus hebet, quia uisus ademptus. — 488 uidet afque audit pisces idtra (scil. arietem) fulgentes: nach dem Schema hort er sie, sielit aber die Jungfrau. Willkiirlich vernachUissigt er dies, um einen hier wenig passenden Mythus auzubringen. Denn 499 steht richtig Erigonc taurum spectat. — 491 indutusque louist: taurus loui circum- iectus erat Huet.
495 in semet uertunt nach g, oculos Bentl. — 49(5 captatur: hier = amatur., nach 512 n: colit cancrum. — 498 centauro gemino (signum duplex) nach Beutl. — 502 scoipion infra = inferius sidus IV G78
— die Angabe animo complexa est ist ebenso bedenklich wie in 503 auditque per omjiia libram {per omnia in jeder Beziehung IV 100); ni hort nach dem Schema tip (499), keinesfalls die Wage. Richtig bessert Bontl. oditque per omnia in 503. Vielleicht ist odio fiir animo in 502 einzusetzeu. — 505 sinum = urnam. — 509 Uber Augusti ortum vgl. zu IV 548.
515ff. Zusammenfassung; diesen Beziehungeu der Gestirne zu einander entsprechen die Gesinnungen der unter ihnen Geboreneu (seiisus hier gegen census o zu halten). — 520 Ganze trigona streiten gegen trigona (coniuncta statt a id in gm). — 521 attera — diuerso limite erg. aduersus altera: auf diametral entgegengesetztem Pfade, d. h. so dass die signa des einen trigonon opposita des anderen werden
•'erstes gegen drittes, zweites gegen viertes trigonon: nnd
y )ip ;g N ^ »5j n
^— — — ^ j. Sie sind (527) contraria, opposita (T =^, ^ ^^, / 11 ),
^2 Buch 2, 533-554.
die (los zweiten Trigonon sind humana, die des ersten ferina^ bezw. mixta — daher feindlich. Sie sind aucli mindorwertig {aries der geopferte, leo der besiegte, centaurus der voni Menschon bezwnngene) — cedunt. — 533 — 35 i})se ferae partis Centaurus tcrgore cedit: ferae Bentl. statt des hdschr. suae nach II 444 uirum sed partis equinae: der Mann mit tierischer Halfte steht darin dem Menschen nach. — 534 und 535 halt Bentl. fih- unecht: sie enthalten manche Schwierig- keit. — usque adeo est Jtomini uictus: so vollstjindig wurde er von einem Menschen besiegt (Jiominis hdschr.), nascentis librae der auf- gehenden Wage (die vorgeschlagenen Beiworter fulgentis, ingentis bessern zu wenig). Die Verse sind aber wegen 536 notig und zu halten. ManiL korrigiert sich selbst: quin etiam hreuior ratio — 'es bedarf der mythologischen Ausfuhrnngen nicht': fur alle signa L^lsst sich in Kiirze folgender Grundsatz aufstellen' usw., wie er in 537 und 538 steht. — 539 ff. Feindschaft einzelner gegen ganze Gruppen. Abgekiirzt wird ihre Aufzahhuig, weil Y" uncl Q^ (550), ferner ^ und Z (563) dieselben Feinde haben. — T hat — 541. 542 — als sichere Feinde tip und =2=. Nach Bentl treten n und ^. hinzu, nach Jacob K- Naher der hdschr. Uberlieferung lese ich: et libra, gemino insce e.t quos x)rotulit unda, indem ich fiir gemini schreibe gemino, fiir pisces insce et, wobei et an dritter Stelle zulassig erscheint (vgL Housman zu I 619), unda wie pontus = der Horizont (vgl. V 219) = die unter den Fischen geborenen. — 543 Bei y wachst die Zahl der Feinde anf vier (drei Tiere, ein Zeichen sexto loco). Aber es fehlt die Angabe der suh Tauro nati, und daher ist in partus mit BentL statt in partes zu schreibeu. — 551 sed (0), totidem o- 1t|) hat vier Feinde, totidem konnte also nur auf $9 zuriickweisen. Wer totidem, wie zunachst liegt, auf Y" und andern, daher: hostis et in oder hostis et a (Gronov., Huet, BentL): ich schreibe hostis; sic — . suhscrihitur : gerichtlicher Ausdruck vom Mitklager: so verpflichten sich gleich viele zur Teihiahme am Kampfe. Iin folgenden halte ich die Uberlieferuug fest. Bentl. iindert taurum in cancrnm (taurus in eodem trigono est et amat uirginem). Mit Recht weist Pingre auf ahuHche Widerspriiche hin. tlt ist Feiud der ^ 554, aber ^ hebt tlt 502; n hassen K 567, lieben sie 492. Auf solche Widerspriiche deutet Manil. selbst 471ff., nameuthch auch 539 und 540 in proprias secedunt singula mentes. Wir konnen aber nicht koutrolliereu, wie weit Manil. bestimmteu Quellen, und wie weit er der Lauue seiner Kombiuationen folgt. — 554 maxima: auf-
Bucll 2, 559-385. g3
gezahlt werden luir b, ©, T, iu 559 nachtraglich (metiiendus et ipsi) Tlt,. — In 559 bleibt libramque nnd scorpios entdeckt sich hier als ihr sechster Feiiid : ipsi, so em- pfehle ich statt ipse o, scil. librae. — 56*2 natura et lege iuhente, weil die vier genannten sigua humana sind; vielleicht: naturae lege. —
564 perfiindit imdis: Umschreibung 'fiir geyiitos sub aquario. —
565 Fiir ad pugnam empiiehlt sich in p. aus m (ad in 565 stammt aus 564). — 565 Zum trigonon des ^ gehoren T und /, diese bilden nach 529. 530 eine turba ferarum. Dufay freilich zahlt in seinem Verzeichnisse samtliche Cwota ferina als Feinde des "^ auf. — 567 Piscibus exortos ist sichere Besserung Scaligers — nati, geniti sind iiberall erwahnt; ex ortu (Jacob) ziemlich miissig. — 570 if. nec sola est ratio — namlich das bisher Gesagte (trigona, quadrata, humana, ferina) ist zu erganzen, (574) oder septima (575) und deren trigona (576) sind meistens feindlich. — 571 in mutua uelle: affection mutuelle (Pingre). —
576 tertia qnaeqxie illis utriusque trigona fermitur (II 303): z. B. V und =£2= sind contraria, deren tertia sind 11 zn X, / zu =o=, aber tl ist auch trigonon zn =i^, / zu Y- Schliesslich findet sich, dass n und / nun auch contraria, oirposita, septima sind; man hatte auch mit ihnen anfaugen konnen. Aber solche Umwege braucht der Astrolog: tot signorum species (579) fiir seiue Kombinationen. —
577 Fiir nec sit mc spricht auch die Lesart nescit in ] und g. phoehus fiir foedus geben auch hier o.
581 Mit der Digression iiber die Seltenheit herzlicher Freund- schaft geht Manil. iiber zu den freundlichen Gestirnen (608if.). — 582 pectore amicitiae kiihn gesagt: „Freundesherz". Im folgenden Anklange an Cicero: de jfin. I § 65: nihil esse maius amicitia — tria uix amicorum paria reperiuntur ut ad Orestem peruenias profectus a Theseo — Laelius d. am. IV 15 und VII 23 ignorante rege, uter esset Orestes, Pylades Orestem se esse diceret, Grestes autem, ita ut erat, Orestem se esse perseneraret. — In 583 ist erit und mallet durch o bezeugt (erit hat auch m nach Lowes Kollation). Richtig sagt Bentley: si erit, non malit erat dicendum, sed malet nel mallet. Erat empfiehlt sich, weil mit 584 ein zweites Freundespaar auftritt. Nur einmal noch im Laufe der Jahrhunderte stritt ein Freundespaar um den Tod, und zwar wird das in 585 und 586 anklingend an Cicero de oratore III 90 geschildert: quid? si una tabula sit, duo naufragi eique sapientes, aihi neuter rapiat, an alter cedat alteri (ein Thema aus einer Rhetoren-
(}4 Hucll 2, .'«W; «28.
«chule;. fatiini \\uiv poena Hujqilicmni nio/s. '>Hi) diio org.
fuerimt, sequi erg. falnm (wio «eytti fortunam, naves Martemque, iimram pp.) uix noxia 'poenin, i;r welehorn 'ias Zoitwort fehlt, wio gowohnlich \n\\ Mfinil. — fiir daH supplicium, poena war gesorgt, aber dio Schiild, dor wirklioh HchuhJigc; war noch nicht orniittolt, inrlorn dor lIiiHcliuhligo Hich /.ii ihr flrjliigto. — Wahi*on stirnirit von Darnon iind PhintiaH. — Iri 588 spomorem (o) reu8 timuif ne solueret — ist dan Hubjokt dos XobonHatz(!H in don IfHuptHatz "•ezogon. - 58!) — 591 fidem: oin hoIcIioh lifMwpiol doi- I^VoundoHtnjiK;, wie dio erwahnten, /.oigt daK OoHchick kauni oinniul. h'.)'l — (»07 iJio Wirkungen doH 577 ff. gowagten: foeduH non datnr astrig. — 594 und 595 uenaleH — sepukra (ar^. uenalia) Htoht liior olino ZuHaninionhang -- auch imposuit Phoehus noctem i8t hier nicht bogriiiidot. Zwoirnal wondot PhoobuH nich von der Hun ;^ibt .Manil. di(; AnlaHHO nach hier — von 5!i2 — 605 — (;rk(!iino ich nur r(>niiKclio ZuHtando, nichtH aii8 griochiHchor Sago odor Tragodio, Dahor ntroicht Bontl. boid(! Verse. — Ich rnochte 594, Jedoch hinter 597 et mixta uenena fest- halten. — 596 HchlioHHt nich dann paHH(!nd an 593. — 600 ahundarii furoris (o) ist goHichort. — 602 poenas iarn noxjia uincit — das Gogon- teil von 586: uix; noxia poenis. — 605 paucis Bontl. statt pacis (o). — 606 Zii ixjsa ) org. 8ibi. — 607 — 642 EinfliisH dor sidera cognata (trifjona), wolcho bofr(!iiiidot Hoin Hollton, aiif dio iintor ihn(!ii ^0- borenon. — 610 trigonon doH ^' bin iVM. 611 meliu8 pronequitur kone genitos, quam colitur ah eis. - 614 suae noxae selbst der Beschadi- guug preiHgogoben. — nec fraudihus iltis vorbindo mit constat (ho statt constant) or int angowioHOii auf — corj)ore (^org. non minus mollis) Bontl. Hchrieb uetlere, corpjore molli besagt daHSolbe. — 618 comnioditate: wonn «ich Vorteil biotot'. — rjratia facti: 'fiir Wohltaten habon nio kury>OH (jodachtnis'. — 619 — 621 rnangolhaft iib(!rliofort; iii 621 irtt oine boH«! Dittographie. Im AnHchliisHO aii l*OHtgato onipfohh' ich: atque in lanifjerum partus suh utrofpie trigfmo rifyn pa rarfjb tjerit pro tempore hella nMnifjeri <> parc/d Irnj, woboi j/urtus Siibjokt ist, und Htreiche init liontl. 621. 622 siih uno: (jIogonHatz zu
duplici, der L5we ist simplici natura (Tior, und weiter nichts'). — 628 ZuHamnienfaHHung dor phantaHtinchon Darstolliing: pax und fjuerella niischen sich wio 641 oflium und 'pax. Dion tritt im trifjonon y noch inolir hervor. — 628 sed saepe fjueruntur — ^ und 11]>
\hich 2. f.'X>
hI<>Ii (Ibor Miuii^-^rl aii (togonlioho zii klagon. — 629 et quos dat o. Dio Flaupt- .saclu" (fftmni fnhlt, H llaiKlHchrift /ii fiiwhMido Vorn ist von oinoni irorausgohor gofortigt, Iraclit iiii lrij:;iiiioii amiros), wochsclt llass uiul lii(;ho im viortcn trujonon (^, n^, K)- ' (143 y\rl iiikI (•(•Hinnung floH oinzolnon (JoHtirna ilndert nich nach dor Konstollatidii (qnadrala, frif/ona, ho.rafjona^ diamctra). Intorpoliort Hind b\ (eino Hchloohto Nachahinunp: von I 171). Dio quadrata (}^)i) fJT^ aua- fiilirrKli liici", \\i (loslinio iii ;;lci vior .laliios/ dupJicia, (l wur, (•-) (lic vicr aiif dic tropica folgotKhMi sitnplicia, dio don Korn dor .InhroHZoit hildcii. I)i(^s( t nich auHfilhrlich hoi Ptolomaoua wio(l(«r ('rotra'1. I rjff.). l)i(! Himplicia hoisHoti hoi ihm nzt^ti.: solida; iiiid di(«Ho Katogorio hat Hohon AHcIopiadoH. Alao oin Kapitol aiis dor M('t('or()lo^i('. /iiini 'r tic.nli: rd(!ti mit don (rolonkon vorglichon — r FiHch«chvvanz dos ^ gilt fast vvi(> oin 'I^iilhild dos («(>stirn((H (pars capci', pars piscis Scal.) alHo: (h^r Steinhock ttiit soinom filr dio Killto gohoronon Finch- Hchvvatiz'. — (>(kJ corpore o (in corpore g) corpora liont Ii(,'ntl. .\ber duo ror/)(3ra (MgiK'11 iiiir (l(«n || iind K (ffemini \')'^), -t i«f' ^'in Wonen, tiiir init vorHchi(Ml««iiarlig(>n (Jli(>(lorn. Ich ilndoro niir tcxtum in textus: also tt duo centauri licet uno in corpore textus: zwiofachoH (jofiigo (h>s ("ciiiaiir, (d»\v(dil iii ciii((m Korpor. (idfJ sine corpwe (o) — sine (pKxfiKiui («rklilrt .l.-icoh, (rOrvillc vcrhcssfirt sine compare. — f!(!HfF. AuHfiihruiig voii iu)'2 cofjnala (luadralis corpora censentur sifjnii et amica trigonis\ ihiicii schlioHHon (()Hb) dio hexafjona an; dio aduersa aind f».^)*2 mit crchriii.s aduerHis odium est ahgomacht. Abor filr dio (juadrata nimnil Maiiil. oin(« droifjKdic Ahstiifung ati: — (ifJl) numcris aut tempore; darnach nind Hic diiplicia, sitnplicia, tropica; gomeinHam ist ihnon ein li.iiid dcr V(!rwaiidtHohaft ((JfJi), fJ7()). Vermutlich ordnot Manil. die affnie^ iiiil(>r dio tropica, dio propinqui iinter dio simplicia, cndlich iint(!r dic duplicia dic una suh imafjinc nati - vvohl dio .Mitglioder (•iticH iiiid dcssclhcii (i(>HchlechtOH, welcho gloicho imagines haben. —
MnnlltiiK II. 5
QQ Bucll 2, 672-688.
Hinter 672 folgeii in o 677 — 686 longior bis seruahitur ordo, also die trigona, hexagona. — 677 longior linea = die Dreieckseite (vgl. 352): die Freundschaft, eine weitere, aber sichrere Verbindung als die Ver- wandtschaft (652 — 653), eignet deu trigona, daher sind diese hoher zu schatzen, als die quadrata. — 685 Untor dem Einfiusse der hexagona kuiipfen sich noch losere Bande (tertia quaeqiie, und als solche uicinis jjroxima — d. h. hexagona), namlich die der Gastfreundschaft. — Die haerentia und contraria sind 385 und 391 gekennzeichnet, und so heisst es richtig (686): sic astrorum seruabitur ordo. — Nun folgen aber in allen Hdschr. vier strittige Verse. Zunachst diirfte 687 quot- quot cardinibus proprie uariante mouentur als Interpolation aus- zustossen sein. Er soll astrorum ordo erklaren, scheint aber nach in 00 cardinibusue mouet diuina potentia mundi und II 789, 790: cardinibus — mutantque uolantia signa gebildet zu sein, greift der Lehre von den cardinibus vor, ist iibrigens in der jetzigen Fassung uicht verstandlicli. Die drei iibrigen Verse behandelu die signa quadrata und geben einen Unterschied desselben an (niinor est numeri — simplicia und duplicia — quam cardinis — tropica., tempore — usus). Diesen Unterschied konnte man in den verschiedenen Graden der Verwandtschaft (vgl. zu 671. 672) erkennen und diesen drei Versen einen Platz hinter 672 belassen. — 675 lege quadrati: als contraria und genere alternantia sollten sie feindlich sein.
687 Mit adde, asyndetisch wie acci^^e II 453, beginnt Manil. den zweiten Hauptteil dieses Buches: iiber die Gebiete der (^wSia und deren Beziehungen zueinander. Nach 688 gehort kein Sterngebiet seinem signum allein, vielmehr nimmt jedes die elf iibrigen in je ein Zwolftel seines Bereiches auf (720), sodass Freundschaft und Feindschaft, wie sie bisher beschrieben sind, auf jedem Gebiete sich abspielen (703). — Ausfiihrlich behandelt Manil. diese Zwolftelung: jedem signum eignet ein Zwolftcl des Zodiacus, es ist also selbst ein Sioosy.aTYjfjiopiov; teilt man dies wieder durch zwolf, so ergibt sich ein owosxaxYjixdptov 5(i)5£xaTY)iiopto'j (so Ptolemaeus) zu 2^2 Graden, solcher also 144 im ganzen. Manil. gibt also eine Einteilung des Zodiacus in feste Dode- catemorien, sodass nur signa iu signa eindringen, keine Planeten. Diese Teilung ist dem Manil. ausschliesslich eigen, iihnlich wie seine Theorie der Dekane — aber ebenso unbrauchbar fiir deu Astrologen von Profession, daher nicht weiter beachtet.
Buch 2, 696-722.
67
Ubersicht liber die Dodekatemoria der signa.
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 | 12
2V3° 5" TVa" 10" I2V3" 15« ITVa" 20» 22^2° 25« 27^2** 30»
Ybn&avtp^rti^ z - K
8n©anp^tn./;g:=KT
Im vorstehenden Schema entspricht Koloune 1 den Versen 696 und 697; Kolonne 2 698 und 699; Kolonne 3 4 etc. den Verseu 701 und 702; alles klar und im Anschlusse an die bisherigen Au- gaben iiber die Wechselbeziehungen (commercia) der Gestirne. Zum einzelneu: — 692 discernere nach Bentl. — 694 Oraio nomine. Manil. entschuldigt das Fremdwort (694), gebraucht es aber latinisiert (dode- catemoriiim 700 und 741 0, 736 m). — 707 nascantur: der Conjunctiv nach qiiamqnam zur Angabe eiues Faktums bei Vergil vereinzelt, bei Horaz ofter zu finden, ist hier und III 319 IV 702 hdschr. gesichert. — 709 und 710 in pecudes errat natura. — Bentley zitiert IV 101 per- miscet saepe ferarum corpora cum memhris hominum, vgl. auch IV 377 confusique fluunt partus hominum atque ferarum, die Natur vergreift sich bei der Schopfung der Tiere. — maremque femina subsequitur : 'unter einem mannlichen Gestirn wird ein Weib geboren'. — miscentur sidera 0 — auch ist bisher nur von eiuer mixtura siderum die Rede, und davon spricht auch 711; es bleibe also sidera partus (0). Die Gestirne, die bei der Geburt leuchten, mischen sich und zwar nach 712, weil die eiuzelnen Gestirne durch die Dodecatemorien beeinflusst werden (uariant). — 716 uicinae mit Bentl. — 722 Zweite Art: Dodecatemoria planetarum mit wechselndem Platze. — a) Berechnung (726—737), b) Bedeutung (738—749). — Beispiel: luna stehe zur Zeit einer Geburt (natiirlich „Nachtgeburt") in T 10**; multipliziert mit 12 (727) sind 120 partes. Gib dem T erstens seine 10 Teile (729) und (730) die Teile, die von lO^ ab uoch fehlen, sodass er im ganzen 30^ erhalt, also 20 partes; bleiben 100 Teile; davon er- halten je 30 Teile (731) ^, n, ©; bleiben 10, die nicht hinreichen, um auch dem Q^ 30 zu bewilligen (numerus deficiet). Diese 10 Grade zerlege in vier dodecatemoria (zu 2Vo Graden), diese erhalten Q>, np, icb, ni,; die Teilung endet bei :/^ (734); luna erhalt also das dodecaterion des :^ (10 2, 30»). Aber luna fuhrt mit sich die fiinf Planeten — astra 737 hier Planeten, denn luna kann nur Planeten anfiihren. — Dasselbe gilt selbstverstandlich von der Sonne (bei Taggeburt).
