NOL
Astronomicon

Chapter 15

C. Fahricii, quid tenuitus uictus M. Curii sequehatur? vgl. Horat. C. 1

12, 40 ff. — 787 jff. tertia palma 3IarceUus, Cossusque prior sc. palma, Konstruktion wie Verg. Aen. V. 339 tertia palma Diores = dritter Siegespreis dem Range nach. Hier zeitlich. M. Claudius Marcellus holte die dritten spolia opima (consul occiso GaUorum Insuhrium duce Viridomaro opima spolia retulit (Liv. perioch. XX, Verg. Aen. VI 855—859) 532 a. u.; A. Cornelius Cossus Consul 428 a. Chr. erlegte den Vejeuterkonig Lar Tolumnius (Liv. 4. 19), gewaun so die zweiteu spolia opima — die ersten Romulus selbst (Propert. IV 10 ^spolia in templo tria condita). — 790 necati sc. Hasdruhalis bieten o*, bedenklich, weil 788 necato sicher ist. Die Wiederholung desselbeu Wortes im Raume weniger Verse ist haufig, siehe jetzt Kraemer de locis quibusdam pag. 59. — 792 Scipiadaeque duces fatum Carthaginis unuui (iiber das anomal gebildete Patronymicon Scipiadae vgl. Lach- mann zu Lucr. III 1034: Scipiadas heUi fulmen, Carthaginis horror). — Als Gegeusatz zu unum schrieb Bentley duo, andere duo et. Es sind aber vier Scipiouen gemeint, nach Cic. parad. I 2. 12: quid duo propugnacula heUi Punici, Cn. et P. Scipiones qui Karthaginiensium aduentum corporibus suis intercludendum putauerunt? quid Africanus maior.^ quid mino)? also bleibe dtices. — 794 ante deum princeps — ahnliche Schatzung erfahrt Pompeius IV 50 — 53 ante deum: die Er- folge des vergotterten Caesar geben diesem den ersten Platz {ante diem Bentl. namlich ante legitimam aetatem — aber doch nicht per tris triumphos). — 794 censu oris; 'Glanzeude Beredsamkeit'. In 795 ist der Hiatus caelum et o richtig von Kleingiinther getilgt (caelum^ et tu. Clandi magna propago — noch dem Lucrezischen Memmi clara propago. — 798 Agrippa schliesst die Reihe der fortes animae
32 Buch 1, 790-808.
und macht den Ubergaug zu einer hoheren Klasse. Agrippa, der erste in Rom nach Augustus, dessen getreuestor Diener, seit a. 21 Schwiegersohn, ist Mitglied der kaiserlichen Familie. — Ahnherriu derselben ist Yenus victrix, mit Schild und Waffeu dargestellt (Prop. IV 1 uexit et ipsa sui Caesaris arma Venus, ar^na resurgentis portans uictricia Troiae) : hierauf deutet Manilius mit matris sub armis miles Agrippa siiae. — Diese hohere Khisse, jjroles lulia Veneris, gehort nicht auf die Milchstrasse, wo die Seelen noch gelautert werdeiu sondern in die hochste Region des Himmels, den Sitz der Gotter (iiber die Concession, welche hier und 802 dor Stoiker dem Yolks- glauben macht, vgl. zu 434). Dahin gehoren als proles Julia Vcncris ab origine nur Quirinus, Caesar, Augustus. — 799 repleuit: Quirinus und Caesar sind bereits uuter den Gottern — vou Augustus heisst es regit uud cernit. Die Praesentia wiederholen die sclion in der Widmung (8 und 9) kundgegebene Auffassung des vergotterten Augustus, und socio per signa Tonante ist Nachbilduug von Horaz III 5, l (^per signa = caelo). — in 801 fehlt aber nacli Housman die Er- wahnung Caesars, uud er hilft sich durch Zudichtung eines Yerses: Quirini (g) numen et illius, quem diuis addidit ipse. Der Uberlieferung naher bleiben andere Yorschlage: statt coetu wurde caelo gelesen, dann wiire Diuum = Caesarem. Dabei missfallt die ueue Wiederholung caefo fiach 799; auch magnum bei Qnirinum ist miissig. Mitleichter Auderung setze ich: in coetu diuom Magnum atqiie Quirinum. Caesar wird so bezeichuet lY 53: alium componere Magnum. — 803 ff. verbinde haec proxima sedes iUis sc. est, qui diuom uestigia tangimt.
