NOL
Astronomicon

Chapter 11

VI. Die MaCe des Himmels, seine Kreise 539 — 560.

1. Die Parallelkreise 561—602.
2. Die beiden Koluren 603—630.
3. Der Meridian und der Horizont 631 — ^665.
4. Der Tierkreis und die MilchstraBe 606—804. Vn. Die Kometen und Meteore:
1. Art und Bewegung der Meteore 805 — 816.
2. Arten derselben 817—864.
3. Theorien iiber ihr Wesen:
a) Sie sind Sterue wie die andern Gestirne 865 — 873.
b) Sie sind prodigia, ostata, Weissagungen bevorstehenden Unheiles, 874—926.
Manilius. II.
Biich 1, l-'25.
Erklarung.
1 Meia Lied ist gottlicher Wissenschaft gewidmet (diuinas — uach Ursprung und Inhalt), wie die Gestirne im Einklauge mit der ewigen Ordnung des All (der stoischen 3t[iap[JiEVYj) das Geschick des Menschen beeinflussen, denn das wollte hinimlische Yernunft (3); ich mehre das Reich der Museu, bringe ihnen Weihegaben, die aus fremdem Lande stammen (Jiospita 6: wesentlich griechischer Quelle entnommen). — priorum: kein Romer hat vor Manil. eine astrologische Dichtuug versucht).
7 Widmung an Augustus — princeps, pater patriae (seit 752 n. c.) Friedeusfiirst, Gott auf Erden. Diese von Horaz vertretene Auffassung ist zu Mauilius Zeit durchgedrungen — gesuchte Schmeichelei lasst sich in echten Stellen ihm nicht nachweisen. — Mau vergleiche die altero Widmung des Horaz (epist. II 1), die ungefahr gleichzeitige des Vitruvius und die hochstens fiinf Jahre jiingere des Germanicus an Tiberius. Aus dieser Widmung erkennen wir die staatliche Anschauung des Dichters und schliessen, dass er wie Horaz und Yitruvius nach Talent und Stelluug, vielleicht auch zufolge eines Auftrages, es wagen durfte, dem Kaiser sein Gedicht zu widmen. — 10 excis nach Lachmann Lucr. YI 385 statt facis. — Manilius ist in metrischen Dingeu schr streng. — 11 propius fauet mundus, weil seiu Herrscher auf der Erde weilt. — 12 cupit, der Himmel zwingt uns, ihn zu betrachten (lY 915), will seine Schatze (sensus o, hier unbrauchbar) ofFenbareu. — 13 hoc: solches zu unter- nehmen. — uacat tantmn sub pace weist auf 8 zuriick; nachgeahmt von Germanicus: si non parta guies te praeside — — nunc uacat audacis in caelum tollere uultus (Phaen. 7). Die Lesart uocat erg. mundus kann ich nicht vorziehen (suh pace uocat: solche Bedingung gilt uicht fiir den Himmel). — 15 Die sphaera der dTiXavT) und der TcXavwp-sva zu kennen geniigt dem Astrouomen; der Astrolog erforscht das Geheimuis der Natur (praecordia wiederholt bei Manilius), qua (quae o) namlich inwieweit die Gestirue auf Geburt uud Charakter des Menschen wirken. — 20 Doppelte Aufgabe der Dichtkunst und der Wissenschaft. — 24 soluta — figuris: die Sprache der Wissen- schaft (Prosa) vermag kaum iu die Gebilde der Natur einzudringen. — 25 Entwicklung der Astronomie — die erste wissenschaftliche Er- kenntnis des Himmels ermoglichte dem Erdeusohne ein Geschenk der Himmlischen. — qtiem erg. mundum — terris lokal. — interius cognoscere wie 17. — munere wie H 115: quis caelum possit nisi caeli munere nosse? ausgefiihrt in 30 und 40.