5*
68 Buch 2, 724-740.
Firraicus, der hier Manilius abschreibt (II XI), gibt dafur ein Beispiel: pone solem in ariete esse parte quinta et minutis quinque; er erhalt durch Multiplikation 60 partes, gibt davon aber, weil er sein Original falsch versteht, dreissig an aries — der damit 35^ 5" aufweist — und kommt so zum dodecatemorion solis in P n, statt in 6^ 5" n (vgl. liber das Ganze Bouche-Leclercq pag. '299 ff., der freilich auch bei Mauil. den Rechenfehler findet). — Zu einzelnem: — 724 didu- xitque empfiehlt sich wegen plurihus inque modis. — 726 nach Scalig. quacumque in parti — als abl., nicht ohne Beispiel. — 729 suas partes: in dem gewjihlten Beispiele, wo luna in 10° 'y steht, sind 10 partes ihm eigen, diese werden nach 730 gezahlt, aber ausserdem die 20, welche ihm zu seinem vollen Gebiete gebiihren, sodass auf ihn 30 Grade gerechnet werden. quaeque hinc Bentl. (Jiinc gc defuerant o). — 731 die Liicke in 1 pariter\\\sententia und ducunt in lcm sprechen fiir Bentl. Besserung: pariterque sequentia (signa) ducunt. — 732 uhi
/+ubi\
als Korrektur in 1 V ihi) — 735 nach Bentleys Text. — b) Bedeu- tung dieser zweiten Art 738 — 748. — ■ 739 ratio minor: die speziellere Berechnung ist die wirksamere (maior in effectu'), brauchbar fiir die Nativitatssteller, die mit der ersten Art (696 — 721) nichts anfangeu konnen. Deun in der zweiten erscheinen die fiinf Planeten, welche Luna mit je einem halben Grade (743 dimidias sortes ducunt) in ihrem eigenen dodecatemorion beteiligt. Da vereinigen sich die wir- kenden Krafte (749): das gefundeue dodecatemorion gehort zunachst einem signum, wird von diesem etwa einem anderen signum ein- geraumt, fallt nun unter den Einfluss der luna, und durch diese uuter den eines oder mehrerer Planeten, die ihre Wirksamkeit zugleich mit den Kriiften des signum entfalten. — 747 cuius erg. dodecatemorii in fines (opia, Bereich) stella (so empfehle ich, die Elision stellae et meidend) inciderit, — in uirihus eius., namlich sideris, signi. — 750 uerum haec posterius proprio cuncta ordine reddam: er stellt Genaueres liber die Planeten in Aussicht: etwa eine Tabelle uber die Verteilung der fiinf Planeten durch alle dodecatemoria (bei Dufay finden sich drei solcher Tabellen). Firmicus hat die 732 — 734 erwahnte Be- rechnuug nicht, erwahnt auch die Beteiligung der Planeten im dode- catemorion solis (luna) nicht: in einem besonderen Kapitel: de finihus {stellarum) in singulis signis (II VI) teilt er den fiinf Planeten ihre Gebiete auf den ^wSta zu. — 740 — 743 Scaligers „dodecatemoriou dodecatemorii" (also dritfceu Grades) beruht auf einer offenkundigen luterpolation. Eine das lemma vor 737 in m: de duodecathemoriis aus-
Bucll 2, 751-780. 69
fiihreude sprachlich und sachlich verkehrte Glosse, die Worte: qiiid sit qiiod dicitur esse dodecatemoriuni: namque id per quinque noiatur partis: nam totidem praefidgent sidera caelo quae uaga dicuntur — angeschlosseu an: minor est, quod 2) wer sie festhalt, iibersetzt: „weil in den Teilen etwas stecken mag, was eiu dodecatemorion sein soU", verbindet quod mit dem Konjunktiv, setzt quid gleich aliquid^ lasst sich ein dicitur esse gefalleu. — Sachlich: ein Zwolftel heisst es, weil er fiinf Teile hat, dann miisste es doch wohl n:e[X7^xYj[xdpiov heissen; totidem — sidera caelo stammt aus 728, und die Teikmg ist obeu schon genau erortert. Streicht man diese Glosse, so ist klarer Zusamnienhaug da: quod partibus ipsis dodecatemorii ducunt et singida sortes dimidias.
751 Manil. fahrt fort, die signa zu erortern, die er als Elemeute, memhra singida^ bezeichnet. Dies Verfahreu begriindet er durch zwei anmutige Beispiele vom Lese-Uuterricht 755 — 771 und vom Stadtebau 772—787.
755. 756 Methodischer Leseunterricht wie bei Quintilian I 1. 25ff.; die Buchstaben werden zuerst gelernt nach facies und nomen^ bei Quintilius fades et formas — dann ihr usus, ihre Aussprache — {componitur usus andert Scal. iu tum ponitur; bei componitur wurde die Copula fehlen). Hierauf folgt das Syllabieren, das Verkniipfen der Laute (nodi); bei Quiutiliau: inoffensa et induMtata litterarum inter se coniunctio: erst fertiges Syllabieren, danu Worte lesen: bei Quintiliau tunc ipsis syllahis uerha complecti et his sermonem conecte)-e, bei Mauil. uerhi structura und per uerha legenti scil. puero (statt legendi o). Erst nach sicherer Kenntnis der Elemente folgt die Be- lehrung iiber deu Inhalt. — 762 quae nisi constiterint — daran soll sich 763 uersaque so anschliessen, dass aus nisi ein et si erganzt wird (Jacob), wahreud Scalig. iiersis, Bentl. uel sua praepropere setzt. Ich empfehle Umstellung von 763 und 764. — 766 Verbinde erutaque (ex) penitus ahstrusa caligine. — 768 in arte: das Walten Gottes wissenschaftlich darstellen. — 772 Der Hauptsatz folgt 775: uertit opus — ihm gehen Nebensatze voraus, daher iu 772 cum (Bentley) surgunt. — 775 uertit (o) opus — im Gegensatze zu consurgit opus in 782: er andert das Werk, indem er lauter Vorarbeiten an- ordnet, Material schafft. Erst wenu dies im tTberflusse vorhanden ist, beginut der wirkliche Bau. — 779 templis (erst in jungster Hdschr.) empfohlen durch in muros. — 780 ferri rigor per tempo7'a nota: seltener Gebrauch von tempora, nach Analogie von ferri tempera'
70 Buch 2, 781-804.
tura^ ferrum temperare, 'Harte des Eisens, hergestellt durch das be- kannte Abkiihlungs-Yerfahren'. — 78 J hinc — hinc zeitlich aufzu- fassen. — 784 Entsprechend dem velut in 772 wird mit sic der Vergleich durchgefiihrt : der wissenschaftliche Aufbau erfolgt erst spater, zunachst sind die Elemente zu lehren. — 787 „Damit man nicht Folgerungen anstaune, welche aus uubekannten Tatsachen ge- zogen werden."
788 Die uralte Frage: wie blickten die Gestirne den Neu- geborenen an? war nun in Rom salon- und hoffahig geworden (nach Horaz H 17 haben ^ oder tlt oder Z den Dichter angeblickt, und die ^wSta blieken auf deu Bildern samtlich nach dem Mittelpunkte der Welt, uach der Erde, nach den Menscheu). Manilius, gestarkt durch langere Digression, widmet ihr den Abschnitt liber den astro- logischen Lebenskreis (788 — 970). Er und Firmicus halten sich dabei an den Tierkreis. Es ist da ein Hauptpunkt festzulegen, der Punkt auf dem Tierkreise, der im Augenblick der Geburt im Osten auf- geht — iiber den Horizont sich erhebt v. 791; wenn da ein besonderer Stern aufgeht (lib. Y), gut — in jedem Falle aber ist der Punkt nach CwSiov, Grad, Minute genau festzulegeu (qua 792; der Punkt wird betont, nicht in qui zu andern). Dieser Punkt heisst nun Horoscopus, cardo primus, exortus, OC Im Mittelalter fasste man den Horoscopus als Durchschnitt des Horizoutes mit dem Aequator und teilte diesen letzteren durch Meridiane vom Horoscopus aus in ent- gegengesetztem Sinne der taglichen Bewegung in zwolf gleiche Teile (vgl. WolfF, Hdb. d. Astrouomie H 21 9 f. Auhang Tafel I Fig. 5). Yom Horoscopus aus bestimmen sich die iibrigen Hauptpunkte: occasus (OCC), excelsi uestigia caeli (MC), ima tenens (dTidyetov IMC); Firmicus findet sie durch Abzahlung von Graden. — In seine Schilderung mischt Man. die Yorstellung eines Himmmelskreises (794 unde fugit mundus = occasus solis; excelsi uestigia caeli 795 das {x£aoupavTrj{jLa; uestigia ist nicht zu andern; 800 pariterque occasus cernit et ortus). Auf die Peripherie des Tierkreises zeichnet Mau. seinen astrologischen Kreis auf, zuuachst die vier Hauptpunkte. Wie der Horoscopus, so wechseln auch die iibrigen cardines ihren Platz mit jeder Beobachtung, wahrend im Gegensatze dazu der Tierkreis seine feste Teilung nach den 12 ^wSta wahrt. — 803 Diese vier cardiues sind Trager des Patums, sie beeinflussen die Gestirne bei ihrem Durchlaufe. Als wechselnde konnen sie nur astrologische Bedeutung haben, sind aetheriae^ nicht aeternae (Bentl.). Dagegen ist alterna sorte in 804
Buch 2, 808-831. 71
zQ andern. Dufay: nisi recipiunt alternatim caelorum molem; Pingre: ciel emporte par un mouvement circulaire et continuel. — orhis ist hier der Tierkreis wie III 334; d. h. die auf den Tierkreis bezogenen Gestirne; die cardines bilden die Stationen — qiias peruolat omnis astrorum series II 9.59, welche (II 790) semper mutantque uolantia signa. Die ganze Lehre von den 12 Orten weist auf aeterna sorte hin: der nach ewiger Bestimmung in unabanderlichem Lanfe dahin eilende Kreis wird durch die Eckpunkte festgehalton und beeinflusst (nectant in uincula). — hina per latera — cacumen: deutet auf eine Horizontale und eine Vertikale: durch sie erhalt die astrologische Konstruktion Zusammenhalt (vgl. Anhang Tafel I Fig. 6). Man bemerke die Fiille bildlicher Ausdriicke fiir eine ganz einfache Zeichnung.
808 — 840 Die Reihenfolge der cardines bestimmt sich nach ihrer Wichtigkeit. Manilius begiunt daher mit MC (811 tenui partitur limite — als Punkt gefasst), denn ihm eignet der dem Staate ge- weihte Lebensabschnitt, das Ideal des romischen Staatsmannes — unter der tutela der gloria; Amter und Ehre in der Stadt und im Reiche (prhem bleibt wegen 818 gegen Bentl.) — die zweite Stelle erhalt (Manil. ordnet hier und weiter alles nach diametraler Richtung) IMC, Abschnitt des erwerbenden liebens, dessen Grundlage eiu gesicherter Besitz ist {fundato nohilis orhe v. 798): dem entsprechen fundamenta rerum — , aeternis nixum orhem — so mit Bentl. — fiihrt auf raia uota fossis metallis — alles Kombinationeu, welche den sprodeu Stoff annmtender gestalten sollen. — 824 und 825 {possit nur g) sind gegen Bentl. zu halten, da Firmicus sie gelesen und imitiert hat: 'et quidquid ad latentes et repositas patrimonii pertinet facultates' (II 17. 5). — 826—835 Horoscopus: Erziehung, Gesittung, Berufs- wahl — aequali pollens in parte: miichtig in der gleichen Stellung, namlich als cardo. — 828 tempus discrihit (Bechert) in horas: Anlass, das Fremdwort horoscopus zu deuten und zu schiitzen (nec capit ex- ternum = latinum vgl. III 42 non omnia flecti possunt et ^J^opria melius sub uoce notantur): hier wie sonst beruft Manilius sich auf griechische Quellen, und es ist anzunehmen, dass sein astrologisches Wissen ihm lediglich durch das Medium griechischer Literatur zu- gekommen ist. — 831 Nach der Parenthese 829 uud 830 von hinx: — gaudet — folgt erst in 831 das Yerbum zu tertius (826); daher ist aus hunc Igm nicht /wc, sondern nunc herzustellen, und ihm ein zweites nunc anzuschliessen. Das nascens astrum entscheidet
72 Buch 2, 835-863.
eiuerseits liber den Eintritt in das Leben, andererseits bestimmt es auch sogleich den Charakter des Neugeborenen. — 835 Auffallig in ihrer Vereinzelung ist die an sich berechtigte Erinnerung an die mitwirkenden Planeten (subscrihitur wie II 551). — 836 — 840 OCC, der Schluss des Tages, erinnert an das Alter — hier ein otium cum dignitate — Geselligkeit, heiterer Lebensgenuss, hochstens noch ein priesterliches Amt (cultusque deorum). — 839 coniugia las auch Firmicus II 8 : ex hoc loco qualitatem et quantitatem quae7-amus nuptiarum, sagt er in seiner vollen Plattheit. — 841 — 855 Sachgemass behandelt Manil. nun die interualla zwischen deu als Puukte gefassten Cardines. — pe7' maius dimensa (843) — niimlich als die cardines, es sind nicht Puukte, wie diese, sondern Strecken. Die Lebenstafel zeigt hier die vier Lebensalter, aber sie beginnt richtig vom horoscopus, weicht daher in der Charakteristik von dem vorigen Abschnitte ab. Firmicus hat diesen Abschnitt uicht. — 849. 850 qua pars occasus interimum o infra est Bentl. Der Quadrant geht unterhalb von OCC bis nach IMC — das fiihrt auf: quae pars occasus infraque imumque sub orbem descendit, aufgenommen durch haec iu 850 - — 851 Aus- fiihrung zu maturae: bewahrt in eigentiimlichem wechselvollen Laufe'. — 852 redeunte sub imo: substantiviert; Beispiele bei Jacob im index s. u. rotundum — qua o ist zu halten, zu tarda in 853 pars zu erganzen.
856 — 863 Ankiindigung eines neuen Systems: partes, loca, sedes wirken auf die Gestirne ein, pragen ihnen ihren bestimmten Charakter auf, wie auch deren Stellung sei (II 150fP.), ohne deren Gegenwirlcung aufzuheben (caeloque remittunt uires in 859). — 860 iiincit natura absolut, 'ist starker' : zugenus legesque ministrat vgl. II 645: partegenus uariant. — 863 poenamque ferentia o sidera sedis: sidera: eng mit praetereuntia in 861 zu verbinden und mit Bentl. poenam referentia zu schreiben: poenam passt streng genommen nur zu sterilis (portent la peine de leur passage: Pingre). Wegen der verschrankten Wort- und Satzstelluug vgl. I 758.
Manilius (vgl. Anhang Tafel II Fig. 1) halt die cardines als Punkte fest, zerlegt aber die intervaUa in je zwei partes, templa, ver- teilt diese acht Teile auf die cardines, sodass zu jedem cardo ein auf- steigender und ein absteigender Ort — ascensus uud descensus, eine £Tiava'f opa und dudxX'.|Aa — der ascensus rechts, der descensus links — tritt, und zwar erhalteu Horoscopus OCC vier bose, MC uud IMC vier bessere Orte. — Firmicus (vgl. Anhang Tafel I Fig. 2) nennt
Buch 2, 864-880. 73
jene deiedd und pigra, diese secunda loca cap. 15. 14 nach ihrer Stellung zum Horoscopus. Manilius muss die Stellung — weil er nicht numeriert, beschreiben, und versucht es, aus ihrer Lage ihren Charakter zu bestimmen; ein wunderliches Unternehmen.
864 (XTz6y.Xi\i.ix zu Horoscopus, dritte sedes von MC, ihr gleich die diametral liegende, das a.v:6xXi\s.a. zu OCC (867, bei aduerso sidere schwebt das Bild des Tierkreises vor). — 868 iuncta sub occasu = die niichste unter dem OCC nec praestat cardine mundi (neu praestet und praestit die Hdschr.) = 'und erhalt keinen Vorzug durch seine Stellung zum cardo' — in dieser Form mag man den Yers gegen Bentl. halten. — 869. 870 Beide gelten als minderwertig (deiecta ahattue Pingre) — nach Firmicus: quod mdla cum Horoscopo societate iunguntur, keine Konstellation mit ihm eingehen (Manil. H 385 und 391), nach Manilius, weil beiden der Sturz droht', sie liegen im d7i:6xXc{ji,a, im descensus. — 870 Orta 1 orta c und m ora g, porta liest man seit Sealiger. Dass in 1 die Initiale ausgefallen sei, ist nicht ersichtlich, die Bezugnahme auf eine inferna porta bei Firmicus H XYH 3 ent- scheidet nicht, weil sie dort zu einem anderen Orte (locus H) gehort (diese heisst aSou tiuXyj bei Faal. Alex). Hat nun der Korrektor in 1 nach g korrigiert? Sachlich ist ora = regio nicht zu beanstanden — vgl. scandendum est atque cadendum HI 328. — 871ff'. Zwei dva^opac, super occasns und sub ortu sind nicht besser.. 'Celui qui est comme suspendu au dessus du couchant a peur de tomber dans le neant et celui qui monte derriere rhoroscope craint de glisser sur la pente' sagt Bouche-Leclercq pag. 278, der diese Phantasmen als incroyables haltivernes bezeichnet. — 874 fraudata (erg. a cardine) cadet: etwa 'der Stiitze des cardo beraubt, wird sie fallen': so war die Situation des Typhon, von dem uun beide Regionen den Namen haben. Wahr- scheinlich meinte die Quelle den agyptischen Typhoeus der Osiris- Sage: Manilius erkennt in diesem Namen einen willkommenen Anlass zu einer Digression iiber den Gigantenkampf wie I 429. — 878 montesque super rediere cadentes: verb. super' cadentes: die aufgetiirmten Berge (I 426) kehreu an ihre Stelle zuriick und bedeckeu sie. — 879 Typhon (Manil. hat nur die vollere Nominativform Typhoeus = Tu'.pw£6?) 'musste sich fiigen', wie III 25 in populi unius leges ut cesserit orbis. — tumidus belli uitaeque wird Atna: ein Hiigel setzt seinem Kampfe und seinem Leben ein Ziel'. — 880 Es folgt dvacpopd jjiEaoupavTjiJiaTos, der Ort vor dem cardo der Kulmination (810), sedes XI bei Firmicus. Das Aufsteigen zum Hochsten ist das Weseu dieses Ortes; dieseu