Mit 804 endet der erste Teil der Aufgabe noscere signa 15: es sollte nuu folgen : noscere aduersos stcllarum cursus. Aber das lemma in m hinter 804, iu g am Rande von 804 De cometis deutet an, dass noch ein Nachtrag folgt. Die mit Recht von Scal. hierher gestellten Yerse 805 — 808 erlautern dies. — 805 Ac g (die Initiale A fehlt in lcni) leitet diese Erlauteruug eiu, nuuc (Bentl.) wiirde seinen Piatz bei wirklicher Aufzahlung haben (I 255). Bevor Manil. zu den Planeten sich weudeu (steUarum reddere uires) oder den Eiufluss der signa auf das Menschenleben besingen kann, muss er eiue Klasse von Gestirneu beschreiben, welche die Mitte zwischen signa und steUae halt. Damit das Himmelsbild vollstaudig werde (807), ist zu vermerkeu, was da sonst noch erglauzt. — 808 Quicquid als inde- fiuitum selten (IV 869). Neben quandoque uigeat ist nitet uicht zu halten; ich schreibe quicquid uhi niteat vigeat quandoque notandum est.
Buch 1, 809-813. 33
809 Diese Gestirne sind 1. aduerso mundo pugnantia, 2. terram caelumquc inter pendentia, 3. alia — das ist scharf zu betonen: alia praeter signa et stellas, weder Planeten uoch Fixsterne, sondern Kometen und Meteore. Plin. Nat. H. II. 24, 91 : mouentur autem aliae errantium modo, aliae hmnohiles haerent; ihr Ort ist zwischen Erde und Himmel, weil sie aus dem Dunste der Erde und dem himmlischen Feuer entstehen und kurzes Dasein haben, wie 814 aus- fiihrlich gelehrt wird. — 811. 812 Gleichgiiltig gegen alia und die Angabe iiber die Stellung zwischen Erde und Himrael, verblendet durch aduerso pugnantia sidera mundo bietet der Interpolator iu zwei formell und sachlich unbrauchbaren versus memoriales die Nameu der Planeten: hier noch unpassender als V 6. 7, und zwar in einer Ordnung, die fiir Manilius nicht nachweisbar ist. Manilius nennt in allen echten Stellen Sonne und Mond ungetrennt, gibt der Sonue den sechsten Platz (Y 2. 3) hinter Venus, vor Luna. Er folgt darin der Ordnung Platos (Timaeus 38 D.), des Chrysippus, kurz des Posidonius. Denn Fragm. 31 (Diels D. Gr. 465) stammt, wie Diels nachweist, aus Posidonius |i,£X£wpoAoYtxr^ Gzoiy^zitiiaic,: viel- leicht ist auch in der auf Rhodus gefundenen Keskiutischen Inschrift (C. C. Insc. I, 913), die in die Bliitezeit des Posidonius gehort, dessen Anordnung wiedergegeben (axtX^wv = Mercurius hat dort den vierteu Platz, vgl. Hultsch in Wissowa R. E. II 1851 ff.). Diese Anordnung hat auch Cic. d. N. D. II, 20, 52 (in H, 46, 119 ist wohl eine Liicke anzunehmen: duae (stellae Mercurii etUeneris) soli oboediant). Jeden- falls mochte Manilius uicht zum Erweise dienen, dass Posidonius zu den bei Diels D. Gr. p. 345 erwahnteu (i,a^yj[xaxcxoi gehore, welche der Sonne deu raittlereu Platz einrauraen. — 813 Der ganze folgende Abschnitt geht auf Posidonius zuriick. Auf ihn weist die Zusammen- stellung der placita iiber die Koraeten (wie oben iiber die Milchstrasse vgl. Diels D. Gr. 230ff.)-, ihni folgen Seneca und Plinius und koraraen- tieren so unsere Stelle. — 813 — 830 Entstehung und Wesen der Koraeten — iu 813 fiir euntis setzt Bentl. ignes: besseres ist noch nicht gefundeu; — vielleicht ist rait ihra auch etenini fiir etiam zu lesen: rapti o aber zu halten. Die Koraeten, so meinte man, ent- stehen plotzlich und plotzlich entschwinden sie — (rapti o), im Texte steht bei Scalig. hinter 813: aera per Uquidum, tractosque perire cometas ])rotenus ct raptim suhitas candescere flammas rara; im Commentar stellt er die hdschr. Ordnung her — aber Bentl. folgt dem Texte Scaligers. Dufay hat die richtige Stellung. — Der Gedanke
Manilius. II. 3
34 Buch 1, 817-837.
wird wietlor aufgenommen in 814 raris natalihus — durch suhitas candescere /lammas ('aufglanzen') — tractos nach Dufay /ongo cursu pr.otracti euanescunt; nach Piugre: se dissipcr. Wegen x>er ingentis motus ('unter gewaltigen elementaren Vorgangen') schreibe ich: fractos.