Buch 1, 29-52. 3
Hinter 29 setzt Scal.*) mit Recht den hinter 31 ohne gram- jnatischen Zusamraenhang stehenden Vers: sublimis aperire uias mmmque suh orhefn — {suhlimisque wird erfordert); nicht zu billigen jst, dass er auch 33 von seiner Stelle riickt. Der Astronora kennt nur zwei Wege: iiber und unter dem Horizonte, einen dritten gibt es nicht; in 33 kann ich ihn nicht entdecken. — 30 Durch den Cylleuier sind bekannt: der Hirarael, im einzelnen die Fixsterne (sidera), die Planeten (astra — hier und ofter = stellae, zb. 11 835), welche ihren besonderen Bahnen durch den Aether folgen, endlich Name, Lauf, Einfluss der Gestirne. — Die Erwahnung des Cyllenier ist wohl eine Concession, wie der Stoiker Manilius sie ofter dem Volksglaubeu macht. Ubrigens ist der aegyptische Mercur gemeiut (Cic. d. N. D. III 22. 56: qui dicitur in Aegyptmn profugisse atque Aegyptiis leges et litteras tradidisse. hunc Aegyptii Thotli appellant: vgl. Strabo XVII c. 816. Eratosth. catast. 43; und rait deren An- gaben stimrat das, was er hier lehrt). — 31 — 39 nach Bentl.**) inter- poliert. Die Verse 38 und 39 stehen in keiner Handschrift und in keiner Ausgabe vor der 1494 erschienenen der Bonincontrius (vgl. Craraer, d. altesten Ausg., pag. 16), sie sollten wohl Vers 37 para- phrasieren, der aber der Anschauuug des Stoikers ebenfalls wider- spricht, auch sprachlich nicht zu halten ist. — 35 und 36 halte ich als Ausfiihrung zu nomina und uires (34). — 40 natura = mundus wie 50 im stoischen Sinne. — 41 Aegyptier und Chaldaer gelten hier ohne Sonderung als Erfinder der Astrologie (so auch Cicero), wahrend bei Diodor (I 29) die Chaldaer Schiiler der Aegyptier heissen. — 43 die Metapher gentes — quas secat Euphrates wie IV 602 eaedunf hispanas aequora gentes: die Hyperbel — qua mundus (Sonne) redit passt erst auf die Aethioper (IV 743); oriente suh ipso geht nur anf die Chaldaer — Nilus inundat; passeuder ware ahundat (III 634: Nilusque tuynescit in arud). — Konige und Priester begriinden (per artem) die wissenschaftliche Astrologie; von ihnen lernen Griechen: Democritus (Hipp. 13. 1. Diels Doxogr. 535), vor allen Eudoxus (Diog. Laert. VIII 386). — 52 Dass sie die Planeten besonders beachten, bemerkt Manil. richtig; die Aufzeichnuugen der Chaldaer gibt ebenso Diodor II 30, der in einzelnen Wendungen (xwv 3'aaTpa)v uoXu)(pov(oug TCapaxTjprjaets 7T:£7rotY]|X£voc) mit Manilius (longa per assiduas complexi saecula curas) so zusammentrifFt, dass
*) Scaligers Ausgabe von 1655.
*'') M. Manilii astronomicon ex rec. Richardi Bentleii. Londini 1739.
1*
4 Bucll 1, 58-96.
Beuutzung der gleicheu Quelle walirsclieinlich Avird. — Dauer dieser Aufzeichnungen : vs. 58 redeuntihus cistris in projjrias sedes: jegliche Constellation wahrend eines sog. grossen Jahres (vgl. dariiber Cic. d. N. D. II XX 51). — b^J percepta nach Uj u^ (praecepta w): die Be- obachtung geht der Lehre voraus. — 64, 65 aeterna fordert der Sinn — mundum nach gm: der Himmel bewegt sich nach ewigem Gesetze, er scheidet wechselndes Geschick durcli untriigliche Gestirne.