74 Buch 2, 881-899.
Begriff paraphrasiert der Dichter. — 881 at qiiae fulyentis sequitur fastigia caeli proxima (Bentl.) der Ort, der der Hohe des Himmels liachgeht, sich ihr ziinsichst hiilt. — 882 non (m) ipsi cedat qui fungitur astro: astrum hier = sedes^ staiio: gewahlt, weil dem Dichter hier iiberall das Bild des Himmelsbogens vorschwebt; qui fungitur i. e. Juppiter, unter dessen Tutel dieser Ort steht (890). — 883 spe meliw, uamlich als die bisher genannten Stationen. — 884 Die Hdschr. sprechen uur fiir finis. — 885 in peiusque manent cursus: dem Lobe folgt eine Beschrankung; ihrem Laufe steht eine Wendung zum Schlimmeren bevor, hohere Wiinsche sind nicht moglich. — 886 ff'. proxima summo atque eadem interior: summo etwa cardini oder caelo. — interior gewohnlich erklart 'innerhalb des Quadranten'. Deni Bilde entsprechend diirfte inferior zu lesen sein. — 887 uenei'anda (o) sorte dicatnr mit Recht fragt Bentley: cuinam? den Tutor kennen wir, es fehlt aber der Name fiir die Region. Aushilfe rauss uns Firmicus geben: H XIV benennt er die Regionen neben cardo imus und summus: dea, deus, bona fortuna, bonus daemoji, griechisch ^toL \fzo- ayatl-vj Tujc/j, aYa^o^ oaijxwv. Seine XI. Region (die dva'fopa zum cardo siimm2is) ist bonus daemon (uel bontis genius XVII 12) oder dya^S-^i; 5at[ji(ov. Manilius iibersetzt dies wortlich durch uenerandns felix\ daher ist uenerando zu lesen. — 888 sensnm = Wen eigentlichen Siuu'. — 890 fortunae crede regenti = fortunae tutoris sc. louis. — 891 Dem Hause des dya^oi; Satjxwv diametral entgegengesetzt liegt die Gegend Daemonie, bei Firmicus bona fortuna, dyai)-^ 'c6x-r], ein Tutor ist nicht angegeben. — huic in peruersum similis: similis ahulich iu dem Verhaltnisse zu einem cardo, als dvacpopd zum cardo imus, in ihrem Aufstreben, aber in peruersum, in partem in felicem., 'ahnlich, aber nicht zum Guten, sondern gemischt in ihrem Einfiusse' (901 fF.) — Ihre ortliche Lage: deiecta sub orbe, ima submersi mitndi fidmina cotitingens, aduersaparte ist so deutlich beschrieben, dass eine Anderung in transuersum, diuersum uunotig wird. — 892 fnlmina (o) nach Scal. = fulmenta, die Stiitzen, dem Sinne der Stelle angemessen; sprachlich moglich, sonst nicht bekannt. culmina setzte Bentl. ; doch passt culnmia nur fiir den cardo summus. — 894 ff. das Aufstreben in der dvacpopd wird ahnlich wie oben (883) uud in demselben Bilde geschildert. — 896 opus (o) der Aufgabe des cardo imus ist onus angemessen (cf. 821). — 897 daemonien, 'ein lateinischer Ausdruck, der bequem in den Vers geht, fehlte\ — 899 numenque dei nomenque potentis — der Name eines Gottes, welcher die tutela des Ortes
Buch 2, 001-907. 75
ausubt, fehlt. Aus Firmicus (II 17. 6) qui locus est iieneris ihn zu erganzeu, ist unzulassig, Venus hat bei Manil. die tutela des cardo summus (926); Huet sagt: nimirum oai[iovo?, lioc est genii, aber (Zaemon und ^rewms gehoren in das 881 ff. behaudelte Haus. Also ist Daemonie selbst als numen clei und nomen zu fassen. — sub corde sagaci conde locum: nian bemerke den schalkhaften Ernst in diesen Ermahnungen. — 901 — 904 sind verworren iiberliefert: in 1 war fiir ein lemma Raum einer Zeile gelassen, welche der Rubrikator nach- traglich ausfiillen sollte. Diesen Raum benutzten m uud die vou m abhangigen Uj n^ v.^, einen wandernden Halbvers: per tanta periada mortis als lemma mit Majuskel einzufiigen, der sich aber weder in 1 noch g noch in c findet. Wer dies Eiuschiebsel halten will, muss eine Liicke annehmen — wozu ein Anlass nicht vorhanden, da der Zu- sammenhang zwischen 902 und 903 klar ist. Das Gebiet der Daemonie hat gemischten Einfluss auf die Gesundheit: hier siud momenta salutis und bella morbortim Mnfolge zwiefacher Einfliisse' — uiribus geminis (903) — wessen? deique ist gesichert (dici erst bei jiingeren F p M) causasque durcli Iggm bezeugt; so aber nicht zu brauchen. Wir haben hier eine Nachahmung von Vergil Aen. XII 321 incertim, quis tantam Rutulis cladem, casusne deusne, attulerit, und es ist zu lesen: uiribus ambiguum geminis casusne deine = quod ambigo casusne deine uiribus geminis occidat und in 904 utramque aus g auf- zunehmen. — 905 Die nachste Region ist dTioxXqjia |xeaoupavYj|xaxoc, die neunte bei Firmicus, de^is genannt, unter der tutela des Fhoebus, ihre Lao-e neben dem cardo summus wird genau bezeichnet. Ich empfehle medium post castra (so Scaliger statt astra) diem zu lesen. Manilius verbindet mit jedem cardo zwei Regionen (dvacpopa und d7r67.Xt{j.a), hier medius dies ante cardinem und medius dies post car- dinem. Der cardo summus, arx caeli (918), der Haltepunkt fiir die miiden Rosse desPhoebus (796) wird durch ca^tra treffend bezeichnet. — castra das Gebiet eines Gestirns wie 964 in externis subsidunt hospita castris. asira (signa et stellae) haben hier keinen Platz; astrum im sing. wiire moglich (so steht es 882 fiir cardo). — 907 aethera un- verstandlich; als Apposition zu diem kann es doch nicht gelten, so wenig wie zu astra. Dufay liest aethere: per inane, per s^ipremas auras, aber es handelt sich nicht um den Lauf der Sonne; soudern Phoebus soll als tutor eineu Sitz, eine regio des Himmelskreises er- halten. — Fast unlateinisch sind die Worte von s^ib quoque bis con- cupiunt; corpora decernunt uitia: decernere, „bestimraen" bei Firmicus,
76 Buch 2, 910-928.
fortunam concuphmt (ernstlich wiinschen') sehr wunderlich, sprachlich beides zu beanstanden. Soweit die Worte Sinn haben, wiederholen sie das, was von der Wirkung der vorhergehenden Region gesagt ist, uitia soll den hella morhorum^ fortuna den momenta salutis ent- sprechen. Vermutlich stammen sie aus einer zu 901 — 903 gehorenden Randglosse, die sich hier in den Text' eingeschlichen hat — wiihrend sie zu dem gliickbedeutenden Orte des Phoehus und deus gar nicht passen. Es bleibt als eclit: Plioehus amat. deus ille locus suh nomine etc. Eiue bestimrate Wirkung wird dieser Region aber so wenig wie der regio XI (881) zugeschrieben; beide gehoren aber zu den loca secunda bei Firmicus. — 910—915 regio III bei Firmicus, dK6yJXiy.ix des cardo imus, dea genannt, unter Phoebes Tutel. Geschildert wird die Be- legenheit der Region, erstens zum cardo imus (910 — 912), sodaun als gegeuiiber der neunten Region, dem Sitz des Phoehus — fuluiimque nitet wiirde allenfalls ftir regio II vor deni exortus passen, hier ist furimmque nitet (Bentl.) angemessen und sodann noctesque mit Scaliger zu setzen, denn mortis jwtestas gehort dem cardo occasus (951fF.). — 913 — 915 fraterna regna: die unter Phoebus Tutel stehende Regiou. — fataque damnosis imitantem finihtis orhis (so schon wegen des 916 wieder- kehrenden ora): fata sc. solis imitantem uach 95 ff. 'nachahmend aber in ihrem Bezirke' ; damnosi fines bezeichnet die pars deiecta sub orbe. — 918 Auf die vier d.izoy.U\ia.z(x. uud vier oi.voi.^o^oi.i folgen die vier Centra. Dass er diese bereits (791 — 807; 808 — 840) ebenso wie ihre intervalla (841 — 855) behandelt hat, wird nicht bemerkt; auch nicht ob er die centra noch als Punkte, oder nun, wie Firmicus, als Strecken ansieht. Zwar die 810 beliebte Reihenfolge MC, IM, Hor. OCC bleibt: aber die Schilderung ist eine andere: oben eine populare Gliederung des Lebenskreises nach Hauptpunkten und Altersstufen, hier astrologische Behandlung unter Angabe der tutela, der Benennung, Wirkung — wie bei den acht vorgenannten templa. Das System ist ein anderes. Manilius befolgt in der Tat von 856 an ohne erklarende Bemerkung bis zum Schlusse des Buches das agyptische System der XII Orte, templa, freilich in anderer Reihenfolge als Firmicus (II 17), vermeidet auch, seinen Orten je 30 Grade zuzuteilen, wie das Firmicus tut: astronomische Bedenken dagegen liegen beiden gleich fern.
918 MC (b. Firm. X) tutela Veneris, Name Fortuua, Platz fur Ehen (oben 810 fur das Staatsleben). — 926 haec tutela docet (o) = harum rerum tutela docet. — 927 quo — mentem: aus diesem Namen erkenne des Ortes Bedeutung. — 928 praestem (Bentl.) Ab-
Buch 2, 929-955. 77
kiirzungen (compendia) gewiihrt der Dichter (III 277). — 929 IMC (bei Firm. IV) unter Saturnus, dem entthronten, verstossenen Vater, die getauschten Hoffnungen der Vater (934), die Verlassenheit des Greisenalters (935) — oben (823) das thesaurierende Alter — sein Name daemonium; daher wird man seine Wirkungen daemoniae nenneu konnen (938). — In 935 von prima bis 937 temphim ein Glossera, welches als Randbemerkung zu 946 und 947 gesetzt war — denn dem Mercur eignet beides: forfuna natorum, uota parentum — sachlich und sprachlicli tief stehend (tutela duorum — tali parte) — titulus quem Oraecia fecit — bereits 897 versaumte Manil. nicht, den Gebrauch des griechischen Wortes zu entschuldigen. — 939 OC, Horoscopus, (bei Firm. I) tutela Mercurii; als Name diirfte horoscopus gelten. Dem Orte des Erziehers und Lehrers (vgi. I 31) eignet fortuna natorum, uota parentum (946 quo o erg. cardine oder templo). — 944 — 945 Eine nach Bentl. „unverzeihliche" Interpolation {quae facies? quae nota? quod nomen? fragt er) — der Interpolator denkt bei facies an deu Planeten axcXplwv (Mercur), und meint mit nota dessen Zeichen. Jacob erkennt nun als Kern der Interpolation eine Randglosse ( ^ facies signata nota), deren Umschreibung in den Text gekommen sei; die Haudschr. geben o facies: aus g und c hatte ich mir ein unter- strichenes o augemerkt, kann dies aber Thomas gegeniiber nicht er- harten. Ubrigens eignet die nota in Jacobs Text (?) der Veuus (vielleicht verdruckt statt ^). Wie quod nomen unverstaudlich ist, ebenso artis quae ducit Olympum. — 948 — 958 OCC Letztes templum (VII bei Firmicus) unter Plutos tutela, Ditis ianua nach Vergil. Aen, VI 126 genaunt. Genauere Angabe des Einflusses fehlt noch und fand sich in der Liicke v. 952 (die Worte mortiqite locatur in g sind vou jiingster Hand zugeschrieben); ich vermute, dass die heimat- loseu, als Lemma von m vor 904 eingeschriebenen Worte: ^Jer tanta pericula mortis in die Liicke einzusetzen sind uud zwar hiuter retinet; — vou diesem cardo sagt er (838) pertinet ad rerum summas finem- que laborum, und auf ein vorher gegangenes mortis deutet 953 hic etiam ipse dies moritur; auf die Gefahren dieses cardo 949 praecipitat mundum tenehris (Bentl.). — 955 fidei tutelam uindicat ipjsi (so fordert wohl der Zusammenhang statt ipsam) erklart durch 957. — Cardo OCC schliesst die Reihe und zugleich die Bahn des Lebens, welche sich von OC durch MC nach OCC bewegt, wahrend (841—855) alle vier Quadranten dem Leben angehoren. — Manilius folgt eben hier einem audereu Systeme — die Tutela betreffend: das aegyptische
78 Buch 2, 958-%9.
System weist fiir zwolf Gottheiten Wohnungen an — die fiir Manilius massgebenden Astrologen setzten griechische Namen eiu. Reichliche Yerwendung der Planeten war zu erwarten: Firmicus (II cap. II) oibt deu fiinf Planeten je zwei, der Sonne und dem Moude je ein (^wStov als Wohnsitz: Manilius hat den Mars gar nicht, dafur Pluto, uud aus griechischer Mythologie den Typhon - - siimtlich iu griechischem Gewande; und da die cardines bis zuletzt als Puukte gelten — nichts anderes ist bezeugt — so erhalten Mercur, Venus, Pluto uud Satum engste Wohnungen (vgl. das Diagramm Anhang Tafel II 1). — Zum Schlusse 958 tali suh lege — 'fester Anordnung' und templorum nires, qiias o nicht zu bemiiugeln — wird die Bedeutung der zwolf templa kurz uud biindig wie 856 fP. gezeichnet: die ^wSta (astra) durchwandern die templa, empfangen und gebeu Kriifte. Auch die Planeten in fester Orduuug besucheu sie uud wirken ihre Kraft aus — doch soll dies in einem besonderen, den Planeten gewidmeten Teile be- haudelt werden. Hier geuiigte es die himmlischeu Orte, ihre Namen, Kriifte, Schutzgotter geuauut zu habeu. — 967. 968 An diese klare Darlegung schliessen sich drei sprachlich und sachlich austossige Yerse — 2^arii soll „Abschnitt" bedeuten, wie iu der Interpolation lY 297 quam partem — dixere decanica, — octotopos (octotropos o) soll doch wohl acc. plur. sein, gleich oxxw xotou?. Dann ist es getrennt zu schreiben. In der Zusammensetzung ist griechisches dvtxwxoTOs oder or.xaxoTios eiu Adjektiv, erg. Y^P°S, substantiviert dxxaxoTiov (eine Uberschrift „dy>,xwxo7io;", bei Jacob „dy.xdxo7:os" ist wohl nicht statthaft). Dass aber Manilius ein griechisches Wort ohne Bemerkuug braucht, latinisiert und metrisiert (octotopos) ist uicht auzuuehmeu. — Zu per quod 969 sagt Jacob: nentro genere totam lianc doctrinam complectitur ; andere ergiinzeu nomen — wohl nicht annehmbar. Dem Interpolator schwebte eiu octotopon pe)' quod vor. Die Auslassung der Prapositiou in bei dinersa nolantes soll nicht bemangelt werdeu. Sachlich: Tatsachlich hat Manilius zwolf templa, wie in Buch III zwolf athla. Dass er ein System keune, welches den Kreis in acht Orte zerlegt, oder dass er die acht zwischen den car- dines belegenen besouders hervorhebe, ist uicht uachzuweisen. — Wohl hat Firmicus ein Kapitel: de octo locis (II XII): aber in diesem Kapitel fiillt er nur die ersten acht Orte — vom Horoscopus gerechnet — durch athla aus, und in diesen acht finden sich cardines, loca pigra und secunda unterschiedslos zusammeu. Die vier iibrigeu (IX bis XII) behandelt er erst in Kap. XYII de duodecim lucorum potestatibus. Dass
Buch 2, 969-970. 79
sodaun Diir Planeteu durch diese Orte wandelu (9G9), widerspricht der klaren Darlegung in 960, ebenso, dass sie Bewegungen veranlassen sollen. Endlich sind die Schlussworte pro])rio iienit ordine rerum eine Tautologie zu 965. Weitere Spuren der 6x10) xotzoi sind nicht bekannt. Moglich, das auch hier eine aus Firmicus geschopfte Randglosse 6y.z(ji Tonoi den schon 944fF. tatigen laterpolator zu seiner Leistuug an- spornte. Auch Bouche-Leclercq pag. 279 steht dieseu Versen miss- trauisch gegeniiber, Housman schliesst sie in [ ] eiu.
DRITTES BUCH.
Inhalt: Eiuleitung 1 — 42: Ein neues wiirdiges Lied soll der Musen Reich mehren, daher lehne ieh sagenhafte und vielbesprochene historische Stoffe ab: Wahrheit will ich kiinden. — 43 — 95: Die unter die Gestirne verteilten Lebenslose, ihre Namen und ihre Bedeutung. — 96 — 159 Aufzahlung der Lebenslose. — 160 — 202 Der Name des ersten Loses ist fortuna — wie wird ihre Stelle im Tierkreise ge- funden? — 203 — 217 Diese Stelle hangt vom Horoscopus ab — dieser ist vor allem zu bestimraen. — 218 — 246 Die gewohnliche Methode, ihn zu bestiramen, niramt stets gleiche Stunden an, ist daher falsch. — 247 — 274 Yielraehr ist die Dauer der Tage und der Nachte in den einzelnen Zeichen nach Aquinoctialstundeu zu berechnen. — 275— 300 Dauer der Auf- und Niedergange der Gestirne ist nach Stunden und Minuten zu bestimmen. — 301 — 384 Wechselnde Dauer von Tag und Nacht unter verschiedener Polhohe. — 385 — 417 Wieviel Stunden, und 418fF., wieviel Stadien koramen den einzelneu Gestirnen unter jeder Polhohe zu? — 443 — 482 Wachsen und Abnehmen der Tage und der Nachte in den einzelnen Monaten des Jahres. — 483 — 509 Eine andere Methode den Horoscopus zu fiuden a) fiir Tages-, b) fiir Nachtgeburt. — 510 — 536 Verteilung der Zeit auf die einzelnen Zeichen. — 537 — 547 Einige lehren, dass stets dies alles von dem Moment des Sonnenaufganges zu berechuen sei. — 548 — 559 Kritik dieser Ansicht. — 560 — 580 Berechnung der Lebensdauer. — 581 bis 617 Wieviel Jahre gibt jedes einzelne Gestirn? — 618 — 668 Die vier Jahreszeiten und ihre W^irkungen. — 669 — 682 W^elcher Grad der Gestirne bezeichnet den Wechsel der Jahreszeit?
Buch 3, 1-25. 81
Erklarung.
Einleitung 1 — 42. Das Reich der Musen will meine Dichtung, aber nur in wiirdigen Klangen (1 — 4) mehren; abgelehnt werden also 1. die Sagen (stolidi mendacia uidgi, vgl. Aetna 368), 2. Stoffe aus der Geschichte, insbesondere der romischen von der Aeneassage (23) an. — uulgatum est optis 30 — erortert wird dagegen die Schwierigkeit der erwahlten Aufgabe.
2 uadere g dem Sinne angemessen. — 4 et dignos, so Ij, kor- rigiert in et indignos, dem Metrum zu liebe. Die Anderung indictos scheint mir unannehmbar. Man zitiert zwar Hor. III 25. 7 dicam insigne recens adhuc indictum ore alio — indictum = nicht besungen. Man besiugt ein Ereignis, einen Stoff, aber uicht einen cantus: ein cantus indictus ware ein Widerspruch iu sich. Die Umstellung: eonor — fines et d. diirfte nicht zu gewaltsam sein. — in carmina entspricht dem extendere. — 6 Da partus sicher bezeugt ist, ziehe ich fiamynis (Ij m) vor: „durch des Blitzes Flammen werden die Giganten in den Schoss der Mutter zuriickgeworfen". — 7 Kampfe um Troja in zwei Yersen, von denen der erste in Igc mit einigen Abanderungen (non ^ curatos 1 non adcuratos gc cadentes Igc) hinter 37 wanderte, in m — also auch iu Uj Ug v^ — den richtigeu Platz wiederfand. — Abgelehnt werden Stoffe des Dramas — denn plurima pars scenae rerum est fallacia nach Aetna 76: Medea und lason, Zug der Sieben gegen Theben, Oedipus, die Atriden — in knappen von bitterer Ironie durchsetzten Ziigen, die 461 — 468 wiederkehren : vgl. auch bei dem gleichgesinnten Autor des A.etna 17 — 23. — 14 Dass der Yers: non annosa canam Messanae hella nocentis zwischen Medea uud der Oedipussage an richtiger Stelle stehe, ist nur dann zu glaubeu, wenn man dem Dichter jeden Orduungssinn abspricht, wozu ein Aulass nicht vorliegt. Yerstellung von Yersen ist in deu Manilius-Haudschriften nicht selten (vgl. zu 7). Ich empfehle den Yers vor 22 zu stellen. — 16 q^ida (o): der Sieg Thebens fordert Athens Rache. — 19 Unter den abgelehnten historischen Stoffen stehen die Perserkriege voran, weil auch die Tragodie ihrer gedenkt. — 20 pontum suh classe latentem wie lY 65 maius et ipso naufragium pelago und I 776. — 22 magni hat m allein bewahrt; auch in 23 kommt seine Lesart sint acta dem richtigen sunt acta am nachsten. — 24 orhis o passt weder zu duces noch zu hella atque otia, kehrt auch in 25 wieder. Aus Bentl. sinnreicher, aber zu gekiinstelter Lesart: quotque duces urhis (== quot consules tot hella atque otia; hella per aestates, otia per hiemes ent-
Manilius. II. 6
82 Buch 3, 26-76.
nelime ich urhis. Dann korrespondieren gentis, urhis. populi. — 26 differtur sc. in aliud tempus. — 33 quorumque. Die alteste Uber- lieferung in Ij verleitete im Interesse des Metrums zur Ausfiillung: qiiorum quaeque in l^ und w. — Es war aber eine Initiale in l^ oder dessen Quelle ausgefallen. Daher ist signorumque zu lesen. — partesque in partihus ipsis deutet auf die dodecatemoria und die 12 himmlischen Hauser. — 34 luctandum est — pedihus iungere certis wie in I 21. — 40 externa nomina lingua und melius propria suh uoce : Hindeutung auf seine Benutzung der griechischen Literatur iiber die astrologisch gedeutete acpalpa.