817 siue: eiu zweites sitie findet sich erst nach langerer Di- gression 865 — Wesen und kurze Dauer der Kometen — Kometen im allgemeinern Siune, Meteore (vgl. die Uberschrift des Abschnittes bei Diels, D. Gr. pag. 306: Tcepl v.o^xyjtwv "/al Scarxdvxwv xoiouxwv). Manilius folgt hier der Aristotelischen Lehre (Diels D. Gr. pag. 366, 3) xric, ^Yjpas £x y^S ava^^uiJLtaasws StaTcupov auaxaaiv — torridus aer arescit solis radiis. — 820 — und wird von der Ilimmelsfiamme ergriffen. — 821 — eine gleiche Erkliiruug gibt Aristoteles von der Milchstrasse (Diels D. Gr. pag. 365), der er ihren Platz unter att^Yjp und TiXavYjxaL auweist. So erklart sich, dass der ihm folgende Manilius die Lehre von den Kometen an den Abschnitt liber die Milchstrasse anschliesst; — in 819 ist dispulsa aus m aufgenommeu. — 823 ff. Kurze Dauer der Meteore entspricht ihrer luftigen Natur: principia aurarum wortlich nach Aristoteles: ap^Yjv TtveujJiaxwoYj — und wird kiihn aus- gedriickt: coeptique incendia fine suhsistunt: 'ihre Dauer beschrankt sich auf den Anfang'; Jacob: cum incip^iunf finiunt ciirsum (Stelleu iiber fine bei Housman); coeptique lese ich statt coeptaque der Hdschr. — 829 caehimque rediret inuersum statt des miissigen inmensum (wie 178): caeliim : fast gleich sol — somno =- in somno. — 831 Die verschiedenen Arten der Meteore: iiber sie handeln — nach Posi- donius — Seneca Nat. Q. VII. XX: hoc loco sunt illa a Fosidonio scripta miracula: columnae clypeique fiagrantes aliaeque insigni nouitate fiammae, — weitlaufiger — uach Hipparch und Posidonius — Plinius N. H. II 89 ff., dieser mit wortlichen Anklangen an Manilius. — 834 suhitis existunt nata tenehris: 'die so entstandeuen treten in die Erscheinung', wann? 'subitement dans robscurite' sagt Pingre, sachlich richtig, nicht grammatisch; eine derartige „traiectio epithetorum" iat uicht anzuerkennen ; repentinis noctibus' sagt Dufay, aber plotzHche Nachte gibt es nicht; als 'defectus solis' fasst F. Malchia die plotz- lichen Verfinsterungen — auch diese treteu allmahlich ein, und von solchen selteneu Erscheinungen ist hier nicht die Rede; der Fehler liegt in suhitis. Mit Bezugnahme auf 819 nuhila cum longo cessant dispulsa sereno empfehle ich sudis zu lesen: 'sie treten in wolken- losen Nachten in die Erscheinung'.
837 Erste Form: xo{jtYjxat, gekennzeichnet durch comae de uertice
Buch 1, 838-85S. 35
(verbinde tenuis ignis). — 838 — 839 Dieselbe Form, aber (i] Ss xdiJtyj xaTW^ev Aristot. — ex interiore parte — Plin.) mit Bart (Tzisiywviaq) : daran reihe ich 845 hirta figurantis (erg. harhae') tremulo sub lumine menta.^ was Plin. kommentiert: fiunt et hirti uillorum specie et nuhe aliqua circumdati-^ menta (iur menses o, vgl. V 103); hirta eignen dem Pogonias, sie tragen den glomus (Bentl. statt glohus) des Bartes. — S40 Dritte Form: trahes, columnae durch die 'Fiihrung' der Linien gebildet: oo-^iq, xiwv (Posidonius b. Seneca N. Q. YII 20). — 842 Yierte Form dolia (pitheiis in concauo fumidae lucis Plin., pithias Senec. N. Q. I 14. 1), Tonnen: anschaulich ^rocere (o) distenta uteros (Igm) 843 und ignis glomeratus in orhes. An dolia reihen sich angeblich capilli oder capellae an. Wie soll man aber aufgebauchte Tonnen und kleine Ziegen gruppieren? Ziegen nennt Plinius gar nicht; alya? hat Aristot. meteor. I 4. 6. Dazu sagt Senec. N. Q. 1. c. wiran, quid ita Aristoteles glohum ignis appellauerit capram-, und er durfte diese Kritik bei Posidonius gefunden haben. — capillos (lcm) halt Scal. fest, aber diese Form ist 835—838 hinlanglich erortert, und capilli mit dolia zusammenzubringen vermag ich ebenfalls nicht. Zu dolia aber passt, was Plinius unmittelbar vorher gibt: radiis., quos et