66 Vor dieseu Entdeckungeu entbehrte der Mensch der Einsicht in die Vorgange der Natur (Vorbilder fand Manil. bei Lucrez, Ovid, Vergil). — 67 operum ratione Verstandnis der Tatsachen. — 69 Zu suis poterant discernere causis verlangt man eine Negation; daher zahlreiche Anderungen (BentL: impar discernere: Housmau*): dis- cernere nescia. Postgate: variosne — — — causis? 'konnten sie scheiden'?) ich empfehle nec einzusetzen und amisso — renato siderc. zu lesen. Die erste Beobachtung beschrankt sich auf die Sonne. — nec similis umhras = et dissimilis umhras ('relativement au plus grand eloignement, ou a la plus grande proximite du soleil' Pingre**) nach den Jahreszeiten. — 76 ignotus nur in u (das uubekanute Meer, caecus ponfus, trennte von auderen Erdteilen); bezeichnender als inmotus. — 79 ff. mit Anklangeu an Vergil. Georg. I 48 fF. (labot omnia uicit, bei Mauilius: labor ingenium dedit). — itiner nicht selten (Lucret. VI 338); die nicht zahlreichen Archaismeu (clepsissef 25) bei Mauilius sind gut bezeugt und uicht zu andern. (Housman schreibt linfer: „Manilius werde doch seinen SchifFer nicht auf einer via strata reisen lassen, wie Xerxes: fecit — iter aequoris undis III, 21") — Der Haudel briugt Kultur. In 87 ist es der Schifeer, der an fernen Kiisteu landet, in 88 die Karawane, welche den Verkehr mit noch uubekannten Landern aukniipft; beides in IV 170: totque per ignotas commercia iimgere terras. — 90 alias erg. artes. alia o — , eine positio debilis ist bei Manilius nicht zu dulden.
— 91 ne g nec w — lu der Form der praeteritio ist ne zu halteu. — Uberleitung zu der von dem Stoiker gebilligten diuiuatio, wahrend die staatlich anerkannte Vogelschau und Opferschau ebenso wie die Zauberkiinste der Vi^^ahrsager verworfen werden, die doch in Kom den Bodeu fiir die Astrologie bestens vorbereitet hatten (vgl. IV 911flF.). — 96 finemque manumque o; wunderliche Anordnung, uicht geschiitzt durch Bentl.'s Citate: suprema manus, ultima manus,
*) M. Mauilii astrouomicon liber primus rec. A. E. Housmau Loud. 1903. **) M. Manilii astrouomicou libri quiuque ed. Al. C. Pingre. Paris 1786.
Bucll 1, 98-147. 5
dean hier fehlt solches Beiwort. Es ist modumqiie zu setzen. — 98 causis erklart Housman per causas. Nach den Spuren in m setze ich: profimdam naturam rerum et causas — in 104 erapfehle ich tonanti statt tonantis o, parallel zu sonitum uentis, nubibus ignem in 105. — 113 Der Schhiss der Einleitung deutet au, dass Manilius sein Werk in gereiftem Alter begann, und dass er seinen Umfang nicht zu gering bemaB. — 116 tantas eynergere moles: emergere mit Objekt nach Analogie von exire (Y 164 = mmc exire leuis missas).
— 118 Die Beschreibung des Weltalls, die Physik im stoischen Sinne geht der Astrologie voraus: letztere soll im Einklange mit den Oesetzen der Natur gezeigt werden. Das ganze erste Buch gibt daher eine populjire Himmelskunde — wohl im engen Anschlusse an die [Ji£T£0)poXoYiX7] axot)(£iwai; des Posidonius. — 118 e^ quoniam: ac ware passender, fiudet sich aber vor c, g, q bei Manilius nicht (11 283 ist es Jacobs Konjektur).
122 Verzeichnis der oo^a:, placita iiber die Schopfung; Yer- zeichnisse dieser Art (vgl. zu I 718 und 832) fiihrt Diels D. Gr. 229 ff. auf Posidonius zuriick. — 1. die Welt ist ewig: Aristot. de caelo n 1, 1: £lg xod dioioc, ap-/yjv %(x.l xeXeuxyjv oi>y. £)(wv. Panaetius: xov xda{j,ov iXEysv a^avaxov xa: aYTgpco (Diels D. Gr. 593. 6). Panaetius lehnte die iixTtupwat? im Unterschiede vou anderen Stoikern ab (Diels