43 mit ueras percipe uoces 37 (ahnlich Aetna 62 in uero mihi curd) kiindigt Manil. sein von der Sage abgewandtes Thema an: „die Lebensaufgaben". Seine Wichtigkeit verkiinden 43 — 66, die das II 45 ff. Gesagte wiederholen: die Welt ist ein System der Causalitat. Unzahlige widerstreitende Ursachen siud durch ewiges (aeterno bb) Biindnis vereinigt, so verkniipft (Cic. d. N. D. II 115, Aetna 229), dass alle Wirkungen im hochsten Weltplane vorgesehen sind. Also auch die Schicksale des Menschen (fata quoque et uitas 58, Geburt und Tod): sie sind eingefiigt in die Tatigkeit der Gestirne. — Der Schopfer (natura 64) gab ihnen diese Leitung des Menschenlebens. — 65 per omnia adverbiell wie 68, fati jiingste Hdschr. Es ist wohl mit Scal. und Bentl. zu andern: summam undique uti fati ratio traheretur in unam: 'dass der Schicksalsplan sich als ein einheitliches Ganzes erweise'. Dem entsprechend ist 63 zu lesen: et uincant stellas nec non uincantur et ipsa — angeschlossen an 59; nicht euincant (euincunt m), das ware ein ganzliches Besiegen, und et ist nicht zu entbehren. Die (^toSta sollen einerseits die Planeten beeinflussen, andrerseits aber auch von diesen beeinflusst werden. — 69 sorte g 'durch das Los zufallen'. — 71 cuique scil. parti. — 72 hominis censum = 'den ganzen Gehalt des Menschenlebens'. — 75 Diese zwolf Lebenslose (athla) finden, wie die zwolf Hauser ira zweiten Buche, ihren Platz auf dem Zodiacus und zwar per sidera und ad sidera — ihre Gebiete fallen aber nicht mit denen der Zodia, noch der templa zusammen. Fest ist uur die Reihenfolge der athla: sie bleiben immer in derselben Nachbarschaft: 74 pars parti confinis uicinis in aruis: diese Metapher ist treffend fiir die Reihenfolge ihrer Gebiete — astris in m und v^ ist eine verfehlte Konjektur. — 76 in aeterna statione: dies ist nun der Unterschied von den 12 Hausern: diese beginnen stets von dem Aufgange des Gestirns, ah exortu, ex
Buch 3, 78-131. 83
eisdem (m, wie 73 eidem) repetita locis. — 78 Die athla treten mit der Geburtsstunde ein, konnen also bald zu diesem, bald zu jenem (^wStov treten (so die Liicke nach Bentl. ausgefiillt, alias {alii) sors), jedoch mit der Beschrankung, dass die Reihe der Lose stets mit fortuna beginnt. Diese Lose werden also beeinflusst: durch signa (87), Planeten (89), cardines oder templa (90). Yerschrankte Satzstellung: utcumque has facies — aut stellae — laeduntue iuuantue, cardini- husue mouet potentia, sic felix aut triste uenit fatum. In 89 ist aut einzusetzen. — 92 ist zu streichen: weder illius noch negoti ist ver- standlich. — 96 Nun folgt ein Lebenskreis — 12 Lebensaufgaben, anklingend an die Zwolfteilung nach templa — aus unbekannter Quelle — griechischer jedenfalls (athla nocant Grai 163^, Anklange bei Firm. IV XVII (vgl. Anhang Tafel II Fig. 3 und 4). — 1. fortuna (96 — 101), von den Astrologen dieses Titels gewiirdigt (per artem censetiir) hier = 'Hab und Gut', enthalt die ersten Grundlagen eines Hausstandes (98); domino haerentia cauta (o), Dinge, deren vor- sichtige Behandlung dem Hausherrn obliegt; von cauta hangen ab 99 und 100 (Zahl der Sclaven, MaB des Ackers; ob es angehe, Pracht- bauten aufzufiihren). Die Bedingung: Zustimmung der Planeten ist iiberall notig (bei sors 2. 5. 8. 9. 10 ist sie nicht ausdriicklich erwahnt). • — 2. militia 102 — 104: post hinc ist nicht als Compositum anzusehen.
— 3. urhani Idbores 105 — 110: biirgerliche Verhandlungen, Ver- pflichtungen auf Treu und Glauben, gesellige Pflichten (109). —
4. Rechtswesen 111 — 119: rostrisque impositum 113 — 114 von locauit abhangig, aber loquentis hat keine Beziehung. Empfohlen wird lo- quentem. — 115 sua fronte: 'streitige Punkte schlichtet er nach genauer Erwagung mit der ihm eigenen Sicherheit'. — 119 regunt uud paret ist zu lesen. — paret = 'tritt in die Erscheinung'. —
5. Ehe und Verbindungen 120 — 122: per signa lokal 'im Tierkreis'. In 121 und 122 schwankt die Uberlieferung. — 121 coynites com- mittem comitantes hospitis hdschr. — In 122 ist iungitur nebeu coniungens nicht zu halten; ich empfehle comitatus (Gefolgschaften der Imperatoren, Consuln), hospitis una (scil. hac in parte) icitur et similis coniungens foedus amicos. — 6. Reichtum — 123 — 128, Sorge fiir seine Erhaltung 124; jetzige Ertrage, deren Dauer 125, abhangig von Gestirnen und den Orten (templa nach II 943 und 959).
— 7. pericla 127. 128; dass auch locus VII (occasus) in lib. II Gefahren bringt, ist hier nicht beriicksichtigt. — 8. Honores 129 ff. iu 131 praetexto o, in 130 speciosus Ig, specioso l^nic; weder prae^
6*
^4 Buch 3, 131-1%.
texto („Zier") noch praetextu (reclat seducteur, Pingre, species apparens, Dufay) geben eine klare Anschauung. Ich schlage vor: speciosae gratia praetextae = 'die anmutende Pracht der purpur- verbramten Toga', als Ausfiihrung zu honoris conditio. — 9. 131 bis 133 sors natorum anklingend an II 946 ff. — 132 gnatorum ist nicht besonders beglaubigt. Fatorum geben Igc. Aber in 1 ist F einer Rasur eingeschrieben und zu weit eingeriickt: es kann also gr oder gn vor der Rasur vorhanden gewesen sein. Fiir das erstere spricht gratorum in m. Dies ist aber wohl durch Dittographie aus gratia in 131 entstanden; ich empfehle Natorum herzustellen. — 133 nutricia, ein substantiviertes Adjektivum wie cauta 98: alles was die Eruahrung der Sauglinge {infantum mit Scal. statt intrantum o, etwa in lucem, eine zu kiihne Metapher) betrifft, wobei ein sehr gemischtes Persoual (133) notig wird. — 10. mores 135 — 137. — 11. ualetudo 138 — 144, anklingend an II 901 ff. — 12. zusammen- fassend und erganzend, studia et artes, uota ]45 — 155. — 146 rehus apiscendis: eine archaistische Form. — 149 nutus blanditus in omnis: 'der dienstbeflissene Klient' (vgl. V 65 ff.). — 162 athla ((J^Xa an- klingend an die Hercules-Sage), Kampfe und Kampfpreise, Lebens- ziele. — 163 cohercent Bentl. : 'sie umfassen die in zwolf Gruppen verteilten Lebeusaufgaben'. — 166 tempora mutant: der Stand der Sonue, des Mondes, des Horoscopus bestimmt den Ort fiir die Fortuna, infolgedessen auch fiir die athla (mota per orhem signorum). — 172 Mit Recht von Bentl. getilgt. — 176ff. Dieseu Ort findet man auf zwei Arteu: duplex ratio bezieht sich zunachst auf den Unter- schied der Zeit (Tagesgeburt, Nachtgeburt), je uachdem die Sonne iiber (180) oder unter (184 — 185) dem Horizonte (transuerso cardine ff. und cardinihus) steht. — 179 stellis: Sonne und Mond. — In 183 ist senis zu lesen. — 187 Ini ersten Falle zahle die Grade von der Sonne bis zum Monde (Vers 188 fehlt in Igc, steht iu m, also auch in Uj U.2 V.2, in letzterem fehlt m); im zweiten Falle die Grade von dem Monde bis zur Sonne (196: uerte uias). Die erhaltene Summe verteiJe, beginnend vom Horoscopus auf die folgenden signa ; wo die Yerteilung endet, ist Ort der Fortuna: ihm gehoren die niichsten 30 Grade, es folgeu der Reihe uach die iibrigen athla. — Sind das nun zwei Methoden? Scaliger verueiut es, Pingre bejaht es; beide stimmen darin iiberein, dass das Resultat derselben gleich sei. Die Entscheidung liegt in der Auffassung des uerte uias (196). Petosiris u. Necepso haben es: oxav xXfjpov tu/^yjc: Xa^ipavjjc;, Yjjjiepas |jt,£v dTio ■fjXcou tlc
Buch 3, 203-217. g5
oreXT^VYjV a.pi%-\i.£i, xal m laa aTZo wpoaxoTcou ^tiI xa euojJLEva xwv c^(oSl(i)v dTcdXuE, vuxxbs 5^ dvaTiaXiv. — x6 dvaTraXtv 5e xc saxiv; Iva dTio aeXigvifji; Ittc YjXcov Tioi"f]a-Qq xod jirjxext ct^; xd £7i6[jL£va dXXd s£? xd i?jYOU{xeva dnoXuaigi;. Sie verlangen also, dass fiir die Nachtzeit das tierte uias auch bei der Abzahlung vom Horoscopus befolgt werde; anders Ptolemaeus: xX^pov [JLevxot xu5(Yj(; auvdyojxev dTro xou dpt^fjLou Tudvxoxe xwv {jLOtpwv %a: vuxxoc: xou aTio ■^jXtou eut aeXi^vrjv xat xd d(fatpou[Aev dTc6 xou wpoaxoTtou xaxd xd iTiojxeva xwv ^(pStcDV. Er kennt also kein dvdicaXtv, zahlt nur ejit xd £7T;6[JLeva. Ich glaube, dass die Agyptier den Manilius richtig auffassen. Zur Erlauterung ein Beispiel, bei welchem ich wie Pingre O, ([ und Horoscopus in dieselben Gestirne fiir Tagsgeburt und Nachtgeburt setze (T 10« bezw. Q, 10° bezw. n 10*^). Fiir Tagsgeburt: von Sonue bis Mond sind 120» (T 20 o ^ 30 o n 30« ® 300 ^ 10 0)^ diese 120« zahle man ab von n 10« (es erhalten n 20», 6p ^ und np je 30^ =c= 10°), locus Fortunae ist ^ 10» bis nt 10 0; darauf folgen die iibrigen athla. — Fiir Nachtgeburt: von Mond bis zur Sonne, vou Q> lO^ uber ttp bis T 10 ^ sind 240°. Diese verteile man, beginnend n 10 ^ (aber xaxd xd i^youiJLeva) : es erhalten H 10«, y, T, K, ^, Z, ^, m je 30», ^ 20» (von 30« bis lO^), also ist wieder wie vorher s2= lO^ locus fortunae; aber nun reicht der Ort bis tip 10 ^, und die ubrigen athla folgen den %ou(jLeva, mithin in umgekehrter Reihe als vorhiu. Diesen notigen Schluss hat aber Pingre nicht gezogen. Vgl. Anhang Tafel H, Fig. 3 und 4. — 203 — 509 Der Platz der fortuna hangt von der Stellung des Horos- copus ab: hieriiber handelt der grosste Teil des dritten Buches. — 203 — 217 Wichtigkeit und Schwierigkeit der Untersuchung, namlich welche Methode geeignet sei, fiir jede Geburt den am weiten Gesichts- kreise aufsteigenden Horoscopus festzulegeu. — 204 Fiir queas natalis lese ich queas in tali tempore, tali ahnlich wie HI 338; griechisch 6 Setva; inmenso in 205 halte ich mit o, da orbe hier nur als Horizont zu fassen ist, der Horizont aber nicht immersus ist — cardinibus falsis 208: wenn der cardo ortiuus 189fP. nicht richtig bestimmt ist, 80 erhalten die athla falsche Stellung = mentitur faciem mundus (209). — 211 — 217 'Schwer ist es aber, in dem gewaltigen Bogen einen winzigen Punkt zu erfassen, mag er den Morgen oder den Mittag oder Abend treffen oder im untersten Teile des Kreises sich befinden'. — In 216. 217 werden die vier cardines genannt, vgl. n 788 ff. In 217 halte ich Pingres Lesung: aut terat occasus aut imo sederit orbe fiir die richtige (vgl. aliam triuisse uiam I 731). —
86 Buch 3, 218-241.
218 — 246 Abgelehnt wird die gewohnliche Methode. Der Astrolog von Profession — so Firmicus IV J 7 — mag er iiun platice ganze signa zahlen, oder partiliier verfahrend die Teile berechnen — kennt nur Stunden von gleicher Dauer — und (219 — 224) gibt jedem Gestirne zwei solcher Stunden zum Aufgange, z. B.: die Geburtsstunde (nas- centis tempus ad ipsum 223^ sei Mittag 12 Uhr am 23. September; es sind sechs Stuuden seit dem Aufgange der Sonue vergangen (223), diese sechs Stunden verteile mau, anhebend von dem Zeichen, in welches die Sonne am 23. September getreten ist (:^ 1*^) auf die folgenden zu je zwei Stunden; diese Verteilung endet bei ^ 1 ^, und dieser Grad ist signum horoscopans oder horoscopus (224: signum di- catur oriri). Die Rechnung ist fiir =ii= und V treffend, falsch fflr die ubrigen signa. Nur fur jene gilt als Wert der Stunde 15^, wie von 225 an bis 246 ausgefuhrt wird. — 219 surgentihus auf die Autoritat von m in orientibus zu auderu trage ich Bedenken.
225 Aber die Tage siud uicht von gleicher Dauer. — Als Grund nennt Mauil. die schiefe Lage der Ekliptik zum Aquator (215). Das Aufsteigen der Gestirne ist verschieden. — 229 Beispiele fur Tages- dauer. hruma Gegensatz zu cancer, also Winter-Solstitium, hier gleich capricornus (vgl. II 404 solstitium hrumae, capricornum opponere cancro) — uix (lucem) reducit = entschliesst sich schwer den Tag wieder anbrechen zu lasseu. — 230 illa o, scil. hruma. — 232 ex- trema o, von Bentl. beanstandet. Als media gelten y uud ^, extrema sind die angefuhrten $p und ^ ; welche signa heisseu nuu summa? Doch wohl die acht nicht genannten. Vielleicht ist zu lesen atque infima summis. — 235. 236 in auras — manere o — in auras er- klarte man: 'flber den Horizout', etwa = in orhem; daher musste man manere in meare andern. Ich schreibe in horas, verbinde dies mit pari lege und behalte manere. Denn der ganze Abschnitt richtet sich gegen die Ansicht: quae hinas trihuit signis surgentihus horas et parihus spatiis etc. (220); in der Zusammenfassung siud hier fest- gestellt: dissimilia spatia, uarii dierum atque noctium modi, sodass also nur noch die Stundeu Erwahnung forderu. Der Ausdruck wie 243 in hinas (horas) non possint omnia nasci. — 238 Wie die Tage und Nachte, so sind auch die Stuuden verschiedeu. — 239 summa = die Dauer. — 241 Der Tag dauert vom Aufgange der Sonne bis zum Niedergange. Aber iramer hat er sechs Gestirue flber dem Horizonte luce suh omni (245), und zwolf Stunden sind zu verteilen, die eben- falls schwankender Dauer sind (pugnantihus vgl. 240 uud 232). Man
Buch 3, 247-268. 87
darf also nicht je zwei volle Stunden vom Aufgange der Sonne fur jedes Gestirn bis zur Geburtsstunde zahlen, wie die falsche Lehre (218) verlangt.
247 ff. Yielmehr ist die Dauer der Tage und der Nachte fur die einzehien Monate nach vollen Stunden, also gleichen (248) zu berechneu. MaCstab sei dafiir die mathematisch richtige {exada 250) Stunde von (~) 60 Minuten. Ihre Bestimmung befindet sich 251: quae signetque (signemque Igm) diem sedem perpendat et umhris (umhras o): 'welche den Tag festsetze (wie iura signare) und der Nacht ihre Dauer genau abmesse' (segnem diem segnes umhras ist nicht zu brauchen, denn darauf kommt es hier nicht an, wohl aber auf richtige Messung der Tage wie der Nachte). Daran schliesst sich: haec erit (252 ff.) die Tag- und Nachtdauer fiir die signa tropica: 1. lihra und aries haben (uber medio uere s. u.) je 12 richtige Stunden (pares, exactae), medio quod currit Phoehus Olympo 255. — 2. die grosste Ungleichheit zeigen Z und 6p. — 256 Das Eis des Winters verjagt den Phoebus nach Suden, er tritt in den achten Teil des Z , der den Winter eroffnet (21. Dezember), und hat den kleiusten Tagbogen; der Tag hat 9^2^ di^s Nacht {ohlita diei 'als wenu es keineu Tag mehr gabe') 14^2 Normal- stunden (hier uernalis wie 266 hrmnalis, beides exactae). Aber (261. 262) es bleiben die zwolf biirgerlichen Stunden fur jeden der beiden Zeitabschuitte, und zugleich ergibt sich die volle Dauer iredit in solidum) des Tages. Im Z hat der Tag 9 '/2 Stunden = 570 Minuten, die Tagesstunde ^ = 471/2 Minuten, die Nacht 141/2 Stunden = 870 Minuten, die Nachtstuude ^ = 72^2 Minuten, zusammen 24 Stunden = 1440 (60 X 24) Minuten. Gleiche Zahlen — uur tauscheu Tag und Nachtihre RoUen (conuersis uicihus) — ergeben sich fur © (265 — 267). — 268 Zusammenfassend: fest bestimmte Punkte bilden die Anfange dieses Wettkampfes (gradus = partes) hier die Wendepunkte. Das Gesetz dieses Wechsels gibt Manil. spater (395 ff.). Housman IX XY erkennt in 268 — 271 'a passage describing the motions of the planets', ausser ihm wohl niemand. — Zur Sache sei noch bemerkt: 1. wenu Z 8^ nach 257 der erste Tag des Winters heisst, wenn aber (253: medio uere) y 15^ Friihlingsanfang sein soU, so schwankt Manil. hier zwischen den III 680 angefiihrten Ansichten; 2. wenn Manil. (271) diese Zahlen fur Alexandria als zutreffend angibt, so ist diese Angabe sachlich ebenso zu bemangeln wie I 217 die Lesart Niliacas. Seine dem Eudoxus entnommene Angabe stimmt fiir Rhodus, wahrend in Alexandria der langste Tag 14 Stunden dauerte. Pingre bemerkt
88
Buch 3, 275-285.