disceus, nomini similis, ■ raros e margine emittit. disceus: dem
discus ahnliche Scheibe, ein der Yollmondscheibe ahnliches Meteor. Dem entspricht die Anderung: paruosque catillos (Scheibe, der obere Muhlstein, vgl. Scalig. zu III 361) mentitur curiios — in orhes (die Dittographie toleriert Bentl. freilich). Fallt darnach capillos und capellas, so ist denn fiir 845 hier kein Platz mehr. — 846 Fiinfte Form: lampadas: lampadias ardentis imitatur faces Plin. — Bei fimdit schwebt als Subjekt ductus aus 840 vor. — 847 Sechste Form: praecipites stellae (Plin. N. H. II 96) — passimque: que an dritter Stelle =-- mindestens ungewohnlich, vielleicht ist uolitare zu korri- gieren. — 850 Angedeutet wird die zweite Art der SLaxTOVTsg, holis (ardens longiorem trahit limitem Plin.) Pfeil; nachahmend Sen. N. Q. I 1 : tunc ignes tenuissimi iter exile designant, dadurch arida semita in 851 sichernd. — 852 Der Stoiker schliesst daran die Be- merkung, dass das Feuer alles durchdringe: seine Beispiele entlehnt er den Schriften des Posidonius. — fahricantis fulmina nubes. — 853 oi Stwi>coI aaTpauYjV s^acjjtv iv. TuapaTptcj^ews vscpwv (Diels Dox. p. 369), vgl. Plin. N. H. II 153, Senec. N. Q. II 54fP. — ferner 854: Aetnamque minantur Olympo — 'mit dem Aetna bedrohen sie den Olymp'. Die gleichen Yorgange im Aetna wie iu den Wolken schildert
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•36 Bucll 1, 855-867.
der Verfasser des Aetna 325 nach Posidonius [iETewpoyloYtxa (vgl. Sudhaus Aetna pag. 156). — 855 calidas in foniibus undas — 'Feuer sogar im Wasser', hieriiber handelt Seneca Q. N. II 25 ff. und besonders 26: maiorum nostrorum memoria ut Posidonius tradit, cum insula in Aegaeo mari surgeret, spumahat interdiu mare et fumus ex alto ferehatur. Nunc demum prodehat ignem etc. — 855 — 856 silice in dura (o) uiridique in corfice sedem — so Cicero d. N. D. II 25 7tam et lapidum conflictu atqiie tritu elici ignem uidemus — atque etiam ex pufeis iugihus aqiiam calidam trahi. Zu uiridique in cortice vgl. Senec. N. Q. II 22 siciit cum duo ligna inter se diutius trita sunt. Non omnis lioc tihi materia praestahit, sed idonea eliciendis ignihus sicut laurus, hederae et alia in hunc usum nota jJttstorihus. — 857 silua sihi collisa crematur: Waldbrand durch Selbstentziindung. Lucrez V. 1097 (cimi) aestuat in ramos ineumbens arhoris arhor, exprimitur ualidis extritus uirihus ignis. — Vgl. Vitr. II 1 . 1 , eben- falls nach Posidonius. — 858 Der Zusammenfassung: ignihus natura adeo est abundans: adeo scil. ut dixi, folgt ein letztes Beispiel: fulgura u. fulmina. Uber beides ausfiihrlich Seneca N. Q. II 12ff". (fulguratio ostendit ignem: fulminafio emittit. Illa (ut ita dicam) comminutio est et conatio: ista iaculatio cimi ictu — Wetterleuchten und Blitze werden hier uuterschieden. Hiernach gehort imhrihus e (Hdschr. et) mediis zu fulmine raptum. Uber die Frage: nuhes cum sint humidae immo udae quomodo ergo possunt gignere ignem? handelten die Stoiker ausfuhrlich (Sen. N. Q. II 25). — 859—864: Die Beobachtung der fulgiira und falmina (cum uideas 863) mahnt dich = ne mirere. 865 Mit siue igitiir wird die 817 begonnene Lehre vom Wesen des Kometen aufgenommeu und das erste Placitum mit kleinen Variauten wiederholt Qratio terrae = natura terrae, semina = ali- menta, potuit Scal. statt posuit hdschr.). Zwei neue placita treten hinzu: 867 Die Kometen sind Sterne schwacheu Glanzes, also ewig (gegen 825 in hreue uiuit opus). So Diogenes Apolloniates (Diels