im Anschluss an Scaliger: i\ ue voulait pas laisser echapper roccasion de comparer les sept bouches du Nil aux sept planetes. Huet erinnert: Annum praeterea, qui conuersione caeli continetm\Nitum esse uolunt etc. Tatsachlich bringt Manil. mit aestiuis grauidus torrentihus amnis ein Stflck Posidonianischen Wissens, vgl. Strabo 17. 5. 789: bnb Sjji^poDV ■S-spivwv TzXripou\xevov xov NecXov xric, Al%-ionia.c, x^s ^vw xXu^o[i£VYj?. 275 Nun folgen die schon vs. 248 als notig fiir die Auffindung des Horoscopus bezeichneten Angaben iiber die Aufgange und Nieder- gange der Gestirne nach Graden, Stadien, Zeitdauer und zwar aus- fuhrlich, ne pereant (careanto) compendia (Vorteile). — In Ubersicht:
Aufgange
Untergange
signa
Grad
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Stun-I Mi- 1 g:g._„ den nutenl *
signa Grad
Sta- dien
Stun- den
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signa
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1
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— 180
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12
—
180
360
12
—
Dazu bemerke ich: 1. Die Bezeichnung stadium wird hier neu eingefiihrt. Stadium ist derjenige Bogen der Ekliptik, welcher zwei Minuten Zeit zum Aufgange ilber oder zum Untergange unter den Horizont braucht, also die Halfte eines Grades; 720 Stadien ent- sprechen 24 Stunden. 2. Das fiihreude (278) Gestirn, V, erhalt 40 Stadieu zum Aufgange, 80 zum Niedergauge, jedes folgeude Gestirn wachst um 8 Stadien beim Aufgange, verliert ebensoviel beim Nieder- gange (282. 283), wachst um 16 Minuten, bezw. verliert 16 beim Niederg-ano^e. Aber Wachsen uud Abuehmen findet zuuachst uur von Y bis Vtp statt, wahrend vou =£== bis K geuau die umgekehrte Ordnung eintritt. 3. Das Gauze hat die Form einer arithmetischen Reihe. Die DifPerenz bei den Minuteu (16) im Verse auszudruckeu, machte etwas Umstande. Also tritt in vs. 284 erst ein quadrans (15 Minuten) zu; die noch fehlende eine Minute findet sich in vs. 285. Bentleys Lesung: tertiaque in quinas partes pars ducitur eius gewinnt
Buch 3, 301-320. 89
durch quintas fiir quartas die gewiinschte eine Minute: aber sie er- mangelt des notigen Hinweises darauf, dass diese Minute zu dem quadrans in 284 addiert werden muss. Diesen Hinweis gewinne ich, indem ich das gut beglaubigte si festhalte und schreibe: tertiaque in quintas pars si diducitur eius. Konstruktion : wachst durch einen neuen Quadranten und durch die Zahl, welche man erhalt, wenn
/ 15 \
man den dritten Teil dieses Quadranten durch fiinf dividiert (g^)- Manilius bietet manches arithmetische Kunststiick — in 283 und 292 hat m allein das urspriingliche uergentia und eadendi bewahrt — in 296 nehme ich Anstoss an si quod (ei xi, horoscopetne, sagt Jacob); hier ist doch keine Frage — es handelt sich immer nur um Abzahlen nach der gegebenen Anweisung — daher lese ich facile est sic, quod quandoque etc. — 'denn nun kann man die Gestirne nach Stunden mit dem jedem eigenen Minutenbetrag ansetzen (propriis — partibus/.
301 — 384 Verschiedeuheit der Tage und Nachte nach der Pol- hohe (der geographischen Breite). — 303 ratione (o) suh una: das MaC ist verschieden, der Grund derselbe. — 305 — 322 Die Aquatorial- zone. — :c= wird doppelt ausgedriickt : chelarumque fides, die Zu- verlassigkeit der Wagschalen (des Zuteilens), iustaeque examina lihrae (die richtig priifende) mit Hindeutung auf das Ziingleiu der Wage. — 307 recto ordine wie 227, 319 u. a., die Zonen stehen seukrecht zum Horizonte, die Polhohe bleibt die gleiche (307 mundus iis populis recto semper ordinc supra terras fertur — Dufay). — 309 illi ein archaistischer Locativus. — 310 Gegensatz zu aequo foedere ist fallacia mundi 'die Ungleichheit des Himmels, der Zeit', ebenso 314 aequali Phoeho. — 312 nec uud aeuo ist unbrauchbar, mit Bentl. schreibe ich sed und anno {anno hat p.) = omnihus signis. — 313 autumnus und ver kurz fiir Aequinoctial-Nachte und -Tage. — 315fP. Dass dies fiir alle signa gelte, wird sehr umstandlich gezeigt: V und ^ sind oben genannt, in 316 traten die beiden iibrigen tropica hinzu, $9 und Zj in 317 die acht, welche zwischen den vier tropica liegen. Dem litoreus (= 2, 224 scopulosus^ cancer steht ^ entgegen (con- irane feratur) und 317 mit zusammenfassender Doppelfrage: siderihus mediis an quae sunt quattuor inter (sunt statt sint; fiir den Coniunctiv spricht gar nichts) — kurz fiir: feraturne siderihus mediis, an iis quae stmt inter nuattuor media; — media = xevxpa, cardines. Der Yers ist durchaus notig. — 318 Nach I 675: per tris gyros inflexus dueitur orhis (Zodiacus). — 320 suhterque statt terras mit Bentl. —
90 Buch 3, 321-300.
321 lustra wie III 580 allgemein fiir Zeitraume, in denen bestimmte Handluugen wiederkehren. — 323 — 384 Zeitdauer vou Tag uud Nacht in den iibrigen Zonen. Die lebhafte bilderreiche Behandluug des Gegeu- standes deutet auf die Benutzung des Posidonius hiu. Der Beobachter wendet sich von der Aquatorialzone zu den Polen ( — 343). — 323 simul mit Konj. ebenso wie praeuerteris transitiv ist singular. — 325 graui gressu in Anlehnung an m; uestigia nach 1 und g (fastigia m: aber die Kugel hat keine Gipfel). — 327 db omni und scandesquc (328) gm
— Venn du mit schwerem Schritte durch die ansteigenden Hange der Erde dich zu den fernen Polen wendest — — also wenn du die Kugel betrittst, das Rund ansteigst, so wirst du zugleich absteigeu. Dann' 330 infiexerit orbe o — terra infiexerit aliquantum orhe
— ebenso wie sie sich in der Rundung wendet, ebenso wendet sich die Stellung des schwebenden Himmels. — 333 Gut bezeugtes ducuntur kann mitten unter den Puturen doch uicht bleiben: dem Beschauer werden die Gestirne in schrager Bahn in den Gesichtskreis eintreten.
— 341 2^^'0 spatio mora magna: 'uach der Entfernung bemisst sich ihr Verweilen iiber dem Horizonte'. — 344 ff. Dauer der Nachte in der arktischen Zone. — 345 oculos m deutet auf effugiunt — hru- malia. Die sechs Gestirne von :^ bis K, in welchen die Sonne des Winters steht. — 346 uixque ortis: uix ortis eueniet occasus. adeo hreues dies sunt (Bentl.). — 347 totis memhris. Allmahlich bleibeu einzelue der brumalia signa mit allen ihreu Teileu (Gradeu) unter dem Horizonte, uud das ergibt dreissig zusammenhangeude Nachte. Die Tagesdauer ist beschriinkt, und die (zw5lf biirgerlichen) Stuudeu beschranken sich auf wenige Minuten. — 351 statio = mora in 341 : ihr Verweilen iiber dem Horizoute. — 352 per partes suhrupto tempore: die Zeit ihrer Sichtbarkeit wird aUmahlich beschrankt. — 354 ahducentque (D uud B vertauscht) mit ihrem Scheideu die Sonne, Finsternis tritt ein. — 355 eruptis o; diese Nebeuform ist fiir eripio nicht bezeugt — dehilis annus: die absolute Dauer des Jahres bleibt, seine Qualitat verschlechtert sich. — 356 — 69 Dauer der Tage auf der arktischen Zoue; der Beobachter stehe auf dem wahren Nordpol. — 360 siantis erit caeli species: stantis technischer Ausdruck, im Gegeu- satze zu sphaera recta (der senkrechten) uud ohliqua (der schrageu) die erecta oder stans. Der Himmel wird ihm ;gleichsam steheud erscheinen, wie ein Kreisel, desseu Spitze der Pol bildet, auf dem der Beobachter steht (scheiubarer Horizont); der wirkliche Horizont ist ihm der Aquator- Bei der Drehung dieses 'Kreisels' beschreiben
Buch 3, 362-385. 91
die iiber dem Horizonte liegenden Punkte (Gestirne) Kreise, die senk- recht zur Weltachse und parallel zum Aquator sind (lafermnque meatu — recta uertigine). — 362 Die sechs signa aestiua bleiben uber dem Horizont, alle ihre Punkte begleiten den Himmel in Kreiseu, die sich anschmiegen, d. h. dem Aquator parallel laufen (circuitu accUni). — 365 Die Dauer des Tages von sechs Monaten wird 366. 367 erklart, in 369 deutet uersetur Im auf uisetur — namlich vom Beob- achter — ab orbe o, eine Dittographie zu 370 — dort notig, hier zu korrigieren in ah axe 'dem Standpunkte des Beobachters'. — 370 Nun das Gegenteil: die Sonne wendet sich nach der siidlichen Halbkugel (abwarts vom Aquator — anscheiuend eilig n794: unde fugit mundus, praecepsque in tartara tendit)., dann folgt fiir den Pol die Nacht von sechs Mouateu. — 374 Wieder steht der Beschauer auf dem Pol — ah omni o mit Bentl. ah axe; nicht a quocumque loco (Jacob), ab omni parte (Dufay), denn der Beobachter steht uertice sub caeli — , dort fallt der wahre Horizont mit dem Aquator zusammen, der Blick umfasst die Halbkugel media tentis aluo (377). — 376 illiim: erg. dimidium mundum; rotundi ist Substantivum. — 378 ab orbe ist hier durch summo deutlich und gesichert (summa orhis parte Pingre). — 379 effugit erg. pars inferior. — 380 Verbinde adducitque und relinquit mit siderihus: das Gegenteil war oben bemerkt in 354: [signa] ah- ducentque Phoehum texentque tenehras und 351 paulatimque perit statio astris: hier ist das Wiederaufsteigen der Sonne angedeutet; ihr Ziel 381. 382: donec redit unde cesserat. — Zu totidem erg. sideribus = signis: 'nachdem Phoebus ebensoviel Tierkreiszeichen als Monate durchlaufeu hat', namlich die sex sidera inferiora (371) und totidem menses (373) — geminas ad arctos: seine Wanderung durch die signa aestiva. — 383 hic locus: man denkt zuriick an cesserat unde, also der Aquator, der die Erdhalften (diuortia) scheidet. Aber das Jahr soll in je zwei Tage und zwei Nachte geschieden werden, d. h. zwei Tage und zwei Nachte zu je sechs Monaten, aber nach den Hemispharen geschieden, so raeint es Pingre: un seul jour, une seule nuit, separes par la distinction des deux hemispheres, forment en ce lieu la division de toute lannee, und dies trifft nur fiir die Pole zu.
385 Nunmehr soU fiir jeden Breitengrad berechnet werden, wie- viel Stunden (385—417) und wieviel Stadieu (418—442) jedes Gestirn zum Aufgang und zum Niedergang beanspruche. Manilius gibt die allgemeine Regel; er betont, dass sie sein Eigentum sei (mihi debeat artem und a me sumat iter — 393, 394), und wir glauben ihm, so
92 Buch 3, 385-410.
lange wir einen Vorganger nicht nachweisen konnen. — 385 uarientur Jacob halt an vier Stellen den Indicativ in der indirekten Frage fest: in IV 117 und IV 211 bietet aber g cadat und sequafur, ich trage kein Bedenken, auch hier wie I 808 den Konjuuktiv gegen o ein- zusetzen. — motu 385 und motus 391 : die Bewegung, welche ein ver- schiedenes ZeitmaC bedingt, gehort der Sonne an. — 388 partihus certis: der Horoscopus (orientia) nach Graden und Minuten pp. — 391 singula erg. signa: 'Weil es nicht moglich ist, fiir die einzelnen Gestirne alle Verschiedenheiten nach Stunden und Stadien (temporihus numerisque 392) anzugeben, so ist festes Gesetz fur das Ganze zu geben — darnach mag jeder (hier und ebenso 420. 421) die Sache fiir seine Polhohe nachrechnen. — 395 Die Methode des Manilius, nach welcher fiir jede Polhohe Stunden und Stadien des Auf- und Niederganges zu berechnen sind.
a) Die Stunden (tempora).
Er bildet eine arithmetische Reihe von sechs Gliedern Y" b n ^ (Q HP, deren Summe (24 Stunden oder 1440 Minuten) und deren zweites und fiinftes Glied ^ und Q, bekaunt sind. Dera Q^ gibt er den sechsten Teil des Sommersolstitialtages (^ nach 256 fp.) 145 Minuten, dem y den sechsten Teil der Sommersolstitialnacht (■^) 95 Min. Die Differenz zwischen den einzelnen Gliedern ervveist sich nach 405 als ^^=^ = ^ = 16 Minuten 40 Sekunden. Mithin erhalt T 78 Vo. Min. n 111% Min. © 128Vo Miu. np 161 Vs Min. An diese steigende Reihe schliesst sich mit denselben Werten eine fallende Reihe von =ii= mit 161 V.s Min. bis K mit 78^3 Min. an. Zum ein- zelnen. — 395 quacumque hoc parte in terrarum quisque requiret (nach Bentl. — in nachgestellt vgl. Housman I 245): hoc: die Be- stimmung des Horoscopus unter der betreffenden Polhohe. Fiir diese hat man (396) die Aquatorialstunden fiir Nacht und Tag im ^ zu bestimmen (deducat) — maxima dies^ minimae umhrae. — 402 ad ortus: fiir den Aufgang beider ( sidera tauro o: tauro zu halten, daher auerso nascenti sidere zu lesen: der im Sternbilde mit dem Hinterteil zuerst aufgeht. — 404 has erg. partes in horas als seinen Besitz an Stunden — nichts zu andern. — 406 ein solches Drittel erhalten n, aber es muss die Summe des ^ binden — uinciat = 'festhalten'. — 408 Durch diesen Zuwachs kommt ,0, auch auf seine Zahl von 145, wie in 399. — 410 np erhalt gleichen Zuwachs. Dabei wird das Gesetz der arithmetischen Reihe klar dar- gelegt und zwar fiir alle Glieder, daher prioris semper ut astri in-
Buch 3, 413-421. 93
eolumem seruent summam^ crescantque nouando. — 413 Nachdem diese bis zur ^ (ad denas ist unbrauchbar), diese ausgenommen, durch solche Zeitteile gewachsen sind — d. h, bis hierher war die Reihe eine steigende — folgt von der :^ an (a libra) eine unter gleichen Ab- standen fallende Reihe von ni^ bis K — kurz angedeutet, Aber noch weit kiirzer gibt Manil. in zwei Versen 415. 416 die ganze Tabelle fiir die Niedergange: 'die ZeitmaCe der steigenden und fallenden Reihe (in utramque) beim Aufgange werden auch beim Niedergange inne- gehalten, aber diuersam in sortem, umgekehrt', namlich es wird Y* bis ^ exkl. vou I6I-/0 bis 78^3 fallend, und =£- bis K iukl. von 78 V» bis 16 12/3 steigeud. — Es folgt unmittelbar
b) die Methode fiir das Stadiarium.
418 illa o quod standis o (in 1 scheint korrigiert zu sein) quot stadiis seit Scalig., ich fiige ein et hinter illa ein. Verbura regens bleibt aus 417 ratio erit ducenda: aber statt stadiorum tritt mit Wechsel der Konstruktion der Fragesatz ein (so auch nach ratio reddenda in 564). Die arithmetische Reihe wie 395; aber statt der tempora erscheinen numeri, namlich stadiorum. Die Summe der sechs Glieder wird zuerst gegeben. — 419 quae cum ter centum numeris uicenaque constent nach bester Uberlieferung; 'fiir den Aufgang wie fiir den Niedergang zahlt man je 360 Stadien (3 X [100 -}- 20]), die Summe (420) ist 720 Stadien. Von dieser Summe ziehe mau, um ^ zu finden, eine durch 420 — 424 naher bestimmte Quote ab. Die Analogie des Verses 395 lasst schliessen, dass auch hier das MaB des Sommer- solstitialtages beriicksichtigt werde. Das geschieht auch, aber zur Ab- wechselung auf einem Umwege. Man zieht vou den vierundzwauzig Stunden (omnihus ex horis 42 V die Quote ab, welche auf das Kouto der Sommersolstitialnacht entfallt, und was dann iibrig bleibt — das ist natiirlich der Sommersolstitialtag — teile man durch sechs und gebe die damit zu gewinnenden Stadien dem ^ zu. In Zahlen: ~ = -g^ Stunden = 145 Minuten = 72^^ Stadien. Zum eiuzelnen: — 420 detrahitur 0: ein Imperativ ware concinner, zu eiuer Anderung aber ist doch nicht geniigender Anlass. — tota zu tot gehorig, kommt sonst bei Dichtern nicht vor, diirfte aber trotz Servius zu Verg. Aeu. 189 zu halteu seiu. — quota Igc. Die Liicke in 1 deniit\\\ fiillt m richtig (qtcod ademitur); utque Igm besserte Jacob richtig in usque (— 'im vorkommenden Falle', namlich weun der Teil des Q zu er- mitteln ist). — 421 omnibus ex horis = aus den vierundzwanzig Stunden; entsprechend summae in 420. — nomine noctis: Huet:
94 Buch 3, 423-439.
alludit ad rationaria creditorum in quibus nomina dehitorum descripta erant et summae dehitae seu creditae erant adscripta: also 'auf Konto' — Bentleys Anderung lucis erfahrt Pingres Tadel (quandoque honus dormitat Homerus) — his demptis in 423: das sind die Stadien, welche der Nacht angehoren ; — quod — exsuperat die Stadien des Tages (vgl. oben) — ducere in aequas partes: ein zweites Beispiel dieser Konstruktion hat Manilius nicht. Daher diducito (id ducito g ducit la). Metrische Bedenken sind nicht zu erheben (vgl. esto honus miles und tihi sumito lihros bei luvenal 8. 79 und 134).
425 Auteil des ^ in zwei Versen. sehr kurz aber ausreichend.
rursus ;heisst uns das Yerfahren nach 420 — 424 wiederholen; qui
numerus steterit: Zahl welche iibrig bleibt, namlich nach der Sub-
traktionvon 720 Stadien. Abzuziehen sind aber nichtwieder24 — BV^St.,
sondern 24 — 14^2 St, und der Rest ist durch sechs zu teilen. In
Zahlen: 24— UV^ St. = 91/2 St. = 570 Min. = 285 Stadien, deren
sechster Teil {pars illa) dem ^ gebiihrt, also 471/2 Stadien (nach 399
hatte er 95 Minuten). Die Koncinnitat erfordert hier die x\nderung
lucis (statt noctis^ welches durch Dittographie entstanden ist). —
427 Wie in 403 ermittelt man die Differenz (hier ist sie dreimal
ausgedriickt: hanc exsuperat partem — tauri — superatur ab illa —
leonis — distinguit medio discrimine duas smnmas). Ihr Drittel —
"^^^"3"^'^ ^ "3" ~ ^Vs Stadien — ist die Differenz der Keihe: lucrum 430
nouo munere 432 ; die Reihe steigt auf bis ^ exkl., fallt von =0= bis K ,
s:auz wie im horarium. — In 425 numine 0, was Jacob trotz 421 fest-
halten will. — 431 zu prioris gm erg. signi. — 433 donec pienieniant
— Jacob halt peruenient aus c p M, und perueniet m. Einmal —
IV 670 — hat er noch das Futurum bei donec (ponet Imc ponat g);
fiir das Futurum spricht hier nichts; iiber den Konjunktiv bei donec in
Beschreibungen vgl. Draeger Hist. Synt. II 614. — 434 sic hreuiantiir :
'in der fallenden Keihe'. — 435 lanigeri ad fines: d. h. bis zu den
Fischen inkl., bis zu V l^ exkl. — Mit grosster Kiirze werdeu die
beiden Reihen fiir die Untergange (ccdentia) angedeutet. Die Zahlen
fiir die Stadien der Aufgange finden sich hier wieder, aber in um-
gekehrter Folge (conuersa lege), fiir y bis tip in fallender (von 80^/g
bis 39^6), fiir ^ bis K in steigender Reihe (39^6 bis ^OVe)- —
437 7nonstrahit aus g ist durch die benachbarten Futura gesichert. —
439 cmn propriis simul horis — die Voraussetzung fiir diese Regei
ist, dass man die Stundendauer des langsten Tages, bezw. der kiirzesteu
Nacht fiir den betreffenden Breitengrad kennt.
Bucll 3, 443-448.
95
Das Ergebnis des gaiizen Abschuittes (385 — 442) zeigt folgende tJbersicht:
orientia
cadentia
signa
minut.
stadia
signa
signa
minut.
stadia
signa
T
78V3
391/6
K
T
161%
80%
K
«
95
47%
r:
8
145
72%
r:
n
111%
55%
Z
n
128V3
64%
z ^
©
128%
64%
^
6p
111%
55%
/
c^
145
72%
m.
a
95
47%
rtl
np
161%
80%
^
w
78%
39%
^
Summa
720
360
Summa
720 360
Die gefundenen Werte entsprechen den iu der Ubersicht zu 275 gegebenen, dort praktisch abgerundeten Werten. Wie mit der Polhohe sie sich andern, zeigt Dufay in seiner Ubersicht, die den langsten Tag zu 16, die kiirzeste Nacht zu 8 Stunden nach dem Breitengrade von Paris rechnet. Da berechnen sich y anf 80, ^ auf 160 Minuten, die DifPerenz der arithmetischen Reihe auf 8% = 26% Minuten, und entsprechend die Aufgange von T auf 53% Minuten, 26 Vg Stadien, von np auf 186% Minuten, 93% Stadien. Manilius legt besonderen Wert auf die mathematische Formulierung seiner Methode, entsprechend seiner Tendenz, den astrologischen Lehren eiuen Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Astronomie zu sichern. Zur Beurteilung bemerkt Pingre (zur Stelle): on con methode, quelque ingenieuse qu'elle puisse paroitre, ne peut donner que des approximations plus ou moins grossieres. Dans la realite le lever du belier dure a Paris 58 minutes, celui du taureau 1 heure 14 minutes, celui des gemeaux 1 heure 49 minutes, eelui de Tecre- visse 2 heures 28 minutes, celui du lion 2 heures 45 minutes et celui de la Vierge 2 heures 45 minutes. — Mit 437—442 weist Manil. auf 296—300 zuriick und macht den Ubergang zu 443—482, der Lehre vom Wachsen und Abnehmen der Tage und Nachte in den einzelnen Monaten des Jahres. — 443 hiherni surgere menses: Manilius beginnt zweckmassig vom Z , denn von ihm an beginnt die Sonne wieder zu steigen, die Tage wachsen um bestimmte Zeit- betrage. Welche? lehre die Methode (448). — 448 Die Solstitien
96 Buch 3, 449-457.
bringen den kurzesten, bezvv. laugsten Tag, die Aquinoktien den nor- malen Tag von zwolf Stunden; die Zwischenzeit ist nun auf die da- zwischenliegeuden Gestirne (Mouate) zu verteilen. Den dritten Teil erhalteu das mittlere, ein Sechstel das erste, drei Sechstel das dritte Gestirn, alles nach dem Gesetze der arithmetischen Reihe. — 450 Die Dauer des kiirzesten Tages, bezw. der langsten Nacht ist nach der Polhohe in Stunden anzugeben; der Betrag, um welchen sie die normale Nacht iibertrifft oder hiuter dem normalen Tage zuriickbleibt, ist in obiger Weise zu verteilen. Im einzelnen: — 446 contingunt Igc nieht zu anderu : hier ist nur der Endpunkt einer Handlung angegeben.
— 449 per horas: "m Stunden', bezieht sich auf mensura diei und noctis. — 450 quoque: 'der Betrag um welchen' — ad und umbras sicher beglaubigt, daher ist iusto in iustas zu andern: superauerif absolut, ad iustas umbras = im Yergleiche zu der Nacht von zwolf Stunden. Ebenso ist in 451 trepidet erg. mensura zu lesen: 'und zuriickbleibt ira Vergleich zum Tage von zwolf Stunden' (Konstruktion wie Livius V 47: soUicitum animal ad strepitus nocturnos). Der Betrag ist in beiden Fallen gleich, verschieden aber nach der Polhohe. Bisher setzte Manilius den langsten Tag zu 14^^21 den kiirzesten zu 9V2 Stunden an, die zu verteilende Zwischenzeit wiirde (25 -\- 50 -j- 75 Minuten) 2^/3 Stuuden betragen, Pingre gibt fiir Paris (16 uud 8 Stuuden) 4 Stunden (40-|- 80 -|- 120 Minuteu) an. Fur sein Scheraa wahlt Manilius 15 und 9 Stunden, also eine Zwischenzeit von 3 Stunden, die sich teilen in 30, 60, 90 Minuten. Dazu fiihrt ihn weniger der Umstand, dass seine Annahrae zur Polhohe vou Kom stimrat, als der, dass die Rechnung sich ira Verse leichter ausdriicken lasst. — 452 Der dritte Teil, iu diesera Falle eine Stunde, tritt iraraer zum zweiteu signum, sodass dies rait seinem Anteile das erste um einhalb iiber- treffe, dera dritteu ura ebensoviel nachstehe. — 455 his opihus: durch solche Betrage (opes hier = auctus, incrementa, Differenzen in der arithmetischen Reihe) wachsen drei signa. Nur muss der Wert des Anfangsgliedes dem zweiten verbleiben uud ungetrenut zu den folgenden hinzutreten. — accedat (accedit 0) erapfiehlt sich wegen cesserit m ^bl ;
— zu coniuncta sequentihus astris ergauze raan ein nouo incremento. Das Gesetz der arithmetischen Reihe soll nachdriicklichst eingescharft werden. — 457 Berechnuug fiir den gewahlten Fall: tertiis fuerit si longior horis hrumalis nox forte die — in welchem die langste Nacht um drei Stunden langer sein soll als der normale Tag; ich erapfehle statt hrumali 0 hrumalis zu lesen — in hora 0, fiir in
Buch 3, 465-478. 97
sehe ich keine Erklurung. Z lasst den Tag um eine halbe Shinde wachsen; es ist wohl et lioni zu setzen; er kommt also auf 9 Stnuden 30 Minuten; diesem Betrage fiigt kx die ihm gebiihrende Siunde zu; endlieh bohalten K den Betrag des JS^, in welchem drei incroncnta sich befindon, denen sie ebenso viele als ihnon gobiihrende zufiio-en somit drei Stundcn erfiillen: daher lese icli niit Bentl. prlormn ('von beiden Vorgangenr). — A^o Allgemein: die zu verteilende Zeit (dividuum fempus) wachst von einem Sechstel an: das folgende Gestirn verlangt zwei Sechstel (daher hier dupUcant zu lesen), das letzte drei Sechstel (daher hier triplicant mit Bentl.). — Die Verse 4()8 und 401) stehen zusammenhangslos in o hinter 474. Scaliger und Dufay suchen vergeblich diese Anordnung zu halten; jener orklilrt iia sunima diehus — fiir einen epilogus (ohne Verbum!), dieser ver- bindot summa cedere und erganzt ein solenf. Richtig stellt Bentl. die Verse: summa ist hier der normale Betrag (12 Stunden), wie bei noctes: 'ausgeglichen miissen sie ihre Uberschiisse {faenore = ternae liorac in 457) opfern'. — 409 propria de sorte: die Nachte beginnen nun von ihrem NormalmalSe BetrJige den Tagen zu opfern, diese Betriige aber sinken nach dem Gesetze einer fallendeu Reihe (diversa lege). Also: V entzieht der 2^acht ebeusoviel wie die K (1 Stunde 30 Minuten); b) 1 Stumle, H 30 Minuten — die Reihe fallt (3, 2, 1 Toil!). — 473 cumulentque ut damna priora — damna sind die Ab- ziige. welche bisher die Nilchte erlitteu haben, ihnen setzen n den Gipfol «uf; eiuen starkeren Verlust konuen sie nicht mehr erloiden. — 474 — 477 Parallele zwischen den signa nach Wachsen uud Ab- nehmen (incrementa — damna): ulfima primis ;g uud n, proxima :S5J und ^, media K "iid T, letztere fiir den Wechsel der Zeitdauer die bedeutendsten. Diese Parallele — sie gilt iibrigens auch fiir die folgende Reihe von Gestirnen — streicht Dufay ohne Grund, verleitet wohl durch die verwirrte Stellung von 468 und 469. — Ganz kurz (478 bis 482) deutet — iibrigcns ausreichend — Manilius das Schoma iiber das Wachsen der Niichte von ^ bis ^ an. — 478 Hac uice, in solchem Wechsel gehen die Niichte — nieht etwa descendunt., denn sie wachsen — bis zum ^ inkl. (ad sidera brumae), die Tage nehmen ab, alles dies vom Solstitium dos Krebses an und durch die gleichen Stufen des Wachsens und Abnehmens.
Manilius. U.
98
Bucll 3, 47H-4S«.
Scheraa fiir Wachsen uud Abuehmen der Taf^e und Niichte.
sigiia
Eri
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a
3 00
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9
30
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30
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—
6p
9 — 9 30
9 30
10 30
— 30
15;-
14 30
:r
9
30
10
30
14 30
1
—
K
10 30
12 -11 1
30
13 30
tip
10 30
12
1
30
13 30
T
121-
13
30
1
30
12 —
'.
12 — 13 30
1
30
12j-
i ^
13
30
14 30
1
—
10 30
m
13 30 14 30
1
—
10 30
n
14 30
15 —
—
30
9
30
^
14 30 15
1
—
30
9 30
Lauter Naherimgswerte, abgerundet im Interesse der auch hier beliebten mathematischen Einkleiduug. Der ebenso wie Manilius aus Posidonius schopfende Cleomedes macht die Sacho kurz ab: er nimmt die Differenz zwischen Z VLnd 6p (360 Minuten), gibt davon Vj-.> •^lem ersten und sechsten Monat, Vg ^^^^ zweiten und fiinften. ^/\ dem dritten und vierten, 30, 60, 90 — 90, 60, 30, genau so wie Manilius.
483 — 509 An die Verurteilung der gewohnlichen Methode, deu Horoscopus zu fiuden (von 203 — 482) schliesst sich ein Abschnitt an, in welchem die eben verurteilte Methode wiederkehrt - ein Riiekfall aus der Astronomie in die vulgilre Astrologie (dariiber s. weiter unten). Wie die Stunden vom Aufgange der Sonne zu rechnen sind (296. 439), ist hiulangUch gezeigt. Die mit illa: 'eine weitere" (vgl. zu 418) au- gekiindigte Methode gibt aber, was 219 getadelt ist, jedem Gestirn zwei Stunden gleicher Dauer zum Aufgauge, namlich: 1. fiir Tages- geburt: zahle die vom Aufgange der Sonue verflosseneu Tagesstnuden, multipliziere sie mit 15 ("denu iu jeder Stuude erheben sich die Gestirne um 15 Grade iiber den Horizont" — 489), ziihle die Grade liinzu, welche die Sonne in ihrem Zeichen schon durchlaufeu hat, verteile die gewonnene Summe, je 30 auf jedes signum, und zwar xaia xa £7i6[ji£va (solem quaecumque sequentur — 494, A'gl. zu 196). — ■ Beispiel: Geburt iu sechster Tagesstuude, Sonne in fl 10°; es ist 6X15 zu nehmen, 10 Teile hinzuzufiigeu ; es erhalteu n 30, 6p 30, ^ 30, dann ist np 10 ^ pars exoriens. — 484 uadis: aus den Fhiten (orfus) — 486 reuocahis in ipsum — deciens: wortlich sechszelmmal als Summaud gesetzt: dazu kommen fiinf gleiche Summen, ■yy.iS; zusammen
Bueli 3, 496 -.m ^
100 Teile (naeh 491) — hisdem und iisdem deuten auf eisdem. — 49() (qua e m, quaue wj. Mit Jacob empfehle ich relinqiiet wegen der augvenzenden Futura und numerum zu setzen : als Subjekt ist 495 astrum zu ergjinzen : "oder in welchem Grade ein Gestirn nicht die ihm gebiihreude vSumnie und Zahl der Grade (30!) erhalt, hinter ihr zuriickbleibt, der Grad wird Horoscopus sein. — 497 liaec erit exoriens: ausser Jacob zieheu die Herausgeber dazu noch et pars et forma: da ware aher pars nach 496 eiu iibeler Pleonasmus, und forma gar nicht erkliirt (Dufay: ea pars signi signumque horoscopans erif — Pingrt': sera le signe et le degre, qui se leve actuellement: II faut suivre le meme procede au travers des feux de la nuit (continua partes); beide setzen forma gleich signum: ohue Boispiel. Richtig interpungiert Jacob hiuter exoriens: apparet hinc poetam exordiri doctrinam de horoscopo noc- turno — er fasst dabei forma als doctrina (et par est forma); ich lese: et par sit norma per ignes: die gleiche Regel gelte fiir die Ivachtzeit. Sie folgt nuu. — 498 Nachtgeburt. Der Betrag audert sich. Zu ziihlen sind wieder die Stunden vom letzten Aufo-anore der Sonne, also 12, zu ihnen kommeu die bis zur Geburt verflosseuen Stunden der Nacht: diese fasse zusammen (contineat o andere ich in eontineas), mache aus ihnen eine Summe (feceris Scal.j, multipliziere wie obon, zahle dann je 30 Teile jedem Gestirne ab — wobei aber eines zu beachten sein wird. Sei hora YH Stunde der Geburt, die Soune staud am Tage vorher in 19 Stunden seit dem letzten Sonnenaufgang, multipliziere mit 15, rechue zu den gewonneuen 285 die iu ^ durchlaufeneu 15 Teile (= 300 partes). Nuu war fiir die Tagsgeburt ausdriicklich vor- geschrieben y.ata zy. zT,6\i.zv7. abzuzahlen; konsequent und im Anschlusse an das zu 196 Gesagte zahle ich nun ab rwaxa -a r^youiJisva. Die Summe ist verbraucht in .^, und pars horoscopaus findet sich iu ^ — iu 500 halte ich quaque ille suh asfris parte cadet: 'unter welchem Grade am Tierkreise' (suh asfris wie in astris 503/ — 508 unecht: die vier cardines sind samtlich vorher aufgezahlt: cardo primus = exortus in 505; MC, fastigia mundi in 506, ohitus, OCC, und funda- menta. IMC, in 507. — 509 denaque o korrumpiert durch Wegfall der Initiale. Der Zusammenhaug fordert sideraque. Wenn namlich cardo exortus (505) richtig bestimmt ist, so sind es auch die drei iibrigen. Wenu nicht, so bekommt nach 209 der Himmel ein triigendes Gesicht (mentitur faciem)., denn dann erlialt fortuna nicht deu rechten Platz, falsche Platze erhalten dann auch die athla (201), teilen folglich den
,100 Bucll 3. .V.O -537.
Gestiruen nielit die ihnen eignenden Krafte (uireii soytesquc) zu. — ])er Abschnitt 483—500 wiederholt die von 225—482 bekampfte Methode, welche jedem signuui zwei gleiche Stunden zuschroibt — r und zwar hier, nachdem die richtigc Auffassung ansfiilirliehst dar- gelegt ist. Scaliger und Dufay stellen deshalb den Abschnitt hinter 300, wohin er ebensowenig passt. Anzunelimen ist vielmehr, dass Manilius diese Methode, ohne sie zu bilJigen, weil er sie in seinen Quellen liier vorfand, nnd weil sie die bei den Astrologen iibliche Avar, der Yollstandigkeit halber ani Schlusse des ganzen Abschnittea vorgefiilirt hat. Wie wenig seine Belehrung bei den Astrologen gewirkt hat, zeigt das Beispiel des Pirmicus (namentlich IV 17). — ■ 510if. Die Verteilnng der Zeit auf die Gestirne, die als )jp&vo-/vpaxopc bezeichnet werden. Ein Zyklus von 12 Jahren, Monaten, Tagen, Stunden wird unter die Herrschaft der 12 Tierzeichen gestellt. Nur Unter diese: Manilius beschninkt sich eben anf die Zodiacal-Astrologie; ferner wirken die L^fooia nicht bloss iu dem Moment des ortus, der Geburt, soudern ihr Einfluss nach diesem Augenblick ist weiter zu beobachten. Uber den ganzen Abschnitt, sowie iiber die Yerbreitung dieser wunderliclien Theorie vgl. Boll sph. XII. — Drei Momente sind fiir die NativitJit zu beachten, Sonne, Mond, Horoscopus. Die Sonne verteilt die ersten zwolf Jahre nach der Geburt, gibt das erste dem signuni, in wclchem sie bei der Geburt stand, den folgenden die iibrigen; Luna verteilt die nachsten zwolf Monate — (517) — nicht bestimmt '^esagt wird, ob nur bei Nachtgeburt (so Firm. H 24. 1) oder ob innerhalb der ersten, der Jahresreihe, welches letztere wegen 528 wahrscheinlicher ist; der Horoscopus verteilt Tage und Stuuden, bei sich damit an- fangend (518). Indem nun diese vier Zeitreihen gleichzeitig oinwirken. wiiehst die Zahl der Einflilsse (xaxapyai, alxta) und der \YechseI im Leben der Menschen wird erklarlich (525 — 536). Zu einzelnem: — 521 signa per: Priiposition nachgestellt. — 528 'itsquam g zeitlich und ortlich — usque in 530 nach I und m — modal. — 533 distant mit Jacob nach dem Zusammeuhang. — 535 mcnses o ohne Sinri. Der Gegensatz casus minantur empfiehlt meinen Yorschlag: cfficiunt ccnsus: Gewinn und Yerlust; wie 526 suhtexta malis bona sunt. lacrimaeqife sequuntur iiota.
537 Manilius erwiihnt nun ein zweites und einfacheres System — das des Horoscopus. Einzelne Astrologen tadelu es, dass die Duo- dezimal-Zyklen von drei verscliiedenen Momeuten beginnen soUen, sie verlangen (placeaf hat m pateat to) einen einzigen Ausgangspunkt, dea
BucJl 3, 541-.>49. 101
Horoscopus (caeli nascentis ab ortu nach II 791, 828 — horae o von Beutl. in ortu geandert, denu niclit hora souderu parte des ostlichen Horizontes findet der Aufgang statt): von ihni soUen die vier Zykleu (die Keihenfolge in 541 ist nicht ganz regelmassig) beginuen. -^ Deun, so sagen sie (nascantur in 543 granmiatisch notig; socia scheint m bewahrt zu haben, da E und L nichts notieren); da die Zykleu rait verschiedeuer Geschwindigkeit verlaufeu, erhalt jedes Gestirn deH ilim gebiihrendeu Zeitabschnitt — werde also chronocrator. — Mau halte 547 solibus o und lese annus: denn beide Systeme haben die Duodecaeteris nach 510 — und interpuugiere.mit Boll uach die. Ob Mauilius hier, wie Boll (335) sagt, au die (Babylonische) Doppelstunde denkt, oder ohue weiteres Nachdeuken seine Quelle abschreibt, iJisst sich wohl nicht eutscheiden — vielleicht liegt Uugenauigkeir des Ausdruckes vor: „jedenfalls ini Laufe eines Tages"; wie his mense (lies: ..wenigstens zweimal, denn der hier gemeinte Mondmonat hat doch •J7 T. 7 h. 43". — 538 ist sicher interpoliert, 539 sehr verdachtig. Jener versitizlert eine Glosse Horoscopus uach II 791, dieser fiigt die Erklaruug aus II 828 hiuzu. Jener eriunert sprachlich an II 944 und 9(59, als seiue urspriingliche Form mag etwa: sidera, quem memorant Jioroscopon. inuenturi gelten. Sachliches Bedenken ist gegen beide zu erheben, weil an dieser Stelle eiue Erkliiruug des Wortes Horo- scopus ganz uupassend ist. Als eine Begriinduug des zweiten Systems lasst sich 539 nicht fasseu, deun diese folgt ausfiihrlich von 540 an — auch miisste dann describatur gesagt seiu. — Ubrigeus habeu v.olil die Yertreter beider Systeme augenommeu, dass die Monat-, Tag-, Stuuden-Zykien sich bis zum Ablaufe der Dodecaeteris, vielleicht auch diese selbst, stets erneuern*). — Mit 548 beginnt die Wieder- leguug der von 537 au vorgetragenen Ansicht. Die Stelle ist bose iiberliefert, der Fehler steckt in der Dittographie (549): sit mensis (i annus nebeu 550: mensis in astrum. — Der Parallelismus der Olieder in 550, 551, 552 liisst hier eineu dem asperioris entgegen- gesetzten Komparativ bei unius signi oder annus erwarten, und 549 muss Yordersatz sein, wie iu 550 uud 552 der Fall ist. Ich empfelile zu leseu: mmis ut signi pariter si mitior annus (erg. sit). ])as Gauze: „schwerlich kauu mau vou eiuem Punkte dies alles herleiten, sodass, wenu zu eiuem Zeichen entsprecheud eiu freund-
*) Uber die gauze Stelle vgl. Bouche-Leclercq. 488 tt"., namentlich iiber den Ausgang der Zykleu vora Horoscopus bei Paulus Alex unU Firmicus (der bcide Systeme kennt);
102 Butli 8, ■MO-bli.
licheres Jahr gehort, dieses Jahr einen Mouat uufreuudlichereu Zeichens mit sich bringe", kurz, dass eiu und dasselbe Zeicheit ungleiche Jahres-, Monat-, Tages-, Stunden-Zyklen einleite. Bei dem Ausgang von drei Momeiiten begiuneu die Zykleu von drei ver- schiedenen Zeichen; es erklarte sich daniit der 5"25tf. bezeichnete Wechsel der Geschicke, der bei dem zweiteu Systeni nicht begreif- lich ist. — .o60 Die Frage: wieviel Jahre gebeu die Gestirue dem Menschen, hat drei Faktoren zu beriicksichtigen : 1. das horosco- pierende signum (565: finemper sidera quaeris), '2. templa caeli (.■)88ft'.) 3. stellae 585 (die vorlaufig abgelehut werden). — 1. sigua 567 — 80. Ob Souue, Mond, Horoscopus mitwirken, sagt Mauilius nicht, gibt un& die Jahresbetrage, ohne den Modus der Berechuung mitzuteilen. Das schnellste Gestirn mit dem kurzesten Aufgange, der Widder, gevvahrt 10''/.j Jalire, die folgendeu sigua wachsen um je zwei Jahre bis zur virgo (207.^ Jahre), dauu steigt die Reihe vou der Wage bis zu deu Fischen ab. Vei"gieicht man die im stadiarium (zu 275)* gefnudeneu Zahlen — 40 — 80 Stadien, 20 — 40 Grade, so liegt die Yermutuug nahe, dass Manilius auf je zwei Grade eiu Jahr rechnet. Ahnliche Zahlen bei Firmicus II IX: er stellt freilich die Frage gauz verkehrt: qiioto anno imumquodque signum oriatur und antwortet: Y" oritur anuo 20, y 24, itp 40 uud zuriick. Er iibersetzt, wie Scaliger zeigt, Angaben wie bei Paulus Alexander: aswv avaTiXXs'. 'ix-q X;: orifur ho anno tricesimo sexto — sinnlos — aber auf ihn passt Bouchr-Leclercqs Bemerkuug pag. 404: uu sigue doune autaut daunees, cjue sou ava-.popa eomprend de degres. Er rechnet ebensoviel Jahre, wie Manilius (irade. Auffallend kleiu ist bei Mauilius die Anfangszahl 10-/.. Jahre (kaum eine dodecaeteris uach Moudjahren): siunreich, aber nicht zu kou- trollieren ist Scaligers Yersuch einer Nachrechuung (zur Stelle). Er sagt: Sonne und Mond gebeu (520ff.) Jahre, Moude, Tage: die liiugste Lebensdauer ist nach Epigenes (Pliu. N. H. 7. 42): 112 Jahre: eiu Sonnensaculum mit 4 Perioden, areae, zu je 28 Jahreu. Milssigere Dauer gebe Luna, 76 Jahre, iu 4 Periodeu zu je 19 Jahreu. Beispiel fiir beide areae findet er bei Martial X 24: am 57. Geburtstag — nach Yolleuduug zweier areae (2 X 28) wiinscht Martial sich noch eiue area massiger Dauer (2 X 9 Jahre) des Lebeus (iiber den Persischeu Ursprung dieser Theorien vgl. Bouche-Leclercq p. 207). Xuu berechuet Scaliger nach Manilius Yorschrift (420): ~ = IS^/.^ fiir fiir y ; "^~ ' -- 2 (incrementum) uud erhalt so alle Zahleu des Manilius. — 571 trihues Imc tribuis g (dabis ist Korrektur jiingster
Bucll 3, 580-614. 103
Hdschr.). Postgate siicht •lurcli Umstellung zu helfen: his tribues Nemea nonem; aber die Copula darf doch nicht fehlen. Ein Vokativ Nemea (N£|x£ac, Griiuder vou Nemea) ist vielleicht mit Scalig. zu wagen. — suh illis: "\m unmittelbareu Auschlusse au'. — 580 lustra: 'Umhiufszeiteu' wie III 3G1. — tyihuent \ev\wagi der Zusammenhang, solis hatg. — 581 Bestimmte Ijebeusjahre geben auch die himmlischen Hiiuser (templa, stationes, partes caeli II 788 ff.^ unter Mitwirkung der Planeten — wovou spiiter zu redeu sei (vgl. 111 155). Der Einfluss der Luua wird liier besonders behandelt: er ist Yoraussetzung fiir alles folgende (590). Ubrigeus sind die Zahleu diesmal nicht (certo dis- erimine) nach arithmetischer Reihe geordnet. — 591 Zahlen fiir die vier cardiues, iu natiirlicher Reihenfolge auders als in II 790ff. — 591 cardo exortus. Der Moud stehe giiustig im cardo ('dort also, wo der Himmel fiir die Brde auftaucht') uud — nascensque tenehit exortum
— "die Stunde einer Geburt' falle in dieseu cardo, so wird das Leben des Geborenen sich erstrecken (ducetur) auf 78 Jahre (80, wenu nicht 2 fehlteu: ni mit g uud m). — cardo summiis gibt (80 — 3) 77; oceasns Ib, qnadragenis Igc qnadragenus m, icli vermute quadragenos in acfns solis. actns solis — cursns solis wie 1 573. — oJympias una: 5 -Jalire felilen an 80. — 597 cardo imus speudet nur 60 Jahre, — 59i) qnodque prius natum fncrit dextrumque trigonum: erg. femplum. Manilius orientiert uns hinsichtlich der templa wie hinsichtlich der signa. dextra sind die friiher aufgehendeu (II 293: semper enim dextris censentur signa priora); trigona die durch je drei getrennten signa (ternis distantia signis II 278). Nach dem Diagramm ist zum exortns (I bei Firmicus) dextrnm frigonum Daemonie (Y bei Firmicus), laeuum trigonum O^so^ (IX bei Firmicus), sie erhalten tJ^ und 63 Jahre.
— (503 vom exortns uach links tertia forma (des Metrums halber lese ich uenit statt est: nenit vertritt oft die copula) ist XI bei Eirmicus. — 605 ter uicenos geminat (Dufay: „verdoppelt 60") = 'reiht dreimal je zwanzig aneinauder', also 60 — 3 ^- 57. — 606 voni exorfns nacli unteu dritto Station spatio diuisa siih aeqno (bei Fir- micus III), sio gewiihrt 50. — 608 sfatio II, niichste unter dem exortus gibt 42 Jahre (cursus erg. soUs - tempora sods nertenfis), daini ver- liisst sie deu Jtiugiiiig — der also die Greuze der iuuen.ta, das 46. Jahr (K. Tubero b. Gellius X, 28) nicht erreicht hat, wiihrend locus XII, der orste oberhalb des exortns ihm mit 23 Jahreu die kaum gekostete Jugond in seiner Bliite raubt. — 614. 615 Die VIII. Statiou liegt oberhalb des occasns. — In ()14 ist femptatnm est aus femplnm esf
104
Buch 3, 610-62.-).
verdorbt zur FuUuiig des Yerses. lu Igc felilt fci\ welclies ni bewahrt hat. tcr dcna minorum spatia haben o: erfordert wird doch eiue Zahl unter 23, aber iiber 12 (616). 13 Jahre erreichen die Yorsehlai;e tScaligers, Bentleys und Becherts, welche ter weg-lassen. Jacob g-elangt niit ter dcna gar zu 36. Housman bietet tcr trina remittif et de- ciimnm Cerg. spatiiAin). tribns aptpliccd auctnm (9-}-l-}-3); andere auders. Die Zahl 13 ist bedenklieh, denn das Kuabenalter konunt erst 616 iu Betracht. Daher euipfehle ich: fcmpluin cst, tcr sena reinittif — — ct swnmain trihus appliccd auctam (21 Jalire). — 616. 617 Letzte Station unterhalb des occasus 12 Jahro. Den Spureu der Hdschr. folgend schreibe ich frahent fatcdes corpora morhi (niit natalis und morti ist nichts anzufangen). — Eiu Systeni in dieseu Zahleu ist ebensowenig zu erkennen als in denen des Firniicus 11 23, der die Jahreszahlen durch die 7 Plaueten bestimnien lasst. — Mit diesen beiden Abschnitten (560 — 580 nnd 581 — 617) schliesst atlda ab. — Ubersichtlich zusauimeuffestellt:
1
signa
templa
T
102/3 a
K
oc
78 a XI
57 a
b
122/sa
r:
MC
77a
III
50 a
' 1
n
142/0 a
z
occ
75a II
42a
69
162/., a
i
IMC
61 a XII
23a;
i Q>
18%,a
m.
Y
68 a
VIII
21aj
1 W
202/,. a
—
IX
63a VI
:12a ;
Die templa in der Reihenfolge des Manilius, die Nummern nach Firmicus. 618 — 668 Wie zur Erliolung uach der astrologischeu Geueth- lialogie bietet nuu Manilius eine mit sichtlichem Interesse abge- fasste bilderreiche Erorterung iiber die vier Jalirespunkte (signa tropica, cardines), die vier Tierzeichen, welche den Anfang einer neuen Jahreszeit machen. — 622 Sie losen die Yerschlingungeu des Jahresringes (nodos); sie fiihren eine selbstjindige Keihe von Monaten an. — 623 cinittunt, eine vox ciixensis, gleichsam carcerihus emitfunf, wie mit demselben Bilde vs. 682 frcnosquc dierum. — 624 nouas operimi rerumque figuras. Dufay deukt an die atJda; es siud vielmehr die ueuen Arbeiten, die neue Crestalt der Natur iu der neuen Jahreszeit. — 625 6p: Anfaugs verliiugert er deu Tag, kiirzt die Nacht, danu wirkt er das Umgekehrte — aber der Betrag
Buch 3, 6L\;-iior,. ' 105
bleibt i)er omnis (erg-. dics) (lerselbe (G28). Maiiiiius betont in 626 bis ()2S ebenso wie uachlier in G3G — 639, class weder ini Krebse noch ini Steiubock der erste Tag (Teil, Grad, pars) des Tierzeicliens Anfang- der ueueu Jahreszeit (Wendetag) sei. Dariiber unten zu 669.
— G2i» destringere uud properat se. campus ist gut beghiubigt, denmach ist destringunt iu 630 eiue uubrauchbare Dittographie: ich empfehle ihifur desudant nacli V 110: in lusns agilis agilemque ■uigorcm dcsudant. — 631 Weder trepidum (temphrm m) nocli iactaimn passt in dieser Jahreszeit fiir das ]\leer, iactatum neben eiuem folgeuden tractantur kliugt iibel, ich schUige tepiduvi uud paca.tum vor. — 633 Germania sicca iam tcllure fugit, so schreibt er ini fri>ci>eu Eindrucke dieser Kauipfe. — 637 Schildernng des Winters (hruma iners). — 642 sudantia 'die mit Eis bedeckteu'. — 644 Es folgeii brauclibar: ich setze dafiir lunas {lunae fiir Xiichte kommt vor, selbst luna fiir nox ist sicher, wenn aucli nicht hiiufig). — 646 repctcntem sidera cancri: die Sonne strebt das hochste jMaU im ^ wieder zu gewiunen, die Mitte dieses Laufes bestimmt V- — 646 — (55 1 Hier bezeichnet Maniiius pars I des T als deu Jahrespunkt, victumipie a sidere hrumae exsuperare dioii iuhet: uach dem 30. Grad der K begiiuit das Wachstum der Tage. — A'ou 652 an eine Reihe au- mutiger Friihliugs- uud Herbstbilder. — 659 FQr lihra gilt ilhuliches, uur dass sie (tcintuvi quod. nicht hiiufig!) die Naclite Quictcis a.d se H-jctes, also bis tip 30" verkiirzt) wachsen liisst, uiindich ex ipsa, vou ihi- an bis ad hrumae erg. noctem longissimam — der Herbst bringt die Tiitigkeit des Bacchus uud der Ceres. Weiuernte uud Ackerbestellung: ( mit llebenhmb, waudert von der scliwer beladeuen Ulme (grauida; mit deniselbeu Bilde von der uitis: Y 238 et te Bacche tuos nuhentem ducct ad ulmos) zur Kelter, lasst deu milden Most (HI 153 aut re- petit Bacchum pter pinguia musta fluoitem) schiiumen' — • despiDnaf, transitiv, statt despu\iiant o setze ich, um das Bild festzuhalten. — 664 Ceres, die Aussa.at (III 152); duin o wie tum oder tunc iu 665 o.
— Icli entscheide niich fiir tum auch in 664: die Lebhaftigkeit dei Schihlerung (nouae operum rerumque figurae vs. 624) empfiehlt auch hier wie 629, 632, 641 etc. eiu tuni zu setzen. — 665 semina ducit, wie praemia ducere, 'uimmt sie an".
666 — 682 Die vier Jahrpunkte liaben Bedeutung auch iu der Wisseuschaft (der Astronomie vvie Astrologie) — rcrum casus: wie iiber
106 Blicll 3, 671-f.82.
(lie Zeit gebieten sie iiber das, was iu der Natur sich ereiguet. Aber die ,,Wende" uersura eignet nicht deni ganzen Sternbild {figvras 669), sie beschrankt sich auf eiuen einzigen Teil, einen Tag. — B71 suh ■utroque tempore: Zeit beider A(|uiuoktien. — 675 AUe (ibrigen Teile bringeu Zunalnne, Abnahme der Zeitdauer fiir Tag und Nacht. — ()78. 679 nouet nach Scal. — die KrJifte des Jahrpunktes werdon liypor- bolisch geschildert; ,,Tatsachen andern, Absichten zu iiicht gewoUteni Ausgang fiihren, alles iu ein Anderes verkehren uud dieses wieder in ein Neaes". — ()80 Die Jahrpunkte fallen nach einigeu auf deii achten, nach anderen auf den zehnten, nach manchen auf den ersteu Grad (Teil, Tag) des Gestirns. Eudoxus setzte die Jahrpunkte in geinen astrologischen Schriften auf die Mitte, in seinern Kalender auf die achten Teile, Aratus auf die Anfauge der Sterubihler (vgl. Boll, Sphaera p. 6.?). llier interessiert nur die Frage, wohin Mauilius sie stellt. ])en ersten Teil wJihlte er I 622: der colurus solstitialis (et -yeminis cancrum (tirlmit) liluft zwischen IJ uiul 6p, und (tangit tc, capricorne I 625), beriihrt den ^ ; feruer bezeiclinet der colurus aequi- noctialis die Grenze des Widders (lanigcrique notat fines I 615) und geht zwischen den Btireu und der Wage durcli (diuidit arctos I 610 ct iuga chclarum I 611). Aber einmal nimmt er den achten Teil (fuJgrt in octava capricorni parte III 257) des Z und demuach auch des ^. Eudlich scheint er die Mitte des Siguuui zu nieinen bei 6p uud Z (III 626: extenditque diem summuin. paritcrque recessu destruit nnd 639): doch braucht dies nicht gerade der 15. Teil zu sein, wie Huet vermutet. — lu Stellen wie II 266 ff. aestas a geminis, autumnvs uirgine surgit oder II 177: incipit autumnus media sub uirgine isfc von einem astronomischeu Jahrpunkt nicht die Kede, wold aber von einer durch die signa duplicia vermittelten Ubergangszeit. — Mauilius entscheidet sicli auch liier nicht fiir eine bestimmte Ansicht, soutlerii folgt seiuen jeweiligeu Vorlagen. Uusere Yerse 680 — 682 bieteu eine Zusammenstellung der placita iiber die Jahrpunkto (vgl. zu I 809 ff'.), die wohl auf Posidonius zuriickweist (Diels, D. pag. 230).
VIERTES BUCH.
Inhalt.
Vorwort (1 — ^121). Seelenfrieden gewiihrt die tJberzeugung von dem wunderbaren Walten des Schicksals (1 — 2"2), wie in der Geschichte (23 — 68), so im Leben des einzelnen (G9 — 97). Recht- fertigung der Lehre vom Schicksale vom ethischen Gesichtspunkte aus (98—121).
L Charakter, Haltung, Beruf, Geschick des Meuschen spiegelt sich wieder in dem Wesen der Gestirne, welche bei seiner Geburt leuchteten. AUgemeine Charakteristik der 12 Tierkreisbilder (122 bis 291). — H. Dreiteilung ihrer Gebiete in Dekanien (292 —408).
— ni. Aufzahlung der schadliclien Teile in jedem !^(pStov (409 — 501).
— IV. Einfluss der signa in eiuzelnen Teilen, namentlich bei ihrem Aufgange (502 — 584). — V. Abriss der allgemeiueu Erdkuude (585 bis 743). — VI. Verteilung der Lander unter die Herrschaft der zwolf signa (744—817). — VIL signa ecliptica (818—865).
Schluss. Der Mensch als Mikrokosuuis und Abbild der Gott- heit (866-935).
Erklarung.
1 — 121 Vorwort. — Einleitend bietet der Dichter eiu Stiick der stoischen Ethik, sich uud dem Leser eine Erfrisclmug nach uud zwischeu den sprodeu astrologischeu Lehren. a) 1 — 11 Zum Seeleufrieden konnneu wir uicht uuter der Herrschaft der Leidenschafteu : aegritiido, nietiis, cupido rerum. — 2 torquemurque: auscheinend hatte g torque^itiqiie vor der Korrektur. Aber torquemur wird gestiitzt durch Aetua 258: torquemur miseri in imruis terimnrque lcthore, iu einer Stelle, die auf Manilius hinweist. — 5 uicturos ayimus: wir gebaren uns, als sollten wir ewig leben und lebeu eigeutlich gar uicht'. — 9 matcriam struimus fuinae: ,,Scheiterhaufeu unseres Gliickes". — 10 lucris: „Wucher- gewinn": Bemerke die dreimalige Alliteratiou. — b) 12 — 22 Deu Seeleufrieden findet der stoische Weise iu der Uberzeugung, dass alles
lOcS Buoh 4, 10-26.
uiitor ilciii Gesetzo des Scliicksals stelie. — 13 Parallel zii soluite miimos curasqiie leuate steht uitmn deplete qnerellis. defiere (hdschr.) halt Jacob, konstriiiert leuate defiere = leuate fletum, aber dabei bleibfc idtam luierklart. De^jlete seit Scah, ein seltenes Wort: vgl. Statius Achill. I 8: Tu modo si ueteres digno dejjleitinnis haustu da fontes mihi Phoebe oiouos etc. — „entleeren". — ■ 15 casus sc. iiitae nostrae: Hindoutung auf die von den Zeiten abhangigen Lose (atJda), bestinunte Erlobnisse'. — 16 'Mit der Geburtsstunde ist Leben und Tod bestininit'.
— 17—19 Es entsprechen sich fluunt, orta, datae, creati (Igc). — 11) damna et compendia rerum „Yerlust uud Gowinn am Yerniogen'^.
— 20 damno durcli Dittographie aus 19 entstanden. Den richtigen Abschluss bietet Beutley: nemo carere dato poterit nec hah&re negatum: \his Gobotene ablelmen, das Yersagte erreichen', beides 21. 22 chiasti.sch wiederliolt. Daraus der Schluss: sors est sua cuique ferenda. c) Un- erklarlich — wenn niau das Walteu des Schicksals nicht aunimmt, — wiirdon die wichtigsten Ereiguisse bleiben (iiber die Forni der Beweis- luhrung vgl. zu Y 40). — lu 23 ff. werden solche aus der romischen Geschichte erwahut. — 23 Alteste Uberlieferung- ist ad nisi (d und u verwechselt); die argumentiereude Frage begiunt mit a?i, fugissent bewahrt m; zu Aeneam s. Bem. zu I 766, zur Sache vgl. Propert. IV 1. 43: et nerita est umeros urere fiamma pios: Ovid. East. lY 810, innocuuni uicto cui dedit ignis iter. — Wunderbares Walteu dos Schick- sals., sagt er, zeigt sich in Homs Ursprung, suche man ihn in Trojas Brand oder bei der roniischen ^Voifiu: wunderbar aucli der Aufschwuug von ileu Hutten der Hirten (27) zum Tempel des Jupiter Capitolinus, dem Symbol romischer Weltherrschaft (dum Ca^ntoliuni scandet cum tarita virgine pontifex); uur ist vs. 28: in Cajntolinos auxissent flumivM viontes (die autiquarischo Scheidung in capitolinos., tarpeios, Saturnios werden wir bei Manilius docli nicht suchen) richtig zu stellen „in Capitolino sanxissent ftdmina monte^''. Nacli Dionys. Hal. III 69 griiudet Tarquinius den Tempel des Capitolinus Tonans, M. Horatius weiht ihn im dritten Jahre der Republik ein; daran schliesst sich 29. Eben war der Tempel geweiht, als der schwerste Schicksalsschlag, der Krieg des Porsena, hereinbrach, Jnpiter wurde iu seiuem Tempel, seiner Barg belagert, die Romer werdeu besiegt {capti 30, vgl. Tacit. Hist. III 72: sede louis optimi maximi, quem no7i Porsena devida urbe neque Galli ccqjta temerare i^otuissent) ; das Wunder ist nun, dass sie, die Besiegten, sich doch zur Weltherrschaft aufraffen. Hyperbolisch stelit pecudum magistri fiir dio Romer der Konigszeit — captus et a
Buch 4, 30-50. 109
captis: (liese Antithese kehrt hiiufifi,' wieder (z. B. Verg. Aeii. Vli 21)5: nitni mpti potiiere capi?). Sinnreich deutete Benth auf Faunus und Picus hin, die von Numa gefangen werden und nun die Zauberspriiehe niit- teilen nuissen, welche Jupiter Elicius von seineni Sitze herabziehen, sodass dieser ('„or6/s") ein Gefangener werde (nach Ovid. Fast. III 291 ff.); aber zu Nunias Zeit handelte es sich um den Aventinus, nicht nm den Capitolinus; und dass Manilius in dieser kindlichen Sage eine Schicksalswendung erkannt haben wiirde, ist ihm gar niclit zn- zutrauen. Diese VVendung fiihren viehiiehr im Kriege mit Porsena die Taten des Mucius, Horatius und der Cloelia herbei (oO — 33). — ifpie sepulto uidnerihus fasse ich wie Jacob: Mucius uulnerihus (destillantem in Jiostili foculo dextram nominat) Seneca ep. 24 ignem sepeliuit (die Hyperbel in destillantem mag Seneca verantworten). — 34 — 3(1 Horatia proles (I 778) steht hier nicht in der richtigen Reihenfolge: ohne sie aber luitte die kiinftige Weltgebieterin darniedergelegen. Es folgen ilie weiteren wunderbaren Schicksalsfiigungen. — 37 — 42 Hannibals Kjiinpfe: aucli hier ist die lieihenfolge der Ereignisse nicht gewahrt. — 39 Varronemque fuga magnum. quod uiuere posset (nacli Bentley); f^ossei aus dem Sinne des Senates (et gratiae actae, quod de repuhlica non de- sperasset — Liviusj. — 41 speratum verb. mit nostris catenis. — 42 exi- liumquo rei furtiua morte luisse: Hannibal kommt der Auslieferung an die Komer durch Gift zuvor. Man erwartet ein supplicium oder exitium. Richtig wohl Huet: fugam illam qua nohis ereptiis latuit apud Prusiam, luit Jioc mortis genere, quod ei ntpote noxio conneniret.
— 43 Hochsten Wechsel des Geschicks zeigen die Burgerkriege (Marius, Pompeius, Caesar) — italas romamque\. Der Korrektor bietet italas ""^'^'' romamque. das richtige bietet g uires italas romamque. — 46 quod exide I, m de exide Bentl. — Die einzelnen Ziige in 43 — 48 fasst 49 zusammen (Jioc nisi fata darcnt wo vielleicht mit m zu lesen ist: umquam fortuna tidisset? als Frage wie 56) — allo wiedorlioh in breiter Ausfiihrung Lucan H 69—100; den Cimber erwahnt auch Senec. controv. VII 2. 6 Cimher etiam in capto uidit imperantem: die^ Ruine findet sich wieder Poet. Lat. M. IV 66 (Baehrens): Marium uidit suppar CartJiago iacentem tertia par illi nulla ruina fuit. — 48 CartJiaginis arces I, eine Dittographie aus 40; orhem hat nur nit bewahrt: dass urhem zu lesen ist, zeigt Lucans Nachahmung (II 99):: Marius qui moenia uictor corripuit. — 50 Pompeius, Crassus, Caesar
— ihren Ausgaug stellt der Akademiker (Cic. de diuin. H 9. 22) als Werk des Zufalls, nicht des Schicksals Jiin, zumal dies
1 1 0 Buch 4, 5:5-67.
eiii anderer Ausgang von tlen Astrologen geweissagt vvar: quam midta ego Pompeio^ quam multa Crasso, quam multa huic ipsi Caesari a Chaldaeis dicta memini, neminem eorum nisi in senectute, nisi domi, nisi cum claritate esse moriturum (Cic. de diuin. II 47. 98). Der Stoiker behauptet dagegen, dass alle Wendungen des Zufalls dazu dienen, dem Beschlusse des Sehicksals zum Siege zu verhelfen. — Pompeius wird hier und I 793 mit besonderer Anerkennung behandelt. 53 componere Magnum: die Erklarungen von Bentl. alium efficere magnum, von Jacob uox a gladiatoribus sumpta — aber dann docli componere cimi aliquo oder alicui — befriedigen nicht (Ellis: comparare Alexandro). Yielleicht ist componere — conficere (be- schwichtigen). — 54 crederet sc. ita periturum ut naufragus ignis — mit Schiffstriimmern genahrt, (vgl. Cic. d. diuin. II 9. 22 ff.). — 56 mutare priignant gebraucht. — 57 Beispiel des diuus Caesar (I 801). Nach Sueton mischt Caesar die Anzeige unter andere Schriftstiicke, welche er in der linken Hand hielt, um sie spater zu lesen: hier deoctru. — 62 Zum Beweis fiir vs. 22 sors est sua cuique fei-enda geniigen die gut gewiihlten Beispiele aus der romischen Geschichte, in denen der unerwartete Umschwung des Loses besonders liervor- tritt. — 63 — 68 d) Fiinf Beispiele etwas anderer Art: Croesus, Priamus, Xerxos, Servius TuIIius, L. Metellus: Personlichkeiteu, von deneu Plinius N. H. YII 142 sagt: inter rara felicitatis exempla numerantur, die aber nach gliicklichem Leben Ungliick erfuhren (solche Zu- sammenstellungen benutzte auch Manilius). — Das ungliickliche Ende ist bei Croesus der Scheiterhaufeu, der dem Priamus versagt wird, die Niederlage bei Salamis fiir Xerxes; bei Servius und Metellus iiberlasst Manilius dem Leser die Erganzung. — 67 raptos ignes — ferehat: L. Caecilius Metellus als pontifex 241 v. Chr. rettet bei dem Braude des Yesta-Tempels die Heiligtiimer. Taten und Triumpiie rede sein Sohn Qu. Metellus (Jiaec contigisse ei nec idli alii post Bomam conditam Plin. N. H. YII 139). Die Rettung der Heiligtiimer, wobei er das Augenlicht eiubiisste, wurde nun Gegenstand der Khetorik und der rhetorisierenden Dichter (Senec. controu. lY II). Die Er- blindung wird nicht bezeugt von Ovid, Livius, Dionysius. Manilius nimmt sie an, sonst passte Metellus Beispiel hier iiberhaupt nicht, der nach glticklichstem Leben: orham lumi^iibus exegit senectutem amissis incendio cum palladium raperet ex aede Vestae memorabili causa, sed Mientu misero, lU dici — felix non possit (Plin. ebenda 141). raperet hat
Buch 4, 69-101. 111
Plin. aus Manilius, der seinerseits ignihus ignes Ovid verdankt (Fast. VI 444). Was tragt nun Metellus? pignora ad sacra nennt Ovid, sacra Livius, palladium Plinius u. Seneca, templa Manilius. Aiiderungen und Erklarungen (Stoeber — templa seien tigna; Bentl. qnae — ferehat = vastahat) sind nicht gegliickt. Uber deni luhalte der aedes schwebte ein Oeheimnis (vgl. Ovid Fast. \l 268 ff.); der Bau wird von Ovid genau beschrieben (Rundtempel mit Kuppel, innen alles gerundet, eiu Bild der Yesta als Erde: vielleicht deutet vs. 277 an, dass das heilige Feuer in schwebender, kugelformiger Ampel liber dem rundon Herd- altar aufbewahrt wurde. Dionys. Hal. H GG nieldet: dva.i xivol xocg TToXXolc; aoYjAa cepa, ccuXaxt6[A£va ut:6 twv T:api)'£vo)v y.al o'j t6 T:Dp {jLOVOv. Man wird darnach tempia durch Heiligtiimer iibersetzen diirfen. — Zur Sache vgl. Leuze, Metellus caecatus Philol. N. F. XVHI Heft 1 — e) 69 — 76 Leben und Tod, Krankheit, Genesung sind voller Wider- spriiche. - 70. 71 Der Tod weicht vor sich zuriick: der Scheintote erw^acht zum Leben, regt sich auf dem Scheiterhaufen (erranf per ignes), kommt aus dem Grabe, lebt zweimal; illis sc. ualidis war kaum einmal zu leben vergonnt. — f) Wunderbar ist die Entwicklung der Charaktere. — - 77 — 88 degenerant — tiincunf parentes — m- genium suum retinent (bewahren dio angeborene Art). — 78 fransit per illum: nichtachtend geht das Gliick bei jenem voriiber, bei diesem hat es Einkehr gehalten (ex illo uenit). — 80 ff". Der ehie wird ein zweiter Meuelaus, der andere ein Rechtsgelehrter; Blutsverwandte morden sich unter einander: 01071 nostrum lioc hellum est: nicht in unserer Natur liegt das: coguntur tanta moueri: „durch Zwang des Schicksals geraten sie in solchen Kampf." — 86 Denn Tugendhelden wie Decius, Camillus, Cato (inuicta = lihera morte) kommen nicht alle Tage vor. — 88 materies in rem superest. sed lege repugyiat scil. rei — zwar der Stoff' zu ihrer Schopfung (in gignendos) ist reichlich vorhanden: aber dieser Stoff versagt ihre Schopfung, weil das Gesetz des Schicksals ihra so gebietet. — g) H9 — 97 Armut, Peichtum, Tugend, Klugheit — nirgends eine Sicherheit. — 89 excipit: 'bedingt kiirzeres Leben'. — 91 ex tecto Bentl. fiir excepfos o. — 92 siimmis: wie in summis infimis. — 94 ff. Beliebto Hiiufung von Gegensiitzen: infelix uirtus, noxia felix. — 96 fortuna — Personifikation mensch- licher Wechselfiille — priift weder die Beweggriinde, noch geht sie dem Verdienste nach. — h) 98 — 107 Hoher als fortuna steht das Schicksal, das uns Gesetze, Lebensjahre, Lebensziele setzt. — 101 ^jer- miscet ff. Wunder kommen auf Rechnung des Schicksals, dies schafft
112 ^^l'
em fiir uiis L'nbegreifliclios. I}eis])ic'l 101 — 104. 104 quisue in
poftenti noocam peccarit adulter? kanii Ijnzuolit zii so ungclieuorlicheni Verbrechen sinken'? — 105 astra und ca^duni = fatuni — sclinffen neue Arten, schalten noue (jrebilrle ein. — 10(5. 107 Aiis dem Wesen (les Schicksals {ordo seriesque causaruni, qunm causae causa nexa rem ex se gifpiat — Posidonius bei Cicero (lo diuin. T 125ff.) wii-d kuiz die Moglichkeit der Prophozoiung (dininatio) gefolgert (vgl. Soneca N. Q. II 32, ebenfalls nacli Posidonius). — i) 108 — 11!) l.angor ver- weilt Manilius hei Widorlegung der gegen die Lehre vom Fatum er- hobonen Einwiirfe: ,,W"er den freien Willon des Menschen ausschaltet, das Fatum dafiir einsetzt, rechtfertigt (pergit defendere 'bestelit darauf) den Frevel, versagt der Tugend die Anerkennung ihres Wirkens."
— 110 — llo Aber aucli in do!' Natur entscheidet feste Ordnung, niclit Wille oder Willkilr filr unsere Reurteihmg. — 114 — 117 Woil Tugend und Laster vom Fatum angeordnet ist, haben wir jeno desto hohor zu schatzon, dies desto mehr zu hassen. — 118 ea:pendere fatnm: 'diese Auifassung des Fatum ist ebenfalls durch das Fatum angeordnet'.
— 110 — 1'21 quod quoniam doc.ui: Beiitl. verwirft diese Verse „neues habe er docli nicht gelehrt, vom Fatum sprecho er doch iiberall, schon im ersten Buche." Das Thema: "dio Unterordnung nnter das Fatum gibt den. Seelenfrieden' ist froilicli mangelhaft Aber nach dem langen Fxknrs erscheint eino langero Uberleitnng zur Sache doch berechtigt. Sodann hebt Pingre mit Recht liervor, dass diese Yerse einen besonderen Hinweis auf den Zweck des Ganzen entlialteu: auf die Stufen, welche zur Erkenntnis der (Jestirne und ihres Einflusses auf die Menschen fiihren.
Erster Hauptteil. — 122 — 291 Charakter, Haltung, Neignng, Beraf der Menschon werdeii durch das Wesen der Sternbilder bostimmt, die bei ihrer (Jeburt leuchteten. Aus dem Namen, der (Tostalt, der in der Sage gegebenen allgemeinen Yorstellung des Tierzeichens stellt Manilius mit reicher Phantasie Charakterbilder her, deren Ziige sofort auf den Menschen sich iibertragen lassen. Auch hier erkeunen wir eine Anlehnuug an Asclepiades den Myrleaner (vgl. zu H 150). Im ersten Abschnitte des im Catal. codd. astrol. Y 187 mitgeteilten Exzerptes gibt pr die zu jeder Kategorie der uwoca gehorenden Berufsarton an, meistin kurzen Stichworten, wie sie Manilius IV 380 — 85 auch konnt. Sichere Ankliinge finden sich mehrere: leicht zu erkennen ist, dass Asclepiarles seine Stichworte durch ahnliche Betrachtungen findet, auch frei sie, wie Manilius, ersinnt; dogmatisch fostgelegt wie manches audere
Bucll 4, 124-141. 113
astrologische Eiistzeug, wie z. B. die partes damnandae IV 443, wareii sie wohl nicht. Manilius, der uns hier und in lib. V zahlreiche Bilder des romischen Staats- und Privatlebens gibt, bewegt sich daher hi voUer Freiheit. Ob und wieweit Posidonius auf Asclepiades eingewirkt hat, ist noch vollig unbekannt: der Zeit nach ist es moglich, au die Diuination glauben beide.
1. aries 124 — 139 diiies lanis fecundis in uellera: 'Wolle, die ein stattliches Vliess alljahrlich bildet'. — 125 exiiius scil. lanis: 'ge- schoren halt er die Hoffnuug fest, weil die Wolle uachwachst (nouis lanis/. — 126. 127 Der Gegensatz wird noch zweimal betont: nau- fragium und census (Besitz), crescendo und uotis. — 128 Anwendung der Wolle. in iugidum (Igc) dabit fructus; wer das festhalt, iiber- setzt mit Piugre: ses tendres agneaux seront conduits a la boucherie, nimmt fructiis statt fetus fiir „Lamraer"-, iugulum (Kehle — iugulum porrigere) fiir necem. Die Auffassung des Widders als Fleischschaf scheint mir nicht antik, als Zuchtschaf weder antik noch raodern. Es ist mit m in uulgumque zu lesen, und fructus mit uellera zusanimen zu nehmen: 'der Gesamtheit liefert er sein Produkt, uaralich das Vliess, das Material fiir unzahlige Gewerbe': in Ballen verschntiren, wieder auspacken, spinnen, weben, mit dem Gewebe handeln oder es ver- arbeiten pp. {rursum vor s in 125 wie rursus vor s iu 130 hdschr. gesichert: uidgum 128 nicht eben selten). — 135, 136 Ein Zug aus der Mythologie: Palkis beansprucht diese Arbeit fiir sich, ist stolz auf sie — seque in Arachneo magnam putat esse triumpJto, im Wett- kampfe mit der Spinnerin Arachne (so liest Jacob, deu Hdschr. am nachsten). — 138, 139 Die Schlussverse enthalteu hier wie in deu folgenden Bildern eineu leisen Tadel: unentschlossene, zaghafte Cha- raktere schafft das Gestirn, die sich doch selbstgefalhg gern geltend macheu mochten (est exceptio ad superiorem laudem — Bentl.).
2. taurus 140 — 151 Mit einfachen Landleuten (abl.) wird er die Pelder ausstatten. Er ist dux ipse lahoris, der Vorarbeiter. — 141 pacatique scil. tauri. Seine Arbeit, des friedliebenden, wird sich geltend macheu (pacatus steht auch von Personen); dies wird erklart nec praemia laudis sc. hellicae, sed parius (Friichte) terrae bietet er. Taurus bleibt iiberall Subjekt, Persouifikation seiner Gaben und Kiinste. Als lahoriosus drangt er sich zur Arbeit — summittit — colla: der Vers war liickenhaft iiberliefert, summit ra (u^ sum v^), dies in g durch sumit ut in antris, durch summittit in antris in 1 und c-, durch aratris in FpM ausgefiillt. Die Haltung im Sternbilde spricht nur fiir Bentleys
Manilius. II. 8
114 Buch 4, 144-157.
in astris. — 144 ille hier und im ganzen fiinften Buclie hinweisend
auf das gar nicht entfernte, fuhrende Gestirn („er") — siiis cornihus
orbem Fhoebi ijortat == „wenn der Horoscopus in seiuem Gebiete
lieo-t". Namlich dann entsendet er die Trager seiner Kiinste (ahnliche
Hinweise auch bei deii ubrigen Sternbildern vs. 137. 161. 177. 191
u. a. m.). — 147 Ohne Rast arbeitet er: nec iacet in sulcis — soluit-
que in puluere ijectus: entsprechend dem soluite, mortales, animos
curasque leuate in vs. 12 ist hier pectus in puluere gesetzt, weil das
Bild des Stieres festzuhalten ist. Aber er wirkt noch mehr: — 148.
149 tulit — unter seinem Stern werden geboren — „er schafft "Manner
wie C. Atilius Regulus Serranus (consul 257 und 250 v. Chr.: serentem
inuenertmt dati Jionores Serranum, unde ei et cognomen Plin. N. H.
XVIH 3); M. Curius Deutatus (I 787; consul 290, 275, 274 a. Chr.,
Plut. M. Cato 2; L. Quinctius Cincinnatus (dictator 458 a. Chr. aranti
